Test Moto Guzzi Stelvio (2026)
115 PS, Kardanantrieb, Radar-Assistenz serienmäßig – die einzige Kardan-Reiseenduro ihrer Klasse
Stand: 18.4.2026 | Modell: Moto Guzzi Stelvio II (MY2026) | Produktion: Mandello del Lario, Italien | Preis: ab 16.499 Euro | Farben 2026: Grigio Climbing, Verde Hiking; Sonderedition Duecento Tributo (Weiß/Rot/Blau)
Motor & Kardan: 1.042 cm³ V-Twin längs, 105 Nm ab 3.000/min – einzige Kardan-Reiseenduro über 900 cm³ auf dem Markt
Der 90°-V-Twin der Stelvio (1.042 cm³, Bohrung 96 mm, Hub 72 mm, Verdichtung 12,6:1) ist längs im Rahmen eingebaut – Moto-Guzzi-Tradition, hier in der neuesten Form des Compact-Block-Konzepts. Im Vergleich zu klassischen Guzzi-Motoren wurden die Zylinderköpfe um 90° gedreht: Die Einlassseiten liegen nicht mehr hinten, sondern zwischen den Zylindern; die Abgaskrümmer zeigen nach außen-unten. Das ergibt laut Moto Guzzi einen um 103 mm kürzeren Motor als bei der V85 TT, mehr Beinfreiheit dahinter und Platz für den Frontkühler. Marelli-Einspritzung mit zentraler Drosselklappe und Ride-by-Wire übernehmen die Gemischbildung. Euro 5+ ist erfüllt.
115 PS bei 8.700/min, 105 Nm bei 6.750/min – 90 Prozent des Drehmoments liegen bereits ab 3.000/min an, was die Stelvio im Alltag entspannt und antrittsstark macht. Rund 82 Prozent des Drehmoments stehen ab 3.000/min zur Verfügung. Die Kraft gelangt über eine 6-Gang-Schaltung und einen Kardanantrieb ans Hinterrad – das unterscheidet die Stelvio von allen direkten Konkurrenten. Kette, Riemen, Wartungsaufwand: nicht vorhanden.
Fahrwerk: Sachs-USD-Gabel, Kayaba-Federbein, Brembo Vierkolben, 6-Achs-IMU – Kurvenfahren als Stärke
Der Stahlrohr-Brückenrahmen (identisch mit der V100 Mandello, mit Verstärkungen im Motoraufhängungsbereich) trägt Motor und Getriebe mittragend. Vorne führt eine Sachs-USD-Telegabel (46 mm, 170 mm Federweg), einstellbar in Vorspannung und Zugstufendämpfung. Hinten: Alu-Einarmschwinge mit Kayaba-Zentralfederbein (170 mm Federweg), ebenfalls einstellbar. Die Bremsanlage setzt auf Brembo: Vorne zwei 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Radialmonoblock-Sätteln; hinten 280 mm. Gestützt wird die gesamte Elektronik durch eine 6-Achs-IMU – Kurven-ABS und Traktionskontrolle reagieren damit auch in Schräglagen korrekt.
Die Grundabstimmung ist gelungen, die Federelemente passen für Autobahnbolzen ebenso wie für kurvige Landstraßen. Die Stelvio wirkt handlicher, als das Gewicht erwarten lässt. Die Kreuzspeichenräder (19/17 Zoll) sind schlauchlos bereift und erlauben leichte Offroad-Ausflüge im Offroad-Fahrmodus – Pfade mit Stollenreifen-Bedarf überfordern das Konzept dennoch.
Elektronik & PFF-Radar: Fünf Fahrmodi, Tempomat, Kurven-ABS serienmäßig – Radar-Assistenz MY2026 jetzt inklusive
Modelljahr 2026 bringt eine wesentliche Aufwertung: Das PFF-Radarsystem (Piaggio Fast Forward) ist nun ab Werk verbaut, nicht mehr Aufpreispflichtig (früher ca. 800 Euro). Es bietet Vorwärtskollisionswarnung, Totwinkelassistent und Spurwechselhilfe per 4D-Imaging-Radar. Eine adaptive Geschwindigkeitsregelung (Following Cruise Control, FCC) ist weiterhin optional zubuchbar. Die Basiselektronik umfasst fünf Fahrmodi (inkl. Offroad mit deaktiviertem Heck-ABS und abschaltbarer TC), vier TC-Stufen, drei Motormapping-Varianten, drei Motorbrems-Stufen und einen serienmäßigen Tempomat. Quickshifter bidirektional ist optional. Der elektrisch verstellbare Windschild ist Serie – das einzige Modell seiner Klasse mit diesem Feature.
Das 5-Zoll-Farb-TFT-Display erhält gute Noten für Ablesbarkeit und Bedienbarkeit. Die MIA-Konnektivitätsplattform (Bluetooth, Smartphone-Integration) ist optional. LED rundum inklusive Kurven-Licht und dem charakteristischen Adler-Tagfahrlicht – Markenzeichen der neuen Stelvio-Generation. Einzig die automatische Blinkerrückstellung agiert etwas träger als erwartet.
Ergonomie: 830 mm Sitzhöhe, 246 kg, großzügiges Sitzen – Langstreckenkomfort für große Fahrer, Rangieren fordert Einsatz
Die Sitzhöhe von 830 Millimetern ist im Reiseenduro-Segment moderat, die breite Sitzbank ist auf Langstreckenkomfort ausgelegt. Lenker und Fußrasten erlauben auch das Stehendfahren. Das Fahrerdreieck ist großzügig und begünstigt größere Fahrer. Kürzere Fahrer sollten vor dem Kauf die Bodenreichweite prüfen, da der Tank breit ist. Der elektrisch verstellbare Windschild bietet bei Autobahntempo effektiven Schutz.
Das Gewicht von 246 Kilogramm ist ein Kritikpunkt: Beim Rangieren und in engen Kehren ist es spürbar, nach den ersten Metern Fahrt verschwindet es. Die Einarmschwinge hinten gibt der Stelvio eine eigenständige Optik und erleichtert Hinterradwechsel. Koffer (Zubehör) werden als tief und leicht handhabbar gelobt. Die Hinterradbremse hat einen spürbar langen Leerweg, was besonders in engen Kurven gewöhnungsbedürftig ist.
Kosten & Varianten: 16.499 Euro Basis – günstiger als GS, teurer als Tiger, Duecento Tributo als vollständig ausgestattete Sonderedition
Die Stelvio kostet ab 16.499 Euro – weniger als eine BMW R 1300 GS (ab ca. 20.000 Euro), mehr als eine Triumph Tiger 900 GT (ca. 14.000 Euro) oder Honda Africa Twin (ab ca. 16.500 Euro). Sie ist der einzige Vertreter ihrer Klasse mit Kardanantrieb, was langfristig deutlich niedrigere Antriebswartungskosten bedeutet als Kette oder Riemen. Die Sonderedition Stelvio Duecento Tributo (Farbe Weiß/Rot/Blau, zum 200-jährigen Jubiläum des Stilfserjochs) enthält Griffheizung, bidirektionalen Quickshifter, Komfortsitz, Hauptständer, TPMS und MIA-Multimedia seriänmäßig.
Der Verbrauch liegt nach Nutzererfahrungen bei 5,1–5,7 l/100 km auf Landstraße und Autobahn – bemerkenswert konstant unabhängig vom Fahrstil. Der 21-Liter-Tank ergibt eine Reichweite von über 400 km. Kurzstreckenbetrieb steigert den Verbrauch auf über 7 Liter. Produktion in Mandello del Lario am Comer See – dem Stammwerk von Moto Guzzi, Italiens ältester noch aktiver Motorradmarke.
Fazit
Die Stelvio ist 2026 das technologische Flaggschiff von Moto Guzzi: Kardan statt Kette, Radar serienmäßig, 5-Fahrmodi-Elektronik, Brembo radial, elektrisches Windschild. Sie ist die einzige Kardan-Reiseenduro in der Klasse der Liter-Biker – wer Kardan wählt, hat keine Alternative (außer die teure GS). Wer hingegen ein sportlicheres Fahrwerk, mehr Geländekompetenz oder ein niedrigeres Gewicht sucht, muss bei anderen Marken schauen. Für den typischen Tourenfahrer, dem Longdistance-Komfort, wartungsarmer Antrieb und das unverwechselbare V-Twin-Gefühl mehr bedeuten als maximale Offroad-Tauglichkeit, ist die Stelvio ein leckeres Angebot.
Kurzcheck
+ Kardanantrieb serienmäßig: einzige Reiseenduro dieser Klasse mit Kardan; kein Ketten- oder Riemenwechsel; deutlich niedrigere Antriebswartungskosten
+ PFF-Radarsystem MY2026 serienmäßig: Kollisionswarnung, Totwinkelassistent, Spurwechselhilfe – war früher ca. 800 Euro Aufpreis
+ Elektrisch verstellbarer Windschild serienmäßig: einzige Reiseenduro ihrer Klasse mit diesem Feature
+ Brembo 4-Kolben-Radialmono, 2×320 mm: Topniveau
+ 6-Achs-IMU mit Kurven-ABS, TC (4 Stufen), 5 Fahrmodi inkl. Offroad, 3 Motormapping, Motorbremskontrolle: vollständiges Sicherheits- und Assistenz-Paket
+ Tempomat serienmäßig; adaptive Geschwindigkeitsregelung (FCC) optional
+ 115 PS, 105 Nm; 90% Drehmoment ab 3.000/min: entspannter Tourenmotor
+ 21-Liter-Tank, Reichweite über 400 km; Verbrauch 5,1–5,7 l/100 km auch bei Autobahntempo konstant
+ 5-Zoll-Farb-TFT: gute Ablesbarkeit und Bedienung; charakteristisches Adler-Tagfahrlicht
+ 830 mm Sitzhöhe: moderat für Liter-Reiseenduro; Langstreckenkomfort
+ Produktion: Mandello del Lario, Comer See, Italien – historisches Stammwerk
+ Sonderedition Duecento Tributo: Griffheizung, QS, Komfortsitz, Hauptständer, TPMS, MIA serienmäßig
– 246 kg fahrfertig: beim Rangieren und in engen Kehren spürbar; BMW R 1300 GS wiegt 237 kg, Triumph Tiger 900 GT 219 kg
– Hinterradbremse mit langem Leerweg: gewöhnungsbedürftig besonders in engen Kurven
– Begrenzte Geländekompetenz: 170 mm Federweg, 246 kg; nicht über Schotter/Naturstraßen hinaus
– Quickshifter nur optional (außer Duecento Tributo): bei diesem Preispunkt und Fahrkompetenz-Niveau ein Kritikpunkt
– MIA-Konnektivität (Bluetooth/Smartphone) nur optional: kein serienmäßiges Navi-System
– Blinkerrückstellung etwas träge
– 16.499 Euro: teurer als Triumph Tiger 900 GT
Technische Daten: Moto Guzzi Stelvio (2026)
Marke / Produktion: Moto Guzzi (Piaggio-Konzern); Werk: Mandello del Lario, Comer See, Italien
Motor: V-Twin 90° längs, 1.042 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 4 Ventile/Zyl.; Bohrung×Hub 96×72 mm; Verdichtung 12,6:1; Marelli-Einspritzung; Ride-by-Wire; Euro 5+
Leistung: 115 PS (84,6 kW) bei 8.700/min
Drehmoment: 105 Nm bei 6.750/min
Getriebe: 6-Gang; Anti-Hopping-Kupplung im Ölbad; Kardanantrieb (Alleinstellungsmerkmal)
Rahmen: Stahlrohr-Brückenrahmen; Motor-Getriebe mittragend (V100-Mandello-Basis)
Gabel: Sachs USD, 46 mm; Vorspannung + Zugstufendämpfung einstellbar; 170 mm Federweg
Federbein: Kayaba-Zentralfederbein; Alu-Einarmschwinge; Vorspannung + Zugstufendämpfung einstellbar; 170 mm Federweg
Bremse vorn: Brembo 4-Kolben radial Monoblock; 2×320 mm; Kurven-ABS
Bremse hinten: 280 mm; Kurven-ABS; langer Leerweg
Räder: Kreuzspeichenräder schlauchlos; 19 Zoll vorne / 17 Zoll hinten
Reifen: 120/70-ZR19 vorne; 170/60-R17 hinten; Michelin Anakee Adventure ab Werk
Elektronik: 6-Achs-IMU; 5 Fahrmodi (inkl. Offroad: Heck-ABS deaktivierbar, TC abschaltbar); 4 TC-Stufen; 3 Motormapping; 3 Motorbrems-Stufen; Kurven-ABS; Tempomat serienmäßig
MY2026-Neuheit: PFF-Radarsystem (Piaggio Fast Forward) serienmäßig: Kollisionswarnung, Totwinkel, Spurwechselhilfe; FCC adaptive Geschwindigkeitsregelung optional
Windschild: Elektrisch verstellbar serienmäßig – einzige Reiseenduro dieser Klasse
Cockpit: 5-Zoll-Farb-TFT; MIA-Konnektivität (Bluetooth/Smartphone) optional; Quickshifter bidirektional optional
Licht: LED rundum; Kurven-Licht; Adler-Tagfahrlicht (Markenzeichen)
Ergonomie: Großzügiges Sitzen; gut für große Fahrer; Stehendfahren möglich; 830 mm Sitzhöhe; Gewicht beim Rangieren spürbar, verschwindet beim Fahren
Gewicht: 246 kg vollgetankt (trocken 222 kg)
Sitzhöhe: 830 mm
Tank: 21 Liter; Reichweite über 400 km
Verbrauch: 5,1–5,7 l/100 km; über 7l bei Kurzstrecke
Farben 2026: Grigio Climbing (Grau/Gelb); Verde Hiking (Grün); Sonderedition Duecento Tributo (Weiß/Rot/Blau inkl. Griffheizung, QS, Komfortsitz, Hauptständer, TPMS, MIA)
Preis (D): ab 16.499 Euro (Basis); Duecento Tributo 2.300 Euro Aufpreis