Honda für NC750X und Gold Wing mit E-Kompressor – KTMs Demo-Modus-Ende ist kein Geschenk
Donnerstag, 2. Juli – der letzte Tag vor der World Ducati Week. Heute wurde die wichtigste Honda-Technologiemeldung der letzten Monate aufgearbeitet: Neue Patentzeichnungen zeigen Hondas E-Kompressor-System nicht nur am V3R-Naked-Bike, sondern auch am NC750X und der Gold Wing GL1800. Gleichzeitig: KTM kündigt in der Pressemitteilung zur neuen 790 Duke versteckt an, den Demo-Modus auslaufen zu lassen – aber das ist keine gute Nachricht, sondern eine schlechtere. Und Yamaha verliert Quartararo und Rins zum Jahresende 2026.
[PATENT | TECHNIK] – Honda E-Kompressor: nach V3R 900 kommen NC750X und Gold Wing?
Was Motorradonline heute veröffentlicht hat: Im Sommer 2026 sind neue Honda-Patentzeichnungen aufgetaucht, die denselben elektrischen Kompressor – erstmals an der V3R 900 E-Compressor vorgestellt – auf ganz verschiedene Motorarchitekturen aufsetzen. Unter anderem eindeutig zu erkennen: das Mittelklasse-Crossover-Modell NC 750 X mit Reihenzweizylinder und das Luxus-Touring-Großkaliber GL 1800 Gold Wing mit 6-Zylinder-Boxer. Dazwischen: CB-1000-Modelle mit Reihenvierzylinder.
Was der E-Kompressor kann – und was das für andere Modelle bedeutet: Auf dem Prototypen V3R 900 verspricht Honda ein Leistungsniveau, das einem 1.200-ccm-Motor entspricht – das entspricht einer Steigerung der spezifischen Leistung um ein Drittel, also plus 33 Prozent. Motorradonline hat diese 33-Prozent-Extrapolation auf die bekannten Modelle angewendet. Das Ergebnis ist ein eindrucksvoller Gedankengang:
Was 33% Leistungsplus durch E-Kompressor bedeuten würde
NC 750 X heute — 58 PS (43 kW) — Parallelzweizylinder 745 ccm — Basismodell des Mitteklasse-Crossovers
NC 750 X mit E-Kompressor — Ca. 80 PS — ohne Hubraumsteigerung — mit Euro-konformer Aufladung
CB 1000 Hornet heute — 152 PS — Reihenvierzylinder 1.000 ccm
CB 1000 Hornet mit E-Kompressor — Ca. 200 PS — erste Honda-Liter-Naked über 200 PS
CBR 1000 RR-R Fireblade heute — 218 PS — Reihenvierzylinder
CBR 1000 RR-R mit E-Kompressor — Ca. 300 PS — theoretisch — Supersport-Rakete
GL 1800 Gold Wing heute — 126 PS — Sechszylinder-Boxer 1.833 ccm — Tourer
GL 1800 mit E-Kompressor — Ca. 168 PS — möglicherweise als Effizienz-Boost statt Leistungsrakete
Warum die Gold Wing besonders interessant ist: Bei der Gold Wing geht es nicht primär um Leistung. 126 PS in einem 380-kg-Tourer sind ohnehin ausreichend. Worum es gehen könnte: Effizienz. Honda dürfte die E-Kompressor-Technologie als Möglichkeit sehen, bestehende Modelle zukunftssicher zu machen und sie mit der Effizienz und Emissionsleistung kleinerer Motoren weiterlaufen zu lassen. Eine Gold Wing, die mit 33 Prozent weniger Hubraum die gleiche Leistung liefert – also ein 1.200-ccm-Sechszylinder mit Kompressor statt einem 1.800-ccm-Boxer – wäre Euro-6-fähig und bliebe trotzdem ein Sechszylinder. Das ist die Logik hinter dem Patent.
Was Visordown dazu schreibt: Honda hat DCT zum ersten Mal 2010 in der VFR1200F eingeführt. Heute gibt es Africa Twin, Gold Wing, NC750, CMX1100, X-ADV und Forza 750 mit der cleveren Getriebetechnologie. Das ist Hondas Muster: Technologie erstmals in einem Halo-Modell etablieren, dann auf die gesamte Palette ausrollen. E-Clutch, DCT, E-Kompressor – alle folgen dieser Logik.
Honda E-Kompressor-Chronologie
EICMA 2024 — Honda V3 Concept — V3-Motor-Studie — E-Kompressor erstmals angedeutet
EICMA 2025 — Honda V3R 900 E-Compressor Prototyp — vollständiges Fahrzeug
Sommer 2026 (heute) — Neue Patentzeichnungen: NC750X + Gold Wing + CB1000-Reihe mit E-Kompressor
EICMA November 2026 — V3R 900 Serienversion erwartet — erste offizielle technische Daten
2027 (Prognose) — V3R 900 bei Händlern — weitere E-Kompressor-Modelle möglich
ℹ️ Klarstellung: Patentzeichnungen bedeuten keine Serienplanung. Honda schützt die Technologie für viele Motorarchitekturen, weil sie die Idee besitzen wollen — nicht weil alle Modelle kommen. Aber: Die V3R 900 ist bestätigt. Und Hondas DCT-Geschichte zeigt, dass sie Technologie breit ausrollen, wenn sie funktioniert.
[KTM | AUFFÄLLIG] – KTM schafft Demo-Modus ab – aber Kunden bekommen weniger
Was KTM angekündigt hat: Im Zusammenhang mit der Vorstellung der 790 Duke (2027) hat KTM in einer Pressemitteilung einen Satz vergraben, der heute in der internationalen Fachpresse für Diskussionen sorgt. KTM hat darin angekündigt, den Demo-Modus schrittweise aus künftigen Modellen zu entfernen. Das klingt gut. Es ist es nicht.
Was der Demo-Modus war: Seit 2019 liefert KTM viele Modelle mit einem sogenannten Demo-Modus aus. Dieser erlaubt dem Käufer, alle vorinstallierten Funktionen – Quickshifter, Tempomat, Track-Modus, Launch Control, je nach Modell – für 1.500 km kostenlos auszuprobieren. Danach: gesperrt. Wer sie weiter nutzen will, muss ein Tech-Pack oder Track-Pack kaufen. Das hat die Community seit Jahren geärgert: Warum müssen wir für Hardware bezahlen, die bereits in unserem Motorrad verbaut ist?
Warum die Abschaffung des Demo-Modus keine gute Nachricht ist: Wer eine neue KTM ohne Demo-Modus kauft, bekommt effektiv weniger, nicht mehr. KTM hört nicht auf die Kritik – denn die Kritik war nicht, dass es einen Demo-Modus gibt. Die Kritik war, dass Kunden nach dem Demo-Modus für vorinstallierte Funktionen bezahlen müssen. Was ändert sich also? Der Käufer bekommt keine 1.500-km-Testphase mehr. Die Funktionen sind von Anfang an gesperrt, nicht nach 1.500 km. Das macht es sogar schlechter.
KTM Demo-Modus: Alt vs. Neu – was sich wirklich ändert
Bisher (mit Demo-Modus) — 1.500 km: ALLE Features kostenlos — danach Tech-Pack oder Track-Pack kaufen
Neu (ohne Demo-Modus) — Von Anfang an: Features gesperrt — kein Testen — direkt kaufen
Was das bedeutet — Kunden bekommen weniger für dasselbe Geld
Was geblieben ist — Tech-Pack und Track-Pack kosten weiterhin Geld — ändert sich nicht
Was KTM eigentlich tun müsste: Die echte Lösung wäre einfach: Vorinstallierte Funktionen kostenlos freigeben. Oder: Den Demo-Modus auf unbegrenzte Zeit verlängern. Oder: Die Packs preislich so ansetzen, dass sie sich wie Upgrade-Features anfühlen statt wie Geiselnahme. Stattdessen wurde die einzige positive Seite des Demo-Modus entfernt – das kostenlose Testen.
Die breitere Debatte: KTM ist nicht allein. BMW hat im R 1300 GS kostenpflichtige Software-Upgrades eingeführt. Kawasaki hat den Konnektivitätsservice zeitlich begrenzt. Honda hat bei bestimmten Modellen kostenpflichtige Map-Updates für das Navi eingesetzt. Das ist kein KTM-Problem, das ist ein Industrietrend. Und der lässt sich mit einem Satz beschreiben: Motorräder werden zu Plattformen, und Plattformen verdienen mit Abonnements.
ℹ️ Betroffen von der Demo-Modus-Abschaffung: Ab KTM 790 Duke 2027 (Marktstart Ende Juli 2026). Bestehende Modelle mit Demo-Modus behalten ihn. Welche weiteren Modelle folgen: noch nicht kommuniziert.
[YAMAHA | ZWEI MELDUNGEN] – R6 Race letztes Modelljahr 2026 – Quartararo verlässt Yamaha
Yamaha R6 Race – 2026 letztes Modelljahr: Eine offizielle Abkündigung durch Yamaha liegt noch nicht vor. Was jedoch bekannt ist: die R6 Race wird von Yamaha selbst als Rennstrecken-Only-Fahrzeug klassifiziert und nicht nach Euro 5+ homologiert. Eine Euro-6-Homologation für den 600er-Vierzylinder ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die WorldSSP-Klasse seit 2023 auf größere Hubraum-Klassen umgestellt hat. Die R6 Race verliert damit ihren letzten klaren Wettbewerbskontext. Der Hinweis auf 2026 als letztes Baujahr ist ein starkes Signal, kein bestätigter Abkündigungstermin.
Yamaha R6 Race – Geschichte in drei Phasen
1999–2020 — YZF-R6 mit Straßenzulassung — Welterfolg im WorldSSP
2021–2026 — R6 Race — Rennstrecke-Only — kein Euro 5+ — für Trackday und Nat.-Rennsport
2027 (erwartet) — Kein Nachfolger angekündigt — Ende wahrscheinlich
Yamaha MotoGP: Quartararo und Rins verlassen das Werksteam: Yamaha Motor Co. verkündete am 30. Juni, dass Fabio Quartararo und Alex Rins ihre Zusammenarbeit mit dem Monster-Energy-Yamaha-MotoGP-Team zum Ende der MotoGP-Saison 2026 beenden werden. Das ist die spektakulärste Fahrerwechsel-Meldung des Jahres – obwohl eigentlich erwartet. Quartararo fuhr seit 2019 auf einer M1 und holte 2021 mit dem Werksteam den WM-Titel. 2022 wurde er Vizeweltmeister hinter Pecco Bagnaia. Danach geriet Yamaha technologisch ins Hintertreffen.
Was das für Yamaha bedeutet: Yamaha baut ab 2027 ein komplett neues MotoGP-Fahrerduo auf. Jorge Martín – aktuell bei Aprilia laufend – wird für 2027 als Yamaha-Kandidat gehandelt. Das wäre eine massive Signalwirkung: Der Aprilia-Pilot, der 2026 um die WM fährt, könnte 2027 für Yamaha starten. Ob Yamaha das technische Paket für 2027 liefern kann, das Martín überzeugt: das ist die eigentliche Frage.
ℹ️ Bezug zum Serienmotorrad: Für Yamaha-Fans und Händler ist die MotoGP-Situation relevant, weil Yamaha traditionell aus MotoGP-Erfahrung Serienmodelle entwickelt. Eine schwache MotoGP-Saison 2026 hat historisch Auswirkungen auf das Serienportfolio 2027/2028.
[UPDATE | RÜCKRUFE] – Stand 2. Juli 2026
⚠️ Yamaha Ténéré 700 MJ 2025: Do-Not-Ride — jetzt Termin beim Händler für TFT-Tausch vereinbaren. Honda CB1000 Hornet: Rückruf 1 Endmaßnahme August 2026. CBR600RR: Endmaßnahme Juli 2026 — jetzt Termin buchen. Piaggio Liberty 2026: Rückruf wegen fehlerhafter Scheinwerfer — alle Händler informiert.
NOCH IM RADAR
World Ducati Week Misano: Morgen, 3. Juli — bis 5. Juli — wir berichten.
Ducati Desmo450 EDS: Marktstart Juli 2026 — erste Auslieferungen diese Woche erwartet.
KTM 790 Duke 2027: Ende Juli bei Händlern — 8.699 Euro.
Honda V3R 900 E-Compressor: Serienversion EICMA November 2026.
BMW R20: Serienenthüllung wahrscheinlich 2026.
FAZIT: MOTO-NEWS VOM 2. JULI 2026
Honda denkt groß: Ein E-Kompressor, der von der NC750X bis zur Gold Wing funktioniert, ist keine Nischentechnologie – das ist eine plattformübergreifende Strategie. Das DCT-Muster aus 2010 spricht für die Umsetzung. KTM denkt schmal: Den Demo-Modus abschaffen und nichts kostenlos freigeben ist keine Kundenorientierung, das ist eine PR-Übung. Und Yamaha verliert seinen Aushängeschild-Fahrer – was das für die Serienstrategie bedeutet, zeigen die Saisons 2027 und 2028. Morgen beginnt Misano.