Test Benda Napoleonbob 250 (2026)
Niemand schätzt den Preis richtig ein
Stand: 17.4.2026 | Modell: Benda Napoleonbob 250 (2026; V2 249 ccm; Bobber/Cruiser; A2); Hersteller: Benda Motor (Hangzhou, China); DE-Vertrieb: Benda Motor Europe GmbH | Preis DE: UVP 5.599 Euro zzgl. 300 Euro Nebenkosten | Standgeräusch: nicht publiziert (Tirol-Grenzwert 95 dB(A) | Garantie: 3 Jahre + 2 Jahre erweiterbar (Benda Motor Europe)
Man sieht sie stehen und fragt sich instinktiv: Wie viel kostet das? Custom-Cruiser dieses Formats – Chromakzente, Solositz, 18-Zoll-Speichenräder, tiefliegendes V-Twin-Motorbild – gehen gewöhnlich ab 15.000 Euro los. Häufig weit darüber. 1000PS schreibt in der Fahrbericht-Zusammenfassung: „Außenstehende vermuten einen zigtausende Euro-teuren Custom-Cruiser, dabei gibt es das chinesische Ausnahmemotorrad schon für unter 6.000 Euro.“ Das ist der Satz, der alles über die Napoleonbob 250 sagt.
5.599 Euro UVP zzgl. 300 Euro Nebenkosten. Das ist der Preis. Für ein Motorrad, das auf der Straße aussieht wie ein gut gekleideter siebenstelliger Exzentriker auf zwei Rädern. Das ist die Kernaussage der Benda Napoleonbob 250.
Wer Benda ist und was sie wollen
Benda Motor kommt aus Hangzhou, China, und ist in Deutschland über die Benda Motor Europe GmbH aktiv. Sie sind keine Unbekannten im europäischen Markt: Benda hat in den letzten Jahren mehrere Modelle für Europa entwickelt, mit offiziellen Händlernetzen und EU-Typgenehmigungen. Die Napoleonbob 250 ist ihr Versprechen, dass ein 250er-Bobber weder technisch noch ästhetisch ein Kompromiss sein muss.
Das Konzept ist klar: Bobber-Stil der 1940er Jahre, verbunden mit moderner Zuverlässigkeit. Chromakzente, reduzierte Linien, Solositz, hohe Frontverkleidung mit rundem Scheinwerfer. Das könnte beliebig wirken. Bei der Napoleonbob wirkt es – nach allem, was der 1000PS-Test beschreibt – überzeugend detailverliebt. „Sehr gute Detailverarbeitung“ ist das Urteil. Das ist kein kleines Lob für ein chinesisches Motorrad unter 6.000 Euro.
Der Motor: V2 mit 249 ccm – ein Alleinstellungsmerkmal
249 Kubik. V-Twin. DOHC, vier Ventile pro Zylinder, acht gesamt. Flüssigkeitsgekühlt. 26 PS bei 9.000 Touren. 25 Nm bei 5.500. Anti-Hopping-Kupplung. Euro 5+. Das ist die vollständigste Motor-Ausstattungsliste für ein 250-ccm-Motorrad, die wir kennen. Und es ist der einzige Punkt, an dem die Napoleonbob 250 im Segment wirklich allein steht: Keine andere seriengefertigte 250er dieser Preisklasse hat einen V-Twin.
Die meisten 250er haben Einzylinder. Die wenigen Paralleltwins in diesem Hubraumbereich sind selten und teuer. Ein V-Twin mit 249 ccm für 5.599 Euro ist eine konstruktive Aussage. Man hört ihn anders als einen Einzylinder. Man fühlt ihn anders. Die 25 Nm bei 5.500 Touren sind für ein 249-ccm-Motorrad anständig. 26 PS (19 kW) lässt die A2-Klasse offen. D.I.D-Kette als Serienantrieb: markenbewährte Qualitätskomponente.
Die Multilink-Federgabel: Design und Funktion
Vorn sitzt eine Multilink-Federgabel. Das ist keine konventionelle Teleskopgabel und keine USD-Gabel. Es ist eine Parallelogramm-ähnliche Konstruktion, die aus älteren amerikanischen Custom-Motorrädern bekannt ist – die „Springer-Gabel“ der Harley-Davidson-Ära. Bei der Napoleonbob ist es eine moderne Interpretation: 75 mm Federweg, präzise Kontrolle laut Benda, und ein visuelles Highlight, das das Bobber-Design auf eine Ebene hebt, die bei Motorrädern dreimal so teuer nicht selbstverständlich ist.
Der Preis dieser ästhetischen Entscheidung: 75 mm Federweg vorn. Das ist kurz. Eine Enduro hat 200 mm. Eine Reiseenduro 180 mm. Ein Naked Bike 120–130 mm. Hier sind es 75 mm – und hinten bei den dualen Hydraulikdämpfern sogar nur 38 mm. Das ist Bobber-Philosophie: Stil kommt vor Federweg. Wer das weiß, kauft trotzdem. Wer das nicht weiß, sollte unbedingt eine Probefahrt machen.
Was der 1000PS-Test sagt: ehrlich und vollständig
1000PS hat die Napoleonbob 250 im Januar 2026 getestet. Das Urteil ist ehrlich in beiden Richtungen. Auf der positiven Seite: extrem auffälliges Design, einzigartiger V2-Motor im Segment, hoher Aufmerksamkeitsfaktor, sehr gute Detailverarbeitung, emotionales Fahrerlebnis. Auf der negativen Seite: sehr eingeschränkte Schräglagenfreiheit, hartes Heckfahrwerk, unbequeme Sitzposition, laute Geräuschkulisse auf Dauer.
Das ist kein Test, der widersprüchlich ist. Es ist ein Test, der das Fahrzeug korrekt beschreibt: Die Napoleonbob 250 ist für Fahrer gemacht, die Charakter über Komfort stellen. Die Sitzposition ist bobber-typisch tief und nach vorne gestreckt. Der Solositz ist nicht für lange Autobahn-Strecken konzipiert. 38 mm Heck-Federweg lassen Bodenwellen durch. Das ist keine Schwäche der Konstruktion – das ist die Konstruktion. Ein Bobber ist kein Reisetourer. Er ist ein Fahrzeug für kurze Strecken, für das Café am Ende der Straße, für den Sonntagmorgen, an dem man nicht weit kommen will, aber gut aussehen möchte.
748 mm Sitzhöhe: tief, aber die Sitzposition kompensiert
748 mm. Das ist eine der niedrigsten Sitzhöhen. Wer bodenkontaktmäßig sicher aufstehen will: Die Napoleonbob lässt das zu. Der Radstand von 1.545 mm und die nach vorne gestreckte Bobber-Haltung bedeuten aber trotzdem, dass kurze Fahrer beim Rangieren aufpassen müssen: Wenn man sitzt, sitzt man tief, aber das Fahrzeug ist lang.
5.599 Euro, 3 Jahre Garantie: das Preis-Risiko-Kalkül
5.599 Euro UVP. Dazu 300 Euro Nebenkosten. 3 Jahre Garantie serienmäßig, plus 2 Jahre erweiterbar. Das ist das Kaufangebot. Es ist verlockend. Es ist auch ein Kauf, der eine Entscheidung verlangt: Wer ein chinesisches Motorrad einer noch jungen Marke kauft, akzeptiert, dass das Händlernetz kleiner ist als bei Yamaha oder Honda, dass Ersatzteilversorgung weniger etabliert ist, dass der Wiederverkauf ungewisser ist. Diese Risiken sind vorhanden. Sie werden durch den Preis teilweise kompensiert. Wer die Napoleonbob als Spaßmotorrad kauft und nicht als Hauptmobilität: Die Kalkulation kann aufgehen. Wer darauf angewiesen ist, dass das Motorrad täglich zuverlässig funktioniert: Vor dem Kauf den nächsten Benda-Händler und dessen Servicekapazität prüfen.
Euro 5+, EU-Typgenehmigung, Benda Motor Europe als offizieller DE-Importeur: Die rechtliche Basis ist vorhanden. Das ist nicht trivial – es bedeutet, dass die Napoleonbob kein grauer Import ist, sondern ein legales Fahrzeug mit Gewährleistungsanspruch. 3,1 l/100 km offizieller Verbrauch. CO₂ 71,3 g/km. Für ein V-Twin mit Bobber-Charakter: bemerkenswert sparsam.
Fazit: Das Motorrad, das seine eigene Kategorie ist
Die Benda Napoleonbob 250 lässt sich mit keinem anderen Fahrzeug dieser Preisklasse direkt vergleichen. Das ist ihr größter Vorteil und ihre größte Herausforderung. 26 PS, 249 ccm, 5.599 Euro – das klingt nach Einstieg. Die Multilink-Federgabel, der V-Twin, die Chromakzente und die Detailverarbeitung sagen: kein Einstieg, sondern eine Aussage. Wer diese Aussage teilt, kauft ein Motorrad, das auf der Straße mehr Aufmerksamkeit erzeugt als ein Ducati Panigale.
Kurzcheck
+ V2-Motor (249 ccm, DOHC, flüssigkeitsgekühlt): einziger V-Twin in der Klasse unter 6.000 Euro.
+ Detailverarbeitung auf Niveau, das den Preis vergessen lässt (1000PS-Test Januar 2026).
+ Multilink-Federgabel: visuelles Alleinstellungsmerkmal, das Custom-Motorräder für ein Vielfaches des Preises prägt.
+ 748 mm Sitzhöhe: niedrigst.
+ UVP 5.599 Euro zzgl. 300 Euro Nebenkosten: günstiges Fahrzeug
+ 3 Jahre Garantie + 2 Jahre erweiterbar: Garantiepaket besser als die meisten Mitbewerber.
+ Anti-Hopping-Kupplung und D.I.D-Kette serienmäßig: Qualitätskomponenten im Antrieb.
+ Euro 5+, EU-Typgenehmigung, offizieller DE-Importeur: kein Grauimport, vollständiger Gewährleistungsanspruch.
+ Aufmerksamkeitsfaktor auf der Straße: niemand schätzt den Preis korrekt ein.
+ 3,1 l/100 km offizielle Verbrauchsangabe: für einen V-Twin mit Bobber-Charakter sparsam.
– Sehr eingeschränkte Schräglagenfreiheit (1000PS-Test).
– 38 mm Federweg hinten: hartes Heckfahrwerk; Bodenwellen spürbar (1000PS-Test).
– Unbequeme Sitzposition für längere Strecken (1000PS-Test).
– Laute Geräuschkulisse auf Dauer (1000PS-Test).
– Standgeräusch nicht publiziert (Tirol-Eignung?)
– Benda-Händlernetz in Deutschland kleiner als bei japanischen oder europäischen Marken: nächsten Servicepartner vor Kauf lokalisieren.
– Ersatzteilversorgung weniger etabliert als bei Yamaha, Honda oder Kawasaki.
– Wiederverkauf unsicher: junge Marke, geringe Marktdurchdringung.
– 9,5-Liter-Tank: Reichweite ca. 300 km; für Tagestouren ausreichend, für Langstrecken knapp.
– Solositz: kein Soziusbetrieb möglich.
Technische Daten: Benda Napoleonbob 250 (2026)
Marke / Modell: Benda Napoleonbob 250 (2026; V2 249 ccm; Retro-Mechanical Bobber; A2); Hersteller: Benda Motor (Hangzhou, China); DE-Vertrieb: Benda Motor Europe GmbH
Motor: V2-Motor, DOHC, 4 Ventile/Zylinder (8 gesamt), flüssigkeitsgekühlt; 249 ccm; 26 PS (19 kW) bei 9.000/min; 25 Nm bei 5.500/min; Anti-Hopping-Kupplung; 6-Gang-Getriebe; D.I.D-Kette; Euro 5+; CO₂ 71,3 g/km; 3,1 l/100 km
Fahrwerk vorn: Multilink-Federgabel (Parallelogramm-Konstruktion im Springer-Stil); 75 mm Federweg
Fahrwerk hinten: Duale Hydraulikdämpfer; 38 mm Federweg
Bremsen: 320-mm-Einzelscheibe vorn (radiale 4-Kolben-Zange, 32 mm Kolbendurchmesser); Scheibe hinten; ABS
Räder / Reifen: 18-Zoll-Speichenräder; 130/80 R18 vorn; 160/70 R18 hinten
Gewicht / Sitzhöhe: 182 kg fahrbereit; Sitzhöhe 748 mm; Bodenfreiheit 120 mm; Radstand 1.545 mm
Abmessungen: L × B × H: 2.333 × 838 × 1.038 mm
Tank / Verbrauch: 9,5 Liter; 3,1 l/100 km (offiziell, Euro 5+); Reichweite ca. 300 km
Elektronik: ABS; TFT-Display; Bluetooth; LED-Beleuchtung
Führerschein: A2 (19 kW / 26 PS < 35 kW A2-Grenze)
Standgeräusch: Nicht publiziert (Tirol-Grenzwert 95 dB(A)
Garantie: 3 Jahre + 2 Jahre erweiterbar (Benda Motor Europe)
Farben: Retro Green; Titanium Silver; Phantom Black
Konkurrenz: Keine direkte Konkurrenz: kein anderer 250er-Serienroller hat einen V-Twin in dieser Preisklasse. Entfernte Alternativen: Honda GB 350 S (ca. 4.700 Euro; 21 PS; Einzylinder), Royal Enfield Meteor 350 (ca. 4.400 Euro; 20 PS; Einzylinder). Napoleonbob: mehr Charakter, weniger Leistung, vergleichbarer Preis.
Preis (D): UVP 5.599 Euro zzgl. 300 Euro Nebenkosten (Benda Motor Europe)