Test Moto Guzzi V85 TT (2026)
Kardanantrieb, Offroad-Modus, roter Stahlrohrrahmen, Michelin Anakee – der Allrounder der V85-Familie für 13.499 Euro
Stand: 18.4.2026 | Modell: Moto Guzzi V85 TT (MY2026, technisch identisch MY2024/2025; neue Farben Giallo Wadi + Grigio Yanar Dag) | Produktion: Mandello del Lario, Italien | Preis: 13.499 Euro
Konzept & Geschichte: „Tutto Terreno“ seit 2019 – aus dem Stand zum Bestseller, rund die Hälfte aller Guzzi-Neuzulassungen
Die V85 TT – „TT“ steht im Italienischen für Tutto Terreno, jegliches Gelände – erschien 2019 und veränderte Moto Guzzis Marktsituation schlagartig. Lange Zeit interessierten sich nur Hardcore-Moto-Guzzi-Fans für die Motorräder aus Mandello del Lario Das änderte sich schlagartig 2018, als die V85 TT auf den Markt kam.“ Die V85-Reihe im deutschsprachigen Raum rund die Hälfte aller neu zugelassenen Guzzi aus. Das ist eine bemerkenswerte Marktleistung für ein Modell, das ohne aufwendige Elektronik-Offensive auskommt.
Das große Update kam 2024: variable Ventilsteuerung (VVT), 5-Zoll-TFT-Display, 6-Achs-IMU mit Kurven-ABS und Schragl.-TC, überarbeitete Bremsen, neue Modellvariante Strada. Modelljahr 2026 bringt nur neue Farben: Giallo Wadi (Gelb, Wüstensand) und Grigio Yanar Dag (Grau, benannt nach einem ewig brennenden Erdgashügel in Aserbaidschan). Keine technischen Änderungen.
Motor: 853 cm³ V-Twin mit variabler Ventilsteuerung – 80 PS zurück, sonorer Guzzi-Klang, Kardan, VVT erstmals in der Klasse
Der 853-cm³-V2 mit längem Einbau, Luftkühlung, OHV-Ventiltrieb, Titan-Einlassventilen und Semi-Trockensumpfschmierung wurde 2024 durch die variable Ventilsteuerung aufgewertet. Die VVT sorgt für kräftigeres Drehmoment im unteren und mittleren Bereich: Bereits bei 3.000/min leistet der aktuelle Motor fünf PS mehr als der Vorgänger. Ab 3.500/min stehen 90 Prozent der maximalen 83 Nm zur Verfügung, was den Tourencharakter des Motors deutlich verbessert.
80 PS bei 7.750/min sind die Nennleistung. Der V-Twin-Klang – sattig, bassig, kernig – ist erhalten geblieben und ein wesentlicher emotionaler Kaufgrund. Die Kraft überträgt ein 6-Gang-Getriebe via Kardanantrieb ans Hinterrad: wartungsfrei, sauber, leise. Ein Quickshifter ist weder als Serie noch als Option erhältlich.
TT-Ausstattung: Offroad-Modus, Speichenräder, Michelin Anakee, Motorschutz, Handschutz, roter Rahmen – alles serienmäßig
Die V85 TT unterscheidet sich von der Strada durch ein Ausstattungspaket, das ihre Allround-Auslegung untermauert. Exklusiv gegenüber der Strada: Drahtspeichenräder (schlauchlos seit MY2021), Michelin Anakee Adventure als Erstbereifung, Offroad-Fahrmodus mit deaktivierbarem Heck-ABS, Alu-Ölwannenschutz, Handschutz, Gepackträger, lackierter Stahlrohrrahmen (charakteristisches Rot) und Tempomat. Das Federbein lässt sich per Handrad in der Vorspannung einstellen – ohne Werkzeug, bequem auf der Straße oder am Rastplatz.
Dank Offroad-ABS kann man das Hinterrad absichtlich blockieren lassen. Das ist der entscheidende Unterschied, den die Strada nicht bieten kann. Der Windschild ist in fünf Stufen über 70 Millimeter Verstellbereich regulierbar – während der Fahrt mit einer Hand. Kurven-ABS und Schräglagen-TC via 6-Achs-IMU sind bei der TT serienmäßig, bei der Strada kosten sie Aufpreis.
Fahrwerk: USD-Gabel 170 mm, Brembo 2×320 mm, 4 Fahrmodi – agil für das Gewicht, Grenzen bei forscher Gangart spürbar
Das Fahrwerk ist identisch mit der Strada: USD-Gabel (41 mm, 170 mm Federweg), Zentralfederbein (170 mm Federweg), jeweils einstellbar in Vorspannung und Dämpfung. Die Bremsen – Brembo 2×320 mm schwimmend vorne, 260 mm hinten – wurden 2024 um 290 Gramm pro Scheibe leichter und waren schon vorher sehr gut.
Die 230 Kilogramm Fahrgewicht – vier mehr als die Strada dank Speichenrädern und Offroad-Ausrüstung – sind beim Fahren kaum spürbar. Sie fährt sich agiler als man es aufgrund des stolzen Gewichts erwartet. Bei sehr forscher Gangart kann das Fahrwerk durchschlagen. Für Endurowandern und Feldwege ist die TT gut gerüstet, tiefe Schlaglöcher im Tempo erfordern Geduld. Radstand (1.530 mm) und Sitzhöhe (830 mm) sind identisch mit Strada und TT Travel. Optionale Sitzbänke für 850 mm oder 810 mm Sitzhöhe sind erhältlich.
Ergonomie: 830 mm, 230 kg, aufrechte Enduro-Position – auch für große Fahrer entspannt, Windschild-Abstimmung persönlich prüfen
Die Sitzhöhe von 830 Millimetern ist für eine Reiseenduro moderat, der 23-Liter-Tank ist im Kniebereich sinnvoll eingezogen, was das Spreizen der Beine reduziert. Die Sitzposition ist ausgesprochen bequem, im gut geformten Sattel lässt es sich aushalten. Lenker, Fußrasten und Sitzbank sind auf entspanntes, aufrechtes Touren ausgelegt. Auch das Stehendfahren auf Offroad-Passagen ist ergonomisch möglich.
Das serienmäßige Windschild ist fünfstufig verstellbar (70 mm Verstellbereich). Es passt nicht für alle Körpergrößen: Große Fahrer können Windunruhe am Helm erfahren, kleinere Fahrer sind gut geschützt. Das Windschild der TT Travel ist größer und hat seitliche Deflektoren – wer viel Autobahn fährt, sollte die Travel oder ein Zubehör-Windschild in Betracht ziehen. Der 23-Liter-Tank mit ca. 4,9 l/100 km ergibt eine Reichweite von über 400 Kilometern.
Kosten: ca. 13.499 Euro – mehr als Straßenkonkurrenten, aber Kardan + Offroad-Modus + vollständige IMU ohne Aufpreis
13.499 Euro stellt die TT teurer als die direkten Straßenkonkurrenten auf. Honda XL750 Transalp: ca. 11.500 Euro (92 PS, 208 kg, kein Kardan). Yamaha Ténéré700: ca. 11.600 Euro (73 PS, 204 kg, kein Kardan). Die TT ist teurer als alle – und die einzige mit Kardan. Dazu kommen VVT, Offroad-Modus, Michelin Anakee, Handschutz, Motorschutz und Tempomat als Serienausstattung. Langfristig rechnet sich der Kardan: kein Kettenölen, kein Spannen, kein Ersatz.
Fazit
Die V85 TT ist 2026 das wichtigste und ausgewogenste Modell der V85-Familie: Kardan, Offroad-Modus, Michelin Anakee Adventure, Speichenräder, Motorschutz, Handschutz, Tempomat – alles serienmäßig. Wer ein charakterstarkes Mittelklasse-Reisemotorrad sucht, das auf Schotter und Feldwegen ebenso zuhause ist wie auf der Landstraße, und dem Kardanantrieb schätzt, findet 2026 keine bessere Alternative in der Klasse. Die Grenzen sind klar: kein Quickshifter, Fahrwerk bei sehr forscher Gangart spürbar, 230 kg.
Kurzcheck
+ Kardanantrieb serienmäßig: einzige Mittelklasse-Reiseenduro ihrer Preisklasse mit Kardan; kein Kettenservice; wartungsarm
+ Offroad-Fahrmodus serienmäßig: Heck-ABS deaktivierbar
+ Kurven-ABS + Schräglagen-TC via 6-Achs-IMU serienmäßig (bei Strada nur optional)
+ Michelin Anakee Adventure (80/20): guter Kompromiss Straße/Gelände; passt zur TT-Auslegung
+ Variable Ventilsteuerung (VVT): Drehmomentplus ab 3.000/min; kräftiger als der Vorgänger
+ Lackierter Stahlrohrrahmen (Rot): ikonisches Designmerkmal der TT; unverwechselbar
+ Motorschutz (Alu-Ölwannenschutz), Handschutz, Gepäckträger serienmäßig
+ Tempomat serienmäßig
+ Federbein-Vorspannung per Handrad: ohne Werkzeug, bequem unterwegs
+ Windschild 5-stufig verstellbar (70 mm): Einhand, auch während der Fahrt
+ 5-Zoll-TFT-Farb-Display: gut ablesbar; 4 Fahrmodi inkl. Offroad
+ 23-Liter-Tank: Reichweite über 400 km
+ Sehr gute Preisstabilität gebraucht
+ Sattig-bassiger V-Twin-Klang: emotionaler Kaufgrund, nicht messbar – real
– Kein Quickshifter – auch nicht gegen Aufpreis bestellbar
– 230 kg: Kardan und Ausrüstung erklären das Mehrgewicht
– Fahrwerk bei forscher Gangart: Durchschlagen möglich, kein Sportler
– 80 PS: weniger Leistung als Marktdurchschnitt
– Windschild-Höhe für große Fahrer (ab ca. 1,85 m) nicht ideal; Windunruhe möglich; Probefahrt wichtig
– Drehzahlmesser-Anzeige im TFT-Display zu klein
– Motor unter 3.500/min leicht ruppig; optimaler Tourenbereich ab 3.500/min
– MIA-Konnektivität (Bluetooth/Smartphone) nur optional (TT Travel: serienmäßig)
– MY2026 nur neue Farben; wer MY2024/2025-Modell günstiger bekommt, hat technisch dasselbe
Technische Daten: Moto Guzzi V85 TT (2026)
Marke / Produktion: Moto Guzzi (Piaggio-Konzern); Werk: Mandello del Lario, Comer See, Italien; V85 TT seit 2019
Motor: V-Twin 90° längs luftgekühlt, 853 cm³, 2 Ventile/Zyl., OHV; variable Ventilsteuerung (VVT) seit 2024; Ride-by-Wire 52-mm-Drosselklappe; Titan-Einlassventile; Semi-Trockensumpfschmierung; Euro 5+; 6-Gang; Kardanantrieb; Einscheiben-Trockenkupplung
Leistung: 80 PS (59 kW) bei 7.750/min
Drehmoment: 83 Nm bei 5.100/min; 90% ab 3.500/min
TT-Ausstattung (excl.): Drahtspeichenräder (schlauchlos); Michelin Anakee Adventure; Offroad-Fahrmodus; 6-Achs-IMU (serienmäßig); Alu-Ölwannenschutz; Handschutz; Gepackträger; lackierter Stahlrohrrahmen (Rot); Tempomat
Fahrmodi: 4 Modi: Road / Sport / Rain / Offroad (Heck-ABS deaktivierbar im Offroad-Modus)
Rahmen: Stahl-Gitterrohrrahmen lackiert; Motor mittragend; Doppelarmschwinge (Schwinge am Getriebegehäuse angelenkt)
Gabel: USD, 41 mm; Vorspannung + Dämpfung einstellbar; 170 mm Federweg
Federbein: Zentralfederbein; Vorspannung per Handrad (ohne Werkzeug) + Dämpfung einstellbar; 170 mm Federweg
Bremse vorn: Brembo; 2×320 mm schwimmend (seit 2024 um 290 g/Scheibe leichter); Kurven-ABS via 6-Achs-IMU serienmäßig
Bremse hinten: 260 mm; ABS; Offroad-Modus: Heck-ABS deaktivierbar
Räder: Drahtspeichenräder schlauchlos (seit 2021); 19 Zoll vorne / 17 Zoll hinten
Reifen: 110/80-19 vorne / 150/70-17 hinten; Michelin Anakee Adventure (80/20-Profil)
Windschild: 5-stufig verstellbar, 70 mm Verstellbereich; einhändig während Fahrt
Cockpit: 5-Zoll-TFT-Farb-Display; USB-Anschluss; Full-LED; Adler-Tagfahrlicht; MIA-Konnektivität optional
Ergonomie: Aufrecht; breiter Lenker; mittige Fußrasten; 830 mm Sitzhöhe; optional 810 oder 850 mm Sitzbank; Knieeinbuchtungen am Tank; Windschild-Höhe für große Fahrer persönlich prüfen
Gewicht: 230 kg vollgetankt
Sitzhöhe: 830 mm (optional: 810 oder 850 mm)
Radstand: 1.530 mm
Tank: 23 Liter; Reichweite über 400 km
Verbrauch: ca. 4,9 l/100 km (Werksangabe)
Farben 2026: Giallo Wadi (Gelb, Wüstensand); Grigio Yanar Dag (Grau, Erdgashügel Aserbaidschan)
Preis (D): 13.499 Euro