Triumph Trident 900 (1992)

Naked

Triumph Trident 900

Baujahr 1992, 160.000 km, 6-7 l/100 km

Im Grund gehört sie mir nicht mehr. Steht aber immer noch in meiner engen Garage. Weil der Besitzer in den USA lebt. Aber auf Heimatbesuch die „alte Dame“ noch liebend gern fährt. Seit ein paar Jahren finden deshalb jeden Monat Bewegungsfahrten statt. So checke ich, ob alles in Ordnung ist. Technik muss bewegt werden, sonst geht sie kaputt. Ähnlich wie der Mensch.

Wenn was spinnt, kümmert sich seit 25 Jahren Hubi um sie. Er ist die Motorradschmiede, inzwischen südlich von Hilpoltstein gelegen. Die Trumpff sollte im Winter 2025/2026 TÜV bekommen, neue Kühlflüssigkeit, neue Fußrastengummis und neue hintere Blinker. Die alten waren nach 33 Jahren brüchig geworden. Kunststoff altert, da halfen meine besten Klebekünste nicht mehr.

„Aber so kriegst kein‘ TÜV.“ Hä? „Deine vorderen Daytona-Bremsscheiben sind zu dünn, da brauchst neue. Bei Triumph unbezahlbar.“ Ich fand EBC für einen fairen Kurs. Sollte für die nächsten Weltumrundungen reichen. Ob sie die überhaupt bekommt?

Die letzten Jahre kamen keine 1.000 km zustande. Vorher lief sie im Dauertest bei MO, in drei Jahren 100.000 km, das meiste unter mir. Sogar auf der Isle of Man war ich mit ihr. Rule Britannia, cool Britannia. Dann fuhren wir im Februar 1995 ins englische Mutterwerk, der Jo Soppa und ich, um sie gemeinsam mit den Triumph-Technikern zu zerlegen.

Ich kaufte sie und legte weitere 60.000 km zurück. Meist über verschlungene Nebenwege im Süden Deutschlands, aber auch mal ins Friaul oder in die Schweiz.

Eigenwilliger Triple-Sound, das hat was

Der Motor hat auch aus heutiger Sicht noch was. Ein knurrender Dreizylinder, der langsam hochdreht, fast schiffsdieselig. Aber wie er das macht, toll. Verwechslungsfrei, das setzt ihn von der Konkurrenz ab. Auch von modernen Triples aus dem eigenen Haus.

Natürlich sind 83 Nm und 100 PS keine Hausnummer, bei 250 kg auf der Waage. Granaten-Dynamik geht anders. Trotzdem sorgt der alte Motor für gute Laune. Und ist beileibe nicht langsam. Ein Zahn weniger fürs Ritzel hilft.

Getankt wird nur noch Aral Ultimate ohne Ethanol. Sündteuer, aber bei den wenigen Kilometern im Jahr klar preisgünstiger als Reinigung der drei Vergaser und anschließender Synchronisation.

Wie sich die Trident 900 fährt? Gepflegte Dynamik ja, scharfes Angasen nein. In Wechselkurven spürst du die größten Unterschiede zu Neuzeit. Erst musst du über die halbhoch angebrachten Serienlenkstummel einen scharfen Lenkimpuls setzen, aber sofort mit dem Druck nachlassen, weil sonst die schwere Frontpartie träge weiterkippt – du aber willst schon längst wieder woanders hin. Das Gegenhalten und Korrigieren kostet Kraft. Flottes Fahren mit der Trident spürst du abends am Trizeps.

Welche Reifen? 17 Zoll vorn, 18 Zoll hinten

Die Bridgestone BT16 Pro stehen einer Kurvenhatz nicht im Wege. 2011 waren sie bei der Stuttgarter Motorrad Testsieger bei Sportreifen. Bevor jetzt Gemecker kommt über die alte Konstruktion: Fährst du noch so gut wie 2011?

Achtung beim Randvolltanken: Die Abwärmen des heißen Motor erhitzt den Riesentank, Benzin entweicht über die Tankentlüftung und ergießt sich auf den Asphalt. Jedes Mal hinterlasse ich mit der Trumpff eine Sauerei, denn ich vergesse ihre unartige Inkontinenz. Das gute Aral Ultimate!

Was ich an der Trident bis heute mag? Draufsitzen, losfahren, Spaß haben. Natürlich nicht im Renntempo. Aber auf mehrtägigen Touren in die Mittelgebirge oder Alpen fühlen sich Fahrer und Maschine pudelwohl.

Sie wachsen zu einer Einheit zusammen und stellen fest: Es muss nicht immer die neueste Technik sein. Um flott zu fahren, ist der Fahrer gefordert. Und wenn es klappt, ist die Freude hinterher umso größer. „When technology meets character“ warb Triumph damals. It’s true.

Günter Wimme

Hauptsache, brumm brumm. Liebt Motorräder und Scooter. Hat sein ganzes Berufsleben damit verbracht: als Testredakteur bei MO, Chefredakteur von SCOOTER & Sport und Rennstrecken-Instruktor. Für Reisen schwärmt er von seinem Honda Forza 300 (fast 90.000 km). Beim Endurowandern steht er auf leichte Ware wie Beta Alp 200 oder Honda CRF 300 L. Für die wilden fünf Minuten liebt er seine Aprilia Tuono 1100 V4. Traumbikes: Honda RC30, Scout Flying Squirrel.

Motto: It’s the rider, not the bike.

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