Test LiveWire One (2026)
102 PS Elektromotorrad mit Showa-Fahrwerk und Brembo-Bremsen – nun für 14.790 Euro statt einstiger 32.900 Euro
Stand: 10.4.2026 | Modell: LiveWire One (Harley-Davidson-Submarke LiveWire) | Preis Deutschland: 14.790 Euro | Garantie: 2 Jahre Fahrzeug / 5 Jahre Hochvoltbatterie | Standgeräusch: 78 dB(A) – Tirol-konform
Preisgeschichte: Von 32.900 auf 14.790 Euro – die radikalste Preissenkung im europäischen Elektromotorrad-Segment
Als Harley-Davidson die LiveWire 2019 für den europäischen Markt einführte, kostete sie 32.900 Euro. Das war ein Premiumpreis, der ein Premiumprodukt signalisieren sollte. 2021 gliederte Harley-Davidson die Elektro-Sparte als eigenständige Marke LiveWire aus, benannte das Motorrad in LiveWire One um und senkte den Preis auf 24.990 Euro. Seit Frühjahr 2026 liegt der offizielle Listenpreis in Deutschland bei 14.790 Euro. Das sind 18.110 Euro weniger als beim Marktstart – ein Rückgang von 55 Prozent in sieben Jahren. An der Technik hat sich nichts verändert.
Dafür muss man den Hintergrund verstehen: 2024 wurden weltweit 612 LiveWire One verkauft, 2025 waren es 653 – in Deutschland 66 Neuzulassungen. Wer 100 Elektro-PS im Showa-Fahrwerk samt Brembo-Bremsen zum Preis eines Mittelklasse-Verbrenners will, sollte nicht zu lange zögern. 14.790 Euro ist Kawasaki-Z900-Terrain. BMW-F 900 R-Terrain. Das Preissegment, in dem viele Maschinen gekauft werden.
Antrieb: Revelation™-Motor, 114 Nm ab 0/min, Riemenantrieb – und der „Herzschlag der Maschine“ im Stand
Der Revelation™-Antriebsstrang ist ein Permanentmagnet-Synchronmotor mit wassergekühltem Akku-System. Er leistet 102 PS (75 kW) und stellt sein volles Drehmoment von 114 Newtonmetern vom ersten Meter an bereit. Es gibt keine Gangwechsel, keinen Leistungseinbruch beim Hochdrehen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in rund 3 Sekunden. Die Kraftübertragung erfolgt über einen wartungsarmen Riemen – keine Ölwechsel an der Kette, keine Schmierung, keine Kettenspannung. Der 15,4-kWh-Akku ist als wassergekühltes Lithium-Ionen-Pack aufgebaut und mittragendes Strukturelement des Rahmens.
Ein absichtlich eingeführtes Merkmal ist das leichte Pulsieren des Triebwerks im Stand, das LiveWire selbst als „Herzschlag der Maschine“ bezeichnet. Es ist keine Fehlfunktion, sondern eine Designentscheidung: Das Motorrad soll spürbar lebendig wirken, wenn es stillsteht – als Gegenentwurf zum vollständigen Schweigen reiner Elektromotoren. Das ist Gewöhnung, kein Show. 7 Fahrmodi stehen zur Verfügung: Rain, Road, Sport und Range sind vorkonfiguriert, drei weitere lassen sich individuell einstellen.
Laden & Reichweite: 40 Minuten auf 80 %, 235 km Stadt – und warum das AC-System eine Einschränkung bleibt
An einer DC-Schnellladestation nach CCS2-Standard – in Europa der verbreitete Standard für schnelles Gleichstromladen – lädt der 15,4-kWh-Akku in rund 40 Minuten von 0 auf 80 Prozent, in ca. 60 Minuten auf 100 Prozent. An der normalen 220-Volt-Haushaltssteckdose dauert ein vollständiger Ladevorgang ca. 11 bis 12,5 Stunden. Eine Einschränkung: Die LiveWire One unterstützt kein dreiphasiges Wechselstromladen (Level 2). Wer an einer öffentlichen AC-Ladesäule mit 11 kW lädt, tut das einphasig mit reduzierter Leistung.
Die offiziell nach SAE J2982 angegebene Stadtreichweite beträgt 235 Kilometer. Realistischer für gemischten Betrieb ist die kombinierte Angabe von 153 km bei einem Durchschnitt bis 88 km/h. Bei konstantem Autobahntempo von 88 km/h gibt LiveWire 174 km an. Im Sport-Modus, der die volle Motorleistung abruft, sinkt die Reichweite deutlich. 1000ps beschreibt diesen Modus-Widerspruch: Im Eco-Modus mit aggressiver Rekuperation kommt man erstaunlich weit – hat aber nichts vom gewaltigen Schub, den der Sport-Modus bietet. Beides gleichzeitig geht nicht.
Fahrwerk & Bremsen: Showa SFF-BP + BFRC, Brembo-Monoblock – das Paket eines Supermoto-Naked-Bikes
Das Fahrwerk der LiveWire One ist für ein Motorrad dieser Gewichtsklasse (249 kg fahrfertig) ausgesprochen gut aufgestellt. Vorne arbeitet eine Showa SFF-BP USD-Gabel (Separate Function Fork – Big Piston), voll einstellbar in Druck- und Zugstufe sowie Federvorspannung. Hinten sitzt ein Showa-BFRC-Federbein (Balance Free Rear Cushion), ebenfalls voll einstellbar. Diese Federelementkombination findet sich bei Supersportlern und Performance-Naked-Bikes der gehobenen Mittelklasse – nicht bei typischen Elektromodellen.
Die Bremsen vorne sind Brembo-Monoblock-Vierkolben-Bremssättel, radial montiert, an Doppelscheiben. Serienmäßig sind ein Kurven-ABS (C-ABS) und eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle (C-TCS) verbaut. Der niedrige Schwerpunkt durch den zentral platzierten Akku kompensiert das Gewicht erheblich. In Fahrt gibt sich das Motorrad viel agiler als die Masse erwarten lässt. Enges Winkelwerk lässt sich sportlich nehmen, Fahrwerk und Bremsen machen ohne Probleme mit.
Ausstattung: Touchscreen, LTE, adaptiver Tempomat – Technikumfang oberhalb der meisten Verbrenner-Konkurrenz
Das 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen-Display zeigt Ladezustand, Restreichweite, aktiven Fahrmodus sowie Navigationsdaten aus dem per Bluetooth oder LTE verbundenen Smartphone. LTE-Konnektivität ist serienmäßig eingebaut – das Motorrad ist permanent online. Telefonieren, Musik und Navigation steuert der Fahrer über das Display oder per Spracherkennung via gekoppeltem iOS- oder Android-Gerät. USB-C-Anschluss serienmäßig. Der adaptive Tempomat – mit Abstandsregelung, nicht nur für konstante Geschwindigkeit – ist ein für Motorräder seltenes Feature und unterstreicht den technologischen Anspruch des Modells.
Die Bereifung ist Michelin Scorcher Sport in 120/70 ZR17 vorne und 180/55 ZR17 hinten – ein sportlicher Straßenreifen, der Grip auf trockener wie nasser Fahrbahn kombiniert. Die Sitzposition ist sportlich aufrecht mit leicht nach vorn geneigten Armen. Wie ein dynamisches Naked Bike, das passt optisch und ist fahrdynamisch stimmig.
Marktposition: 14.790 Euro – erstmals konkurrenzfähig gegen Honda WN7 und Zero SR/F
Bei 14.790 Euro konkurriert die LiveWire One erstmals in einem Preissegment, das ernsthaft Kaufentscheidungen auslöst. Die Honda WN7 kostet 15.400 Euro und bietet 68 PS bei vergleichbarer Reichweite; die Zero SR/F bewegt sich um 15.000 Euro mit vergleichbarem Motorrad-Format. Die LiveWire One bietet gegenüber beiden deutlich mehr Motorleistung (102 vs. 68 PS), ein höherwertiges Fahrwerk (Showa SFF-BP + BFRC vs. nicht-einstellbare Gabeln) und bessere Bremsen (Brembo-Monoblock-Doppelscheibe vs. Einscheiben-Systeme).
Ob der Preisrückgang die Marke LiveWire als Ganzes rettet oder lediglich den Abverkauf der One einleitet, ist eine offene Frage. 653 weltweit verkaufte Einheiten in 2025 bei einem Markenauftritt, der auf Volumen ausgelegt war, ist keine tragfähige Basis. Für den Einzelkäufer ist das heute irrelevant: Das Motorrad ist auf dem deutschen Markt verfügbar, der Preis ist aktuell bestätigt, die Garantiestruktur ist klar. Zwei Jahre Fahrzeuggarantie, fünf Jahre Hochvoltbatterie.
Fazit
Die LiveWire One ist technisch das ausgefeilteste Elektromotorrad, das derzeit in Deutschland für unter 20.000 Euro zu haben ist. Showa-Premium-Fahrwerk, Brembo-Monoblock-Bremsen, DC-Schnellladen, adaptiver Tempomat, 102 PS, 114 Nm – das war vor einem Jahr noch ein 25.000-Euro-Paket. Wer bereit ist, sich auf 235 km Stadtreichweite und einphasiges AC-Laden einzulassen, findet hier ein Motorrad ohne direkten Leistungs- und Qualitätsvergleich in dieser Preisklasse.
Kurzcheck
+ 14.790 Euro: 55 % unter Einführungspreis (32.900 Euro 2019); erstmals in einem Preissegment mit echter Kaufkonkurrenz zu Verbrenner-Mittelklasse
+ 102 PS / 75 kW, 114 Nm ab 0/min: höchste Leistung und sofortiges Drehmoment im Vergleich zu Honda WN7 (68 PS) und Zero SR/F
+ Showa SFF-BP-Gabel + Showa-BFRC-Federbein: beide voll einstellbar – Fahrwerksqualität eines Supersport-Naked-Bikes
+ Brembo-Monoblock-Vierkolben radial, Doppelscheibe vorne: stärkste Bremsanlage in dieser Elektromotorrad-Preisklasse
+ Kurven-ABS (C-ABS) und schräglagenabhängige Traktionskontrolle (C-TCS) serienmäßig
+ DC-Schnellladen (CCS2): 0–80% in ca. 40 Minuten; 0–100% in ca. 60 Minuten
+ Stadtreichweite 235 km (SAE J2982); gemischter Betrieb bis 88 km/h: 153 km
+ Riemenantrieb: wartungsarm, keine Schmierung, keine Kettenspannung
+ 7 Fahrmodi: 4 vorkonfiguriert (Rain, Road, Sport, Range) + 3 individuell einstellbar
+ Adaptiver Tempomat mit Abstandskontrolle serienmäßig
+ 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen mit LTE, Bluetooth, USB-C, Sprachsteuerung via Smartphone
+ Michelin Scorcher Sport serienmäßig; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17
+ 78 dB(A) Standgeräusch – Tirol-konform
+ 5 Jahre Hochvoltbatterie-Garantie ohne Kilometerbegrenzung
– Kein dreiphasiges AC-Laden (Level 2): an öffentlichen 11-kW-Ladesäulen nur einphasig mit reduzierter Leistung; DC-Schnellladen als Primärweg
– 249 kg fahrfertig: niedriger Schwerpunkt kompensiert einiges, Rangiermanöver bleiben anspruchsvoll
– Reichweite im Sport-Modus deutlich unter Nennwert: volle Leistung und maximale Reichweite schließen sich aus
– Marken-Unsicherheit: LiveWire ist Harley-Davidson-Submarke mit bislang sehr geringen Verkaufszahlen (653 Einheiten weltweit 2025); Langzeitstärke des Markennetzwerks unklar
– "Herzschlag"-Pulsierung im Stand: von LiveWire als Feature kommuniziert; für manche Fahrer gewöhnungsbedürftig
– Kein Windschild serienmäßig; kein Koffersystem ab Werk
– Massiver Wertverlust seit Einführung (−55%): Gebrauchtmarkt schwierig kalkulierbar
– Serviceinfrastruktur in Deutschland begrenzt: Harley-Davidson-Händler zuständig, aber nicht alle mit LiveWire-Expertise ausgestattet
Technische Daten: LiveWire One (2026)
Marke: LiveWire (Harley-Davidson-Submarke); seit 2021 eigenständige Marke
Motor: Revelation™ Permanentmagnet-Synchronmotor (Innenläufer); wassergekühltes Antriebssystem; Riemenantrieb (wartungsarm)
Leistung: 102 PS (75 kW)
Drehmoment: 114 Nm, sofort ab 0/min
Beschleunigung: 0–100 km/h: ca. 3 Sekunden
Akku: Lithium-Ionen, 15,4 kWh, wassergekühlt; mittragendes Strukturelement im Rahmen
Laden DC: CCS2-Standard; 0–80% ca. 40 Minuten; 0–100% ca. 60 Minuten
Laden AC: 230 V Haushaltssteckdose: ca. 11–12,5 Stunden; kein Level-2-Wechselstromladen (einphasig)
Reichweite: Stadt: 235 km (SAE J2982); gemischt bis 88 km/h: 153 km; konstant 88 km/h: 174 km
Rahmen: Leichtmetall-Aluminiumguss; tiefer Schwerpunkt durch zentral positionierten Akku
Gabel: Showa SFF-BP USD (Separate Function Fork – Big Piston); voll einstellbar
Federbein: Showa BFRC (Balance Free Rear Cushion); voll einstellbar
Bremse vorn: Brembo Monoblock Vierkolben, radial montiert; Doppelscheibe; Kurven-ABS (C-ABS)
Bremse hinten: Einzelscheibe; ABS
Elektronik: C-TCS (schräglagenabhängige TC); 7 Fahrmodi (Rain/Road/Sport/Range + 3 individuell); adaptiver Tempomat mit Abstandskontrolle
Display: 4,3 Zoll TFT-Touchscreen; LTE integriert; Bluetooth; USB-C; Sprachsteuerung via iOS/Android
Räder: 17 Zoll vorne und hinten
Reifen: Michelin Scorcher Sport; 120/70 ZR17 vorne; 180/55 ZR17 hinten
Herzschlag: Leichtes Pulsieren des Triebwerks im Stand – bewusstes LiveWire-Designmerkmal
Gewicht: 249 kg
Standgeräusch: 78 dB(A) – Tirol-konform
Garantie: 2 Jahre Fahrzeug; 5 Jahre Hochvoltbatterie (jeweils ohne Kilometerbegrenzung)
Preisentwicklung (D): 2019: 32.900 Euro → 2021: 24.990 Euro → 2026: 14.790 Euro (−55%)
Aktueller Preis (D): 14.790 Euro
Wettbewerb: Honda WN7: 15.400 Euro / 68 PS. Zero SR/F: ca. 15.000 Euro. LiveWire One: mehr PS, höherwertiges Fahrwerk, bessere Bremsen