Test Beta Alp X (2026)
Gleicher Motor, andere Prioritäten
Stand: 17.3.2026 | Getestetes Modell: Beta Alp X (2026) | Preis: 5.900 Euro
Motor: Identisch zur 4.0 – und das ist gut so
Motor, Getriebe und Antriebsstrang der Alp X sind identisch mit denen der Alp 4.0. Derselbe wassergekühlte DOHC-Einzylinder mit 348 cm³, entwickelt gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Tayo, 35 PS bei 9.500 Touren, elektronische Einspritzung, Euro 5+, sechs Gänge. Das ist keine Schwäche, das ist Effizienz: Beta hat eine solide Motorplattform entwickelt und darauf zwei unterschiedliche Charaktere gebaut.
Der Unterschied liegt im Motor-Mapping: Die Alp X ist auf etwas gleichmäßigere Leistungsentfaltung im unteren Drehzahlbereich abgestimmt – passend zu einem Motorrad, das mehr Stadtfahrten und Landstraßentouren als Geländeeinsätze erlebt. Im Fahrbetrieb ist das subtil spürbar: Die X wirkt beim Anfahren etwas sanfter, was im dichten Stadtverkehr angenehm ist. Wer auf einem losen Schotterweg den Motor als direktes Werkzeug braucht, greift zur 4.0. Für alle anderen ist der Unterschied klein.
Zwei Fahrmodi – Street und Offroad – sind auch bei der X an Bord. Das ABS lässt sich im Offroad-Modus am Hinterrad deaktivieren, auch wenn die X weniger häufig in Situationen kommt, wo das nötig wird. Die Pirelli Scorpion Rally STR-Bereifung, mit der die Alp X serienmäßig ausgeliefert wird, ist deutlich straßentauglicher als die Vee-Rubber-Stollenreifen der 4.0 – und damit der größte praktische Unterschied, den man täglich spürt.
Fahrwerk: Gleiche Komponenten, andere Konsequenz
Telegabel (43 mm, nicht einstellbar, 185 mm Federweg), Monofederbein (Federvorspannung einstellbar, 195 mm Federweg) – identisch zur Alp 4.0. Was sich unterscheidet, sind die Räder: Die Alp X fährt auf 19-Zoll-Speichenrädern vorne und 17 Zoll hinten statt der 21/18-Zoll-Kombination der 4.0. Kleinere Räder bedeuten niedrigere Sitzhöhe (855 mm statt 865 mm) und ein handlicheres Motorrad auf der Straße.
Auf der Straße zahlt sich das aus: Die Alp X lenkt direkter ein als die 4.0, macht in engen Kurven und im Stadtverkehr mehr Spaß und fühlt sich wendiger an. Das 19-Zoll-Vorderrad ist dabei noch geländegängig genug für befestigte Schotterwege und Feldwege – der Kompromiss stimmt für die Zielgruppe. Wer ernsthaft Geländeausflüge plant, in wechselndem und losem Untergrund unterwegs ist und öfter stehend fährt, bleibt bei der 4.0 mit dem 21-Zoll-Vorderrad besser bedient.
Die Bremsen – 290-mm-Scheibe vorne, 220 mm hinten, Bosch ABS – sind identisch zur 4.0 und für dieses Gewicht und diese Leistung vollkommen ausreichend. Die Pirelli-Bereifung gibt der Bremsanlage auf Asphalt mehr Möglichkeiten als die Stollenreifen der 4.0, auf nasser Straße ist man mit der X deutlich sicherer unterwegs als mit dem Schwestermodell.
Ergonomie: 10 mm tiefer, und die Welt ist eine andere
855 mm Sitzhöhe – das sind 10 mm weniger als bei der 4.0. Das klingt marginal, macht aber für viele Fahrer in der Praxis einen Unterschied: Wer bei der 4.0 auf Zehenspitzen steht, kommt bei der X schon etwas besser auf den Boden. Für Fahrer unter 1,70 m ist die X der deutlich zugänglichere Einstieg. Wer beide Modelle probefahren kann, sollte das tun – die Präferenz ist oft körpergrößenabhängig.
Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker breit und hoch, die Fußrasten komfortabel. Die X ist kein Scrambler im klassischen Sinne, aber die Modern-Classic-Optik mit runden Formen, dem kompakten Scheinwerfer und der aufgeräumten Linienführung gibt ihr einen Stil, der mehr Stadtmensch als Geländecracker ansagt. Wer das mag – und viele tun das –, zahlt keinen Aufpreis dafür. Der Preis ist identisch zur 4.0.
Auf langen Touren ist die X überraschend komfortabel: Die straßentaugliche Pirelli-Bereifung macht das Motorrad stabiler und weniger nervös auf Asphalt als die 4.0. Wer regelmäßig mehrere Hundert Kilometer am Stück fährt, wird das schätzen. Kein Windschutz, keine Sitzheizung, kein Tempomat – das sind alles keine Überraschungen bei einem 5.900-Euro-Motorrad. Es ist ein leichtes Tourengerät, kein komfortabler Reisetourer.
Handhabung: 150 kg, USB-Anschluss und Smartphone-Konnektivität
150 kg vollgetankt – 2 kg mehr als die 4.0. Das ist vernachlässigbar. Im Alltag fühlt sich die X ähnlich leicht und handlich an, das etwas geringere Gewicht der 4.0 macht sich nicht einmal in Extremsituationen bemerkbar, die die X-Fahrer ohnehin selten ansteuern. Das TFT-Display ist identisch zur 4.0 – gut ablesbar, übersichtlich. Die X hat zusätzlich einen USB-Anschluss serienmäßig, was bei Tagestouren für das Laden des Smartphones praktisch ist.
Der 11-Liter-Tank bietet bei einem Verbrauch von rund 3,2 bis 3,5 Litern auf 100 km eine Reichweite von deutlich über 300 km – mehr als ausreichend für Tagestouren und Wochenendausflüge. Der Tankdeckel öffnet mit Zündschlüssel, die Bedienung ist simpel. Ein Zubehörprogramm mit Seitentaschen und Topcase ist verfügbar und macht die X tauglich für mehrtägige Touren mit überschaubarem Gepäck.
Zwei Hinweise zur Praxis: Das serienmäßige ABS der Alp X ist laut einem Datenblatt nicht abschaltbar – im Gegensatz zur 4.0, bei der das Hinterrad-ABS im Offroad-Modus deaktivierbar ist. Wer regelmäßig im Gelände fährt, muss das einkalkulieren. Und: Die X trägt ab Werk Pirelli Scorpion Rally STR-Reifen – straßentauglicher als die Vee-Rubber-Reifen der 4.0, aber kein Hochleistungssportreifen.
Ausstattung: Alles wie die 4.0, plus USB
TFT-Display, Smartphone-Konnektivität, LED-Scheinwerfer, Bosch ABS, zwei Fahrmodi, Traktionskontrolle, elektronische Einspritzung – identisch zur Alp 4.0. Dazu hat die X einen USB-Anschluss serienmäßig, der bei der 4.0 fehlt. Das Windschild ist fest montiert und nicht verstellbar, es bietet etwas Schutz bei Reisegeschwindigkeit, aber kein ernsthaftes Windmanagement. Soziusfußrasten und Haltegriff sind serienmäßig – die Alp X ist offiziell für zwei Personen zugelassen.
Was die X ab Werk nicht hat, was vielleicht mancher erwartet: kein echtes Scrambler-Zubehör, kein Motorschutz, kein Handschutz. Das ist kein Versäumnis, sondern Konzept – die X ist intern für Beta kein Geländefahrzeug. Dafür hält der Zubehörkatalog passende Ergänzungen bereit.
Kosten: Gleicher Preis, andere Zielgruppe
5.900 Euro – identisch zur Alp 4.0. Das macht die Entscheidung zwischen den beiden Modellen zu einer reinen Frage des Einsatzprofils und der persönlichen Präferenz, nicht des Budgets. Im Unterhalt unterscheiden sich beide kaum: Inspektionen alle 10.000 km (oder 6 Monate), Kosten unter 200 Euro, Reifen in Enduro-Formaten günstig. Die Pirelli Scorpion Rally STR der X kosten etwas mehr als die Vee-Rubber-Serienreifen der 4.0.
Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung. Wertstabilität: Beide Alp-Modelle sind wertstabil. Die X dürfte durch die breitere Käuferschicht (mehr Straßenfahrer, mehr Einsteiger) etwas leichter wieder zu verkaufen sein als die 4.0, die eine spezialisiertere Zielgruppe anspricht.
Fazit
Die Beta Alp X ist die bessere Alp für alle, die hauptsächlich auf der Straße fahren, gelegentlich Schotterwege mitnehmen und ein leichtes, stilvolles Motorrad mit modernem Charakter suchen. Sie ist zugänglicher, straßentauglicher und optisch eigenständiger als die 4.0. Wer dagegen ernsthaft Gelände fahren will – Trails, loseres Terrain, stehend – nimmt die 4.0 mit dem 21-Zoll-Vorderrad. Zum gleichen Preis ist die Entscheidung einfach: Es geht um den Einsatzzweck.
Kurzcheck
+ Gleicher Motor und Preis wie die Alp 4.0 – aber straßenorientierter
+ Pirelli Scorpion Rally STR ab Werk – deutlich besser auf Asphalt als die 4.0
+ 855 mm Sitzhöhe – 10 mm tiefer, für kleinere Fahrer zugänglicher
+ Modern-Classic-Optik – eigenständiger Stil ohne Aufpreis
+ USB-Anschluss serienmäßig
+ 11-Liter-Tank – über 300 km Reichweite realistisch
+ Soziuszulassung serienmäßig
– 19/17-Zoll-Räder statt 21/18 – weniger Geländetauglichkeit als die 4.0
– ABS nicht abschaltbar (Hinterrad) – Nachteil im ernsteren Gelände
– Kein Motorschutz, kein Handschutz ab Werk
– Langzeitzuverlässigkeit des Tayo-Motors noch nicht durch Jahre belegt
– Kein Windschutz, auf der Autobahn bei hohem Tempo fordernd
– 150 kg vollgetankt – 2 kg schwerer als die 4.0
Technische Daten: Beta Alp X (2026)
Fertigungsland: Italien (Rignano sull'Arno, Toskana); Motor entwickelt mit Tayo (China)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder, DOHC, 4 Ventile, Einspritzung, Euro 5+
Hubraum: 348 cm³
Leistung: 26 kW (35 PS) bei 9.500 U/min
Drehmoment: 32 Nm bei 7.500 U/min
Getriebe: 6 Gänge
Antrieb: Kette
Fahrwerk vorn: Telegabel, ø 43 mm, nicht einstellbar, Federweg 185 mm
Fahrwerk hinten: Monofederbein, Federvorspannung einstellbar, Federweg 195 mm
Bremsen vorn: 290-mm-Scheibe, Schwimmsattel
Bremsen hinten: 220-mm-Scheibe, Einkolbensattel
Reifen vorn: 100/90-19 (Pirelli Scorpion Rally STR)
Reifen hinten: 140/80-17 (Pirelli Scorpion Rally STR)
Assistenzsysteme: Bosch ABS (2-Kanal, im Offroad-Modus Hinterrad nicht deaktivierbar), Traktionskontrolle, 2 Fahrmodi (Street/Offroad)
Gewicht vollgetankt: 150 kg
Sitzhöhe: 855 mm
Tankinhalt: 11 Liter
Preis (D): 5.900 Euro + Nebenkosten
Garantie: 2 Jahre