Test Bimota KB4 RC (2026)
142 PS, 100 Stück – und der kürzeste Radstand der Klasse
Stand: 17.3.2026 | Getestetes Modell: Bimota KB4 RC (2026) | Preis: auf Anfrage (Referenz: ca. 42.000 Euro)
Motor: Kawasaki-Zuverlässigkeit, Bimota-Charakter
142 PS aus 1.043 cm³ – das ist der Reihen-Vierzylinder der Kawasaki Ninja 1000 SX, und niemand sollte das als Kompromiss verstehen. Dieser Motor hat sich über Jahrzehnte als einer der zuverlässigsten Vierzylinder im Segment bewährt, bei der Z 1000 und der Z 1000 SX läuft er hunderttausendfach. Kawasaki liefert damit die Basis, Bimota liefert den Kontext: Das identische Triebwerk fühlt sich in der KB4 RC grundlegend anders an als in der Ninja, weil Gewicht, Radstand und Fahrwerksgeometrie alles verändern.
111 Nm bei 8.000 Touren sind ein strammer Wert, der auch in der Praxis sofort spürbar ist: Der Vierzylinder zieht von unten durch, dreht leichtfüßig hoch und gibt dem Fahrer das Gefühl, immer ausreichend Reserve zu haben. Für eine Maschine, die 194 kg auf die Waage bringt, ist das Leistungsgewicht herausragend – schlanker gebaut als eine Kawasaki Z900, ähnlich leistungsstark wie eine Ninja 1000. Bimota hat das Originalmapping beibehalten. Wer mehr Schärfe will, greift zur Aftermarket-Palette.
Die Arrow-4-in-2-Abgasanlage ist schwarz beschichtet und ein visuelles Statement: Vier Krümmer, die sichtbar bleiben, weil der Kühler – die genialste Konstruktionsentscheidung der KB4-Familie – unter dem Heck versteckt ist. Das macht den Motor zur Skulptur, nicht zum versteckten Antrieb. Der Klang der RC durch diese Anlage ist tief, präsent, aber im öffentlichen Straßenverkehr gut beherrschbar. Kein Reizhupen, sondern ein kultiviertes Statement.
Ein Quickshifter ist serienmäßig, das sechsgängige Getriebe schaltet präzise. Die Kupplung ist handhabbar, nicht schwergängig. Das gesamte Elektronikpaket stammt von Kawasaki: ABS, Traktionskontrolle, Fahrmodi, Schaltassistent – alles an Bord, alles erprobt. Das ist kein Nachteil, das ist eine Stärke: Man kauft keine Eigenentwicklungs-Elektronik mit unbekanntem Langzeitverhalten, sondern bewährte Kawa-Software in einem extravaganten Chassis.
Fahrwerk: 1.390 mm Radstand – und man spürt jeden Millimeter
1.390 mm Radstand – das ist der zentrale Satz der KB4 RC. Zum Vergleich: Die Kawasaki Ninja 1000 SX hat 1.440 mm, eine Ducati Panigale V4 liegt bei rund 1.469 mm. Die KB4 RC ist kürzer als beides, und das ist der Grund, warum Bimota den Kühler unter den Sitz verlegt hat: Nur so ist dieser extreme Radstand bei gleichzeitiger Servicefreundlichkeit möglich. Der Effekt auf das Fahrgefühl ist unmittelbar und dramatisch.
Das Chassis ist ein Bimota-Eigengewächs: vorne ein Gitterrohrrahmen aus hochfestem Stahl, hinten gefräste Aluminiumplatten – eine Konstruktion, die leicht, steif und optisch spektakulär ist. Die Aluminium-Hinterradschwinge trägt einen integrierten Exzenter zur Höhenverstellung, was die Fahrdynamik individuell anpassbar macht. Das ist kein Detail, das man bei anderen Motorrädern findet.
Das Fahrwerk kommt vollständig von Öhlins: vorne eine FG R&T 43 NIX30 USD-Gabel mit 130 mm Federweg, volleinstellbar in Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung. Hinten ein TTX36-Federbein mit 122 mm Federweg, ebenfalls volleinstellbar. Das ist kein Mid-Range-Öhlins, das sind die Komponenten, die in Superbike-Rennmaschinen stecken. Auf der Straße bedeutet das: maximale Rückmeldung, maximale Einstellbarkeit, und in der Standardabstimmung für sportliche Fahrer auf gutem Straßenbelag bereits sehr gut kalibriert.
Die Bremsen – Brembo radial, 320-mm-Doppelscheibe vorne, 220 mm hinten – sind der erwartete Standard für dieses Preissegment und bereiten Laune. Druckpunkt glasklar, Verzögerung massiv, Dosierung chirurgisch. Die OZ Racing Superleggera-Felgen sind leichter als konventionelle Gussräder und tragen zu weniger ungefederter Masse bei – was das Ansprechen des Fahrwerks weiter verbessert. Pirelli Diablo Supercorsa SP ab Werk: kein Kompromiss bei der Bereifung.
Ergonomie: Lenkstummel, 810 mm Sitzhöhe – und erstaunlicher Komfort
Lenkstummel sind das visuelle Zeichen der KB4 RC: Sie sagen Café Racer, Rennstrecke, Vorwärts. Wer das zum ersten Mal sieht und dann zum ersten Mal fährt, ist überrascht: Die Sitzposition ist zwar sportlicher als ein Naked Bike mit hohem Lenker, aber deutlich weniger extrem als ein vollwertiger Superbike-Renner. Die 810 mm Sitzhöhe ist moderat, die Last auf den Händen angenehm, die Kniehaltung entspannt genug für eine Stunde auf der Landstraße, ohne dass der Rücken aufbegehrt.
Die gefrästen, einstellbaren Fußrasten erlauben eine Feinanpassung der Sitzposition – wer längere Beine hat oder kürzere, stellt nach. Das ist kein Zubehör, das ist Serie. Die KB4 RC ist ein Einsitzer: Soziusmitnahme ist konstruktiv nicht vorgesehen. Wer gemeinsam fahren will, sucht ein anderes Motorrad. Wer das versteht, kauft genau die richtige Maschine für sich.
Auf langen Touren ist die RC wahrlich kein Reisemotorrad: kein Windschutz, kein Gepäcksystem, kein Tempomat. Aber ein Motorrad, das auf 100 Stück limitiert ist, wird selten für die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela genutzt. Es ist ein Motorrad für bewusste Ausfahrten auf guten Straßen, für Momente, in denen Fahren der einzige Zweck ist.
Handhabung: 194 kg fühlen sich nach 170 an
194 kg vollgetankt – das ist das fahrfertige Gewicht der KB4 RC laut offiziellem Datenblatt. Das Trockengewicht liegt bei 177 kg. Zum Vergleich: Die Kawasaki Ninja 1000 SX, aus der der Motor stammt, wiegt vollgetankt 235 kg. Bimota hat durch das Chassis, den leichten Heckrahmen und die hochwertigen Komponenten 41 kg eingespart. Im Fahrbetrieb ist der Unterschied nicht nur messbar, er ist dramatisch spürbar: Die KB4 RC reagiert auf Lenkimpulse mit einer Leichtigkeit, die man von einem Liter-Vierzylinder nicht erwartet.
Das TFT-Display der Kawasaki-Elektronik ist gut ablesbar und zeigt alle relevanten Informationen; die Bedienung über die Kawasaki-Lenkerschalter ist bekannt und intuitiv. Der 19,5-Liter-Tank gibt eine Reichweite von rund 300 km bei gemäßigtem Fahrstil – mehr als genug für einen Sporttag ohne Reichweitenangst. Carbon-Teile an Verkleidung, Schutzblechen und Kennzeichenträger sind ab Werk verbaut, nicht nachgerüstet.
Ein Hinweis für potenzielle Käufer: Die Wartung erfolgt über ausgewählte Kawasaki-Händler, die Bimota-Vertriebspartner sind. Das Werkstättennetz ist überschaubar, wer abseits der großen Städte lebt, plant die Servicewege entsprechend ein. Ersatzteile für die Kawasaki-Komponenten sind gut verfügbar; Bimota-spezifische Teile wie Rahmenteile oder Schwinge unterliegen anderen Verfügbarkeiten.
Ausstattung: 100 nummerierte Plaketten – mehr braucht man nicht zu wissen
Jedes der 100 Exemplare der KB4 RC trägt eine nummerierte Plakette. Das ist keine Marketingaussage, das ist ein physisches Dokument des Seltenheitswerts. Öhlins-Fahrwerk volleinstellbar vorne und hinten, OZ Racing Superleggera-Felgen, Brembo-Radialbremsanlage, Arrow-4-in-2-Titan-Auspuffanlage, Pirelli Diablo Supercorsa SP-Bereifung, Quickshifter, Carbon-Teile, gefräste einstellbare Fußrasten, Aluminium-Schwinge mit Exzenter – das ist das Serienausstattungsblatt.
Die Kawasaki-Elektronik bringt: ABS, Traktionskontrolle, Fahrmodi, Schaltassistent, TFT-Display. Kurven-ABS ist an Bord. Was fehlt und für Puristen kein Mangel ist: kein Tempomat, kein Gepäcksystem, kein Soziussitz. Die KB4 RC ist ein konsequentes Einsitzer-Motorrad ohne Kompromisse in Richtung Komfort oder Alltagstauglichkeit.
Kosten: Preis auf Anfrage – aber die Richtung ist bekannt
Ein offizieller Listenpreis für die KB4 RC wird vom deutschen Importeur nicht öffentlich kommuniziert – es gilt der Grundsatz: Wer fragen muss, was es kostet, ist möglicherweise nicht die Zielgruppe. Als Orientierung: Die vollverkleidete KB4 Basis kostet in Deutschland 35.700 Euro inkl. MwSt. und Überführung laut offiziellem Datenblatt Stand Juni 2025. Österreichische Händler listen die KB4 RC (Baujahr 2025) für rund 42.000 Euro. Im Direktvergleich: Eine Ducati Panigale V4 beginnt bei rund 28.000 Euro, bietet aber kein limitiertes Sammlerstück mit handgefertigtem Chassis.
Der Unterhalt ist überschaubar, sofern man mit dem Kawasaki-Motor plant: Inspektionsintervalle und Ersatzteilkosten entsprechen dem Kawasaki-Standard für den Ninja-1000-Motor. Der Aufwand für Bimota-spezifische Teile ist höher und individuell zu erfragen. Wer die KB4 RC kauft, kauft kein Alltagsfahrzeug und kalkuliert entsprechend: Es ist ein Sammlerstück mit Straßenzulassung. Der Wertverlauf limitierter Bimota-Modelle spricht historisch für stabile bis steigende Werte.
Garantie: 2 Jahre. Das ist der Kawasaki-Standard für die Motorkomponenten; für Bimota-spezifische Teile sind die Bedingungen beim Händler zu erfragen.
Fazit
Die Bimota KB4 RC ist kein Motorrad, das sich mit anderen Motorrädern vergleichen lässt. Sie ist ein Einzelstück in einer 100-teiligen Auflage: handgefertigtes Bimota-Chassis, bewährter Kawasaki-Antrieb, Öhlins-Fahrwerk, Arrow-Auspuff, OZ-Felgen – alles auf einem Motorrad mit 1.390 mm Radstand und 194 kg Gewicht. Wer sie fahren kann, vergisst nichts davon. Wer eine kaufen will, greift zum Telefon und nennt seine Nummer. Es gibt noch ein paar.
Kurzcheck
+ 1.390 mm Radstand – agilster Einliter-Vierzylinder auf dem Markt
+ Öhlins FG R&T 43 NIX30 / TTX36 – Rennstrecken-Fahrwerk serienmäßig
+ 194 kg vollgetankt – 41 kg leichter als die Kawasaki-Basis
+ Arrow 4-in-2-Auspuff, OZ-Racing-Felgen, Brembo radial, Pirelli Supercorsa – alles Serie
+ Bewährter Kawasaki-Motor: 142 PS, Langzeitzuverlässigkeit dokumentiert
+ 100 nummerierte Exemplare – echter Sammlerwert
+ Vollständige Kawasaki-Elektronik inkl. ABS und Traktionskontrolle
– Preis auf Anfrage – Richtwert ca. 42.000 Euro
– Kein Soziussitz, kein Gepäcksystem, kein Tempomat
– Bimota-Händlernetz überschaubar – Servicewege einplanen
– Sportliche Sitzposition durch Lenkstummel – auf langen Etappen fordernd
– Keine Überführungskosten-Transparenz – Preisfindung individuell
Technische Daten: Bimota KB4 RC (2026)
Fertigungsland: Italien (Rimini)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihen-Vierzylinder, DOHC, 4 Ventile/Zylinder, Drive-by-Wire, Euro 5 (Kawasaki Ninja 1000 SX)
Hubraum: 1.043 cm³
Leistung: 104,5 kW (142 PS) bei 10.000 U/min
Drehmoment: 111 Nm bei 8.000 U/min
Getriebe: 6 Gänge, Quickshifter serienmäßig
Antrieb: Kette
Rahmen: Gitterrohrrahmen hochfester Stahl vorne, gefräste Aluminiumplatten hinten; Bimota-Eigenentwicklung
Schwinge: Aluminium, mit integriertem Exzenter zur Höhenverstellung
Fahrwerk vorn: Öhlins FG R&T 43 NIX30 USD, volleinstellbar (Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung), Federweg 130 mm
Fahrwerk hinten: Öhlins TTX36, volleinstellbar, Federweg 122 mm
Bremsen vorn: 2× 320-mm-Scheibe, Brembo radiale Vierkolbensättel
Bremsen hinten: 220-mm-Scheibe, Brembo Einkolbensattel
Felgen: OZ Racing Superleggera (Leichtmetall-Schmiederäder)
Reifen vorn: 120/70 ZR17 (Pirelli Diablo Supercorsa SP)
Reifen hinten: 190/50 ZR17 (Pirelli Diablo Supercorsa SP)
Auspuff: Arrow 4-in-2, schwarz beschichtet
Assistenzsysteme: ABS (Kurven-ABS), Traktionskontrolle, Fahrmodi, Schaltassistent (Kawasaki-Elektronikpaket)
Radstand: 1.390 mm
Sitzhöhe: 810 mm (± 8 mm)
Gewicht vollgetankt: 194 kg (laut Datenblatt; Trockengewicht 177 kg)
Tankinhalt: 19,5 Liter
Limitierung: 100 Exemplare weltweit, nummerierte Plakette
Preis (D): auf Anfrage (Richtwert ca. 42.000 Euro)
Garantie: 2 Jahre (Kawasaki-Motorkomponenten)