Test Yamaha MT-09 (2026)

Wenn 119 PS Dreizylinder-Charakter mehr wert sind als noch mehr Leistung

Der CP3-Triple röhrt, reißt bei 5.500/min fest an und dreht freudig bis 11.500/min. Was Yamaha dazu gepackt hat, ist kaum zu übertreffen: 6-Achsen-IMU, Slide Control, Wheelie Control, Motorschleppkontrolle, Kurven-ABS, Quickshifter der 3. Generation, Tempomat, TFT-Display mit Garmin-Navigation und Bluetooth – alles serienmäßig, kein einziger Aufpreis. MY2026 läuft technisch unverändert auf diesem Stand.

Stand: 21.4.2026 | Modell: Yamaha MT-09 (aktuelle Generation seit MY2024, Baureihe RN87; MY2026 technisch unverändert) | Preis: 11.199 Euro MT-09 / 13.199 Euro MT-09 SP | Standgeräusch: unter 95 dB(A)

Charakter statt Hubraum: Warum der Triple der MT-09 seit zehn Jahren polarisiert

Es gibt Motoren, über die man sachlich schreiben kann. Und es gibt den CP3-Triple der Yamaha MT-09. Wer je auf einem dieser Motorräder gesessen hat, weiß, dass die Zahlen – 890 cm³, 119 PS, 93 Nm – nur die halbe Geschichte erzählen. Die andere Hälfte beginnt bei knapp 5.500/min, wenn der Dreizylinder aus dem kultiviert-grolligen Leerlauf heraus plötzlich die ganze Straße zu eng erscheinen lässt. Man ist  schlicht hingerissen.

Der Motor ist auf der Kurbelwelle um 120° versetzt, was den für Yamaha-Dreizylinder typischen „ungleichmäßigen“ Zündtakt und damit den eigenständigen Klang erklärt. Beim Gas-Zudrehen gibt es dezente Patscher aus dem Unterflur-Endschalldämpfer.

Und wer den Motor höher dreht, erlebt einen Charakterwechsel, den kein Vierzylinder der Klasse so überzeugend umsetzt: Der Triple dreht freudig bis 11.500/min, ohne jemals nervig zu werden. Das Drehmoment von 93 Nm liegt bereits bei 7.000/min an und macht die MT-09 so breitbandig nutzbar wie kaum ein anderes Motorrad dieser Hubraumklasse.

Das MY2024-Update: Erstmals fühlt sich die MT-09 wie ein vollständiges Motorrad an

Die aktuelle Generation (Baureihe RN87, seit MY2024) ist die tiefgreifendste Überarbeitung seit Jahren. Wer eine ältere MT-09 kennt, wird sich auf den ersten Metern wundern: Der Lenker sitzt jetzt 34,4 mm tiefer und 9 mm näher am Fahrer, die Fußrasten sind 9,5 mm höher und 30,6 mm weiter hinten positioniert. Das hört sich nach Feintuning an, fühlt sich aber nach einer komplett anderen Maschine an. Erstmals hat man das Gefühl, auf einem ganz normalen Naked Bike zu sitzen – mit deutlich mehr Druck auf dem Vorderrad und sprichwörtlich besserem Feedback aus der Front.

Der Grund dafür ist nicht nur die Ergonomie. Yamaha hat gleichzeitig die Gabelfedern versteift und die Druckstufendämpfung erhöht. Dazu kommt eine neue Brembo-Radial-Hauptbremszylinder, der die 4-Kolben-Bremssättel vorne spürbar besser dosierbar macht. Das Ergebnis: Die MT-09 von heute ist stabiler in schnellen Kurven als ihre Vorgänger, ohne die sprichwörtliche Handlichkeit verloren zu haben, die den Triple seit 2013 definiert. SpinForged-Aluminiumfelgen – das sind im Schmiede-Gussverfahren hergestellte Leichtbaufelgen – reduzieren die ungefederten Massen spürbar. Ab Werk rollt die MT-09 auf exzellenten Bridgestone Battlax S23.

Elektronik: Außer Radar fehlt nichts

An dieser Stelle könnte man eine Liste aufzählen. Oder kurz und bündig sagen: Die neue Yamaha MT-09 kommt mit voller Hütte und ohne Aufpreise. Das bedeutet: Eine von der R1-Supersportmaschine übernommene 6-Achsen-IMU steuert schräglagenabhängig alle Assistenzsysteme. Traktionskontrolle in drei Stufen, Slide Control für das Hinterrad, Lift Control gegen Wheelies, Back Slip Regulator zur Motorschleppmoment-Regelung, Kurven-ABS – alles IMU-gestützt, alles serienmäßig.

Dazu fünf frei wählbare Fahrmodi, von denen zwei vollständig individuell programmierbar sind. Der Quickshifter der 3. Generation schaltet bidi (in beide Richtungen) und so butterweich, dass Fahrer, die von älteren Generationen umsteigen, meistens zweimal prüfen, ob das Getriebe tatsächlich reagiert hat.

Seit dem MY2024-Update ist auch der Tempomat serienmäßig an Bord – vorher war das ein SP-Privileg. Das 5-Zoll-TFT-Farbdisplay wird über einen 5-Wege-Joystick bedient, lässt sich mit der Yamaha MyRide-App koppeln und bietet über die Garmin StreetCross-App vollständige Kartennavigation. Selbstrückstellende Blinker und ein Emergency Stop Signal – die Warnblinker gehen bei sehr hartem Bremsen automatisch an – runden das Paket ab.

Die elektronischen Assistenzsysteme verdienen großes Lob. Das Einstellen und Konfigurieren von Fahrmodi und Navigation ist mit dem 5-Wege-Joystick kinderleicht.

SP oder Basis: Wann lohnt sich der Aufpreis?

Die MT-09 SP kostet 2.000 Euro mehr als die Standardversion und bietet dafür eine DLC-beschichtete KYB-Gabel mit zusätzlicher Hochgeschwindigkeits-Druckstufe, ein Öhlins-Federbein mit Ferneinstellung der Vorspannung, Brembo Stylema-Monoblock-Bremssättel, einen Track-Fahrmodus und das Smart Key System. Das sind überzeugende Extras für ambitionierte Rennstreckenfahrer.

Wer nur auf der Landstraße unterwegs ist, hat in der neuen Basis-MT-09 eine so starke Plattform, dass man schon teuflisch scharf über die Straßen räubern muss, um den SP-Vorteil tatsächlich herauszufahren. Auf der Rennstrecke aber macht das Öhlins-Federbein den Unterschied spürbar.

Y-AMT: Der dreizylindrige Triple als Automatikmotor

Wer den CP3-Charakter erleben möchte, ohne jemals die Kupplung zu benutzen, kann die MT-09 auch mit dem Y-AMT-Getriebe bestellen. Es gibt dann weder Kupplungshebel noch Schalthebel, stattdessen Schaltwippen am linken Lenker für den manuellen Modus und zwei Automatik-Kennfelder: D für entspanntere Fahrten, D+ für einen sportlicheren Gangwechsel im oberen Drehzahlbereich. Der Motorcharakter des Triple bleibt vollständig erhalten. Wer zweifelt, ob das etwas für ihn ist, sollte vor dem Kauf eine Probefahrt machen – die Entscheidung ist weniger offensichtlich, als man vorab denkt.

Die Konkurrenz 2026: Stärker, günstiger – und aus China

Das Mittelklasse-Naked-Bike-Segment ist 2026 deutlich enger geworden, und nicht nur von den etablierten japanischen und europäischen Marken. Die KTM 990 Duke ist mit 123 PS aus einem 947-cm³-Parallel-Twin und dem WP-Apex-Fahrwerk die sportlichste Rivalin – kompromisslos präzise, aber preislich ab rund 1.500 Euro über der MT-09. Die Kawasaki Z 900 SE bringt mit 124 PS aus einem Reihenvierzylinder mehr Leistung und einen 17-Liter-Tank, fühlt sich auf kurvigen Straßen aber weniger leichtfüßig an als die Yamaha. Die Honda CB 1000 Hornet SP mit 157 PS spielt bereits in der nächsten Leistungsklasse.

Was die Marktlage 2026 wirklich verändert, sind die chinesischen Hersteller. CFMoto ist mit der 675 NK seit 2025 mit einem 674-cm³-Dreizylinder mit 90 PS, Quickshifter und KYB-Fahrwerk für rund 6.500 Euro in Deutschland vertreten. Das sind 29 PS weniger und rund 4.700 Euro weniger als eine Standard-MT-09 – und wer den Triple-Sound mag, kommt beim Fahren tatsächlich auf seine Kosten. Die CFMoto 800NK Advanced geht noch weiter: ein 799-cm³-Twin mit 95 PS, KYB-Fahrwerk voll einstellbar, 8-Zoll-TFT, Bluetooth, Tempomat und Quickshifter ab rund 7.999 Euro. Das Ausstattungsangebot übertrifft auf dem Papier alles, was japanische Hersteller in dieser Preisklasse anbieten. Dass es dafür noch keine langen Dauertests gibt, ist der einzige relevante Vorbehalt.

Kosten und Einordnung: Was die MT-09 2026 kostet und was sie dafür bietet

Die MT-09 kostet in der Schaltversion 11.449 Euro, die SP-Version 13.449 Euro. Dafür bekommt der Käufer das vollständigste Elektronikpaket im Segment, eine Kombination aus Triple-Charakter und Alltagstauglichkeit, die kein direkter Wettbewerber in dieser Form bietet. Wer hauptsächlich aufs Budget schaut und bereit ist, den Markenaufpreis zu vermeiden, wird bei CFMoto inzwischen ernsthaft fündig.

Fazit

Die MT-09 ist 2026 noch genau das Motorrad, das sie seit dem MY2024-Update ist: das vollständigste Paket aus Dreizylinder-Charakter, Elektronik und Alltagstauglichkeit in der Mittelklasse. Der CP3-Motor ist eine Legende. Das Elektronikpaket lässt im Segment kaum Wünsche offen. Und die Ergonomie passt endlich zu dem, was das Motorrad fahrdynamisch verspricht. Dass inzwischen chinesische Modelle für deutlich weniger Geld beachtliche Konkurrenz machen, müsste Yamaha 2026 zum Nachdenken über den Preis bewegen. Bis dahin gilt: Wer den Triple will, kommt an der MT-09 nicht vorbei.

 

Kurzcheck

 

+ CP3-Triple: schlicht hingerissen. Bei 5.500/min reißt er fest an, dreht freudig bis 11.500/min, Pops & Bangs beim Abtouren

+ Vollständiges Elektronikpaket serienmäßig: 6-Achsen-IMU, Slide Control, Wheelie Control, Motorschleppkontrolle, Kurven-ABS, QS 3. Gen, 5 Fahrmodi, Tempomat, TFT, Garmin-Navigation

+ MY2024-Update: Lenker tiefer, Rasten weiter hinten, straffere Gabel – erstmals das Gefühl eines ganz normalen Naked Bikes

+ animiert zum schnellen Fahren wie nur wenige andere Motorräder; Vorderrad-Rückmeldung deutlich besser; Quickhifter absolut butterweich

+ Neue Brembo Radial-Pumpe (MY2024): spürbar bessere Dosierbarkeit; Kurven-ABS sehr unauffällig

+ SP: Öhlins-Federbein, Brembo Stylema, DLC-Gabel, Track-Modus, Smart Key – für Rennstreckenambitionen das richtige Upgrade

+ Y-AMT optional: Triple-Charakter vollständig erhalten, kein Kupplungshebel, Automatikmodus D/D+

+ Unter 95 dB(A): nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen

 

14-Liter-Tank: rund 280 km Reichweite; bei 5 l/100 km auf Autobahnetappen spürbar knapp

10–30 PS weniger als Kawasaki Z 900 SE, Honda CB1000 Hornet und Triumph Street Triple RS; für reine Beschleunigungsfans ein Argument gegen die MT-09

Blinkerschalter: fummelig, mit dicken Handschuhen schwer zu ertasten, Ausschalten klappt nicht immer sofort

CFMoto 800 NK Advanced (ca. 8.000 Euro) und 675 NK (ca. 6.500 Euro) bieten 2026 ernsthafte Preis-Ausstattungs-Konkurrenz

 

 

Technische Daten: Yamaha MT-09 / MT-09 SP (2026)

 

Marke / Modell: Yamaha MT-09 (Standard / SP / Y-AMT); aktuelle Generation seit MY2024 (RN87); MY2026 technisch unverändert

Motor: CP3-Reihendreizylindermotor, 890 cm³, flüssigkeitsgekühlt; 120°-Kurbelwellenversatz; Ride-by-Wire (YCC-T); 6-Gang; QS 3. Gen bidi serienmäßig; Anti-Hopping-Kupplung; Kette; Euro 5+

Leistung: 119 PS (87,5 kW) bei 10.000/min; Abreglung 11.500/min

Drehmoment: 93 Nm bei 7.000/min

Vmax / Verbrauch: ca. 215–230 km/h; ca. 5,0 l/100 km; 14-L-Tank; ca. 280 km Reichweite

Rahmen: Alu-Deltabox (CF-Design); Alu-Schwinge

Gabel: Standard: KYB USD 41 mm, voll einstellbar (Vorspannung + Zug- + Druckstufe), 130 mm Federweg, straffere Abstimmung ab MY2024. SP: KYB USD 41 mm DLC, voll einstellbar inkl. Hochgeschwindigkeits-Druckstufe

Federbein: Standard: KYB, einstellbar, 117 mm Federweg. SP: Öhlins volleinstellbar mit Ferneinstellung Vorspannung

Bremsen vorn: Standard: Advics 4-Kolben, 2×298 mm, Brembo Radial-Hauptbremszylinder (ab MY2024), Kurven-ABS. SP: Brembo Stylema Monoblock, 2×298 mm, Brembo Radial-HBZ, Kurven-ABS

Bremse hinten: Nissin, ABS

Elektronik (Standard): 6-Achsen-IMU (R1-Basis); TCS 3-stufig schräglagenabh.; SCS (Slide Control); LIF (Wheelie Control); BSR (Motorschleppmoment); Kurven-ABS; 5 Fahrmodi (davon 2 individuell); QS 3. Gen bidi; Tempomat serienmäßig; ESS; 5-Wege-Joystick; 5-Zoll-TFT; MyRide App; Garmin Navigation

Elektronik (SP-Extra): Track-Fahrmodus; Smart Key System

Reifen: Bridgestone Battlax S23; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17; SpinForged-Alu-Felgen

Gewicht: Standard ca. 193 kg; SP ca. 194 kg, jeweils vollgetankt

Sitzhöhe: 825 mm

Radstand / Geometrie: 1.430 mm; Lenkkopfwinkel 65°; Nachlauf 102 mm

Standgeräusch: unter 95 dB(A); Tiroler Strecken zugelassen

MY2026: Keine technischen Änderungen kommuniziert; identisch mit MY2024/2025

Preis (D): MT-09 (Schaltung): 11.449 Euro UVP. MT-09 SP: 13.449 Euro UVP. Y-AMT-Option ebenfalls verfügbar