Test Voge 500 AC (2026)

Retro-Naked-Bike mit Reihenzweizylinder, TFT-Display, Pirelli-Reifen und 98 dB(A) Standgeräusch – das Tirol-Fahrverbot trifft sie

Die Voge 500 AC ist das Motorrad, das die chinesische Marke Loncin in Europa ernst nimmt: Retro-Design mit eigenständigem Charakter, KYB-Gabel, Nissin-Bremsen, Bosch-ABS, Pirelli-Reifen und ein TFT-Farbdisplay mit Reifendruckanzeige und Smartphone-Konnektivität – für 6.199 Euro. Der 471-cm³-Reihentwin mit 47 PS ist A2-konform und läuft gutmütig. Das einzige Thema, das man vor der Kaufentscheidung kennen muss: Die 500 AC kommt mit 98 dB(A) Standgeräusch und ist damit für Tiroler Fahrverbotsstrecken nicht zugelassen.

Stand: 23.4.2026 | Modell: Voge 500 AC (500AC Classic); Hersteller: Loncin, Marke Voge; europ. Vertrieb: MSA Motor Sport Accessoires GmbH, Weiden i.d.OPf. | Preis: 6.199 Euro inkl. MwSt., zzgl. Überführungskosten (ca. 300 Euro; UVP Voge Germany) | Standgeräusch: 98 dB(A) – überschreitet Tiroler Grenze (95 dB(A)); für betroffene Strecken nicht zugelassen | Garantie: 3 Jahre freiwillige Herstellergarantie

 

Was die Voge 500 AC ist – und wie sie sich positioniert

Die Voge 500 AC ist ein Retro-Naked-Bike aus dem Haus Loncin, dem chinesischen BMW-Motorenpartner, der die Reihenzwillinge für die BMW F850/900-Baureihe produziert. Unter der Marke Voge tritt Loncin seit wenigen Jahren in Europa eigenständig an, und die 500 AC ist das Modell, das am überzeugendsten zeigt, dass es sich dabei nicht um Kopien handelt: Optisch ist die AC eigenständig.

Die geschwungene Tank-Sitzbanklinie, der markante oval-eckige LED-Rundscheinwerfer, das kurze Heck mit dem an der Hinterachse montierten Kennzeichenhalter und der konisch geformte Edelstahl-Enddampfer ergeben eine Silhouette, die nicht mit einem anderen Motorrad verwechselt werden kann. Auf vergleichsweise niedrigen 810 mm Sitzhöhe, mit weit den Armen entgegengestrecktem Lenker, ergibt sich eine aufrechte, lässige Sitzposition, die zum Charakter des Motorrads passt.

Der Motor: 471 cm³, 47 PS, ein bekanntes Konzept

Der 471-cm³-Reihenzweizylindermotor der 500 AC weist eine überdeutliche Verwandtschaft mit dem Aggregat der Honda CB 500 Hornet auf: Bohrung, Hub und Verdichtung sind identisch, die Nennleistung von 47 PS bei 8.500/min und die Homologation als A2-konformes Motorrad liegen auf gleichem Niveau wie bei der Honda.

Das Honda-Motorenlayout ist in der Klasse kein Einzelfall – auch die Brixton Crossfire 500 baut auf einem ähnlich konstruierten Triebwerk auf. Was die Fahrzeuge unterscheidet, sind Abstimmung, Ausstattung und Design, nicht die Motorgeneration selbst.

In der Praxis läuft der Voge-Twin gutmütig und sauber abgestimmt. Die Kraft kommt homogen und linear, die Beschleunigung ist klassentypisch ohne Dramatik. Ab etwa 7.000/min geht dem Motor merklich die Luft aus. Ab 7.000/min ist Schluss mit dem Vortrieb.

Unangenehme Vibrationen bei höheren Drehzahlen sind aus Fahrerfahrungen mit dem gleichen Aggregat in anderen Voge-Modellen bekannt. Unterhalb dieser Zone fährt sich die 500 AC dank guter Elastizität entspannt und ist auf der Landstraße meist im fünften oder sechsten Gang unterwegs. Der Normverbrauch liegt bei 4,1 l/100 km; der 19-Liter-Tank ergibt eine theoretische Reichweite von rund 460 km.

Fahrwerk, Bremsen und Fahrcharakter

Vorne arbeitet eine KYB-USD-Gabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser und 128 mm Federweg, hinten eine schwimmend gelagerte Zweiarmschwinge mit KYB-Zentralfederbein (Federweg 120 mm), einstellbar in der Federvorspannung. Die Abstimmung ist komfortbetont. Die Maschine neigt auch bei etwas sportlicherer Fahrweise nicht zum Aufschaukeln und ist geschmeidig unterwegs.

Die Stärken des Fahrwerks liegen klar im Bereich Komfort. Sportliches Treiben setzt sowohl die eher mäßige Schräglagenfreiheit als auch die etwas lasche Gabelabstimmung klare Grenzen. Bremsen in Schräglage führt zu einem spürbaren Aufstellmoment.

Die Bremsanlage stammt von Nissin: vorn Doppelscheibe 298 mm mit schwimmenden Sättel, hinten 240 mm. Das Bosch-ABS regelt etwas ruppig, die Dosierbarkeit des Handhebels ist etwas indifferent. Die serienmäßig aufgezogenen Pirelli Angel GT sind für ein Motorrad dieser Preisklasse eine angenehme Überraschung – ein positiven Ausreißer.

Ausstattung: Was die 500 AC von der Konkurrenz abhebt

Das TFT-Farbdisplay ist in dieser Fahrzeugklasse noch immer keine Selbstverständlichkeit. Die Voge bietet eines mit Nachtmodus, lichtabhängiger Beleuchtungsanpassung, Ganganzeige, Benzinstand, Kühlwassertemperatur, Drehzahl, Bordcomputer, Außentemperatur, Uhrzeit und – besonders bemerkenswert – Reifendruckkontrolle vorn und hinten serienmäßig.

Dazu Smartphone-Konnektivität per Bluetooth und USB; mit Headset ist auch Telefonie möglich. Das ist für 6.199 Euro das Niveau einer Mittelklasse-Maschine mit doppeltem Preisschild.

Hinzu kommen: Full-LED-Beleuchtung rundum; konisch geformter Edelstahl-Enddampfer; Kennzeichenhalter an der Hinterachse mit integrierten Blinkern; 17-Zoll-Gussfelgen; ein Tankinhalt von 19 Litern, der deutlich größer ist als bei der direkten Konkurrenz. Das Wartungsintervall von 10.000 km ist etwas knapp für Toureneinsätze, aber im Einstiegsbereich marktüblich.

Das Standgeräusch: 98 dB(A) und Tirol

Das ist der Punkt, den man vor dem Kauf kennen muss. Die Voge 500 AC ist mit 98 dB(A) Standgeräusch eingetragen. Die Tiroler Grenze für Fahrverbote auf bestimmten Strecken liegt bei 95 dB(A). Die 500 AC überschreitet diese Grenze um drei Dezibel und ist damit auf den betroffenen Tiroler Strecken nicht zugelassen. Die Maschine klingt eigentlich gar nicht so laut. Voge hätte für Europa zumindest die 95-dB-Grenze einhalten sollen. Wer von Süddeutschland über Tirol in Richtung Italien oder Südtirol fahren möchte, muss Umwege einplanen oder darf dieses Motorrad nicht kaufen.

Konkurrenz und Einordnung

Die Honda CB 500 Hornet kostet rund 7.800 Euro und ist motorisch nahezu identisch – sie hat aber keine Retro-Optik, kein TFT mit Reifendruckkontrolle und kommt ohne die Pirelli-Bestückung. Die Benelli Leoncino 500 ist ein direkter ästhetischer Konkurrent im Retro-Segment, liegt preislich ähnlich, hat aber einen anderen Motor und ein weniger umfangreiches Cockpit. Die Brixton Crossfire 500 liegt etwas teurer. Die Royal Enfield Meteor 350 ist günstiger, hat aber weniger Hubraum und weniger PS.

Im Retro-Naked-Segment unter 7.000 Euro bietet die 500 AC das umfangreichste Ausstattungspaket – mit dem genannten Vorbehalt beim Standgeräusch.

Fazit

Die Voge 500 AC ist ein gut gemachtes, eigenständiges Retro-Naked-Bike mit einer Ausstattung, die weit über dem liegt, was man für 6.199 Euro erwartet. KYB-Fahrwerk, Nissin-Bremsen mit Bosch-ABS, Pirelli Angel GT, TFT mit Reifendruckkontrolle und Smartphone-Kopplung sind in diesem Preisbereich kein Standard. Das Fahrverhalten ist komfortbetont und berechenbar; der Charakter lässig statt sportlich.

Wer das sucht und nicht über Tirol in Richtung Süden fährt, bekommt eine überzeugende Maschine. Das 98-dB(A)-Standgeräusch ist der einzige, aber gewichtige Wermutstropfen für alle, die im deutschsprachigen Alpenraum touren.

 

Kurzcheck

 

+ Ausstattung über Preisklasse: KYB-USD-Gabel, Nissin-Doppelscheibenbremse, Bosch-ABS, Pirelli Angel GT serienmäßig

+ TFT-Farbdisplay mit Reifendruckkontrolle, Bluetooth-Konnektivität, USB; Nachtmodus; lichtabhängige Helligkeit – in dieser Klasse außergewöhnlich

+ 19-Liter-Tank; ca. 4,1 l/100 km; ca. 460 km theoretische Reichweite – überdurchschnittlich für ein Naked Bike dieser Klasse

+ Eigenständiges Retro-Design: oval-eckiger LED-Rundscheinwerfer, Edelstahl-Enddampfer, Kurzheck mit hinterachsmontiertem Kennzeichenhalter

+ A2-konform (47 PS); 810 mm Sitzhöhe; aufrechte, bequeme Sitzposition; auch als Zweipersonen-Motorrad geeignet

+ 3 Jahre freiwillige Herstellergarantie; Loncin als BMW-Motorenpartner mit nachgewiesener Fertigungskompetenz

 

98 dB(A) Standgeräusch: überschreitet Tiroler Grenze (95 dB(A)) um 3 dB; auf betroffenen Tiroler Strecken nicht zugelassen – kaufentscheidend für Alpen-Tourer

ABS-Regelung etwas ruppig; Bremsgefühl am Handhebel indifferent; Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage

Fahrwerk komfortbetont, nicht sportlich abstimmbar; Gabel etwas lasch bei sportlicher Fahrweise; Schräglagenfreiheit begrenzt

Motor über 7.000/min ohne weiteren Schub; in anderen Voge-500-Modellen unangenehme Vibrationen bei längeren Hochdrehzahl-Passagen bekannt

Wartungsintervall 10.000 km: für intensive Toureneinsätze etwas kurz

Händlernetz in Deutschland nicht in jedem Dorf: Distanz zum nächsten Voge-Vertragshändler vor Kauf prüfen

 

 

Technische Daten: Voge 500 AC (2026)

 

Marke / Modell: Voge 500 AC (500AC Classic); Hersteller: Loncin (chinesischer BMW-Motorenpartner); Marke: Voge; europ. Vertrieb: MSA Motor Sport Accessoires GmbH, Weiden i.d.OPf.

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder, 471 cm³, 4-Ventil, elektronische Einspritzung; 6-Gang; Kette; Euro 5

Leistung: 47 PS (34,5 kW) bei 8.500/min

Drehmoment: 44,5 Nm bei 7.000/min

Vmax / Verbrauch: ca. 160 km/h; ca. 4,1 l/100 km (Normverbrauch)

Tank / Reichweite: 19 l; ca. 460 km (theoretisch)

Rahmen: Stahlrohr-Brückenrahmen

Gabel: KYB USD 41 mm; Federweg 128 mm; Federvorspannung einstellbar

Federbein: KYB-Zentralfederbein; Federweg 120 mm; Federvorspannung einstellbar

Bremsen vorn: Doppelscheibe 298 mm; schwimmende Nissin-Doppelsättel

Bremse hinten: Einzelscheibe 240 mm; Bosch-Zweikanal-ABS

Cockpit: TFT-Farbdisplay; Nachtmodus; Reifendruckkontrolle TPMS serienmäßig; Smartphone-Bluetooth; USB; Ganganzeige, Außentemperatur, Bordcomputer

Reifen: Pirelli Angel GT serienmäßig; 120/70-17 vorn; 160/60-17 hinten; 17-Zoll-Gussfelgen

Gewicht: 198 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 810 mm

Standgeräusch: 98 dB(A) – ÜBERSCHREITET Tiroler Grenze (95 dB(A)). Auf betroffenen Tiroler Strecken nicht zugelassen. Für Alpentouren über Tirol Umwege einplanen.

A-Zulassung: A2-konform (47 PS ≤ 48 PS; ≥ 0,1 kW/kg; A2-drosselbar)

Preis (D): 6.199 Euro inkl. MwSt., zzgl. Überführungskosten (ca. 300 Euro)

Garantie: 3 Jahre freiwillige Herstellergarantie (ohne Kilometerbegrenzung) zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung