Test Yamaha R9 (2026)

890 cm³ CP3-Triple, 119 PS, Brembo Stylema, KYB voll einstellbar, Winglets, R1-Elektronik – Yamahas Flaggschiff unter den straßenzugelassenen Supersportlern ab 13.699 Euro

Die R9 ist 2026 das, was sie seit ihrer Einführung MY2025 ist: der zugänglichste vollverkleidete Supersportler, den Yamaha je gebaut hat – mit R1-Elektronik, dem leichtesten Deltabox-Rahmen der CP3-Familie und Brembo Stylema für 13.699 Euro.

Stand: 21.4.2026 | Modell: Yamaha R9 (YZF-R9); eingeführt MY2025; MY2026 technisch unverändert; Neuerung MY2026: 70th Anniversary Edition (weiß-rot) | Preis: ab 13.699 Euro inkl. Nebenkosten (Standard, MY2026); 14.499 Euro Anniversary Edition | Standgeräusch: unter 95 dB(A) – nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen

Woher die R9 kommt und was sie ist

Seit Yamaha 2020 die R6 als straßenzugelassenes Modell aufgab – sie ist seitdem ausschließlich als Rennstrecken-Homologationsmodell erhältlich – fehlte in der R-Serie ein vollverkleideter Supersportler mit mehr als 73 PS, der in Deutschland angemeldet werden konnte.

Nachfolger der R6 in diesem Sinne ist die R9 nicht, weil sie mit dem CP3-Triple einen anderen Motor, ein anderes Konzept und einen anderen Charakter mitbringt. Sie ist kein aufgebohrter Vierzylinder-Sportler, sondern eine eigenständige Neuentwicklung: ein Alu-Deltabox-Rahmen mit 9,7 kg Eigengewicht – dem leichtesten Supersport-Rahmen, den Yamaha je gebaut hat – kombiniert mit der Elektronik der R1, Brembo-Stylema-Monoblock-Bremssystemen, voll einstellbarem KYB-Fahrwerk, MotoGP-inspirierten Winglets und dem CP3, der seit 2014 als einer der besten Landstraßenmotoren überhaupt gilt.

Das Modelljahr 2026 bringt technisch keine Änderungen. Die einzige Neuheit ist die 70th Anniversary Edition zum 70-jährigen Yamaha-Jubiläum: weiß-rot mit historischem Speedblock-Design und goldenen Yamaha-Gabeln-Embleme. Alle anderen Fakten sind identisch mit MY2025. Wer den Testbericht liest, liest die R9 so, wie sie 2026 bei den Händlern steht.

Der CP3 im Supersport-Gewand: Was sich ändert und was bleibt

Der 890-cm³-Dreizylinder ist mechanisch identisch mit dem Motor der MT-09. Was sich ändert, ist das Mapping: Ein Supersport-spezifisches ECU-Mapping sorgt für eine andere Charakteristik als in der Tracer oder MT-09. motorradundreisen.de nach dem Kroatien-Test: Der CP3 überzeugt auf der Landstraße mit druckvollem unterem Bereich, feiner Gasannahme, keinen störenden Vibrationen, und zieht bei voller Leistung bis in den Begrenzer schön durch. Damit ist er weder ein zickiger Hochdrehmotor noch ein traktormotoriger Drehmomentofen. Das breite, nutzbare Drehzahlband macht ihn auf der Landstraße flexibel und auf der Rennstrecke ergiebig.

Der Quickshifter der 3. Generation – bidi, hoch wie runter – ist serienmäßig und funktioniert hervorragend: flüssig, sportlich, zum Dreizylindermotor passend. Die offiziellen Daten: 119 PS bei 10.000/min; 93 Nm bei 7.000/min. Verbrauch 5,0 l/100 km offiziell, der 14 l-Tank erlaubt ca. 280 km Reichweite. Vmax 248 km/h – 30 km/h mehr als die Tracer 9 GT.

Rahmen, Fahrwerk, Bremsen: Das technische Herz

Der Alu-Deltabox-Rahmen in Schwerkraftguss-Ausführung wiegt 9,7 kg und ist der steifste Rahmen der gesamten CP3-Familie sowie der leichteste Supersport-Rahmen, den Yamaha je verbaut hat. Die Gewichtsverteilung: nahezu perfekte 50/50 zwischen Vorder- und Hinterrad. Das Gesamtgewicht fahrfertig: 195 kg mit 12,6 Litern Benzin – ein Wert, der für ein vollverkleidetes Supersportmotorrad mit 14-Liter-Tank und vollständigem Elektronikpaket bemerkenswert ist. Die letzte R1 mit Straßenzulassung war 6 kg schwerer, die aktuelle MT-09 SP bringt 194 kg auf die Waage.

Das KYB-Fahrwerk ist vollständig einstellbar. Die 43-mm-USD-Gabel bietet eine Besonderheit: Zugstufendämpfung und Druckstufendämpfung sind je Gabelholm individuell einstellbar – Zugstufe rechts, Druckstufe links, jeweils für High- und Low-Speed. Bodenventile begrenzen den Ölfluss im unteren Teil der Gabel. Das Federbein ist zusätzlich in der Höhe verstellbar. Federweg: 120 mm vorn, 118 mm hinten.

Das Kayaba-Fahrwerk ist sehr auf der sportlichen Seite und zeigt auch bei starker Belastung noch gute Reserven. Ob das auf der Straße immer genug Komfort lässt, ist Geschmackssache. Die R9 ist kein semi-aktives Fahrwerk – das bleibt der Tracer GT-Reihe vorbehalten.

Die Bremsen: Brembo Stylema Monoblock-Vierzangenkolben vorn; 2×320 mm Bremsscheiben (vs. 298 mm bei der MT-09); Stahlflex-Leitungen; Brembo Radial-Hauptbremszylinder mit parallelem Kolbenhub. Die Bremsanlage überzeugt auf ganzer Linie – konstanter und berechenbarer Druckpunkt, hervorragend dosierbar, tadellose Standfestigkeit auch im Rennstreckenbetrieb. ABS hinten abschaltbar für die Rennstrecke.

Winglets: Nicht nur Optik, sagt das Motorrad-Marketing

Die MotoGP-inspirierten Winglets unterhalb der Scheinwerfer sind bei der R9 funktional: Yamaha gibt eine Reduktion des Vorderradauftriebs auf gerader Strecke um 6 bis 7% an, in Kurven steigt dieser Wert auf bis zu 10%. Gleichzeitig erzeugt die R9 laut Yamaha weniger Luftwiderstand als die R6. Die schmalere Frontverkleidung mit dem charakteristischen M-förmigen Lufteinlass und den nach oben angewinkelten LED-Positionsleuchten ist Windkanal-optimiert und trägt zur 248-km/h-Spitze bei.

Ergonomie: Was die Stummellenker kosten und was sie geben

Die R9 hat Clip-On-Stummellenker unterhalb der oberen Gabelbrücke montiert – tiefer als bei der R7, die ebenfalls Stummellenker hat. Diese Konfiguration erzeugt eine deutlich nach vorne orientierte Körperhaltung mit Gewichtsbelastung auf Handgelenken und Nacken. Sitzhöhe 830 mm; breiter 14-Liter-Tank. Bei 1,80 m Körpergröße ist der Kniewinkel etwas eng. In Rennhaltung Kollision von Knie und Ellbogen, ein größerer Abstand zwischen Sitz und Fußrasten wäre hilfreich. Tief montierte Stummellenker – auf Trackdays ideal, auf der Landstraße anstrengend.

Das ist kein Produktfehler, sondern der Preis für das Konzept: Wer eine R9 kauft, kauft ein Motorrad, das auf der Rennstrecke seine Eignung entfaltet und auf der Landstraße das entsprechende Niveau spiegelt – ohne Abstriche für den einen oder den anderen Einsatz vorzunehmen. Die R9 ist kein Wohlfühlmotorrad für gemütliche Landstraßentouren – und das ist auch gut so. Wer auf der Suche nach einer scharfen Landstraßenwaffe mit Trackday-Potenzial ist, findet in der R9 ein rundes und dafür sogar preiswertes Gesamtpaket.

MY2026: 70th Anniversary Edition und unveranderte Technik

Für Modeljahr 2026 hat Yamaha der R9 keine technischen Updates mitgegeben. Der Grund ist nachvollziehbar: Die R9 wurde erst MY2025 eingeführt, die Wartelisten bei Händlern waren zum Marktstart lang, die Fertigung hinter der Nachfrage. Was MY2026 neu ist, ist rein optischer Natur: die 70th Anniversary Edition in Weiß-Rot mit Speedblock-Grafiken im Stil der historischen Yamaha-Rennmaschinen, goldenen Yamaha-Gabeln-Embleme und Anniversary-Badge. Diese limitierte Edition gibt es für alle straßenzugelassenen R-Modelle – R125, R3, R7 und R9.

Konkurrenz und Einordnung: Wo die R9 steht

Im alltagstauglichen Mittelklasse-Supersportler-Segment ist die R9 weitgehend konkurrenzlos. Die Ducati Panigale V2 kostet rund 17.000 Euro für ähnliche Leistung (120 PS), ist damit rund 3.000 Euro teurer und spricht eine andere Klasse von Käufern an. Die Triumph Daytona 660 bietet 95 PS aus dem Dreizylindermotor für rund 11.000 Euro – günstiger und mit Rennsport-Erbe, aber weniger PS und ohne Brembo Stylema ab Werk. Eine BMW S 1000 RR oder Ducati Panigale V4 ist eine andere Preisklasse und ein anderes Motorradkonzept.

13.699 Euro für das gebotene Motorrad ist ein wirklich gutes Angebot, und das soll auch den Einstieg in den Rennsport erleichtern.

Kosten: 13.699 Euro für ein vollverkleidetes 119-PS-Supersportmotorrad

Die R9 kostet 13.699 Euro inkl. Nebenkosten (Standard); 14.499 Euro für die Anniversary Edition. Ein fairer Kurs für eine derart ausgereifte Straßenrennmaschine. Die A2-gedrosselte Version (auf 70 kW / 48 PS drosselbar, Endhändler macht dann auf 35 kW) war 2025 für 300 Euro weniger erhältlich.

Fazit

Die R9 ist 2026 das beste Motorrad, das Yamaha für die Straße mit Vollverkleidung anbietet. Der CP3-Triple in Supersport-Abstimmung, der 9,7 kg leichte Deltabox-Rahmen, Brembo Stylema, voll einstellbares KYB, IMU-basiertes Elektronikpaket der R1-Klasse, Winglets mit aerodynamisch messbarer Wirkung, QS 3. Gen bidi – das alles für einen Preis, der unterhalb der Ducati Panigale V2 liegt. Der Preis dafür: Ergonomie, die nur für Fahrer funktioniert, die das wirklich wollen. Wer weiß, was er sucht, findet hier kein besseres Preis-Leistungs-Angebot im Segment.

 

Kurzcheck

 

+ Motor überragend, Fahrwerk top, Bremsen exzellent – ein extrem rundes und dafür preiswertes Gesamtpaket

+ Spurtreu, spurtstark, sauschnell; QS 3. Gen bidi funktioniert perfekt; Bremsanlage tadellos auch im Rennstreckenbetrieb

+ Alu-Deltabox 9,7 kg: leichtester Supersport-Rahmen Yamahas; 195 kg fahrfertig; 50/50 Gewichtsverteilung

+ Brembo Stylema Monoblock vorn; 2×320 mm; Stahlflex; Brembo Radial-HBZ; ABS hinten abschaltbar für Rennstrecke

+ 6-Achsen-IMU (R1); TCS 3-stufig schräglagenabhängig; SCS; LIF; BC; Launch Control; 5-Zoll-TFT mit Track-Modus; MyRide App; Garmin Navigation; Y-TRAC optional

+ KYB USD 43 mm voll einstellbar (Zug-/Druckstufe je Holm individuell); Federbein mit Höhenverstellung; Federweg 120/118 mm

+ Winglets funktional: Vorderradauftrieb −6  bis -7% gerade, −10% in Kurven; trotzdem weniger Luftwiderstand als R6

+ Bridgestone RS11 Semi-Slick serienmäßig; A2-Version verfügbar (70 kW / 35 kW); unter 95 dB(A)

 

Stummellenker unterhalb Gabelbrücke: auf Landstraße anstrengend für Handgelenke und Nacken; bei 1,80 : Kniewinkel eng, Knie/Ellbogen-Kollision in Rennhaltung

Kein semi-aktives Fahrwerk: KYB ist konventionell voll einstellbar; KADS bleibt der Tracer-Reihe vorbehalten

280 km Reichweite: 5,0 l/100 km offiziell; 14 l-Tank reicht nicht den ganzen Tag

MY2026 ohne technische Neuheiten; 70th Anniversary Edition ausschließlich optisch

Nicht für Genussbiker und Langstreckentourer: Die R9 spricht ambitionierte Fahrer an – wer gemütlich Landstraßen cruisen will, ist bei der MT-09 besser aufgehoben

 

 

Technische Daten: Yamaha R9 (YZF-R9, 2026)

 

Marke / Modell: Yamaha R9 (YZF-R9); eingeführt MY2025; MY2026 technisch unverändert; Neuerung MY2026: 70th Anniversary Edition (weiß-rot, limitiert)

Motor: CP3-Reihendreizylindermotor DOHC, 890 cm³, flüssigkeitsgekühlt; Ride-by-Wire YCC-T; Supersport-Mapping; 6-Gang; QS 3. Gen bidi serienmäßig; Kette; Euro 5+; A2-drosselbar (70 kW / 35 kW)

Leistung: 119 PS (87,5 kW) bei 10.000/min

Drehmoment: 93 Nm bei 7.000/min

Vmax / Verbrauch: ca. 248 km/h; 5,0 l/100 km; 14-L-Tank; ca. 280 km Reichweite

Rahmen: Alu-Deltabox Schwerkraftguss; 9,7 kg (leichtester Supersport-Rahmen Yamahas, steifster der CP3-Familie); 50/50 Gewichtsverteilung

Gabel: KYB USD 43 mm; Zugstufendämpfung rechts (High-/Low-Speed), Druckstufendämpfung links (High-/Low-Speed); Bodenventile; Federvorspannung; Federweg 120 mm

Federbein: KYB Monofederbein; voll einstellbar inkl. Höhenverstellung; Federweg 118 mm

Bremsen vorn: Brembo Stylema Monoblock 4-Kolben; 2×320 mm; Stahlflex-Leitungen; Brembo Radial-HBZ; Kurven-ABS; kein kombiniertes Bremssystem

Bremse hinten: 220 mm; ABS (abschaltbar für Rennstrecke)

Elektronik: 6-Achsen-IMU (R1-Plattform); TCS 3-stufig schräglagenabhängig; SCS (Slide Control); LIF (Wheelie/Lift); BC (Brake Control); Launch Control; Power Modes; 5 Fahrmodi (Sport/Street/Rain + 2 Custom + Track); ABS hinten abschaltbar; Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer serienmäßig

Cockpit: 5-Zoll-TFT Farb (4 Layouts + Track-Modus); MyRide App; Garmin StreetCross Navigation; Y-TRAC optional (Rundenzeit, Pitboard, Fahrdatenanalyse)

Aerodynamik: MotoGP-inspirierte Winglets: Vorderradauftrieb −6–7% gerade, −10% in Kurven; geringerer Luftwiderstand als R6; Windkanal-optimierte Verkleidung

Reifen: Bridgestone Battlax RS11 Semi-Slick serienmäßig; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17

Gewicht: 195 kg (mit 12,6 l / 90 % Benzin von 14 l-Tank)

Sitzhöhe: 830 mm; Clip-On-Stummellenker unterhalb Gabelbrücke; Fußrasten höhenverstellbar (Rennstrecke/Straße)

Radstand: 1.420 mm

Standgeräusch: unter 95 dB(A); nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen

MY2026-Änderungen: Keine technischen Neuerungen; 70th Anniversary Edition (weiß-rot, Speedblock-Grafik, goldene Yamaha-Symbole, Anniversary-Badge) als optionale Farbe

Zubehör: Akrapovič-Komplettanlage (Edelstahl/Titan); GYTR-Racing-Kit; Racing-Fußrastenanlagen; getönte Windscheibe; Racing Cover Kit

Preis (D): 13.699 Euro inkl. Nebenkosten (Standard; MY2026); 14.499 Euro (70th Anniversary Edition). A2-Version ca. 300 Euro günstiger (MY2025-Basis)

Garantie: 2 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung