Test Yamaha Tracer 9 GT (2026)

119 PS CP3-Triple, Matrix-LED-Weltpremiere, KADS-Fahrwerk, serienmäßige Koffer – der Sporttourer mit dem vollständigsten Technologiepaket seiner Klasse

Mit dem MY2025-Update hat Yamaha die Tracer 9 GT in eine andere Liga gehoben: Matrix-LED-Scheinwerfer als Motorrad-Weltpremiere, das vollintegrierte KYB-KADS-Fahrwerk, elektrisch verstellbares Windschild mit 100 mm Verstellbereich, 7-Zoll-TFT, Smart-Key für Zündung und Koffer, Fahrzeughalteassistent, SpinForged-Felgen, QS 3.Gen. 19 l Tank, 380 km Reichweite, 2×30 l Koffer serienmäßig. MY2026 läuft auf diesem Stand unverändert weiter.

Stand: 22.4.2026 | Modell: Yamaha Tracer 9 GT (aktuelle Generation seit MY2025; MY2026 technisch unverändert) | Preis: 16.049 Euro | Standgeräusch: 94 dB(A) – nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen

Warum das MY2025-Update die Tracer 9 GT neu definiert hat

Wer die Tracer 9 GT kennt, wie sie bis 2024 war, sitzt auf der aktuellen Generation und glaubt zunächst, auf einem anderen Motorrad zu sitzen. Die Verkleidung wurde komplett neu gestaltet und im Windkanal optimiert. Das Windschild fährt jetzt elektrisch 100 mm rauf und runter statt manuell in zehn Stufen 50 mm zu wandern. Das TFT-Display ist von 3,5 auf 7 Zoll gewachsen, die Felgen sind SpinForged-Leichtbauweise. Lenker, Fußrasten und Sitzbank wurden neu zueinander positioniert.

Und zum allerersten Mal in der Geschichte des Motorrads steuert ein Matrix-LED-Scheinwerfer adaptive kamerabasiert das Licht – blenden entgegenkommende Fahrer vollautomatisch aus. Das alles hat Yamaha bei unverändertem CP3-Motor für MY2025 eingeführt. MY2026 läuft technisch identisch.

Die Grundhierarchie der Tracer-9-Familie ist für den vorliegenden Bericht wichtig: Die Tracer 9 GT ist die Schaltversion mit konventionellem 6-Gang-Getriebe und Quickshifter. Die Tracer 9 GT+ ist das Topmodell mit serienmäßigem Y-AMT-Automatikgetriebe, Front- und Heckradar, adaptivem Tempomat, Totwinkel-Assistent und Vorwärtskollisionswarnung – sie hat einen eigenen Testbericht. Wer die GT+ aufrufen möchte, findet sie im nächsten Bericht.

Motor: Der CP3-Triple als Reisemotor

Unter der neuen Verkleidung arbeitet unverändert der CP3 mit 890 cm³, 119 PS bei 10.000/min und 93 Nm bei 7.000/min. Was diesen Motor in der Tracer 9 GT besonders macht, ist sein Charakter unterhalb des oberen Drehzahlbereichs: Er zieht bereits aus dem Drehzahlkeller souverän durch, läuft von 2.000 bis 10.000/min breitbandig und kultiviert nutzbar. Wer aus dem Drehmoment des Turbo-Bereichs über 5.000/min gedrückt werden will, bekommt das – wer ihn tourenmäßig einsetzt, muss nicht ununterbrochen rühren. Das macht ihn zum idealen Reisemotor für Mensch und Beifahrer.

Die Tracer 9 GT schmettert Japans Interpretation des Walkürenritts, wenn man beherzt am Gas reißt. Note 1+ mit Sternchen fürs Sounddesign Ein Punkt verdient ehrliche Erwähnung: Euro 5+ hat Yamaha durch Sound Engineering die Ansauggeräusche des CP3 bewusst in Richtung Fahrer geleitet. Was bei der MT-09 auf dem Naked Bike als Sportcharakter gefällt, verstärkt das parabolische Windschild der Tracer auf Dauer. Mehrere Nutzer berichten, dass Ohrstöpsel bei längeren Etappen spürbar zur Pflicht werden. Wer das weiß und entsprechend ausgerüstet reist, verliert dabei nichts.

KADS: Das Fahrwerk, das mitdenkt

Das KYB Actimatic Damper System – kurz KADS – ist das fortschrittlichste Federungssystem, das Yamaha je in ein Serienmotorrad eingebaut hat. Es liest in Echtzeit die Daten der 6-Achsen-IMU: Schräglagenwinkel, Beladungszustand, Beschleunigungsverläufe, Federweg-Geschwindigkeit und -Höhe. Aus diesen Daten stellt es die Dämpfung vollautomatisch ein – und das ohne messbare Verzögerung. Es ist zudem in die Bremssteuerung, den Tempomat und das Kombibremssystem integriert.

Beim Aufsteigen stellt sich das Fahrwerk automatisch 30 Sekunden lang weich: Das Motorrad gibt nach unten nach, macht das Aufsteigen leichter, und fährt anschließend unmerklich wieder auf Normalhöhe. Sänftenartig bügelt die 9 GT über schlechte Strecken. Bei sportlicher Fahrt ist die Rückmeldung exzellent.

Die KYB-Gabel ist 41 mm USD und voll einstellbar, das Zentralfederbein ebenfalls. Der Federweg beträgt 130 mm vorn und 137 mm hinten. Das System wählt je nach gewähltem Fahrmodus (Sport, Straße, Regen) automatisch straffere oder komfortablere Grundabstimmungen und passt sich innerhalb dieser Basis kontinuierlich an. Manuell eingreifen lässt sich jederzeit. Auf SpinForged-Aluminiumfelgen rollen Bridgestone Battlax Sport Touring T32, die speziell für die Tracer-Baureihe abgestimmt sind.

Matrix-LED: Das Motorrad-Fernlicht, das Entgegenkommende nicht blendet

Die Matrix-LED-Scheinwerfertechnologie ist eine echte Motorrad-Weltpremiere für MY2025 – kein anderer Hersteller bietet sie in der gehobenen Mittelklasse zum Zeitpunkt der Einführung an. Eine in den oberen Teil der Scheinwerferbaugruppe integrierte Kamera erkennt entgegenkommende Fahrzeuge und blendet gezielt die relevanten LED-Segmente aus, während der Rest der Straße weiter hell ausgeleuchtet bleibt.

Kurvenlichtsystem und adaptives Fernlicht funktionieren dabei gleichzeitig. Das klingt nach Kfz-Standard – ist aber auf einem Motorrad in dieser Kombination eine echte technische Leistung, weil die schwankende Fahrzeuglage ständig neue Berechnungen erfordert.

Der praktische Nutzwert auf der Ganzjahrestour ist erheblich: Wer auf einer langen Ausfahrt in der Dämmerung oder nachts mit Fernlicht fährt, ohne entgegenkommende Fahrer ständig blenden zu müssen, hat einen echten Sicherheitsvorteil. Was diese Technik allein durch Betrachten des Scheinwerfersystems im Dunkel zu leisten imstande ist, hat in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt.

Windschild, Ergonomie, Komfort: Was 340 km ohne Nacken möglich macht

Das elektrisch verstellbare Windschild hat 100 mm Verstellbereich – doppelt so viel wie das manuelle Vorgänger-Windschild. Auf höchster Stufe unterbindet es Fahrtwindgeräusche am Helm nahezu komplett, zumindest bei Durchschnittsgröße. Nach 340 km war davon nichts zu spüren – weder Nacken noch Rücken. Bei 180 cm Körpergröße ist der Windschutz nahezu perfekt. GT und GT+ tragen zusätzlich einen Spoiler an der Unterseite des Windschilds, der den Schutz für den Unterkörper weiter verbessert.

Die Sitzhöhe beträgt 845 mm, mit werkzeugloser Anpassung auf 860 mm. Yamaha betont, dass trotz dieser Höhe die meisten Fahrer die neue Generation als zugänglicher empfinden, weil die Tankpartie verschmälert wurde und der vordere Sitzbankenbereich flacher gestaltet ist. Der Heckrahmen ist 50 mm länger und damit der Soziussitzbereich großzügiger – was bei einer Reisemaschine, die auch zu zweit langstreckenfit sein soll, kein nebensächlicher Aspekt ist. Heizgriffe sind serienmäßig (10 Stufen, 3 programmierbare Nutzerprofile), ebenso Hauptständer, Fahrzeughalteassistent und Smart-Key für Zündung, Lenkschloss, Tankdeckel und Seitenkoffer.

GT versus GT+: Die entscheidenden Unterschiede

Die Tracer 9 GT kostet 16.049 Euro, die GT+ 19.249 Euro. Der Aufpreis von 3.200 Euro kauft: Y-AMT-Automatikgetriebe (kein Kupplungshebel, kein Fußschalthebel), adaptiven Radar-Tempomat (ACC) mit Bremseingriff, Totwinkel-Assistent, Vorwärtskollisionswarnung durch Frontradar und Heckradar, Reifendruckkontrollsystem (TPMS) und DLC-beschichtete Longlife-Kette.

Wer konventionell mit Kupplungshebel und Quickshifter fahren möchte, bleibt mit der GT vollständig und gut bedient. Die GT ist auch als Y-AMT-Version bestellbar – dann entfällt der Kupplungs- und Schalthebel, der Radar-Tempomat bleibt aber der GT+ vorbehalten.

Kosten und Einordnung im Segment 2026

Die Tracer 9 GT kostet 16.049 Euro. Im Preis enthalten: 2×30 l Hartschalenkoffer serienmäßig, Smart-Key, KADS-Fahrwerk, Matrix-LED, elektrisches Windschild, Heizgriffe, Hauptständer und das komplette Elektronikpaket. Das ist innerhalb der Klasse ein starkes Argument, weil viele Wettbewerber für vergleichbare Ausstattung Zubehörpakete verlangen. Die BMW F 900 XR kostet ab 12.300 Euro plus Nebenkosten – ohne Matrix-LED, ohne semi-aktives Fahrwerk, ohne Koffer serienmäßig, aber auch deutlich leichter. Die Honda NT 1100 DCT startet bei ca. 16.600 Euro und punktet mit Apple CarPlay und DCT, bietet aber kein semi-aktives Fahrwerk und kein Matrix-LED. Die Kawasaki Versys 1100 SE – als direktester Konkurrent – kostet ca. 18.000 Euro, hat mehr Hubraum und Drehmoment (112 Nm), aber keinen Dreizylinder-Charakter.

Fazit

Die Tracer 9 GT ist 2026 das Motorrad im Mittelklasse-Sporttourer-Segment, das am meisten Technik für den Preis bietet. Matrix-LED als Motorrad-Weltpremiere, KADS-Fahrwerk, 100 mm elektrisches Windschild, 7-Zoll-TFT mit Garmin, Smart-Key, Koffer serienmäßig – alles serienmäßig ohne Aufpreisliste. Wer den CP3-Triple mag und längere Etappen plant, findet mit der GT ein nahezu vollständiges Reisemotorrad. Das Ansauggeräusch hinter dem Windschild ist der einzige Kritikpunkt und der durch eine gute Helmwahl oder Ohrstöpsel handhabbar ist.

 

Kurzcheck

 

+ Matrix-LED-Scheinwerfer: Motorrad-Weltpremiere MY2025; blendet Entgegenkommende kamerabasiert aus; Kurvenlichtsystem und adaptives Fernlicht gleichzeitig

+ KADS (KYB Actimatic Damper System): semi-aktives Fahrwerk in Echtzeit geregelt; sänftenartig über schlechte Strecken; sportlich exzellente Rückmeldung; beim Aufsteigen stellt sich das Fahrwerk automatisch weich

+ Elektrisches Windschild 100 mm: nach 340 km: nichts zu spüren, weder Nacken noch Rücken; bei 1,80 m  nahezu perfekter Windschutz

+ 7-Zoll-TFT, Smart-Key (Zündung/Koffer), Garmin dauerhaft kostenfrei, 5-Wege-Joystick, Fahrzeughalteassistent – alles serienmäßig

+ 2×30 L Hartschalenkoffer, Heizgriffe 10 Stufen, Hauptständer serienmäßig; 19-L-Tank; ca. 380 km Reichweite

+ QS 3. Gen bidi, Tempomat, 6-Achsen-IMU, TCS, Slide Control, Wheelie Control, BSR, Kurven-ABS – vollständiges Assistenzpaket ohne Aufpreis

+ SpinForged-Felgen; Bridgestone Battlax T32 ab Werk; Wendekreis 2,9 m (verbessert von 3,1 m); zweistufige Blinker mit Selbstrückstellung

+ CP3-Triple: Note 1+ mit Sternchen fürs Sounddesign; breitbandiger Charakter vom Drehzahlkeller bis 10.000/min

 

Ansauggeräusch: Windschild verstärkt es parabolisch; Ohrstöpsel auf langen Etappen empfohlen; ist eine Folge des Euro 5+-Sound-Engineerings

845 mm Sitzhöhe: trotz schmalerer Taille für kleinere Fahrer grenzwertig; Tieferlegungszubehör vorhanden

227 kg fahrfertig: auf engen Kehren und beim Parken spürbar; kein Leichtgewicht

Kein Radar-Tempomat (ACC), kein Totwinkel-Assistent: diese bleiben der GT+ vorbehalten

Sitzbank: nach etwa zwei Stunden wünscht man sich mehr Bewegungsfreiheit; für große Fahrer auf langen Etappen Komfortsitz empfohlen

MY2026 identisch mit MY2025

 

 

Technische Daten: Yamaha Tracer 9 GT (2026)

 

Marke / Modell: Yamaha Tracer 9 GT (Schaltversion); aktuelle Generation seit MY2025; MY2026 technisch unverändert. Auch als Y-AMT-Version verfügbar (ohne Radar-Tempomat; der ist GT+-exklusiv)

Motor: CP3-Reihendreizylindermotor, 890 cm³, flüssigkeitsgekühlt; Ride-by-Wire; 6-Gang; QS 3. Gen bidi serienmäßig; Kette (DLC-Longlife bei GT+); Euro 5+

Leistung: 119 PS (87,5 kW) bei 10.000/min

Drehmoment: 93 Nm bei 7.000/min

Vmax / Verbrauch: ca. 218–220 km/h; ca. 5,0 l/100 km; 19-L-Tank; ca. 380 km Reichweite

Rahmen: Alu-Deltabox (CF-Druckguss); Alu-Schwinge; Heckrahmen Stahl, 50 mm länger und 150 g leichter als Vorgänger

Fahrwerk: KYB KADS (Actimatic Damper System): semi-aktiv, IMU-gesteuert in Echtzeit; voll einstellbar vorn und hinten; KYB USD 41 mm vorn, 130 mm Federweg; KYB Monofederbein hinten, 137 mm Federweg

Bremsen vorn: 4-Kolben radial; 2×298 mm; Brembo Radial-Hauptbremszylinder; Kurven-ABS

Bremse hinten: 1-Kolben; 245 mm; ABS; Kombibremssystem (UBS)

Elektronik: 6-Achsen-IMU; TCS 3-stufig schräglagenabhängig; SCS (Slide Control); LIF (Wheelie Control); BSR (Motorschleppmoment); Kurven-ABS; 5 Fahrmodi (davon 2 individuell); QS 3. Gen bidi; Tempomat (normal; adaptiver ACC nur GT+); ESS; Fahrzeughalteassistent

Scheinwerfer: Adaptiver Matrix-LED-Scheinwerfer (Motorrad-Weltpremiere MY2025): kameragesteuert, blendet Entgegenkommende aus; Kurvenlicht serienmäßig

Cockpit: 7-Zoll-TFT Farb; 5-Wege-Joystick; MyRide App; Garmin Navigation dauerhaft kostenfrei; Smart-Key (Zündung, Lenkschloss, Tankdeckel, Koffer); Bluetooth

Windschild: Elektrisch verstellbar, 100 mm Verstellbereich, während der Fahrt; Unterspoi­ler an GT und GT+

Komfort: Heizgriffe 10 Stufen mit 3 Nutzerprofilen; Hauptständer serienmäßig; Fahrzeughalteassistent; zweistufige Blinker + Selbstrückstellung

Gepäck: 2×30 L Hartschalenkoffer serienmäßig (Smart-Key-integriert); optional Topcase 34 oder 45 L

Reifen: Bridgestone Battlax Sport Touring T32; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17; SpinForged-Alu-Felgen

Gewicht: 227 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 845 mm (+ werkzeuglos 860 mm)

Radstand / Wendekreis: Wendekreis 2,9 m (verbessert von 3,1 m)

Standgeräusch: 94 dB(A); nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen (Grenze 95 dB(A))

MY2026-Änderungen: Keine technischen Änderungen kommuniziert; identisch mit MY2025

Abgrenzung GT+: GT+ exklusiv: Y-AMT serienmäßig, adaptiver Radar-Tempomat (ACC), Totwinkel-Assistent, Vorwärtskollisionswarnung, TPMS, DLC-Longlife-Kette. GT auch als Y-AMT-Version bestellbar, ohne Radar

Preis (D): 16.049 Euro. Inkl. 2×30 L Koffer serienmäßig

Garantie: 2 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung