Test CFMoto 450 CL-C (2026)

Bobber mit Riemen, rundem TFT und einer Kampfansage an die Honda Rebel

690 mm Sitzhöhe, 181 kg, Riemenantrieb, J.Juan-Radialbremse, Bosch-ABS, Traktionskontrolle, 3,6-Zoll-TFT – und das alles ab knapp 6.000 Euro. Die CL-C ist CFMotos erste Antwort auf den beliebtesten A2-Cruiser der Welt.

Stand: 15.4.2026 | Modell: CFMoto 450 CL-C (2026) | Preis: 5.999 Euro | Fertigung: CFMoto, China | Garantie: 4 Jahre

 

Konzept: Bobber-Anleihen, Cruiser-Haltung, Riemenantrieb – kein reiner Cruiser, kein reiner Bobber

Die CFMoto 450 CL-C ist CFMotos erster Cruiser – und sie zitiert ihre Vorbilder recht offen. Wir erkennen Anleihen von Honda CMX 500 Rebel, Kawasaki Vulcan und der alten luftgekühlter Harley-Davidson Sportster: der tiefe Rundscheinwerfer zwischen den Gabelholmen, das Doppelsitz-Heck mit tiefem Fender, die einseitige Auspuffanlage mit angedeutetem Doppelrohr, die angedeuteten überfrästen Kühlrippen am Zylinder. Als reiner Cruiser geht sie nicht durch – der breite Ballon-Vorderreifen in 130/90-16 spricht mehr Bobber als Cruiser. Die Sitzposition ist entspannt: weit vorn platzierte Fußrasten, nach hinten ragender Lenker, 690 mm Sitzhöhe.

Was die CL-C von allen direkten Konkurrenten unterscheidet: der Riemenantrieb. Honda Rebel und Kawasaki Vulcan – beide Kettenantrieb. CFMoto hat in dieser Kategorie als einzige Marke auf Riemen umgestellt, was wartungsärmer und leiser ist. Das ist kein Zufall: Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, das direkt auf die großen US-Vorbilder verweist.

Motor: 270-Grad-Zweizylinder, weich abgestimmt, 42 Nm – für Cruiser-Charakter optimiert

Der 449-cm³-Zweizylinder mit 270-Grad-Hubzapfenversatz ist aus der 450 MT bekannt, für die CL-C aber anders abgestimmt: mehr Spitzenleistung (44 PS bei 9.000/min), üppigerer Drehmomentverlauf mit 42 Nm bei 6.250 U/min. Der 270-Grad-Versatz imitiert den ungleichmäßigen Zündabstand eines V2 – das gibt dem Motor einen lebendigen, leicht pulsierenden Charakter, der zum Cruiser-Segment passt. Die doppelte Ausgleichswelle dämpft Vibrationen.

Was beeindruckt, ist nicht die rohe Leistung, sondern die Geschmeidigkeit und Gleichmäßigkeit des Motors. Man hört den schönen Klang des Doppelrohres – einen Sound, der eher an ein größer hubraumstärkeres Motorrad erinnert. Der Gates-Riemenantrieb überträgt die Kraft leise und wartungsarm ans Hinterrad.

Fahrwerk & Bremse: USD-Gabel, J.Juan-Radialzange, Bosch-ABS – mehr als die Konkurrenz in dieser Klasse bietet

Das Fahrwerk der CL-C fällt für einen Einstiegscruiser überdurchschnittlich gut aus. Vorne arbeitet eine 37-mm-Upside-Down-Gabel mit 130 mm Federweg, hinten ein einstellbares Monoshock mit 96 mm Federweg. Der Stahlrohrrahmen ist exklusiv für die CL-C entwickelt: Der Motor ist als tragendes Element integriert, was die Linienführung mit dem typischen Long-and-low-Look ermöglicht.

Die Bremse ist der technische Überraschungsmoment: eine 320-mm-Einzelscheibe vorne mit radial angeschraubter 4-Kolben-Zange von J.Juan – einer Brembo-Beteiligung. Hinten: 220-mm-Scheibe mit Schwimmsattel. Bosch-ABS serienmäßig, Traktionskontrolle ebenfalls. Zur Einordnung: Die Honda CMX 500 Rebel hat vorne einen Zweikolben-Sattel, die CFMoto hat einen Vierkolben-Radialsattel. Das ist kein kleiner Unterschied.

Ausstattung: Rundes 3,6-Zoll-TFT, T-Box, OTA-Updates, Pinstripe-Ledersitz – Details, die den Preis nicht vermuten lassen

Das runde 3,6-Zoll-TFT-Display mit gewölbter Oberfläche und Retro-Optik ist einer der stimmigsten Design-Entscheide der CL-C: Es sieht aus wie ein klassischer Tachometer, zeigt aber alle modernen Informationen. Die T-Box verbindet das Motorrad mit der CFMoto RIDE App: OTA-Updates, Fahrtaufzeichnung, Diebstahlschutz, Echtzeit-Fahrzeugdaten. LED-Leuchten rundum. Der Ledersitz ist mit Pinstripe-Retro-Technologie behandelt – ein Verarbeitungsdetail, das auf diesem Preisniveau auffällt.

Handhabung & Konkurrenz: Leichter und besser ausgestattet als die Rebel – aber ohne deren Markenhistorie

Die CL-C ist eine echte Alternative zu etablierten japanischen Modellen, insbesondere zur Honda Rebel 500, ohne den eigenen Charakter zu verleugnen.“ 183 kg fahrfertig gegen 192 kg der Honda Rebel 500: Die CFMoto ist leichter. Traktionskontrolle serienmäßig: fehlt bei der Honda. Vierkolben-Radial-Vorderradbremse: die Honda hat einen Zweikolbensattel. Und das alles über 1.000 Euro günstiger als die Rebel 500. Der Haken: CFMoto ist in Deutschland noch ein junger Name im Cruiser-Segment. Das Händlernetz kleiner als bei Honda, der Wiederverkaufswert noch unbekannt.

Minus: Die Fußrasten streifen zu früh beim Schräglagenfahren. Das ist dem langen und flachen Cruiser-Rahmenkonzept geschuldet und kein Defekt, aber für sportlichere Fahrer ein spürbares Limit. Die CL-C ist kein Kurvensportler – sie ist ein entspanntes, optisch überzeugend gestaltetes Alltagsmotorrad mit besserem Technikpaket als die Konkurrenz es erwarten lässt.

Fazit

Riemenantrieb, Vierkolben-Radialbremse, Bosch-ABS, Traktionskontrolle, T-Box, rundes TFT, 183 kg, 690 mm Sitzhöhe, 4 Jahre Garantie – für 6.000 Euro. Die CFMoto 450 CL-C bietet mehr Technik als die Honda CMX 500 Rebel zu einem niedrigeren Preis. Wer bereit ist, auf etablierten Markennamen zu verzichten, bekommt hier das vollständigere Paket.

 

Kurzcheck

 

+ Riemenantrieb serienmäßig: einziger Cruiser in dieser Klasse mit Zahnriemen; wartungsärmer und leiser als Kette

+ J.Juan 4-Kolben-Radialzange vorne auf 320 mm: überdurchschnittliche Bremsanlage für das Segment

+ Traktionskontrolle serienmäßig

+ 183 kg fahrfertig: leichter als Honda CMX 500 Rebel (192 kg)

+ 270-Grad-Zweizylinder: V2-ähnlicher Charakter, 42 Nm, sanft und linear

+ Rundes 3,6-Zoll-TFT mit Retro-Optik: passt zum Design, modern in der Funktion

+ T-Box: OTA-Updates, CFMoto RIDE App, Diebstahlschutz, Fahrtaufzeichnung

+ 690 mm Sitzhöhe: Niedrigste in der 450er-CFMoto-Familie

+ Pinstripe-Ledersitz, polierter Tankdeckel, Triumph-ähnliche Motordekor-Details

+ 4 Jahre Herstellergarantie

+ 5.999 Euro: deutlich günstiger als Honda Rebel 500

 

Fußrasten kratzen früh beim Schräglagenfahren: Cruiser-typisches Limit, kein Defekt

96 mm Federweg hinten: komfortorientiert, nicht für sportlichen Einsatz ausgelegt

CFMoto-Händlernetz in Deutschland noch kleiner als Honda oder Kawasaki

Wiederverkaufswert noch unbekannt: neue Marke im Cruiser-Segment

12-Liter-Tank: Reichweite begrenzter als bei größer getankten Konkurrenten

130/90-16-Reifendimension: kleineres Angebot als übliche Größen

 

 

Technische Daten: CFMoto 450 CL-C (2026)

 

Fertigungsland: China (CFMoto)

Motor: Reihenzweizylinder, 449 cm³, flüssigkeitsgekühlt, 270° Hubzapfenversatz, doppelte Ausgleichswelle, Euro 5

Leistung: 44 PS bei 9.000/min, A2-konform

Drehmoment: 42 Nm bei 6.250/min

Antrieb: Gates-Riemen (einziger Cruiser dieser Klasse mit Riemenantrieb)

Getriebe: 6-Gang

Elektronik: Bosch-ABS; Traktionskontrolle; T-Box (OTA-Updates, CFMoto RIDE App, Diebstahlschutz, Fahrtaufzeichnung)

Rahmen: Stahl-Doppelschleifen-Rahmen; Motor mittragend; Long-and-low-Layout

Gabel: USD 37 mm; 130 mm Federweg

Federbein: Monoshock, einstellbar; 96 mm Federweg; Zweiarmschwinge

Bremse vorn: J.Juan 4-Kolben-Radialfestsattel; 320-mm-Scheibe; Bosch-ABS

Bremse hinten: Schwimmsattel; 220-mm-Scheibe; ABS

Räder: 16 Zoll vorne und hinten; Alugussräder

Reifen: 130/90-16 vorne; 150/80-16 hinten

Display: 3,6-Zoll-TFT-Runddisplay, Retro-Optik, gewölbt; Navigation; Smartphone-Konnektivität

Beleuchtung: LED rundum; LED-Kurvenlicht

Gewicht: 183 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 690 mm

Radstand: ca. 1.520 mm

Tank: 12 Liter

Führerschein: A2

Preis (D): 5.999 Euro samt Nebenkosten

Garantie: 4 Jahre Herstellergarantie