Test Zontes 703 F (2026)

Der erste Dreizylinder aus China für die Reiseenduro-Klasse – mit Marzocchi, J.Juan und Michelin für 8.770 Euro, aber mit 96 dB(A)

Zontes bringt etwas in die Reiseenduro-Klasse, was dort selten ist: einen Reihendreizylinder. Der eigenständig entwickelte 699-cm³-Triple hat Charakter, braucht Drehzahl und läuft ab 5.000/min druckvoll. Das Fahrwerk kommt von Marzocchi, die Bremsen von J.Juan, die Reifen von Michelin. Keyless-Start, elektrisch verstellbarer Windschild, Dashcams vorn und hinten, TPMS, Quickshifter, Griffheizung und 22-Liter-Tank serienmäßig – für 8.770 Euro. Wer die Tiroler Fahrverbotsstrecken umgehen muss, kauft ein anderes Motorrad: 96 dB(A) überschreitet die Grenze um ein Dezibel.

Stand: 23.4.2026 | Modell: Zontes 703 F (ZT703-F Adventure); Hersteller: Guangdong Tayo Motorcycle Technology Co. Ltd.; europ. Vertrieb: über Zontes-Vertragspartner | Preis: 8.770 Euro inkl. Nebenkosten | Standgeräusch: 96 dB(A) – ÜBERSCHREITET Tiroler Grenze (95 dB(A)); auf betroffenen Strecken nicht zugelassen | Garantie: 2 Jahre; erweiterbar; A2-Drosselung erhältlich

Zontes: Wer das ist und was die 703 F bedeutet

Zontes ist eine Marke der Guangdong Tayo Motorcycle Technology Co. Ltd., gegründet 2003, mit über 1.600 Mitarbeitern. In Europa war Zontes bislang hauptsächlich mit kleinvolumigen Modellen – Rollern und Eintöpfen bis 350 Kubik – präsent. Die 703 F ist der erste eigenständig entwickelte Reihendreizylinder der Marke und der erste großvolumige Auftritt in der europäischen Mittelklasse. Im Gegensatz zu Voge, das den BMW-kooperativen 895er-Motor nutzt, hat Zontes den 699er-Triple ohne externe Motorenpartnerschaft entwickelt. Das ist das Risikoreichere – und das Interessantere.

Der Dreizylinder als Motorkonzept in einer Reiseenduro ist selten. Triumph führt es mit dem Tiger 900 und dem Trident; MV Agusta mit der LXP Enduro Veloce. In dieser Runde gesellt sich die Zontes 703 F ein – preislich am unteren Ende, konzeptionell aber vollwertig.

Motor: 699 cm³, 95 PS, Dreizylinder-Charakter ab 5.000/min

Der flüssigkeitsgekühlte Reihendreizylinder mit 699 cm³ leistet in der europäischen Abstimmung 95 PS bei 11.500/min und 74,4 Nm bei 8.500/min. Das Verdichtungsverhältnis liegt bei 13:1 – sportlich für eine Reiseenduro. Der Triple läuft unten herum zurückhaltend und leicht brustschwach, ohne dabei unrund zu werden. Wer den Durchzug eines großen Twins aus dem Keller erwartet, wird enttäuscht.

Ab etwa 5.000/min zeigt das Aggregat klare Qualitäten und dreht gleichmäßig druckvoll bis zur Vmax von 195 km/h. Der sonore Dreizylinder-Sound ist akustisch ein Highlight: dezente Sprotzler aus dem Endtopf im Schubbetrieb bei warmem Motor inklusive.

Im Eco-Modus regiert der Triple unangenehm verzögert, verbunden mit Lastwechselreaktionen. Der Sport-Modus erzeugt ein überdynamisches, beinahe aggressives Ansprechverhalten, das im Tourenbetrieb unkontrollierter wirkt als nötig. Der Quickshifter funktioniert tadellos bei engagierter Fahrweise; unter 3.500 bis 4.000/min zeigt er sich etwas unwillig. Der Gasseilzug (kein Ride-by-Wire) verhindert einen klassischen Downshift-Quickshifter – nur Hochschalten ohne Kuppeln ist möglich.

Fahrwerk: Marzocchi voll einstellbar, 180 mm Federweg

Zontes hat für das Fahrwerk der 703 F auf Marzocchi gesetzt – eine namhafte Wahl, die in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist. Die USD-Gabel und der Monoshock-Dämpfer mit Umlenkhebel sind voll einstellbar: Federvorspannung, Zug- und Druckstufe. Federweg jeweils 180 mm. Der Aluminium-Druckguss-Brückenrahmen (Hauptrahmen 11 kg; Heckrahmen abnehmbar, 3,8 kg) und die Alu-Zweiarmschwinge ergeben eine Leichtbaukonstruktion, die trotz 236 kg fahrfertigem Gewicht vergleichsweise agil wirkt.

Das Fahrwerk von Marzocchi überzeugt mit einer guten Balance aus Komfort und Stabilität. Voll einstellbare Marzocchi-Federelemente und moderate Federwege nehmen ungnädige Asphaltflächen ernst. Die Bremsen stammen von J.Juan: Vierkolbenzangen vorn an Doppelscheiben mit Zweikanal-ABS, Hinterrad-ABS abschaltbar für Geländeeinsatz.

Allerdings erfordert die Vorderbremse bei harter Beanspruchung spürbar viel Handkraft, das ABS regelt bei ambitionierter Fahrweise grob. Die Reifen kommen von Michelin Anakee Adventure auf Tubeless-Speichenrädern: 21 Zoll vorn, 18 Zoll hinten.

Ergonomie: Aufrecht, breiter Lenker, Tank baut breit

Die Sitzposition der 703 F ist typisch Reiseenduro: aufrecht, breiter Lenker, ergonomisch neutral. Die Sitzergonomie ist angenehm auch für größere Fahrer auf langen Strecken. Die Fußrasten sind so angebracht, dass beim Stehen kein Konflikt entsteht, Fahrer und Beifahrer haben viel Platz. Die Sitzbank baut vergleichsweise breit, was Komfort auf langen Etappen bringt, gleichzeitig aber das Schrittbogenmaß vergrößert. Kleinere Fahrer haben trotzt schlanker Taille mit der Sitzhöhe ihre Mühe – bei 845 mm ist der rettende Boden nicht für jeden gut erreichbar. Das liegt am breit bauenden 22-Liter-Tank, der den Oberkörper und damit den Schwerpunkt höher positioniert als die nackte Sitzhöhe vermuten lässt. Wer mit kürzeren Beinen kauft, sollte unbedingt eine Sitzprobe nehmen.

Der elektrisch verstellbare Windschild wird je ach ahrertyp öchst unterschieldich beurteilt. Die einen: In allen Höhen zieht der Fahrtwind kräftig an den Schultern. Den anderen gefällt der Windschutz der großen Scheibe ausgezeichnet, keine nervigen Verwirbelungen. Die Diskrepanz dürfte an Körpergröße und Sitzposition liegen.

Standgeräusch: 96 dB(A) und Tirol

Der Dreizylinder klingt charaktervoll. Das ist seine Stärke auf der Landstraße und sein Problem am Zulassungsamt. Mit 96 dB(A) Standgeräusch überschreitet die Zontes 703 F die Tiroler Grenze von 95 dB(A) um ein Dezibel. Wer die Alpenrouten über das Tiroler Inn- und Wipptal nutzt oder auf bestimmten Strecken in Tirol fahren will, kauft ein anderes Motorrad.

Serienausstattung: Was wirklich ab Werk dabei ist

6,75-Zoll-TFT-Display mit vier Layouts, adaptiver Helligkeit, Smartphone-Kopplung, GPS-Navigationsfreigabe, Reifendruckkontrolle und Reifentemperatur: dabei. Keyless-Start: dabei. Full-HD-Dashcams vorn und hinten mit 128 GB Speicher: dabei. Elektrisch verstellbarer Windschild (zwei Positionen): dabei. Griffheizung: dabei. Quickshifter (Hochschalten): dabei. J.Juan Vierkolbenzangen: dabei. Michelin Anakee Adventure auf Speichenrädern: dabei. Marzocchi voll einstellbares Fahrwerk: dabei. Hauptständer: dabei. Motorschutz aus Alu: dabei. Handprotektoren: dabei. USB-A + USB-C: dabei. Lithium-Batterie: dabei. Lauflicht-Blinker vorn: dabei. Osram LED-Beleuchtung: dabei.

Was fehlt: kein Tempomat (mechanischer Gasseilzug statt Ride-by-Wire; Tempomat technisch nicht umsetzbar). Kein Totwinkelassistent Radar (wurde ursprünglich kommuniziert, wurde bei Markteinführung noch nicht serienmäßig geliefert; Lieferprobleme). Keine Sitzheizung –als Manko benannt. Das Koffersystem ist kein offizieller Serienumfang, bei Händleraktionen aber häufig inklusive.

Preiseinordnung und Konkurrenz

8.770 Euro inklusive Nebenkosten ist der bestätigte Preis für Deutschland – ein Betrag, der in mehrfacher Hinsicht heraussticht. Die Triumph Tiger 900 – ebenfalls Dreizylinder, 95 PS, aber 900 cm³ – startet bei rund 13.000 Euro. Die MV Agusta LXP Enduro Veloce ist ein exotischer Einzelfall rund 20.000 Euro.

Die Voge DS 800X Rally hat 95 PS, kostet 9.299 Euro, hat einen eigenentwickelten Parallel-Twin, mehr Federweg und einen größeren Tank. Die Voge DS 900X hat 95 PS für 10.299 Euro mit BMW-verwandtem Motor. Yamaha Ténéré 700: 73 PS, 11.624 Euro, bewährt. Suzuki V-Strom 800 DE: 83 PS, ca. 12.000 Euro.

Die Zontes ist günstiger als alle japanischen und europäischen Konkurrenten in der Klasse, hat die einzige Triple-Maschine unter 10.000 Euro und den größten Tank der Vergleichsgruppe.

Fazit

Die Zontes 703 F ist der mutigste Ansatz im chinesischen Motorradbau auf dem europäischen Markt: ein eigenentwickelter Dreizylinder in einer Reiseenduro für unter 9.000 Euro. Das Motorrad funktioniert. Ein rundes Gesamtpaket mit herausragender Ausstattung und solider Verarbeitung. Die Kritikpunkte: 96 dB(A) sperrt Tirol aus, der Eco-Modus taugt wenig, kein Tempomat, Dashcam-Totwinkelassistent hatte Lieferprobleme. Wer keinen Tiroler Alpenpass braucht, wer den Dreizylinder-Charakter mag und nur 8.770 Euro hinlegen will: Es gibt kein vergleichbares Angebot.

 

Kurzcheck

 

+ Einziger Dreizylinder-Reiseenduro unter 10.000 Euro am Markt: 699 cm³ Zontes-Triple, 95 PS, 74,4 Nm; sonorer Sound; druckvoll ab 5.000/min

+ Marzocchi USD-Gabel + Marzocchi-Zentralfederbein: voll einstellbar, 180 mm Federweg; J.Juan 4-Kolbenzangen; Michelin Anakee Adventure auf 21/18-Zoll-Speichenrädern – namhafte Komponenten durchgängig

+ Serienausstattung: Dashcams vorn+hinten (128 GB), Keyless, TFT mit Smartphone-Spiegelung, TPMS, elektrisch verstellbarer Windschild, Quickshifter, Griffheizung, Hauptständer, Motorschutz, USB-A+C, Lithium-Batterie

+ 22-Liter-Tank: bei 4,3–5,0 l/100 km ca. 400–450 km Reichweite; größter Tank im direkten Konkurrenzvergleich

+ 845 mm Sitzhöhe; aufrechte Reiseergonomie; breiter Lenker; auch große Fahrer komfortabel; Fußrasten für Stehendfahrposition nicht im Weg; viel Platz für Fahrer und Sozius

+ 8.770 Euro inkl. NK: rund 4.000 Euro günstiger als Triumph Tiger 900; A2-Drosselung erhältlich

 

96 dB(A) Standgeräusch: überschreitet Tiroler Grenze (95 dB(A)) um 1 dB; auf betroffenen Tiroler Strecken nicht zugelassen – kaufentscheidend für Alpen-Tourer

Eco-Modus praxisuntauglich: unangenehm verzögertes Ansprechen + Lastwechselreaktionen; Sport-Modus überdynamisch; praktisch nur Road-Modus nutzbar

Kein Tempomat: mechanischer Gasseilzug statt Ride-by-Wire verhindert Tempomaten technisch; für Autobahntouren deutlicher Komfortabzug

Kein Downshift-Quickshifter: nur Hochschalten ohne Kupplung; Herunterschalten klassisch mit Kupplung

Vorderbremse erfordert hohe Handkraft; ABS regelt grob bei ambitionierter Fahrweise

Windschutz Beurteilung unterschiedlich je nach Fahrer. Die einen: zieht kräftig an den Schultern in allen Positionen; Die anderen: ausgezeichnet – Ergebnis stark körpergrößenabhängig

Totwinkelassistent Radar: ursprünglich kommuniziert, Lieferprobleme bei Markteinführung; Status vor Kauf beim Händler klären

Keine Sitzheizung serienmäßig

 

 

Technische Daten: Zontes 703 F (2026)

 

Marke / Modell: Zontes 703 F (ZT703-F Adventure); Hersteller: Guangdong Tayo Motorcycle Technology Co. Ltd.; europäischer Vertrieb über Zontes-Vertragspartner; Farben: Weiß-Rot, Schwarz-Silber

Motor: Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Reihendreizylinder, 699 cm³; Verdichtung 13:1; Benzineinspritzung; 6-Gang; mechanischer Gasseilzug (kein Ride-by-Wire); Quickshifter nur Hoch; Anti-Hopping-Kupplung; Kette; Euro 5+; A2-drosselbar (35 kW)

Leistung: 95 PS (70 kW) bei 11.500/min

Drehmoment: 74,4 Nm bei 8.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 195 km/h; ca. 4,3–5,0 l/100 km; CO₂ ca. 99 g/km

Tank / Reichweite: 22 l; ca. 400–450 km

Rahmen: Alu-Druckguss-Brückenrahmen; Hauptrahmen 11 kg; Heckrahmen abnehmbar 3,8 kg; Alu-Zweiarmschwinge

Gabel: Marzocchi USD; Federweg 180 mm; voll einstellbar (Federvorspannung, Zug- und Druckstufe)

Federbein: Marzocchi Mono mit Umlenkhebel; Federweg 180 mm; voll einstellbar

Bremsen vorn: J.Juan Vierkolbenzangen; Doppelscheibe; Zweikanal-ABS

Bremse hinten: J.Juan; ABS; Hinterrad-ABS abschaltbar für Geländeeinsatz

Räder: 21 Zoll vorn; 18 Zoll hinten; Tubeless-Speichenräder

Reifen: Michelin Anakee Adventure serienmäßig; 90/90-21 vorn; 150/70-18 hinten

Elektronik: TCS (Traktionskontrolle); ABS (Hinterrad abschaltbar); 2 Fahrmodi (Eco/Sport); Keyless-Start; TPMS (Reifendruck + Reifentemperatur)

Cockpit: 6,75-Zoll-TFT-LCD; 4 Layouts; adaptive Helligkeit; Bluetooth; Smartphone-Spiegelung; GPS-Navigation; USB-A + USB-C

Sonderausstattung (Auszug): Full-HD-Dashcam vorn + hinten (128 GB); elektrisch verstellbarer Windschild (2 Positionen); Griffheizung; Hauptständer; Motorschutz Alu; Handprotektoren; Lauflicht-Blinker vorn (Osram LED); Lithium-Batterie

Nicht serienmäßig: Kein Tempomat (mechanischer Gasseilzug); kein Downshift-QS; keine Sitzheizung; Totwinkelassistent Radar: Lieferstatus beim Händler klären

Ergonomie: Sitzhöhe 845 mm; breiter Lenker; aufrechte Reiseposition; Tank baut breit (22 l) – Sitzprobe für kürzere Fahrer empfohlen; Soziusplatz großzügig; elektrisches Windschild (Wirkung körpergrößenabhängig)

Gewicht: 236 kg vollgetankt

Radstand: 1.565 mm

Standgeräusch: 96 dB(A) – ÜBERSCHREITET Tiroler Grenze (95 dB(A)); auf betroffenen Tiroler Strecken NICHT zugelassen

Koffersystem: Kein offizieller Serienumfang; bei vielen Händlern als Aktionspaket inkl. Seitenkoffer + Topcase – beim Händler klären

Preis (D): 8.770 Euro inkl. Nebenkosten; A2-Drosselung ca. +150–200 Euro

Garantie: 2 Jahre; Erweiterung erhältlich; A2-Drosselung verfügbar