Test Moto Morini X-Cape 650 (2026)
Marzocchi, Brembo, Pirelli – und ein ehrlicher Fahrbericht
Stand: 17.7.2026 | Modell: Moto Morini X-Cape 650 (2026; 649 ccm Parallel-Twin; Adventure/Reiseenduro; A / A2 gedrosselt verfügbar); Hersteller: Moto Morini (Mailand, Italien; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group) | Preis DE: 7.499 Euro zzgl. Nebenkosten | Standgeräusch: nicht publiziert | Garantie: 3 Jahre
Auf der EICMA 2021 war der Moto-Morini-Stand einer der meistbesuchten. Das war kein Zufall: Die X-Cape 650 sah aus wie ein ausgewachsenes Adventure-Motorrad, hatte Brembo-Bremsen, eine Marzocchi-Gabel und ein 7-Zoll-TFT-Display – zu einem Preis unterhalb der Yamaha Ténéré 700. Moto Morini gehört seit 2018 zur chinesischen Zhongneng Vehicle Group; die Produktion findet weiterhin nahe Mailand statt.
Dann kamen die Fahrberichte. 1000PS-Tester GREGOR: „Am Papier macht die X-Cape einen vielversprechenden Eindruck. In der Realität hat sie leider einige Problemzonen. Allem voran der zahnlose, doch stark vibrierende Motor und das hohe Gewicht. Mit viel Liebe und Modellpflege könnten die Mankos sicher noch behoben werden, doch bis dahin ist sie eher was für eingefleischte Fans der Marke und Liebhaber von Exoten.“ Das ist kein vernichtendes Urteil. Es ist ein ehrliches.
Die Technik: was die X-Cape mitbringt
649 Kubik. Parallel-Twin. Flüssigkeitsgekühlt. DOHC. 61 PS bei 8.250/min. 56 Nm bei 7.000/min. Bosch-Einspritzung. 6-Gang-Getriebe. Kette.
Marzocchi 50-mm-USD-Gabel, 160 mm Federweg, verstellbar. Zentralfederbein mit einstellbarer Vorspannung. Brembo-Doppelkolbensättel vorn an 298-mm-Scheiben. 255-mm-Scheibe hinten. ABS beidseitig abschaltbar. Pirelli Scorpion Rally STR (Speichenrad-Version: 110/80 R19 / 150/70 R17). 19-Zoll-Vorderrad. 18-Liter-Tank. 7-Zoll-TFT-Farbdisplay, Bluetooth, 4 Bildschirmmodi. TPMS. Einhändig verstellbares Windschild. Das ist eine beeindruckende Komponenten-Liste.
Der Motor: das zentrale Thema
Der Kawasaki-650er-basierte Parallel-Twin ist in der X-Cape-Applikation das, was alle Fahrtests ansprechen: weniger Drehmoment-Charakter als erwartet für die Fahrzeuggröße, und Vibrationen, die auf längeren Strecken spürbar werden. 56 Nm bei 7.000/min ist ein Drehmomentwert, der erst oben heraus seine Wirkung entfaltet. Für ein Adventure-Motorrad mit Adventure-Gewicht und Adventure-Reisen ist früheres Drehmoment (Yamaha T7: 68 Nm bei 6.500/min; CFMoto 800MT: 75 Nm bei 8.000/min) praxistauglicher.
Vor dem Kauf: Probefahrt auf einer längeren Strecke obligatorisch. Die Vibrationsfrage lässt sich nur im Sattel beantworten, nicht aus dem Testbericht.
845 mm Sitzhöhe, 820 mm optional: Zugänglichkeit
845 mm Sitzhöhe serienmäßig. Optional 820-mm-Niedrigsitzbank. Das ist Adventure-Niveau. Der Stahl-Gitterrahmen und die aufrechte Sitzposition erlauben Ergonomie für Straße und leichtes Gelände. Das Windschild ist einhändig und manuell höhenverstellbar – auf Touring-Fahrten während der Fahrt nutzbar.
Touring-Variante und Händlernetz
Seit 2023: Touring-Variante mit serienmäßigem Aluminium-Kofferset und Motorschutz. Das Paket für Reisefahrer, die ab Werk ausgerüstet losfahren wollen. Das Händlernetz in Deutschland ist kleiner als bei Yamaha, Honda oder BMW. Vor dem Kauf: nächsten Moto-Morini-Händler und Servicekapazität prüfen.
Preis und Einordnung
Einführungspreis seit 2022: 7.599 Euro (Gussräder) / 7.899 Euro (Speichenräder) + 179 Euro Nebenkosten. Die X-Cape liegt unterhalb von Ténéré 700 und Honda XL750 Transalp –mit Brembo/Marzocchi/Pirelli ab Werk. Gegenüber diesem Vorteil steht das Motor-Charakter-Problem und das Händlernetz-Risiko.
Fazit
Die Moto Morini X-Cape 650 ist das Motorrad für alle, die italienisches Erbe schätzen, Brembo und Marzocchi als echte Argumente sehen, und bereit sind, beim Motor weniger Kultiviertheit zu akzeptieren. 1000PS: „Mit viel Liebe und Modellpflege könnten die Mankos behoben werden.“ Das ist die Hoffnung. Drei Schritte vor dem Kauf: Probefahrt, Händler-Check, Vergleichstest mit Ténéré 700, Transalp 750 oder CFMoto 800MT.
Kurzcheck
+ Marzocchi 50-mm-USD-Gabel mit 160 mm Federweg: Qualitätskomponente aus Italien.
+ Brembo-Doppelkolbensättel vorn (298 mm): italienische Bremsqualität serienmäßig.
+ Pirelli Scorpion Rally STR auf 19/17 Zoll (Speichenversion).
+ ABS beidseitig abschaltbar: Offroad-Nutzung ohne ABS-Eingriff möglich.
+ 7-Zoll-TFT-Display mit Bluetooth und 4 Modi: eines der größten Displays in dieser Klasse.
+ 18-Liter-Tank: einer der größten dieser Testreihe.
+ 845 / 820 mm Sitzhöhe (Option): Zugänglichkeit für verschiedene Körpergrößen.
+ Einhändig verstellbares Windschild.
+ Touring-Variante mit Alu-Kofferset ab Werk verfügbar.
+ A2-Version verfügbar.
– Motor zahnlos und stark vibrierend (1000PS-Fahrbericht): spürbar auf langen Etappen.
– Hohes Gewicht (1000PS-Kritikpunkt): Die 236 kg fühlen sich nach mehr an.
– Kleines Händlernetz in Deutschland: Servicekapazität vor Kauf prüfen.
– Moto Morini seit 2018 unter chinesischer Eigentümerschaft: langfristige Ersatzteilversorgung einschätzen.
Technische Daten: Moto Morini X-Cape 650 (2026)
Marke / Modell: Moto Morini X-Cape 650 (2026; 649 ccm Parallel-Twin; Adventure/Reiseenduro; A / A2 verfügbar); Hersteller: Moto Morini (Mailand, Italien; Zhongneng Vehicle Group seit 2018)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Parallel-Twin DOHC; 649 ccm; 61 PS bei 8.250/min; 56 Nm bei 7.000/min; Bosch-EFI; 6-Gang; Kette; Euro 5
Fahrwerk vorn: Marzocchi 50-mm-USD-Gabel; 160 mm Federweg; verstellbar
Fahrwerk hinten: Zentralfederbein; einstellbare Federvorspannung; Stahl-Gitterrohrrahmen
Bremsen: 2x 298-mm-Brembo-Scheiben vorn (Doppelkolbensättel); 255-mm-Scheibe hinten; ABS beidseitig abschaltbar
Räder / Reifen: Wahl: Speichenräder oder Gussräder. Speichenräder mit Pirelli Scorpion Rally STR (110/80 R19 / 150/70 R17). 19/17 Zoll.
Sitzhöhe / Tank: 845 mm serienmäßig; optional 820 mm; 18 Liter; 4,2 l/100 km; Reichweite > 300 km; Vmax 175 km/h
Elektronik: 7-Zoll-TFT-Farbdisplay (4 Modi); Bluetooth; TPMS; ABS beidseitig abschaltbar; einhändig verstellbares Windschild
Varianten: Standard (Gussräder / Speichenräder). Touring (ab 2023): serienmäßiges Alu-Kofferset + Motorschutz. A2-Drosselung (35 kW) verfügbar.
Standgeräusch: Nicht publiziert (Tirol-Grenzwert 95 dB(A))
Garantie: 3 Jahre
Konkurrenz: Yamaha Ténéré 700: ab 11.624 Euro; 73 PS; 200 kg; bewährtere Plattform. CFMoto 800MT Explore: 10.499 Euro; 91 PS; mehr Elektronik. Honda XL750 Transalp: ca. 11.500 Euro; 92 PS. X-Cape 650: Brembo/Marzocchi/Pirelli serienmäßig; Motor-Charakter-Kompromiss.
Preis (D): 7.599 Euro (Gussräder) / 7.899 Euro (Speichenräder) + 179 Euro NK.