Test Triumph Tracker 400 (2026)
42 PS, Flat-Track-Lenker, Pirelli MT60 RS – der fahrdynamisch überzeugendste Allrounder der 400er-Familie
Stand: 28.4.2026 | Modell: Triumph Tracker 400 (2026; Neuvorstellung; Modellreihe Mk1); Hersteller: Triumph Motorcycles Ltd. (Hinckley, GB); Produktion: Indien (Bajaj) | Preis DE: 6.495 Euro (zzgl. Händler-NK; Ö: 7.145 Euro inkl. NOVA+NK) | Marktstart DACH: Mai 2026 | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären | Garantie: 4 Jahre; Serviceintervall: 16.000 km
Flat-Track-Konzept: was das bedeutet und was nicht
Flat-Track-Racing ist eine amerikanische Rennsportdisziplin auf Ovalkursen mit losem Untergrund – breite Lenker, aufrechte Haltung, Motorräder die mit dem Hinterrad ausbrechen und mit dem Fuß auf dem Boden durch Kurven gelenkt werden.
Triumph nimmt davon die Ästhetik und übersetzt sie in ein Straßenmotorrad: breiter, flacher Lenker, aufrechte Sitzposition mit nach außen gestreckten Ellbogen, Flyscreen statt Vollverkleidung, zweifach hochgezogene Auspuffrohre, Kniemulden im Tank, farblich abgestimmte Sitzbankhülle. Das Ergebnis ist kein Geländemotorrad – die Pirelli MT60 RS sind Straßenreifen mit Retro-Flat-Track-Optik – sondern ein Straßenmotorrad mit einer Sitzposition, die das aktive, frontorientierte Fahren begünstigt.
Die Tracker 400 ist damit innerhalb der 400er-Familie das Modell mit der klarsten Eigenidentität jenseits der Speed 400. Während die Scrambler 400 X und XC auf Schottertauglichkeit zielen und die Thruxton 400 auf Café-Racer-Stil, schafft die Tracker ein Fahrerlebnis, das keines der Schwesternmodelle so anbietet: aufrecht, breit, frontal, lebendig.
Motor: 42 PS – die überarbeitete TR-Version
Der 398-cm³-DOHC-Einzylinder wurde für die Tracker 400 (und die Thruxton 400) mit neuen Nockenwellenprofilen und neuem Mapping auf 42 PS bei 9.000/min gebracht – 2 PS mehr als die Speed 400, 1.000 Touren höher. Das maximale Drehmoment von 37,5 Nm liegt bei 7.500/min an (Speed 400: 6.500/min). Triumph erklärt die Entscheidung gegen die volle A2-Grenze von 47 PS klar: Mehr Spitzenleistung hätte das Mitteldrehmoment beeinträchtigt, wo Fahrer im Alltag die meiste Zeit verbringen. 42 PS sind damit kein Kompromiss, sondern eine Charakterentscheidung zugunsten des Drehzahlbands, das auf der Straße am meisten genutzt wird.
Der Motor dreht freudiger aus als der der Speed 400, klingt durch das frühere Drehzahlmaximum lebhafter und gibt der Tracker oben heraus etwas mehr Reserven. Wer die Tracker als Hochdrehzahlgerät fahren möchte, verpasst aber ihren eigentlichen Charakter: Sie fühlt sich im mittleren Drehzahlbereich am wohlsten und kommuniziert dort durch die frontorientierte Sitzposition direkter mit dem Fahrer als jedes Schwesternmodell. Ride-by-Wire; Anti-Hopping-Kupplung; 6-Gang; Kette; Euro 5+; A2-tauglich.
Ergonomie: aktiv, aufrecht, frontorientiert
Die Ergonomie ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal der Tracker 400. Der flache Flat-Track-Lenker sitzt 13 cm tiefer als der Rohrlenker der Speed 400 und ist 2 cm breiter – die Ellbogen zeigen nach außen, der Oberkörper geht leicht nach vorn, und die Hebelwirkung beim Einlenken steigt.
Die Fußrasten wanderten 9 cm nach hinten und 3 cm höher, was den Kniewinkel anspannt und die Schräglagenfreiheit erhöht. Die Sitzhöhe beträgt 805 mm – 15 mm mehr als die Speed 400, aber mit einem Gewicht von 170 kg (identisch zur Speed 400) fühlt sich das Motorrad im Stand kleiner an als es ist.
Das Ergebnis dieser Geometrieanpassungen ist eine spürbar veränderte Gewichtsverteilung: Die Tracker sitzt frontorientierter als ihre Schwesternmodelle, mehr Last liegt auf dem Vorderrad. Das zahlt sich beim Einlenken aus – die Tracker kommuniziert beim Kurveneingang direkter und gibt dem Fahrer früher Rückmeldung über das Vorderrad. Die Tracker ist als ein komfortablerer und überzeugenderer Allrounder gegenüber der Thruxton – weniger einschränkend, ansprechender auf gemischten Straßen, insgesamt freudiger im Alltag.
Fahrwerk, Reifen und Geometrie
Das Fahrwerk basiert auf derselben 43-mm-Big-Piston-USD-Gabel und dem Zentralfederbein wie die Speed 400, wurde aber für die Tracker-Geometrie neu abgestimmt. Der Radstand beträgt 1.371 mm – der kürzeste in der gesamten TR-400-Familie – und der Lenkkopfwinkel liegt bei 24,4°. Diese Kombination macht die Tracker agiler beim Richtungswechsel als die längeren Schwesternmodelle und erklärt, warum sich die Fahrdynamik trotz identischer Motorleistung deutlich anders anfühlt als bei der Speed 400.
Die Pirelli MT60 RS sind der optisch augenfälligste Reifencharakter der Familie: Flat-Track-Profil mit breiten Stollen und retro-industrieller Optik, aber volle Straßenzulassung und auf Asphalt leistungsfähig. Sie passen zur Ästhetik und zur Botschaft des Motorrads; wer maximalen Grip auf trockener Landstraße sucht, findet bei der Thruxton 400 mit Pirelli Diablo Rosso IV die kompromisslosere Reifenwahl. Für gemischte Alltagsnutzung – Stadt, Landstraße, gelegentlicher Schotter – sind die MT60 RS die sinnvollere Entscheidung.
Design: Flat-Track-Identität in drei Details
Die Tracker 400 ist von drei Designmerkmalen geprägt, die ihren Charakter sofort erkennbar machen. Erstens der Tank mit Kniemulden – eine Referenz an klassische Flat-Track-Rennmaschinen, bei denen der Fahrer in Kurven mit dem Knie an den Tank drückt, um das Motorrad zu dirigieren. Zweitens die farblich abgestimmte Sitzbankhülle – nicht als Soziussitz, sondern als optischer Abschluss des Motorrads. Drittens die zweifach hochgezogenen Auspuffrohre aus gebürstetem Edelstahl, die dem Motorrad einen kompakten, gedrungenen Auftritt geben, der auf dem Papier Scrambler und in der Praxis Straßenmotorrad ist.
Der Flyscreen ergänzt das Bild und bietet über 120 km/h eine minimale Windschutzwirkung. Drei Farben: Aluminium Silver, Racing Yellow, Phantom Black. Die Verarbeitung ist – wie bei allen 400er-Modellen von Triumph – auf einem Niveau, das im A2-Segment wenige Wettbewerber erreichen: saubere Schweißnähte, hochwertige Oberflächen, keine sichtbaren Kabel.
Preis und Einordnung
6.495 Euro in Deutschland (zzgl. Händler-NK), 7.145 Euro in Österreich (inkl. NOVA und NK), 4 Jahre Garantie, Marktstart Mai 2026. Das sind 1.000 Euro mehr als die Speed 400 in der Einführungsversion – wofür man die überarbeitete Motorversion mit 42 PS, die spezifische Flat-Track-Geometrie, die Pirelli MT60 RS und das eigenständige Design bekommt. Die Thruxton 400 ist in Deutschland nicht erhältlich und damit kein direkter Marktbegleiter. Die Royal Enfield Meteor 350 kostet ca. 4.800 Euro und bietet einen anderen Charakter (Cruiser). Die KTM Duke 390 kostet ca. 6.800 Euro mit 45 PS und einer deutlich sportlicheren, modernen Ausrichtung ohne Retro-Anspruch. Die Tracker 400 ist im Flat-Track-A2-Segment ohne direkten Wettbewerber.
Fazit
Die Tracker 400 ist die interessanteste Neuerung im Triumph-400er-Programm 2026. Sie schafft eine Fahrcharakterkombination – aktive aufrechte Sitzposition, frontorientierte Gewichtsverteilung, kurzer Radstand, überarbeiteter Motor – die innerhalb der Familie einzigartig ist und im Markt kaum Vergleichbares hat. Wer die Speed 400 als zu entspannt empfindet und die Thruxton 400 als zu einschränkend, kauft die Tracker. Und wer bisher gar keinen Triumph in Betracht gezogen hat, weil ihm die Modelle zu gemütlich waren, findet hier eine andere Antwort.
Kurzcheck
+ Frontorientierte Gewichtsverteilung und kürzester Radstand der 400er-Familie (1.371 mm): Die Tracker kommuniziert beim Einlenken direkter als jedes Schwesternmodell; der überzeugendere Allrounder gegenüber der Thruxton, weniger einschränkend, insgesamt freudiger
+ 42 PS bei 9.000/min: überarbeiteter TR-Motor mit neuen Nockenprofilen und neuem Mapping; lebhafter im oberen Drehzahlbereich als Speed 400; A2-tauglich; Triumph begründet 42 statt 47 PS bewusst mit Mitteldrehmoment-Erhalt
+ Flat-Track-Identität konsequent umgesetzt: Tankkniemulden, farblich abgestimmte Sitzbankhülle, Doppel-Hochauspuff, Flyscreen, Pirelli MT60 RS; Triumph-Verarbeitungsqualität im A2-Segment unerreicht; 4 Jahre Garantie; 16.000 km Serviceintervall
+ 6.495 Euro in Deutschland ab Mai 2026; im Flat-Track-A2-Segment kein direkter Wettbewerber; 170 kg fahrfertig; 805 mm Sitzhöhe; Pirelli MT60 RS für Stadt, Landstraße und gelegentlichen Schotter alltagstauglich
– Drehmoment erst bei 7.500/min (Speed 400: 6.500/min): im Stadtmodus und bei sehr entspanntem Fahren weniger spontan als Speed 400; kein Motorrad für entschleunigtes Gleiten
– Standgeräusch nicht offiziell publiziert; beim Händler klären – insbesondere für Tirol-Reisen relevant (Grenze 95 dB(A))
– Pirelli MT60 RS: optisch stimmig, aber kein Hochleistungsreifen auf nassem Asphalt oder bei sehr sportlicher Kurvenfahrt; wer maximalen Landstraßen-Grip sucht, findet bei der Thruxton 400 (Pirelli Diablo Rosso IV) die bessere Reifenwahl – allerdings nicht in Deutschland erhältlich
– Kein TFT, kein Quickshifter, kein Bluetooth; Einzelscheibe vorn; Zubehörprogramm noch aufgebaut – die Tracker 400 ist ein neues Modell und hat nicht das gewachsene Zubehörangebot der Speed 400
Technische Daten: Triumph Tracker 400 (2026)
Marke / Modell: Triumph Tracker 400 (2026; Neuvorstellung; Modellreihe Mk1); Hersteller: Triumph Motorcycles Ltd. (Hinckley, GB); Produktion: Indien (Bajaj)
Tracker vs. Speed 400: Motor: 42 PS / 9.000/min + neue Nockenwellenprofile (Speed 400: 40 PS / 8.000/min). Lenker: 13 cm tiefer, 2 cm breiter. Fußrasten: 9 cm weiter hinten, 3 cm höher. Radstand: 1.371 mm (kürzester der Familie). Reifen: Pirelli MT60 RS. Sitzhöhe: 805 mm (+15 mm). Preis: +1.000 Euro.
Motor: Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Einzylinder; 4 Ventile; 398 cm³; überarbeitete Nockenwellenprofile und neues Mapping; Ride-by-Wire; Anti-Hopping-Kupplung; Euro 5+; A2-tauglich
Leistung: 42 PS (30,9 kW) bei 9.000/min
Drehmoment: 37,5 Nm bei 7.500/min
Vmax / Verbrauch: ca. 150 km/h; 3,6 l/100 km; ca. 360 km Reichweite
Tank / Gewicht: 13 l (Metall; Kniemulden); 170 kg vollgetankt
Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Kette
Elektronik: ABS serienmäßig; Traktionskontrolle abschaltbar; Ride-by-Wire; analoges Rundinstrument mit LCD-Multifunktionsdisplay (Drehzahl, Ganganzeige u.a.); USB-C; kein TFT; kein Quickshifter
Gabel: 43-mm-Big-Piston-USD-Gabel; goldeloxiert; Flat-Track-Abstimmung
Federbein: Zentralfederbein; auf Tracker-Geometrie abgestimmt
Bremse vorn: Einkolben-Floating-Sattel; Einzelscheibe 300 mm; ABS
Bremse hinten: Einkolben; Scheibe 230 mm; ABS
Räder: Aluminiumgussräder; 17 Zoll vorn; 17 Zoll hinten
Reifen: Pirelli MT60 RS (Flat-Track-Profil, Straßenzulassung); 110/70-17 vorn; 150/60-17 hinten
Ergonomie: Sitzhöhe 805 mm; Flat-Track-Lenker 13 cm tiefer + 2 cm breiter als Speed 400; Fußrasten 9 cm weiter hinten + 3 cm höher; Radstand 1.371 mm; Lenkkopfwinkel 24,4°; Flyscreen; farblich abgestimmte Sitzbankhülle
Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; beim Händler klären (Tirol-Grenze: 95 dB(A))
Farben 2026: Aluminium Silver; Racing Yellow; Phantom Black
Garantie / Service: 4 Jahre Herstellergarantie, Serviceintervall: 16.000 km
Preis (D / Ö): 6.495 Euro (zzgl. Händler-NK); 7.145 Euro (Ö; inkl. NOVA + NK); Marktstart: Mai 2026