Test Benda Chinchilla 300 (2026)
Ein V2-Bobber für unter 6.000 Euro – chinesische Technik mit europäischem Anspruch
Stand: 28.4.2026 | Modell: Benda Chinchilla 300 (2026; auch als Chinchilla 300i ABS bezeichnet); Hersteller: Guangzhou Benda Motor Co., Ltd. (China); Europavertrieb: Benda Motor Europe GmbH (Salzburg) | Preis DE: 5.899 Euro (UVP inkl. MwSt.; zzgl. Händler-NK) | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären | Garantie: 3 Jahre (optional auf 7 Jahre erweiterbar)
Benda – wer steckt dahinter?
Benda ist ein chinesischer Motorradhersteller mit Sitz in Guangzhou, der seit etwa 2022 systematisch den europäischen Markt aufbaut. Das Unternehmen unterhält ein eigenes Europabüro in Salzburg und hat in Deutschland und Österreich ein wachsendes Händlernetz aufgebaut. Die Modellpalette reicht von 125-cm³-Einsteigern bis zum LFC 700 mit Reihenvierzylinder und richtet sich klar an Fahrer, die Cruiser- und Bobber-Ästhetik mit modernem Ausstattungsniveau verbinden wollen, ohne Premiumpreise zu zahlen. Die Chinchilla-Familie mit Hubraumvarianten von 125 bis 500 cm³ ist das Herzstück des Programms.
Charakter: Bobber-Feeling mit Einstiegspreis
Die Chinchilla 300 positioniert sich als kompakter Bobber mit V2-Motor – eine Kombination, die im Segment unter 6.000 Euro selten ist. Bobber bedeutet hier: niedrige Sitzhöhe von 690 mm, breite Reifen (150er hinten auf 15-Zoll-Felge), reduzierte Optik ohne viel Schnickschnack, tiefer Schwerpunkt. Das Motorrad lädt zum entspannten Cruisen ein und richtet sich an Stadtfahrer und Wochenendurlauber, die optisch etwas anders auftreten wollen als mit dem üblichen Einzylinder-Naked-Bike.
Was die Chinchilla 300 vom Einzylinder-Wettbewerb trennt, ist der Zweizylinder-V2. Ein Parallel-Twin hat eine andere Laufkultur als ein V2 – und ein V2 unter 6.000 Euro hat eine sehr spezifische Zielgruppe: Wer den visuellen und klanglich-emotionalen Auftritt des V2 will, ohne das Budget eines Harley-Davidson oder Ducati-Einsteigers zu haben.
Motor: 45°-V2, 298 cm³, flüssigkeitsgekühlt
Der 298-cm³-V-Twin mit 45°-Bankwinkel und acht Ventilen ist flüssigkeitsgekühlt und wird von einem Einspritzsystem von Delphi versorgt. Die Leistung liegt je nach Quelle zwischen 29,5 und 31 PS, das Drehmoment bei 27 Nm bei 6.500/min. Das ist nicht viel auf dem Papier – aber ausreichend für das Nutzungsprofil eines entspannten Bobbers im Stadtverkehr und auf ruhigen Landstraßen. Bei höheren Geschwindigkeiten über 100 km/h nimmt der Schub spürbar ab, Reisetouren mit Autobahnpassagen gehören nicht zum Kernrevier.
Der V2-Sound ist das stärkste Argument: Er klingt charaktervoller als ein Einzylinder derselben Hubraumklasse, auch wenn er bei 298 cm³ naturgemäß nicht mit einer 1200er mithalten kann. Im unteren und mittleren Drehzahlbereich fehlt es gelegentlich an Biss – das Drehmoment kommt erst bei höheren Drehzahlen richtig zur Entfaltung, was für einen Cruiser-Motor eine etwas ungewöhnliche Charakteristik ist. 6-Gang-Getriebe, Riemenantrieb (wartungsarm, charakteristisch für das Cruiser-Segment).
Fahrwerk und Ergonomie
Die USD-Gabel mit 38 mm Standrohrdurchmesser vorn und das Zentralfederbein hinten sind für das Nutzungsprofil des Motorrads ausreichend abgestimmt. Langer Radstand und niedriger Schwerpunkt sorgen für Stabilität bei gerader Fahrt. In engen Kurven und beim langsamen Rangieren macht sich die Geometrie eines Bobbers bemerkbar – er ist kein agiles Stadtmotorrad, sondern ein Motorrad, das seine Qualitäten in Ruhe entfaltet. Die Sitzhöhe von 690 mm ist für nahezu jeden Fahrer problemlos; auch kürzere Fahrer stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden.
Das Gewicht von ca. 180 kg fahrfertig ist für ein Motorrad dieser Klasse vertretbar, macht sich aber beim langsamen Manövrieren in engen Situationen bemerkbar. Breite Reifen (120/80-16 vorn, 150/80-15 hinten) auf 16- bzw. 15-Zoll-Felgen passen optisch zum Bobber-Konzept, bieten aber eine begrenztere Auswahl an Ersatzreifen als gängige 17-Zoll-Formate.
Ausstattung
ABS serienmäßig; 4-Kolben-Radialbremssattel vorn an 300-mm-Scheibe; LED-Rundum-Beleuchtung; digitales LCD-Cockpit; USB-Ladebuchse. Das ist für einen Bobber unter 6.000 Euro ein solides Ausstattungspaket. Der Riemenantrieb ist wartungsarm und stilistisch passend. Die Verarbeitungsqualität ist für eine chinesische Marke überdurchschnittlich – Benda hat in den letzten Jahren spürbar investiert – erreicht aber noch nicht das Niveau etablierter europäischer oder japanischer Hersteller in Details wie Spaltmaßen und Oberflächenqualität.
Garantie und Werksatt-Infrastruktur
3 Jahre Garantie serienmäßig; optional auf 7 Jahre erweiterbar – das ist ein klares Signal, dass Benda Vertrauen in die Haltbarkeit seiner Motoren hat. Das Händlernetz in Deutschland und Österreich wächst, ist aber noch nicht mit dem Filialnetz japanischer oder europäischer Großhersteller vergleichbar. Vor dem Kauf empfiehlt sich die Prüfung, welcher Benda-Händler vom Wohnort erreichbar ist – das ist bei einer neuen Marke relevanter als bei einem etablierten Netz.
Preis und Einordnung
5.899 Euro UVP in Deutschland (zzgl. Händler-NK). Das ist der günstigste Weg zu einem V2-Motor mit Bobber-Optik und ABS in Deutschland. Die Royal Enfield Meteor 350 kostet einen Tausender weniger, hat aber einen Einzylinder. Die Honda Rebel 300 ist nicht mehr im Programm. Die Kawasaki Vulcan S (650 cm³) kostet ca. 8.800 Euro. Wer einen V2-Cruiser unter 6.000 Euro sucht, hat im deutschsprachigen Markt kaum Alternativen – das ist das Alleinstellungsmerkmal der Chinchilla 300.
Fazit
Die Benda Chinchilla 300 ist ein ehrliches Angebot: ein V2-Bobber mit angemessener Ausstattung für unter 6.000 Euro, der die richtige Zielgruppe klar anspricht. Wer ein entspanntes Cruiser-Motorrad mit V2-Sound, niedriger Sitzhöhe und Bobber-Optik sucht und bereit ist, bei Wartungsinfrastruktur und letzter Verarbeitungsperfektion Abstriche zu machen, bekommt hier ein Motorrad, das seinen Preis rechtfertigt. Wer höchste Qualitätsansprüche oder ein dichtes Werkstattnetz erwartet, ist bei einer etablierten Marke besser aufgehoben.
Kurzcheck
+ V2-Motor (298 cm³, 45°, flüssigkeitsgekühlt) für unter 6.000 Euro – im Segment ohne direkte Konkurrenz; charaktervollerer Klang als Einzylinder derselben Hubraumklasse; 3 Jahre Garantie serienmäßig, optional 7 Jahre
+ 690 mm Sitzhöhe: einer der niedrigsten im Segment; tiefer Schwerpunkt; breite Reifen; langer Radstand – Stabilität und Zugänglichkeit sind die Kernstärken
+ ABS serienmäßig; 4-Kolben-Radialbremssattel vorn; LED-Beleuchtung; digitales LCD; USB; Riemenantrieb (wartungsarm); solide Ausstattung für diese Preisklasse
+ 5.899 Euro UVP – günstigster V2-Bobber mit ABS auf dem deutschen Markt; Benda baut europäisches Händlernetz aktiv aus
– Motor fehlt im unteren Drehzahlbereich Biss; Leistung (ca. 30 PS) begrenzt auf Tempo 130 und darunter – kein Motorrad für Autobahntouren oder sportliche Landstraßennutzung
– Händlernetz noch aufgebaut – vor dem Kauf prüfen, ob ein Benda-Betrieb in der Nähe ist; Ersatzteilverfügbarkeit und Werkstattkompetenz noch nicht auf Niveau etablierter Hersteller
– Reifenformat 16/15-Zoll: begrenztere Auswahl an Ersatz- und Upgrade-Reifen als gängige 17-Zoll-Formate; Verarbeitungsqualität in Spaltmaßen und Oberflächendetails noch nicht auf Triumph- oder Honda-Niveau
– Standgeräusch nicht offiziell publiziert – beim Händler klären; Gewicht ca. 180 kg beim Manövrieren spürbar; V2-Sound weniger eindrücklich als bei größeren Hubräumen
Technische Daten: Benda Chinchilla 300 (2026)
Marke / Modell: Benda Chinchilla 300 / Chinchilla 300i ABS (2026); Hersteller: Guangzhou Benda Motor Co., Ltd. (China); Europavertrieb: Benda Motor Europe GmbH (Salzburg, Österreich)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter 45°-V-Twin; DOHC; 8 Ventile; 298 cm³; Einspritzsystem Delphi; Euro 5+
Leistung: 31 PS bei 8.500/min
Drehmoment: 25 Nm bei 7.000/min
Vmax / Verbrauch: ca. 130 km/h, ca. 3,5 l/100 km
Tank / Gewicht: 17 l; ca. 180 kg vollgetankt
Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Riemenantrieb
Elektronik: ABS serienmäßig; digitales LCD-Cockpit; LED-Beleuchtung rundum; USB-Ladebuchse; keine Traktionskontrolle
Gabel: USD-Gabel 38 mm
Federbein: Zentralfederbein
Bremse vorn: 4-Kolben-Radialbremssattel; Einzelscheibe 300 mm; ABS
Bremse hinten: 1-Kolben-Bremssattel; Scheibe 240 mm; ABS
Räder: Gussfelgen; 16 Zoll vorn; 15 Zoll hinten
Reifen: 120/80-16 vorn; 150/80-15 hinten
Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; beim Händler klären
Farben 2026: Beim Händler aktuelle Farboptionen erfragen
Garantie / Service: 3 Jahre Herstellergarantie serienmäßig; optional auf 7 Jahre erweiterbar (Benda Plus Garantie)
Preis (D): 5.899 Euro (zzgl. Händler-Nebenkosten)