Test Stark Varg EX (2026)

80 PS Elektro-Enduro mit Straßenzulassung, 120 kg, KYB-Fahrwerk, 990 mm – legal als 125er ab 12.900 Euro

Permanentmagnet-Synchronmotor (PMAC), 60 oder 80 PS Spitze, 1.036 Nm am Hinterrad. Kein Getriebe; Rückwärtsgang. 7,2 kWh Honeycomb-Magnesium-Akku; 1–2 h Ladezeit. EU-Straßenzulassung L3e (Leichtkraftrad) ab A1 / B196; Dauerleistung auf Straße 11 kW. KYB 48-mm-Closed-Cartridge-USD-Gabel 300 mm + KYB Triple-Adjuster 303 mm, voll einstellbar. Brembo 260/220 mm. Pirelli Scorpion MX32. 21/18-Zoll. 120 kg. 990 mm Sitzhöhe. 368 mm Bodenfreiheit. Stark Arkenstone Android-System, 4.000-Lumen-LED. 761 Neuzulassungen DE (Jan–Aug 2025). 12.900 / 13.900 Euro.

Stand: 17.4.2026 | Modell: Stark Varg EX (lieferbar seit Q1 2025) | Marke: Stark Future (Barcelona, Spanien) | Preis: 12.900 Euro (60 PS) / 13.900 Euro (80 PS Alpha) | Garantie: 2 Jahre Fahrzeug / 5 Jahre Akku (1.000 Ladezyklen)

Konzept & Marke: Stark Future aus Barcelona – gegründet um das lauteste Problem im Motorsport zu lösen

Stark Future wurde 2019 gegründet, Sitz Barcelona, Spanien. Gründer Anton Wass, ein Schwede, hatte zuvor mit einer Internet-Plattform für Motocross-Zubehör Geld verdient. Er beobachtete, wie Motocross-Strecken wegen Lärmklagen schließen mussten, und entschied sich aktiv zu werden. Das Ergebnis: Ein Elektromotorrad, das so schnell ist wie ein 450er, aber so leise, dass es auch dort gefahren werden kann, wo Verbrenner verboten sind.

Als Entwicklungsfahrer engagierte Wass den französischen Ex-Motocross-Weltmeister Sébastien Tortelli und den US-Supercross-Profi Josh Hill. Investor ist Eicher/Royal Enfield aus Indien. Die Varg MX als reiner Crosser erschien 2021; die Varg EX mit EU-Straßenzulassung folgte im Dezember 2024 mit Auslieferung ab Q1 2025.

Der Marktstart in Deutschland ist bemerkenswert: 761 Neuzulassungen von Januar bis August 2025, Rang 6 unter den Leichtkrafträdern bis 125 ccm/15 PS. Das ist für ein neues Start-up aus einer Nische ein außergewöhnlicher Erfolg und belegt, dass das Konzept den Nerv einer bestehenden Nachfrage trifft.

Motor & Antrieb: 60 oder 80 PS, 1.036 Nm am Hinterrad, kein Getriebe – aber ein Rückwärtsgang

Der Permanentmagnet-Synchronmotor (PMAC) leistet je nach gewählter Konfiguration 60 PS (44 kW) Standard oder 80 PS (60 kW) in der Alpha-Version. Das Drehmoment am Hinterrad beträgt 1.036 Newtonmeter – dieser Wert ist das Raddrehmoment nach der Motorübersetzung und erklärt die brachiale Beschleunigung ohne Getriebe. Es gibt keine Kupplung, keine Gangwahl. Ein einziger Gang überträgt die Kraft direkt. Das macht den Antrieb einfacher als jedes Verbrennermotorrad, erfordert aber Umgewöhnung von Fahrern, die Leistung klassisch per Kupplung dosieren.

Eine unerwartete Funktion: Rückwärtsgang. Durch einfaches Rückwärtsrollen des Gasgriffs bewegt sich das Motorrad langsam rückwärts – praktisch im tiefen Schlamm oder in Sackgassen. Ein echt praktischer Vorteil, der dem Fahrer das Absteigen und Schieben im Gelände erspart. Leistung und Motorcharakter sind softwareseitig konfigurierbar: Von der Charakteristik einer 125er bis zu der einer 450er lässt sich der Motor per Modus-Auswahl anpassen. Bis zu 100 individuelle Fahrprofile können in der Stark Future App gespeichert werden.

Straßenzulassung L3e: 80 PS Spitze, 11 kW Dauerleistung – legal als 125er ab 16 Jahren und per B196

Die Varg EX ist in der EU als L3e-Fahrzeug (Leichtkraftrad) zugelassen – formal eine „125er“. Das ist kein Trick, sondern eine gültige EU-Fahrzeugklasse. Die elektrische Leistung wird dabei nach Dauerleistung und nicht nach Spitzenleistung klassifiziert; die Varg EX darf auf der Straße dauerhaft 11 kW (15 PS) leisten. Im Gelände steht die volle Spitzenleistung von 60 oder 80 PS zur Verfügung. Damit ist das Motorrad ab 16 Jahren mit dem A1-Führerschein fahrbar. Pkw-Fahrer können in Deutschland per B196-Erweiterung aufsteigen.

ABS ist nicht erforderlich: Da die Varg EX wegen ihrer Sitzhöhe von 990 mm als Sportenduro homologiert wird, greift die ABS-Ausnahmeregelung für Geländefahrzeuge. Die Straßen-Lichtanlage umfasst einen 4.000-Lumen-LED-Scheinwerfer – dreimal heller als herkömmliche Modelle – sowie LED-Rücklicht mit integrierten Blinkern und nahezu unsichtbar in die Lampenmaske integrierte Frontblinker. Seitenständer, Spiegel und Kennzeichenhalter vervollständigen die Straßenausrüstung.

Akku & Reichweite: 7,2 kWh, 1–2 Stunden Laden – Fahrzeit 1,3 bis 6 Stunden je nach Modus

Der 7,2-kWh-Honeycomb-Magnesium-Akku – 20 Prozent mehr Kapazität als die Varg MX (6,5 kWh) – ist fest verbaut und als tragendes Strukturelement ins Chassis integriert. Das erzeugt einen tiefen Schwerpunkt und eine ausgeglichene Gewichtsverteilung. Ladezeit: 1 bis 2 Stunden abhängig vom Anschluss. Die Reichweitenangaben des Herstellers decken eine sehr breite Spanne: 1,3 Stunden bei vollem Renntempo (Crosser-Betrieb), bis zu 6 Stunden bei Hard Enduro mit viel Schiebepassagen und niedrigem Energieverbrauch.

Für einen aktiven Enduristen im normalen Einsatz sind realistisch ca. 2 Stunden anzusetzen. Im Straßenmischverkehr sind ca. 80 km möglich, in der Stadt über 100 km, bei konstantem Autobahntempo (120 km/h) ca. 60 km. Die Reichweite ist damit für eine Tages-Enduro-Tour mit Lademöglichkeit ausreichend, für Mehrtages-Touren ohne Infrastruktur ist Planung erforderlich.

Fahrwerk: KYB 300/303 mm, voll einstellbar, Carbon-Heckrahmen als Kühlkanal – Sportenduro-Niveau

Das Fahrwerk stammt vollständig von Kayaba (KYB): vorne eine 48-mm-Closed-Cartridge-USD-Gabel mit 300 mm Federweg, einstellbar in Druck- und Zugstufe. Hinten ein KYB Triple-Adjuster Monoshock mit 303 mm Federweg, einstellbar in Federvorspannung, High-Speed und Low-Speed Druckstufe sowie Zugstufe. Das ist das volle Einstellspektrum einer Wettbewerbs-Enduro.

Der Hauptrahmen besteht aus hochfestem Chromoly-Stahl für präzises Feedback; der Heckrahmen ist aus Carbon und dient gleichzeitig als Kühlkanal für den Antriebsstrang. Die Alu-Schwinge rundet das Hochklassepaket ab.

Die langen Federwege bedingen eine Sitzhöhe von schwindelerregenden 990 mm und eine üppige Bodenfreiheit von 368 mm. Das ist Wettbewerbs-Enduro-Niveau. Die Bremsen stammen von Brembo: Zweikolben-Zange an 260-mm-Scheibe vorne; Einkolben-Sattel an 220-mm-Scheibe hinten. Kein ABS. Ab Werk sind Pirelli Scorpion MX32 (21/18-Zoll) montiert – Geländereifen, die auf nassem Asphalt Vorsicht erfordern.

Ergonomie: 990 mm Sitzhöhe, 368 mm Bodenfreiheit, 120 kg – Enduro-Position, Stehendfahren als Normalzustand

Die Sitzhöhe von 990 Millimetern ist für Straßenfahrer ein ungewohnter Wert, doch für eine Sportenduro mit 300 mm Federweg ist er konsequent. Die Sitzposition entspricht einer modernen Wettbewerbs-Enduro: aufrecht, Stehfahren auf den breiten Fußrasten ist der primäre Fahrmodus. Eine Griffmulde unter der Sitzbank erlaubt das Heben und Manövrieren des 120-kg-Motorrads mit Muskelkraft – ein praxisnahes Detail. Die Sitzbank ist weit nach vorne gezogen, was komfortables Sitzen bei höherer Geschwindigkeit ermöglicht.

120 Kilogramm ist für eine vollausgestattete Elektro-Enduro mit 7,2-kWh-Akku ein guter Wert: Die Varg MX (reiner Crosser, kleinerer Akku) wiegt 110 kg. Das 10-kg-Mehrgewicht der EX gegenüber der MX erklärt sich durch den größeren Akku und die Straßen-Ausrüstung. Im Vergleich zur KTM Freeride 250 F (ca. 108 kg) ist die Varg EX mit 120 kg zwar schwerer, bietet aber deutlich mehr Leistung und Ausstattung.

Stark Arkenstone: Android-System mit SIM, GPS, OTA und 100 Fahrmodi – das fortschrittlichste Cockpit im Offroad-Segment

Das Stark Arkenstone ist kein Display, sondern ein vollständiges Android-Gerät: IP69K zertifiziert (wasserdicht + stoßfest), integrierte SIM-Karte, GPS-Chip, Turn-by-Turn-Navigation, Routenaufzeichnung und Community-Sharing. Das Gerät lädt drahtlos in seiner Lenkerhalterung. Bedient wird es per Touchscreen oder per wasserdichter Aluminium-Schaltereinheit am linken Lenkergriff, bedienbar mit Handschuhen. OTA-Software-Updates spielen neue Funktionen direkt auf das Motorrad. Das hat keine vergleichbare Sportenduro auf dem Markt.

Kosten: 12.900 / 13.900 Euro – Preis einer mittleren Sportenduro für ein technisch überlegenes Paket

12.900 Euro (60 PS) beziehungsweise 13.900 Euro (80 PS Alpha) positionieren die Varg EX im Bereich etablierter Sportenduro-Modelle: KTM 300 EXC TPI ca. 11.000 Euro, Husqvarna TE 300 ca. 11.500 Euro, Beta RR 300 ca. 10.500 Euro. Die Varg EX kostet 1.500– 2.500 Euro mehr, liefert aber KYB-Premiumfahrwerk, Brembo-Bremsen, Android-Navigation und – im A1-Segment einzigartig – echte Sportenduro-Performance mit Straßenzulassung.

Wartungskosten: kein Ölwechsel, keine Kupplung, kein Filter, keine Ventileinstellung, kein Zündkerzen-Service. Die Kosten reduzieren sich auf Fahrwerk-Service, Bremsen und Reifen. Das ist ein wesentlicher Kostenvorteil gegenüber vergleichbaren Verbrenner-Enduros über die Lebensdauer der Maschine.

Fazit

Die Stark Varg EX ist das technisch fortschrittlichste Elektromotorrad unter 14.000 Euro und das einzige, das echte Sportenduro-Performance (80 PS, 300 mm KYB, Brembo) mit EU-Straßenzulassung verbindet. 761 Neuzulassungen in den ersten acht Monaten 2025 in Deutschland zeigen: Das Konzept funktioniert. Die Grenzen sind klar – 990 mm Sitzhöhe für kleine Fahrer unzugänglich, MX32-Reifen auf nassem Asphalt riskant, Reichweite bei hartem Einsatz ca. 2 Stunden. Für die Zielgruppe – Enduristen, die legalen Zugang zu gesperrten Geländen suchen und die Lautstärke als Problem kennen – gibt es 2026 keine bessere Option.

 

Kurzcheck

 

+ EU-Straßenzulassung L3e ab A1 / B196: legal als „125er“ fahrbar; kein separater Motorradführerschein A notwendig

+ 80 PS Spitzenleistung (60 PS Standard): deutlich mehr als KTM 450er (ca. 63 PS); einzigartig im Leichtkraftrad-Segment

+ KYB 48-mm-Closed-Cartridge-USD-Gabel 300 mm + KYB Triple-Adjuster 303 mm: voll einstellbar; Wettbewerbs-Fahrwerk-Niveau

+ Brembo Zweikolben vorne (260 mm) + Brembo Einkolben hinten (220 mm): beste Bremsanlage in dieser Fahrzeugklasse

+ Stark Arkenstone: Android-System mit SIM, GPS, Turn-by-Turn-Navigation, OTA-Updates, 100 konfigurierbare Fahrmodi – kein anderes Offroad-Motorrad hat das

+ Rückwärtsgang: Praxisvorteil im engen Gelände

+ Kein Getriebe, keine Kupplung, kein Ölwechsel, kein Filter: Wartungsaufwand drastisch reduziert

+ Nahezu geräuschloser Betrieb: legaler Zugang zu Lärm-gesperrten Geländen und Strecken

+ 4.000-Lumen-LED-Scheinwerfer: dreimal heller als herkömmliche Enduro-Scheinwerfer

+ 120 kg: für eine Elektro-Enduro dieser Leistungsklasse sehr leicht; Griffmulde unter Sitzbank für Muskelkraft-Manöver

+ 761 Neuzulassungen DE Jan–Aug 2025: bewiesener Markterfolg; kein Nischen-Exot

+ Garantie: 5 Jahre/1.000 Ladezyklen auf den Akku

 

990 mm Sitzhöhe: einer der höchsten Werte am Markt; für Fahrer unter 1,80 m erheblich eingeschränkter Bodenkontakt

Pirelli Scorpion MX32 ab Werk: Geländereifen; auf nassem Asphalt deutlich eingeschränkte Haftung – Reifentausch für Straßeneinsatz empfohlen

Kein ABS: bei 80 PS und Geländebereifung auf Asphalt ein ernstes Sicherheitsthema

Reale Enduro-Reichweite ca. 2 Stunden: für lange Touren ohne Ladeplanung nicht ausreichend

Kein Getriebe: Leistungsdosierung per Kupplung nicht möglich; Umgewöhnung erforderlich für Fahrer mit Verbrenner-Erfahrung

Kein Level-2- oder DC-Schnellladen: 1–2 Stunden Ladezeit ist akzeptabel, aber kein DC-Standard

Start-up-Risiko: Stark Future ist ein junges Unternehmen; Langzeitzuverlässigkeit und Service-Dichte noch im Aufbau

12.900 Euro: 1.500–2.500 Euro teurer als vergleichbare Verbrenner-Sportenduro

 

 

Technische Daten: Stark Varg EX (2026)

 

Marke / Produktion: Stark Future (Barcelona, Spanien, gegr. 2019); Investoren: Eicher/Royal Enfield (IN); Entwicklungsfahrer: S. Tortelli + J. Hill

Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor (PMAC); 1-Gang-Direktantrieb; kein Getriebe; kein Kupplungshebel; Rückwärtsgang vorhanden

Leistung: Standard: 60 PS (44 kW) | Alpha: 80 PS (60 kW) Spitze; Straßen-Dauerleistung: 11 kW (15 PS) gemäß L3e-Homologation

Drehmoment: 1.036 Nm am Hinterrad (Raddrehmoment nach Übersetzung)

Akku: 7,2 kWh Honeycomb-Magnesium; fest verbaut; tragendes Strukturelement; tiefer Schwerpunkt

Laden: 1–2 Stunden vollständig; kein DC-Schnellladen

Reichweite: Renntempo: ca. 1,3 h; Enduro-Betrieb aktiv: ca. 2 h; Hard Enduro: bis 6 h; Stadt: über 100 km; Autobahn 120 km/h: ca. 60 km

Zulassung: EU L3e (Leichtkraftrad); A1-Führerschein ab 16 Jahren; B196 (Pkw-Erweiterung); kein ABS erforderlich

Rahmen: Chromoly-Stahl Hauptrahmen; Carbon-Heckrahmen (Kühlkanal); Aluminium-Schwinge

Gabel: KYB 48 mm Closed Cartridge USD; Druck- + Zugstufendämpfung einstellbar; 300 mm Federweg

Federbein: KYB Triple Adjuster; Federvorspannung + High-/Low-Speed Druckstufe + Zugstufe; 303 mm Federweg

Bremse vorn: Brembo 2-Kolben; 260 mm Scheibe; kein ABS

Bremse hinten: Brembo 1-Kolben; 220 mm Scheibe

Räder: 21 Zoll vorne / 18 Zoll hinten; Drahtspeichenräder

Reifen: Pirelli Scorpion MX32 (Gelände); Reifentausch für Straßeneinsatz empfohlen

Cockpit: Stark Arkenstone: Android-Gerät, IP69K, SIM, GPS, Turn-by-Turn-Navigation, Community-Routen-Sharing, OTA-Updates, 100 Fahrmodi; Alu-Schaltereinheit

Beleuchtung: LED-Scheinwerfer 4.000 Lumen; LED-Rücklicht + integrierte Blinker; Frontblinker in Lampenmaske

Ergonomie: Stehendfahren als Normalmodus; 990 mm Sitzhöhe; 368 mm Bodenfreiheit; Griffmulde unter Sitzbank zum Heben; weite Fußrasten

Gewicht: 120 kg

Sitzhöhe: 990 mm

Bodenfreiheit: 368 mm

Garantie: 2 Jahre Fahrzeug; 5 Jahre / 1.000 Ladezyklen Akku

Neuzulassungen DE: 761 (Januar–August 2025); Rang 6 Leichtkrafträder Deutschland

Konkurrenz: KTM Freeride 250F: ~108 kg, 250er Verbrenner, ca. 10.500 €. Montesa 4Ride: 87 kg, Trial. Surron Storm Bee: Elektro, weniger Leistung

Preise (D): 60 PS Standard: 12.900 Euro | 80 PS Alpha: 13.900 Euro

Variante 2026: Stark Varg SM (Supermoto): 17-Zoll, 124,5 kg, Brembo, Vmax 154 km/h – in Entwicklung/Ankündigung