Test BMW R 12 S (2026)
Die schönste Maschine im BMW-Portfolio – und ihr Preis
Stand: 10.4.2026 | Getestetes Modell: BMW R 12 S (2026) | Preis: 22.000 Euro
Motor: 109 PS – identisch mit der nineT, unverändert stark
1.170 cm³, luft-/ölgekühlt, DOHC, vier Ventile pro Zylinder radial angeordnet, zentrale Ausgleichswelle, Euro 5+: identisch mit der R 12 nineT und der R 12 G/S. 109 PS bei 7.000 Touren, 115 Nm bei 6.500 Touren. Die R 12 S wählt damit die volle Motorleistung der nineT-Abstimmung – keine Drosselung wie beim R 12 Cruiser. Der Motor ist das verbindende Element der R 12-Familie: derselbe Charakter, dieselbe Grundvibration, derselbe luft-/ölgekühlte Boxer-Punch. Im S-Kontext sitzt er in einer Maschine, die ihn besonders gut inszeniert: Die Cockpitverkleidung und das Klangbild des Doppelauspuffs rechts ergeben zusammen einen stimmigen sportlichen Gesamtauftritt.
Serienmäßig drei Fahrmodi: Rain, Road und Dynamic. Das ist das Standard-Set der nineT-Plattform und passt zum sportlichen Anspruch der S. DTC, MSR und ABS Pro sind serienmäßig. Der Schaltassistent Pro mit Blipper – kupplungslose Gangwechsel in beide Richtungen – ist laut BMW-Händlerwebseiten serienmäßig in der R 12 S enthalten. Das ist gegenüber der nineT ein Vorteil. A2-Drosselung auf 35 kW / 48 PS ist möglich.
Auf der Straße ist der Motor das stärkste Argument der R 12 S – wenn man vom Design absieht. Der Boxer zieht gleichmäßig und charaktervoll aus dem Keller, das kompakte Windschild schützt bei gemäßigtem Tempo überraschend gut. Auf der Autobahn bei 130 km/h ist der Schutz noch akzeptabel; darüber hinaus wird es anstrengend. Die R 12 S ist wie alle R 12-Modelle ein Motorrad für Landstraße und Stadt, nicht für Dauereinsatz auf der Autobahn.
Fahrwerk: nineT-Basis – und die exklusiven Speichenräder als optisches Highlight
Fahrwerk identisch mit der R 12 nineT: 45-mm-USD-Telegabel vorne, in Zug- und Druckstufe voll einstellbar. Hinten Aluminiumguss-Paralever-Schwinge mit Zentralfederbein, Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar. Federweg: 120 mm vorne und hinten. Lenkungsdämpfer serienmäßig. Was die R 12 S vom fahrwerksseitigen Standpunkt gegenüber der nineT unterscheidet: Die Fußrasten sind höher montiert, der Lenker liegt flacher – die Ergonomie ist sportlicher ausgelegt.
Das Exklusivmerkmal der R 12 S im Fahrwerk sind die Räder: Option 719 Rad Classic II in 19 Zoll vorne und 17 Zoll hinten, aus natürlich eloxiertem, glänzendem Aluminium – silberne Speichenräder, die ausschließlich für die R 12 S erhältlich sind. Mit dem Metzeler Roadtec Z8 Interact – einem hochwertigen Sporttouren-Reifen – ausgeliefert, ergibt sich eine Kombination aus Optik und Reifenleistung, die dem Preis angemessen ist. Der Radstand beträgt wie bei der nineT 1.511 mm.
Bremsen: identisch mit der nineT – 310-mm-Doppelscheibe vorne mit Brembo 4-Kolben-Monobloc-Radialzangen, 265-mm-Scheibe hinten mit 2-Kolben-Schwimmsattel. ABS Pro schräglagenoptimiert serienmäßig. Das ist für ein Heritage-Motorrad dieser Preisklasse eine gute Bremsanlage. Wer ambitioniert fährt, wird die Bremsen respektieren. Die Fußrasten setzen wie bei der nineT früher auf als bei modernen Sportmotorrädern.
Ergonomie: 795 mm Sitzhöhe, Solositz serienmäßig – kein Sozius möglich
795 mm Sitzhöhe – identisch mit der nineT. Die Sitzposition der R 12 S ist sportlicher als bei der nineT: flacherer Lenker, höher montierte Fußrasten. Das ergibt eine Vorwärtslage, die zwischen einem klassischen Roadster und einem modernen Sportbike liegt. Das Soloheck ist serienmäßig und nicht umrüstbar: Die R 12 S kann weder Sozius noch Sozius-Fußrasten aufnehmen. Das ist eine konsequente Design-Entscheidung, die das Motorrad auf den Solobetrieb optimiert – aber auch potenzielle Käufer ausschließt, die gelegentlich zu zweit fahren wollen.
Das Cockpit-Windschild ist fest montiert und nicht verstellbar – es schützt bei Stadtgeschwindigkeit und gemäßigtem Landstraßentempo. Als Stilmittel ist es das wichtigste visuelle Alleinstellungsmerkmal der S gegenüber der nineT: Es verweist direkt auf die R 90 S von 1973, die als erste BMW mit Cockpit-Verkleidung antrat. Das runde Rundinstrument ergänzt das historisch aufgeladene Cockpit sinnvoll.
Handhabung: 22.000 Euro – und der berechtigte Blick auf die Verarbeitungsdetails
220 kg vollgetankt – identisch mit der R 12 nineT. Das Fahrgefühl auf der Straße ist entsprechend: kein schwereres oder leichteres Motorrad als die nineT, aber eines mit aktiverer Sitzposition und mehr Ruhe bei höherem Tempo dank Windschild. Die R 12 S ist wie die nineT eine Maschine für Landstraße, kurvige Strecken und städtisches Fahren. Als Fernreisemotorrad schränkt der 16-Liter-Tank (rund 275 km Reichweite) ein.
Bei 22.000 Euro Grundpreis stellt sich unweigerlich die Frage nach der Verarbeitungsqualität. Tests haben festgestellt: BMW setzt bei der R 12 S an einigen Stellen auf Kunststoff – Hitzeschutzblech, Seitenabdeckungen, vorderer Kotflügel –, die dem Preisniveau nicht entsprechen. Auch die Armaturen am Lenker sind baugleich mit denen der F 900 R, die deutlich günstiger ist. Das Frästeile-Paket Shadow und die silbernen Speichenräder erhöhen den wahrgenommenen Wert erheblich. Die erwähnten Kunststoffteile hinterlassen bei genauerem Hinsehen einen Kontrast zur Premiumpositionierung.
Was die R 12 S trotzdem einzigartig macht: Sie zieht Blicke an. Sich nicht nach der BMW R 12 S umzudrehen, ist für Motorradfahrer unmöglich. Die Lackierung in Lavaorange mit roter Doppellinie und gebürstetem Aluminium, die silbernen Speichenräder, die zahlreichen Frästeile aus Aluminium an Zylinderhauben, Handhebeln, Fußrasten, Brems- und Schalthebel, Öleinfüllschraube und Lenkerenden – das ist ein Gesamtkunstwerk, das auf der Straße keine Konkurrenz hat.
Ausstattung: Frästeile, Speichenräder, Windschild – alles serienmäßig
Serienmäßig in der R 12 S: ABS Pro, DTC, MSR, Lenkungsdämpfer, drei Fahrmodi (Rain/Road/Dynamic), Schaltassistent Pro mit Blipper, Option-719-Rad Classic II (silberne Speichenräder, 19/17 Zoll), Frästeilpaket Shadow & Shadow II (Zylinderhauben, Handhebel, Fußrasten, Brems- und Schalthebel, Öleinfüllschraube, Lenkerendenspiegel, Zündspulenabdeckungen, Ausgleichsbehälterdeckel), Cockpitverkleidung mit dunkel getöntem Windschild, Solositz mit Höcker in Lavaorange metallic, LED-Scheinwerfer, 16-Liter-Aluminiumtank, Doppelauspuff rechts.
Die R 12 S ist in einer einzigen Farbkombination erhältlich: Lavaorange Metallic mit weißen und schwarzen Akzenten oder die dunkler gehaltene Carbon-Schwarz-Variante. BMW bietet für die R 12 S dieselben Zubehörprodukte wie für die R 12 nineT: kurzes Heck, Titan-Endschalldämpfer, Seiten- und Hecktaschen. Headlight Pro mit Kurvenlicht ist optional erhältlich. Ein Soziusplatz ist nicht möglich – weder serienmäßig noch als Zubehör.
Kosten: 22.000 Euro – das teuerste Motorrad der R 12-Familie
22.000 Euro Grundpreis – 4.590 Euro mehr als die R 12 nineT (17.410 Euro), 7.540 Euro mehr als die R 12 Cruiser (14.460 Euro). Die R 12 S ist damit das teuerste Motorrad der R 12-Familie und eines der teuersten Heritage-Motorräder im BMW-Portfolio. Was den Aufpreis gegenüber der nineT rechtfertigt: Option-719-Rad Classic II exklusiv (diese Räder sind nicht einzeln kaufbar), Frästeilpaket Shadow serienmäßig, Cockpitverkleidung mit Windschild serienmäßig, Schaltassistent Pro serienmäßig, Metzeler Roadtec Z8 serienmäßig, einzige Farbvariante mit Lavaorange. Wer diese Elemente einzeln zur nineT bestellt, nähert sich dem S-Preis.
Im direkten Konkurrenzvergleich hat die R 12 S keine direkten Gegner: Eine Triumph Speed Twin 1200 RS kostet rund 14.000 Euro, ist aber konzeptionell anders (britischer Charakter). Ducati bietet mit der Monster nichts Vergleichbares im Retro-Bereich. Die R 12 S ist ein Nischenprodukt für Käufer, die das schönste Motorrad der Saison besitzen wollen – und dafür bereit sind, einen erheblichen Premiumaufpreis zu zahlen. Inspektionen alle 10.000 km. Ventilkontrolle alle 10.000 km. Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung.
Fazit
Die BMW R 12 S ist das Motorrad für Käufer, die kompromisslos das Schönste wollen – und dafür nicht verhandeln. 22.000 Euro, eine Farbe, kein Sozius, begrenzte Reichweite, einige Kunststoffteile trotz Premiumpreis. Und doch: Auf einer Landstraße an einem Sommertag, die Lavaorange-Lackierung in der Sonne, der Doppelauspuff im Chor des Boxers – dieses Motorrad hat keine Konkurrenz. Das ist sein einziges Argument, und es ist das stärkste.
Kurzcheck
+ Einzigartiges Design – keine Konkurrenz auf der Straße
+ Option-719-Rad Classic II exklusiv – nur für die R 12 S erhältlich
+ Frästeilpaket Shadow serienmäßig – umfangreichste Serienausstattung der R 12-Familie
+ Cockpitverkleidung mit Windschild serienmäßig – Hommage an die R 90 S
+ Schaltassistent Pro mit Blipper serienmäßig
+ 109 PS, 115 Nm – volle Motorleistung der nineT-Abstimmung
+ Metzeler Roadtec Z8 serienmäßig – hochwertiger Sporttouren-Reifen
+ 220 kg – gleiches Gewicht wie die nineT
– 22.000 Euro – 4.590 Euro mehr als die R 12 nineT
– Solositz serienmäßig – kein Sozius, auch nicht als Zubehör
– Nur eine Farbvariante (Lavaorange oder Carbon-Schwarz)
– Kunststoffteile an einigen Stellen trotz Premiumpreis
– Armaturen baugleich mit F 900 R – Baukastenprinzip sichtbar
– 16-Liter-Tank – rund 275 km Reichweite
– 120 mm Federweg – Landstraße ja, Schotter nein
Technische Daten: BMW R 12 S (2026)
Fertigungsland: Deutschland (Berlin-Spandau)
Motor: Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Boxer, DOHC, 4 Ventile/Zylinder radial, zentrale Ausgleichswelle, Euro 5+
Hubraum: 1.170 cm³
Leistung: 80 kW (109 PS) bei 7.000 U/min
Drehmoment: 115 Nm bei 6.500 U/min
Getriebe: 6 Gänge, Schaltassistent Pro mit Blipper serienmäßig
Antrieb: Kardan (Aluminiumguss-Paralever-Schwinge)
Rahmen: Stahlgitterbrücke mit angeschraubtem Hilfsrahmen (identisch R 12 nineT)
Fahrwerk vorn: USD-Telegabel, ø 45 mm, voll einstellbar (Zug- und Druckstufendämpfung), Federweg 120 mm; Lenkungsdämpfer serienmäßig
Fahrwerk hinten: Aluminiumguss-Paralever-Schwinge, Zentralfederbein, Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar, Federweg 120 mm
Bremsen vorn: 2× 310-mm-Schwimmscheibe, Brembo 4-Kolben-Monobloc-Radialbremssattel
Bremsen hinten: 265-mm-Scheibe, 2-Kolben-Schwimmsattel
Räder: Option 719 Rad Classic II (Speichenräder, Aluminium natur glänzend eloxiert, exklusiv für R 12 S), 19 Zoll vorne, 17 Zoll hinten
Reifen vorn: 120/70 ZR19, Metzeler Roadtec Z8 Interact
Reifen hinten: 170/60 ZR17, Metzeler Roadtec Z8 Interact
Assistenzsysteme: ABS Pro (schräglagenoptimiert), DTC, MSR; 3 Fahrmodi serienmäßig (Rain/Road/Dynamic)
Serienausstattung Extras: Frästeilpaket Shadow & Shadow II, Cockpitverkleidung mit getöntem Windschild, Solositz, Doppelauspuff rechts, Schaltassistent Pro mit Blipper
Sozius: Nicht möglich – weder serienmäßig noch als Zubehör
Gewicht vollgetankt: 220 kg
Sitzhöhe: 795 mm
Radstand: 1.511 mm
Tankinhalt: 16 Liter (Aluminium)
Preis (D): 22.000 Euro + Nebenkosten
Garantie: 2 Jahre, ohne Kilometerbeschränkung