Test Moto Guzzi V7 Sport (2026)
853 cm³ Kardan-V2, USD-Gabel, Brembo-Doppelscheibe, 6-Achs-IMU – die modernste V7 aller Zeiten für 10.999 Euro
Stand: 18.4.2026 | Modell: Moto Guzzi V7 Sport (eingeführt März 2025, MY2026 nur neue Farbe Rosso Monza) | Produktion: Mandello del Lario, Italien | Preis: 10.999 Euro
Motor & Kardan: 853 cm³ Zweiventil-V2 mit 67,3 PS – gründlich überarbeitet, typischer Charakter erhalten
Der luftgekühlte 853-cm³-V2 mit 90°-Zylinderwinkel und Einbau längs ist das technische Herz der Moto-Guzzi-Tradition. Er basiert auf dem Motor der V85 TT, wurde aber für die V7 auf 67,3 PS (49 kW) bei 6.900/min gedrosselt – der Charakter des „typischen Guzzi“ sollte erhalten bleiben, nicht ein sportlicher Hochdränger entstehen.
Zum Euro-5+-Update 2025 hat Moto Guzzi den Motor gründlich überarbeitet: Die Airbox wächst um 27 Prozent, die Drosselklappe von 38 auf 52 Millimeter, zusätzliche Ölkühlungsdüsen für die Kolben verbessern die thermische Belastbarkeit, die Steuerzeiten wurden angepasst und die Reibung im klassischen Stößel-Ventiltrieb (OHV) reduziert.
Ergebnis: 79 Nm bei 4.400/min, 95 Prozent des Drehmoments stehen ab 3.500/min zur Verfügung. Das Drehmomentplus zwischen 3.500 und 4.500/min ist eine wirkungsvollste Verbesserung. Ride-by-Wire ist neu. Die drei Fahrmodi Rain, Road und Sport unterscheiden sich in Gasannahme und TC-Eingriffsintensität. Erstmals ist auch ein Tempomat serienmäßig. Die Kraft gelangt per 6-Gang-Getriebe und Kardanwelle ans Hinterrad – wartungsarmer Antrieb, der für Moto Guzzi seit Jahrzehnten Standard ist und die V7 Sport von allen direkten Konkurrenten unterscheidet.
Fahrwerk & Bremsen: USD-Gabel, Brembo 2×320 mm radial, Continental 6-Achs-IMU – zwei Klassen besser als die Vorgängerin
Das Fahrwerk der V7 Sport 2025/2026 ist gegenüber den Vorgängermodellen ein erheblicher Schritt. Die neue USD-Gabel ersetzt die konventionelle Telegabel; sowohl die Gabel als auch die beiden Federbeine hinten sind in der Vorspannung einstellbar. Die Leichtmetall-Gussräder sind in leichter Ausführung gewählt, was sich positiv auf das Handling auswirkt. Die Reifen haben klassisch-schmale Formate: 100/90-18 vorne und 150/70-17 hinten.
Die Bremsanlage ist die größte Einzelverbesserung: Statt der bisherigen Einzelscheibe vorne gibt es nun zwei 320-mm-Scheiben mit radial angeschraubten Brembo-Vierkolben-Monoblocksätteln. Klare Verbesserung. Continental liefert ABS und Traktionskontrolle, gesteuert durch eine 6-Achs-IMU – damit arbeiten Kurven-ABS und Kurven-TC auch in Schräglagen korrekt. Das ist für ein klassisches Naked Bike dieser Preisklasse unüblich und verleiht der Sport-Variante ihren Namen zu Recht.
Design & Charakter: Lenkerenden-Spiegel, Alu-Details, Adler-Tagfahrlicht – Retro-Italiener mit modernem Akzent
Die V7 Sport unterscheidet sich von Stone und Special durch ihr sportliches Erscheinungsbild: Spiegel am Lenkerende statt an den Verkleidungen, schwarzer Sitz mit Ziernähten, Sechsspeichen-Leichtmetallfelgen, Aluminiumeinsätze an der seitlichen Verkleidung, Scheinwerferhalterungen aus Aluminium, lasergravierende Lenkerklemmung mit V7-Sport-Logo. Das Tagfahrlicht in Adlerflügelform ist ein Markenzeichen der aktuellen Guzzi-Generation und findet sich auch in der Sport-Version. Full-LED rundum.
Das Cockpit setzt auf ein LCD-Display – kein TFT. Das ist der einzige spürbare Sparentscheid. Informationsgehalt und Ablesbarkeit sind ausreichend, ein Farb-TFT der Stelvio-Qualität gehört nicht dazu. Die 2-in-2-Abgasanlage ist mattschwarz lackiert und gibt der Maschine eine sportlich-nüchterne Note. Das Fahrzeug ist für den Einbau der MIA-Konnektivitätsplattform (Bluetooth/Smartphone) vorbereitet, diese ist aber als Option zu bezahlen.
Ergonomie: 780 mm, 220 kg, 21-Liter-Stahltank – gut für kurze Beine, große Fahrer auf engem Terrain
Die Sitzhöhe von 780 Millimetern ist für ein 853-cm³-Naked-Bike angenehm niedrig. Auch Kurzbeinige haben wenig Probleme, sicheren Stand zu finden. Das Gewicht von 220 Kilogramm ist für diese Klasse durchschnittlich – eine Triumph Bonneville T100 wiegt ähnlich, eine Royal Enfield Super Meteor 650 deutlich weniger.
Große Fahrer (ab ca. 1,85 m) stoßen an eine Grenze: Das Steißbein rutscht schnell ans Ende der Fahrersitzmulde, während die Knie bereits an den Ausbuchtungen des 21-Liter-Stahltanks anstoßen. Für die Zielgruppe der klassischen Guzzi-Fahrer, die eher entspannt touren als aggressiv sporteln, ist die Ergonomie aber stimmig. Der 21-Liter-Tank liefert eine Reichweite von mindestens 350 Kilometern bei ca. 4,9 l/100 km. Die Bedienung der linken Lenkerkonsole ist etwas klobig. Die Knopfbelegung (Mode-Knopf scrollt das Display, nicht den Fahrmodus) braucht eine Eingewöhnungsphase.
Kosten: 10.999 Euro – teurer als Kawasaki und Royal Enfield, günstiger als Triumph; Kardan und 6-Achs-IMU ohne Aufpreis
10.999 Euro positioniert die V7 Sport oberhalb einfacherer Retro-Konkurrenten: Kawasaki Z 650 RS ca. 8.500 Euro (68 PS, kein Kardan, kein Kurven-ABS); Royal Enfield Super Meteor 650 ca. 7.900 Euro (47 PS, kein Kardan, einfachere Elektronik); Honda CB 650 R ca. 10.000 Euro (95 PS, Vierzylinder, kein Kardan). Die Triumph Bonneville T100 wäre direktester Konkurrent – ebenfalls Twin-Charakter, doch sie fiel aus dem deutschen Modellangebot..
Der Wartungsvorteil durch den Kardanantrieb ist langfristig ein realer Kostenfaktor: kein Kettenölen, kein Kettenspannen, kein Kettenersatz. Dazu kommt die vergleichsweise einfache Technik des Zweiventil-OHV-Motors, die Wartungskosten niedrig hält. Das Zubehörpaket umfasst heizbare Griffe, TPMS, Koffer und Taschen, gesteppte Sitzbank und stilistisch passende Fahrerausstattung – alles Aufpreis, nichts Serie.
Fazit
Die V7 Sport ist 2026 das sportlichste und am besten ausgestattete V7-Modell, das Moto Guzzi je gebaut hat. USD-Gabel, Brembo-Doppelscheibe, 6-Achs-IMU mit Kurven-ABS und -TC, Ride-by-Wire und Tempomat sind ein Paket, das in dieser Preisklasse selten zu finden ist. Der Kardan trennt sie von allen Konkurrenten. Der luftgekühlte Zweiventil-V2 bietet keine überragende Fahrleistung, aber unverwechselbaren Charakter. Für Fahrer, die genau das suchen – Kardan, Guzzi-Bollern, modernes Sicherheitssystem, entspanntes Tourentempo – ist die V7 Sport der richtige Kauf.
Kurzcheck
+ Kardanantrieb serienmäßig: kein direkter Konkurrent in dieser Klasse und Preislage hat das
+ Brembo 4-Kolben radial 2×320 mm: Quantensprung gegenüber Vorgänger
+ Continental 6-Achs-IMU: Kurven-ABS und Kurven-TC serienmäßig – für ein klassisches Naked Bike dieser Preisklasse unüblich
+ Ride-by-Wire mit 3 Fahrmodi (Rain/Road/Sport) + Tempomat serienmäßig
+ USD-Gabel: sportliches Upgrade gegenüber V7-Basismodellen; Vorspannung einstellbar
+ 67,3 PS und 79 Nm: Drehmoment zwischen 3.500– 4.500/min klare Verbesserung – V2 für entspanntes, kraftvolles Touren
+ 780 mm Sitzhöhe: auch für kurzbeinige Fahrer ohne Probleme; niedrig für diese Hubraumklasse
+ Full-LED rundum; Adler-Tagfahrlicht; Lenkerenden-Spiegel; Alu-Details: stimmiges sportliches Retro-Paket
+ 21-Liter-Stahltank: Reichweite mind. 350 km; ca. 4,9 l/100 km
+ Kardan + Zweiventil-OHV: niedrige Wartungskosten; einfache und bewährte Technik
+ Farbe 2026 Rosso Monza: neue, sportliche Option zusätzlich zu Legnano-Grün und Lario-Grau
– LCD-Cockpit (kein TFT): bei 10.999 Euro der einzig spürbare Sparentscheid; kein Farbdisplay
– Große Fahrer (ab ca. 1,85 m): eng auf Sitzbank; Knie stoßen an Tankausbuchtungen; Steißbein am Ende der Sitzwanne
– Linke Bedieneinheit klobig; Mode-Knopf scrollt nicht durch Fahrmodi sondern durch Display-Menü – Gewöhnungsbedarf
– Kein bidirektionaler Quickshifter serienmäßig
– Keine selbstrückstellenden Blinker
– Keine Warnblinkanlage serienmäßig
– MIA-Konnektivität (Bluetooth/Smartphone) nur optional
– 67,3 PS: Honda CB 650 R bietet 95 PS; Triumph Tiger 900 bietet mehr Dynamik
– Relativ straffe Federbeine hinten
Technische Daten: Moto Guzzi V7 Sport (2026)
Marke / Produktion: Moto Guzzi (Piaggio-Konzern); Werk: Mandello del Lario, Comer See, Italien; eingeführt März 2025
Motor: V-Twin 90° längs luftgekühlt, 853 cm³, 2 Ventile/Zyl., OHV-Stößelventiltrieb; Ride-by-Wire, 52-mm-Drosselklappe, Airbox +27%; Euro 5+; 2-in-2-Abgasanlage mattschwarz; 3 Lambdasonden
Leistung: 67,3 PS (49 kW) bei 6.900/min
Drehmoment: 79 Nm bei 4.400 /min; 95% ab 3.500 U/min
Getriebe: 6-Gang; Kardanantrieb (Alleinstellungsmerkmal in der Klasse)
Motorherkunft: Abgeleitet von V85-TT-Motor; für V7 gedrosselt; identisches Grundkonzept seit Jahrzehnten bewährt
Gabel: USD-Gabel; Vorspannung einstellbar
Federbeine: 2 Federbeine hinten; Vorspannung einstellbar; relativ straffe Abstimmung
Bremse vorn: Brembo 4-Kolben-Monoblock radial; 2×320 mm; Kurven-ABS
Bremse hinten: Einzelscheibe; ABS
Elektronik: Continental 6-Achs-IMU; Kurven-ABS; Kurven-TC; 3 Fahrmodi (Rain/Road/Sport); Tempomat serienmäßig
Räder: Leicht-Aluminiumguss, Sechsspeichendesign
Reifen: 100/90-18 vorne; 150/70-17 hinten (klassisch-schmale Formate)
Cockpit: LCD-Display (digital, kein TFT); Full-LED rundum; Adler-Tagfahrlicht; Lenkerenden-Spiegel
Konnektivität: MIA-Plattform vorbereitet; Bluetooth/Smartphone optional
Design-Details: Alu-Einsätze Verkleidung; Alu-Scheinwerferhalter; lasergravierte Lenkerklemmung V7-Sport-Logo; schwarzer Sitz mit Ziernähten
Ergonomie: 780 mm Sitzhöhe (niedrig für Klasse); für große Fahrer eng; Knie stoßen an Tankausbuchtungen ab ca. 1,85 m
Gewicht: 220 kg vollgetankt
Sitzhöhe: 780 mm
Tank: 21 Liter (Stahlblech); Reichweite mind. 350 km
A2-Option: Leistungsreduzierung auf 35 kW/48 PS möglich
Farben 2026: Rosso Monza (neu MY2026); Legnano-Grün; Lario-Grau
Preis (D): 10.999 Euro