Test Rieju Xplora 707 (2026)
70 PS, Brembo, KYB, 19-Zoll-Vorderrad und bis zu 50 mm Sitzhöhenabsenkung – für 8.240 Euro
Stand: 23.4.2026 | Modell: Rieju Xplora 707 (Varianten: 707 S – straßenorientiert; 707 X – stärker geländeorientiert); Hersteller: Rieju (España S.A., Figueres/Katalonien); Motor: QJMotor 694 cm³ Reihentwin; technische Basis auch in Benelli TRK 702 | Preis: 8.240 Euro inkl. NK | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären | Garantie: 5 Jahre (XPLORA-Reihe; bei planmäßiger Wartung beim Rieju-Vertragshändler)
Einordnung: Xplora 707 und das MV-Agusta-Lucky-Explorer-Erbe
Die Rieju Xplora 707 teilt ihre Entstehungsgeschichte mit der Xplora 557: Beide basieren auf dem Konzept, das QJMotor ursprünglich gemeinsam mit MV Agusta als Lucky Explorer entwickelte – in den Versionen 5.5 und 7.0. MV Agusta brachte keine dieser Maschinen in Serie, nach dem KTM-Einstieg wurde das Projekt aufgegeben.
Rieju übernahm beide Konzepte. Die Xplora 707 ist die größere Schwester: 700er-Twin, 19-Zoll-Vorderrad, Brembo-Bremsen, mehr Offroad-Auslegung. Im Unterschied zur 557 ist sie kein reiner Straßen-Crossover mehr, sondern ein Adventure-Bike mit echtem Geländeanspruch auf leichtem bis mittlerem Terrain.
Der Motor der 707 ist der gleiche Twin, der auch die Benelli TRK 702 antreibt. Man könnte die Rieju Xplora 707 durchaus als überarbeitete Benelli TRK 702 beschreiben. Wer Langzeiterfahrungen zum Antrieb sucht, findet in der TRK-702-Community Anknüpfungspunkte – unter Vorbehalt, da Rahmen, Federung und Bremsen bei der Rieju abweichen.
Motor: 70 PS, 70 Nm, QJMotor-700er
Der flüssigkeitsgekühlte Reihenzweizylinder hat einen Hubraum von 694 cm³ (Herstellerangabe „700 ccm“) und liefert 70 PS und 70 Nm. Das ist eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber der Xplora 557 (47 PS, 51 Nm) und positioniert die 707 direkt neben Yamaha Tracer 700 (73 PS) und Kawasaki Versys 650 (68 PS). Das Aggregat erfüllt Euro 5+; ein A2-Drosselkit ist erhältlich. Die Anti-Hopping-Kupplung ist serienmäßig.
Der 698er-Twin braucht Drehzahlen – über 4.000/min ist der Motor zugänglicher, unter 3.000/min an der Grenze. Das ist charakteristisch für dieses Aggregat. Für den Touren-Alltagsbetrieb ist das vollkommen ausreichend, wer kräftigen Drehmomentschub sucht, wird eine anderen Maschine suchen.
Fahrwerk: KYB voll einstellbar vorn, Brembo – klarer Upgrade gegenüber der 557
Das ist der entscheidende Unterschied zur Xplora 557: Die Gabel der 707 ist in Druck- und Zugstufe einstellbar. Das Federbein ist in der Vorspannung einstellbar, die Druckstufe bleibt wie bei der 557 ohne Einstellmöglichkeit. Das ist ein halber Schritt zur vollen Einstellbarkeit – für ein straßen- und leicht-geländeorientiertes Adventure-Bike aber praxistauglich.
Die Bremsen: Rieju.com gibt Doppelscheiben vorn mit 360 mm und Brembo-Vierkolben-Radialsattel an. Es müsste richtigerweise 300 mm heißen. Unstrittig: Brembo-Radialzange serienmäßig. Das ist gegenüber der Xplora 557 (nicht Brembo) ein klares Qualitäts-Upgrade. Bosch Zweikanal-ABS vollständig abschaltbar – für Geländeeinsatz auf Schotter relevant.
Ergonomie: 865 mm Sitzhöhe – und der clevere Absenkungsmechanismus
Die Sitzhöhe beträgt ab Werk 865 mm. Das ist für ein Adventure-Bike der 700er-Klasse ein üblicher Wert. Was Rieju anbietet, ist im Segment bemerkenswert: Die Sitzhöhe lässt sich über die Fahrwerkseinstellung um 25 mm absenken, auf dann ca. 840 mm. Zusätzlich ist im Power-Parts-Katalog eine optionale Sitzbank mit 25 mm dünnerer Polsterung erhältlich – damit ergibt sich ein Minimum von ca. 815 mm. Das ist für kurzbeinige Fahrern ein echter Pulspunkt. Rieju verspricht dabei trotz dünnerer Polsterung guten Langstreckenkomfort, durch hochwertigen Schaumstoff.
Das Gesamtgewicht liegt mit 19,5 Liter Kraftstoff und allen Betriebsmitteln bei 243 kg – etwas mehr als die technisch verwandte Benelli TRK 702 X (235 kg). Die Sitzposition ist aufrecht und tourentauglich. Die 707 ist spürbar offroad-orientierter positioniert als die 557, auch durch das 19-Zoll-Vorderrad.
19-Zoll-Vorderrad und Bereifung: Das entscheidende Gelände-Argument
Das 19-Zoll-Vorderrad ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zur Xplora 557 (17 Zoll). Auf 19-Zoll-Alu-Speichenrädern mit schlauchlosen Reifen in 110/80-19 vorn und 150/70-17 hinten fährt die 707 besser durch leichtes bis mittleres Gelände als eine reine 17-Zoll-Straßenmaschine. Speichenfelgen, Mischbereifung, Rohrschutzbügel und Handprotektoren sind an Bord – ohne enduro in strengem Sinne zu sein, ist es ein Kompromiss, der Stiefel und Schuh gleichermaßen bedient. Die 707 will kein reines Geländebike sein; sie will vielseitig sein.
Ausstattung, 5 Jahre Garantie und Varianten
Voll-LED-Beleuchtung; 7-Zoll-TFT mit Mirror Link; USB-A + USB-C; beleuchtete Bedienelemente; Gepäckträger; verstellbare Hebel; Zentral- und Seitenständer; seitliche Schutzbügel; Kühlerschutz; Handprotektoren – serienmäßig. Das ist für 8.240 Euro eine vollständige Ausstattung, die ähnlich ausgestattete Wettbewerber über 10.000 Euro kosten.
Fünf Jahre Garantie auf die gesamte XPLORA-Reihe – Bedingung: planmäßige Wartung beim Rieju-Vertragshändler. Varianten: 707 S (straßenorientierter) und 707 X (mehr geländeorientiert mit zusätzlichem Schutz-Ausstattung). Keine Fahrmodi: das fehlende Fahrmodi-System ist ein Kritikpunkt, denn Kunden sind sensibel für dieses Argument.
Preiseinordnung und Konkurrenz
8.240 Euro in Deutschland. Yamaha Tracer 700: ca. 10.400 Euro, 73 PS, bewährt, aber ohne Brembo. Kawasaki Versys 650: ca. 9.000 Euro, 68 PS, kein 19-Zoll-Voderrad. Benelli TRK 702 X: ca. 8.500 Euro, gleicher Motor, 235 kg. Honda NX 500: ca. 8.400 Euro, 35 kW. Suzuki SV-7GX 650: ca. 10.000 Euro, 73 PS. Die Rieju ist günstiger als alle japanischen und europäischen 700er-Adventure-Bikes, leichter als die technisch verwandte Benelli und hat Brembo. Das ist ein schwer angreifbares Gesamtpaket.
Fazit
Die Rieju Xplora 707 hat ein Konzept, das von MV Agusta skizziert und von QJMotor und schließlich Rieju vollendet wurde: 70 PS, Brembo, KYB, 19-Zoll, 5 Jahre Garantie, 221 kg trocken für 8.240 Euro. Das ist das günstigste Brembo-ausgerüstete 700er-Adventure-Bike in Deutschland. Das Absenkungssystem der Sitzhöhe auf bis zu 815 mm ist eine praktisch durchdachte Lösung für kürzere Fahrer. Die fehlenden Fahrmodi und das nicht vollständig einstellbare Federbein sind Einschränkungen. Wer mit beidem leben kann, kauft das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in der Klasse.
Kurzcheck
+ Brembo Vierkolben-Radialsattel vorn serienmäßig: günstigste Brembo-ausgerüstete 700er-Adventure in Deutschland; kein Aufpreis, keine Option
+ KYB USD 43 mm: Druck- und Zugstufe vorn einstellbar (Upgrade gegenüber Xplora 557); 19-Zoll-Vorderrad auf Alu-Speichenrädern 110/80-19: echter Crossover-Kompromiss für Schotter und Asphalt
+ Sitzhöhe 865 mm ab Werk; bis zu 50 mm absenkbar: –25 mm via Fahrwerk serienmäßig, weitere –25 mm via optionaler Sitzbank (Power Parts); Minimum ca. 815 mm
+ 70 PS, 70 Nm, Euro 5+; Anti-Hopping-Kupplung; Bosch Zweikanal-ABS abschaltbar; 7-Zoll-TFT Mirror Link; Zentral- + Seitenständer; Schutzbügel; Handprotektoren serienmäßig
+ 5 Jahre Garantie (XPLORA-Reihe; bei planmäßiger Wartung beim Rieju-Vertragshändler); + 8.240 Euro: günstiger als Yamaha Tracer 700, Kawasaki Versys 650, Suzuki SV-7GX
– Federbein nur vorspannungseinstellbar: Druckstufe hinten nicht einstellbar; Gabel voll einstellbar (Vorteil), Federbein nicht (Einschränkung)
– Keine Fahrmodi: Wettbewerber in diesem Preissegment bieten oft 2–3 Modi
– Bremsscheiben-Durchmesser unklar: Rieju-Website 360 mm; 300 mm dürfte stimmen
– Standgeräusch nicht offiziell publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären
– Junges Modell in Deutschland; Händlernetz im Aufbau; 5-Jahres-Garantie nur bei Wartung beim Rieju-Vertragshändler
– mit 243 kg fahrfertig an der Gewichtsgrenze für die Klasse; eine Diät von rund 20 kg wäre willkommen
Technische Daten: Rieju Xplora 707 (2026)
Marke / Modell: Rieju Xplora 707; Hersteller: Rieju (España S.A., Figueres); Motor: QJMotor (Geely-Konzern); gleicher Twin in Benelli TRK 702; techn. Basis: MV Agusta Lucky Explorer 7.0-Konzept (2022 angekündigt, nie gebaut); Varianten: 707 S (Straße), 707 X (Gelände); Farben: Schwarz, Weiß
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder, 694 cm³; Einspritzung; Anti-Hopping-Kupplung; 6-Gang; Kette; Euro 5+; A2-Drosselkit verfügbar
Leistung: 70 PS (51,5 kW) bei 8.000/min
Drehmoment: 70 Nm bei 6.000/min
Motor-Verwandtschaft: Benelli TRK 702 (gleicher QJMotor-Twin; Rieju 707 = überarbeitete Benelli TRK 702)
Vmax: ca. 180 km/h
Tank: 19,5 L
Rahmen: Stahl-Gitterrohrrahmen
Gabel: KYB USD 43 mm; Druck- und Zugstufe einstellbar (Upgrade vs. 557)
Federbein: KYB; Vorspannung einstellbar; Druckstufe NICHT einstellbar
Bremsen vorn: Brembo Vierkolben-Radialsattel; Doppelscheibe (Rieju: 360 mm; 300 mm dürfte stimmen); Bosch Zweikanal-ABS vollständig abschaltbar
Bremse hinten: Scheibe 240–260 mm; ABS abschaltbar
Räder: 19 Zoll vorn; 17 Zoll hinten; Alu-Speichenräder schlauchlos
Reifen: 110/80-19 vorn; 150/70-17 hinten (707 S) / 110/80-19 + 150/70-17 (707 X)
Ergonomie: Sitzhöhe 865 mm, via Fahrwerk -25 mm auf ca. 840 mm, via opt. Sitzbank weitere -25 mm auf ca. 815 mm; aufrechte Adventure-Position
Gewicht: 243 kg vollgetankt
Ausstattung: 7-Zoll-TFT; Mirror Link; Navigation; Voll-LED; USB-A + USB-C; Zentral- + Seitenständer; seitliche Schutzbügel; Kühlerschutz; Handprotektoren; Gepäckträger; verstellbare Hebel
Fahrmodi: Keine kommuniziert
Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären
Varianten: 707 S (straßenorientierter); 707 X (mehr Geländeequipment); beide mit gleicher Technik
Preis (D): 8.240 Euro inkl. NK
Garantie: 5 Jahre (XPLORA-Reihe; Bedingung: planmäßige Wartung ausschließlich beim Rieju-Vertragshändler)