Test Mash X-Ride 650 Classic (2026)

644 cm³ Luft-/Öl-Single mit Dominator-DNA, 40 PS, 180 kg, 840 mm – für 5.399 Euro

644 cm³ Einzylinder OHC luft-/ölgekühlt, 4 Ventile, konstruktiv identisch mit Honda-NX-650-Dominator-Motor (1988). Delphi-Einspritzung Euro 5. 40 PS bei 6.000/min, 45 Nm bei 4.500/min. 5-Gang. Kette. Stahlrohr-Brückenrahmen. Drahtspeichenräder goldfarben. Telegabel 130 mm (nicht einstellbar); Zentralfederbein 130 mm (Vorspannung einstellbar). Vierkolben-Festsattel 320 mm; ABS abschaltbar. 120/70-17 / 150/60-17 Kenda. LC-Display analog/digital. USB. LED-Blinker, Halogen-Scheinwerfer. 180 kg fahrfertig. 840 mm Sitzhöhe. 91 dB(A). 5.399 Euro.

Stand: 10.4.2026 | Modell: Mash X-Ride 650 Classic (Euro 5) | Marke: Mash (FR) / Shineray (CN) | Preis: 5.399 Euro (Mash.de, ohne Überführung) | Farben: Weiß, Schwarz | Standgeräusch: 91 dB(A) – Tirol-konform

Motor & Herkunft: Dominator-DNA aus 1988 in Euro-5-Trim – 644 cm³, 40 PS, dunkle Hammerschläge

Der Motor der Mash X-Ride 650 Classic hat eine ungewöhnlich direkte Ahnenreihe. Die Bohrung-Hub-Kombination von 100×82 Millimetern und 643,7 cm³ Hubraum entspricht exakt dem Motor der Honda NX 650 Dominator von 1988, der seinerseits auf dem XR 600 von 1985 basiert. Den hat Mash respektive der chinesische Fertigungspartner Shineray konstruktiv nachgebaut und mit einer modernen Delphi-Einspritzanlage sowie einem großen Ölkühler für die Euro-5-Norm ertüchtigt. Das Ergebnis: 40 PS bei 6.000/min und 45 Nm bei 4.500/min – weniger als das Original (damals 44 PS, 51 Nm), aber mit deutlich saubererem Abgas und elektronischer Einspritzung statt Keihin-Vergaser.

Der Charakter ist historisch stimmig: Der Single dreht am liebsten zwischen 3.000 und 5.000/min, ruckelt darunter leicht und kämpft darüber etwas. Dennoch lässt er sich bis zum Begrenzer bei ca. 7.000/min ziehen. Den Klang kann man als  dunkle, dumpfe Hammerschläge – nicht heftig, eher gedämpft beschreiben. Vibrationsniveau und mechanisch-akustisches Erscheinungsbild sind gediegen für einen China-Motor; auch die Schaltung funktioniert geschmeidig. Die Verdichtung beträgt 8,3:1 – ein niedriger Wert, der zur entspannten Motorauslegung passt.

Design & Optik: XT-500-Charme meets Dominator-Motor – goldene Speichenräder, Scrambler-Silhouette, zwei Auspuffendrohre

Die X-Ride 650 Classic bedient einen klar definierten Retro-Geschmack: weiß-rote Graphics auf dem 12-Liter-Tank, leicht abgestufte Sitzbank, goldfarben eloxierte Drahtspeichenräder – Referenz an die Yamaha XT 500 aus den 1970er Jahren. Optisch ist das überzeugend. Die auffälligste Designentscheidung: zwei hochgelegte Endschalldämpfer auf der rechten Seite, die der Maschine eine Scrambler-Silhouette geben und optisch an alte Enduro-Klassiker erinnern. Die flach angestellte Gabel mit doppelter Achsklemmung fällt durch ihre Länge auf, klassische Faltenbälge fehlen.

Als Scrambler/Soft-Enduro positioniert, fährt die Classic auf 17-Zoll-Rädern – was sie bei genauerer Betrachtung in die Supermoto-Ecke verschiebt, nicht in die echter Enduro. Scrambler-Look, Stadträder, moderates Gelände. Wer eine echte Offroad-Maschine sucht, greift zur X-Ride 650 Trail mit 21-Zoll-Vorderrad.

Fahrwerk: 130 mm vorn und hinten, nicht einstellbare Gabel – komfortbetont und für Schlaglöcher ausgelegt

Der Stahlrohr-Brückenrahmen trägt vorne eine konventionelle Telegabel mit 130 Millimetern Federweg – nicht einstellbar. Hinten arbeitet eine Stahl-Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein und Ausgleichsbehälter, ebenfalls 130 Millimeter Federweg, einstellbar nur in der Vorspannung. Die Gabel spricht sauber an. Beide Achsen bügeln Unebenheiten elegant flach, das Motorrad schwebt über Kopfsteinpflaster. Auf Feldwegen steckt die Maschine mehr ein als erwartet – mehr als 130 mm braucht es dafür nicht unbedingt.

Trotz Komfortorientierung ist das Fahrwerk straff genug, um die X-Ride flott und ohne Schaukeln durch Kurven zu treiben. Der kleine Wendekreis ist ein Pluspunkt. Hauptkritikpunkt: die Kenda-Erstbereifung. Das Profil sieht nach Pirelli Scorpion Rally aus, liefert aber deutlich weniger Grip, indifferentes Einlenkverhalten an der Front und mangelnde Traktion am Heck beim Herausbeschleunigen. Reifentausch auf Qualitätsreifen ist die empfohlene erste Investition nach dem Kauf.

Ergonomie: 840 mm, 180 kg, breiter Enduro-Lenker – aufrecht und zugänglich, auch unter 1,75 m

Die Sitzhöhe von 840 Millimetern klingt hoch, relativiert sich durch das geringe Gewicht von 180 Kilogramm und den schmalen Rahmen schnell. Selbst unter 1,75 Meter bekommen Fahrer beide Füße sicher auf den Boden. Die gesteppte Sitzbank ist nicht überbreit, der Fahrersitz kompakt. Der breite Enduro-Lenker mit Querstange ermöglicht eine aufrechte, entspannte Sitzposition mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper. Die mittig positionierten Fußrasten – gezackte Enduro-Rasten – passen zur Scrambler-Auslegung.

Große Fahrer ab ca. 1,90 Metern haben es etwas enger: Die Sitzbank steigt nach hinten an zum Soziusübergang. Wer weit hinten sitzt, landet mitten im Übergangsbereich. Für die anvisierten Fahrer bis ca. 1,85 Metern ist die Ergonomie stimmig und komfortabel für den Langstreckeneinsatz. Soziussitz, Haltegriffe und Beifahrerfußrasten sind serienmäßig. Zuladung: 160 Kilogramm – kein komfortabler Wert für Zweipersonenbetrieb.

Kosten: 5.399 Euro – günstigster Neuzugang im Retro-Scrambler-Segment mit bewährtem Motorkonzept

5.399 Euro ohne Überführungskosten macht die X-Ride 650 Classic zur günstigsten vollmotorisierten Scrambler-Option auf dem deutschen Markt. Zum Vergleich: Royal Enfield Himalayan 450 ab ca. 6.200 Euro (40 PS, moderner Motor, besser ausgestattet), Benelli Leoncino 500 ab ca. 6.000 Euro, Kawasaki KLE 500 ab 6.895 Euro (45 PS). Die X-Ride ist bei diesen Vergleichen preislich führend – bei zugleich ältestem Motorkonzept und schlechtester Erstbereifung. Das ist eine faire Abwägung, die der Käufer kennen sollte.

Wer preis- und komfortbewusst kauft und bereit ist, die Kenda-Reifen gegen Qualitätsreifen zu tauschen, bekommt ein Motorrad, das seinen Retro-Charakter glaubwürdig lebt, leicht und handlich ist und auf Landstraßen echte Freude macht.

Fazit

Die X-Ride 650 Classic ist ein Motorrad, das genau weiß, was es ist: ein preiswerter, leichter Retro-Scrambler mit bewährtem Motorkonzept, viel Charakter und einer Lücke bei der Bereifung. 40 PS, 180 kg, 840 mm Sitzhöhe und 5.399 Euro – das ist ein klares Paket für eine klar definierte Zielgruppe. Die erste Investition nach dem Kauf sollte in neue Reifen gehen. Danach hat man einen netten Alltags-Scrambler, der wirklich Laune macht.

 

Kurzcheck

 

+ 5.399 Euro: günstigster Retro-Scrambler mit 650er-Einzylinder auf dem deutschen Markt; keine vergleichbare Alternative zu diesem Preis

+ 644 cm³ Dominator-DNA: Bohrung-Hub 100×82 mm, 4 Ventile, Luft-/Ölkühlung – bewährt seit 1988, mit Delphi-Einspritzung Euro-5-konform

+ 180 kg fahrfertig: leicht handhabbar; gutes Gleichgewicht und kleinen Wendekreis

+ 130 mm Federweg vorn und hinten: komfortbetont, schluckt Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher elegant; straff genug für flotte Kurvenfahrt

+ 840 mm Sitzhöhe: auch für Fahrer unter 1,75 m sicherer Fußkontakt durch schlanken Rahmen und niedriges Gewicht

+ Vierkolben-Festsattel 320 mm radial vorne: ausgewogen, weder lasch noch giftig; ABS abschaltbar

+ Goldfarben eloxierte Drahtspeichenräder, Scrambler-Silhouette, zwei hochgelegte Auspufftöpfe rechts: überzeugend gestalteter Retro-Charakter

+ 91 dB(A) Standgeräusch: Tirol-konform (unter 95 dB)

+ Soziussitz, Haltegriffe, Beifahrerfußrasten serienmäßig; Zuladung 160 kg

+ USB-Ladebuchse serienmäßig; ABS abschaltbar; einstellbare Hand- und Kupplungshebel

+ Vmax ca. 150 km/h; Verbrauch 4,5 l/100 km; 12-Liter-Tank – Reichweite ca. 250 km

 

Kenda-Erstbereifung: indifferentes Einlenkverhalten, langsames Aufwärmen und mangelnde Traktion – Reifentausch dringend empfohlen

Gabel nicht einstellbar; Federbein nur Vorspannung einstellbar – keine Möglichkeit zur Feinabstimmung auf Fahrer oder Beladung

40 PS: Royal Enfield Himalayan 450 bietet gleiche Leistung für 800 Euro mehr, aber moderneres Motorkonzept und bessere Ausstattung

Halogen-Scheinwerfer (kein LED): Sicherheitsabstrich gegenüber moderneren Wettbewerbern

Motor ruckelt unter 3.000/min; optimaler Drehzahlbereich schmal (3.000-5.000/min)

17-Zoll-Bereifung: Scrambler-Look, aber kein echtes Geländemotorrad – bei Offroad-Interesse zur Trail-Variante (21 Zoll) greifen

Marken-Serviceinfrastruktur in Deutschland im Aufbau; Ersatzteilversorgung weniger etabliert

Keine elektronischen Fahrhilfen: kein Ride-by-Wire, keine Traktionskontrolle, keine Fahrmodi

 

 

Technische Daten: Mash X-Ride 650 Classic (2026)

 

Marke / Herkunft: Mash (FR); Fertigung: Shineray (CN); Motor: konstruktiv identisch mit Honda NX 650 Dominator (1988), Bohrung×Hub 100×82 mm

Motor: Einzylinder 4-Takt OHC, 644 cm³, 4 Ventile, Luft-/Ölkühlung; Delphi-Einspritzung; E-Starter; 5-Gang; Kette; Verdichtung 8,3:1

Leistung: 40 PS (29,4 kW) bei 6.000/min

Drehmoment: 45 Nm bei 4.500/min

Charakter: Optimaler Bereich 3.000–5.000/min; leichtes Ruckeln darunter; Sound dunkle, dumpfe Hammerschläge; gediegen-ruhig

Rahmen: Stahlrohr-Brückenrahmen

Gabel: Telegabel, konventionell, nicht einstellbar; Federweg 130 mm

Federbein: Zentralfederbein mit Ausgleichsbehälter; Vorspannung einstellbar; Federweg 130 mm

Bremse vorn: Einzelscheibe 320 mm; Vierkolben-Festsattel radial montiert; ABS abschaltbar

Bremse hinten: Einzelscheibe 240 mm; Schwimmsattel; ABS

Räder: Drahtspeichenräder, goldfarben eloxiert; 17 Zoll vorne und hinten

Reifen: Kenda (Erstausrüstung, grob profiliert); 120/70-17 vorne; 150/60-17 hinten; Reifentausch empfohlen

Cockpit: Rundes LC-Display: analoger Drehzahlmesser + digitaler Tacho; USB-Ladebuchse; LED-Blinker; Halogen-Scheinwerfer/-Rücklicht

Ergonomie: Aufrecht; breiter Enduro-Lenker mit Querstange; mittig positionierte Enduro-Rasten; auch unter 1,75 m sicherer Fußkontakt; eng für Fahrer über 1,90 m

Gewicht: 180 kg vollgetankt (Trockengewicht 163 kg)

Sitzhöhe: 840 mm

Radstand: 1.470 mm

Tank: 12 Liter

Verbrauch: 4,5 l/100 km; 93 g CO₂/km; Reichweite ca. 250 km

Vmax: Ca. 150 km/h

Zuladung: 160 kg

Standgeräusch: 91 dB(A) – Tirol-konform

Farben: Weiß; Schwarz

Geschwister: X-Ride 650 Trail (21-Zoll-VR, 5.699 Euro, echter Offroad-Charakter); Dirt Track 650 (Flat-Track-Stil); Six Hundred Classic (Roadster)

Preis (D): 5.399 Euro (ohne Überführung)