Test CFMoto 800 MT-X (2026)

Die offroad-orientierte KTM-Alternative – 21-Zoll-Vorderrad, 200 mm Federweg, 9.499 Euro

91 PS KTM-Twin, 21/18-Zoll-Drahtspeichenräder, 200 mm KYB-Federweg, Kurven-ABS, Quickshifter, TPMS, Tempomat – und 3.000 Euro günstiger als die KTM 790 Adventure. Die MT-X macht kein Geheimnis aus ihrer Herkunft.

Stand: 15.4.2026 | Modell: CFMoto 800 MT-X (2026) | Preis: 9.499 Euro inkl. NK | Variante Comfort: 830 mm Sitzhöhe, 4 cm reduzierter Federweg | Fertigung: CFMoto, China | Garantie: 4 Jahre

Konzept: KTM-Motor, CFMoto-Rahmen, 21-Zoll-Vorderrad – die längst überfällige offroad-orientierte 800er

Die 800 MT-X ist die konsequentere Offroad-Version der 800 MT-Reihe. Während die 800 MT Explore mit 150 mm Federweg und 19-Zoll-Vorderrad primär als Reisetourer konzipiert ist, bekommt die MT-X 200 mm Federweg, ein 21-Zoll-Vorderrad auf Drahtspeichenrädern und Enduro-Erstbereifung. CFMoto positioniert die MT-X als 60/40-Bike: 60 Prozent Straße, 40 Prozent Gelände. Das ist keine Hardcore-Enduro, aber deutlich mehr als ein Asphalt-Adventure-Bke mit grobem Profil. Eine Mischung aus österreichischer Motorentechnik und schwäbischer Elektronik in chinesischem Design.

Zwei Varianten: Standard mit 870–875 mm Sitzhöhe und vollem 200-mm-Federweg; Comfort mit 830 mm Sitzhöhe und um 4 cm reduziertem Federweg – für Fahrer unter 1,75 m oder mit Bodenfreiheitsbedarf. Beide zum gleichen Preis. Einzige Serienfarbe: Zephyr Blue bzw. Tundra Grey.

Motor: 91 PS, 87 Nm, LC8c-Basis – kultiviert und kräftig, mit spürbarer Drehmomentschwäche in der Mitte

Der 799-cm³-LC8c-Twin leistet in der MT-X 91 PS bei 8.500/min und 87 Nm bei 6.750/min – damit hat die MT-X 12 Nm mehr als die 800 MT Touring und liegt fast auf KTM-790-Niveau (95 PS / 88 Nm). Der Motor liefert kräftigen Antritt, linearen Durchzug und einen bassigen Twin-Puls, der im Test etwas kerniger und satter wirkt als bei den KTM-Geschwistern in Orange. Die Gasannahme ist auch im Sport-Modus angenehm feinfühlig dosierbar – wichtig für Geländebetrieb. Quickshifter serienmäßig.

Manche bemängeln eine spürbare Drehmomentschwäche zwischen 5.000 und 7.000/min Das ist bei 91 PS kein Kaufhindernis, aber ein Punkt, der die Motorabstimmung von der KTM-Original-Qualität unterscheidet. Angeblich wurde das inzwischen geändert. Drehzahlloch hin oder her: Für Tourentempo und Gelände ist der Motor mehr als ausreichend.

Fahrwerk: KYB 48 mm voll einstellbar, 200 mm Federweg, 230 mm Bodenfreiheit – überraschend souverän für den Preis

Das Fahrwerk der 800 MT-X hinterlässt einen starken Eindruck. Die KYB-USD-Gabel mit 48 mm Standrohrdurchmesser (Standard: 43 mm) ist voll einstellbar; das Zentralfederbein ebenfalls. 200 mm Federweg je Achse. 230 mm Bodenfreiheit. Das Fahrwerk bügelt unbeeindruckt über Rillen und Geröll, schlägt nicht durch, schaukelt sich nicht auf und liefert Rückmeldung vom Untergrund an Griffe und Rasten.  Die MT-X besitzt ein neutrales und vertrauenserweckendes Verhalten in Regen, Laub und Schotter.

Mit vollem Kofferset und hartem Beschleunigen kann ein schlagender Lenker auftreten. Der Lenkungsdämpfer ist zwar serienmäßig, reicht in dieser Konstellation offenbar nicht immer aus. Wer die MT-X mit Gepäck bewegt, sollte das bei der Probefahrt prüfen. KYB spielt in einer anderen Liga als WP oder Öhlins – das muss ehrlich gesagt werden. Wer später mehr will, kann nachrüsten.

Bremse & Elektronik: J.Juan-Radialzange, Bosch-IMU, Kurven-ABS, 3 Fahrmodi – offroad-taugliches Paket

Die Bremse ist eine J.Juan-Doppelscheiben-Anlage vorne (320 mm, radial angeschraubte Sättel) mit einstellbaren Hebeln, hinten 260-mm-Scheibe mit Schwimmsattel. Der Initialbiss geht in Ordnung, für sehr sportlichen Ganzjahresbetrieb auf Asphalt könnte die Progression stärker sein. Im Gelände ist die bewusst zurückhaltende Auslegung sinnvoll. Das Kurven-ABS (Bosch 6-Achsen-IMU) ist schräglagenabhängig. Im Offroad-Modus lässt die Anlage vorne genügend Schlupf, das Hinter-ABS ist vollständig deaktivierbar – per 3-Sekunden-Knopfdruck direkt aus dem Fahrmodus heraus, ohne Menü.

3 Fahrmodi serienmäßig: Standard, Rain, Offroad. Quickshifter. Tempomat. TPMS (Reifendrucksensor). 7-Zoll-TFT vertikal, vierstufig neigungsverstellbar; Bluetooth, T-Box, Google-Navigation. Lenkungsdämpfer serienmäßig. Einhändig höhenverstellbarer Windschild. USB-C und USB-A. Keine Griffheizung – auch nicht im Zubehörkatalog zum Zeitpunkt der Markteinführung; optionale Sitzheizung vorhanden.

Ergonomie & Bereifung: 870 mm Sitzhöhe, 22,5-Liter-Tank, CST-Erstbereifung – der schwächste Punkt ab Werk

Die Ergonomie der MT-X passt gut: schlanke Sitzbank, 870 mm Sitzhöhe (Standard), an den Seiten heruntergezogene Tankblasen nach KTM-Vorbild mit 22,5 Liter Volumen, aufrechte Enduro-Haltung. Für 1,90 m ist die Sitzposition sehr passend. Der Kniewinkel bleibt trotz großer Schräglagenfreiheit entspannt. Im Stehen: ausreichend Bewegungsspielraum nach vorne, genügend Angriffsfläche am Tank. Das Fahrwerk spricht feinfühlig an, wenn man aktiv fährt.

Die Erstbereifung CST Ambro A4 (90/90-21 / 150/70-18) war eine unglückliche Wahl für das Offroad-Potenzial der MT-X – das Profil erinnert stark an den Pirelli Scorpion Rally STR, die Qualität liegt aber darunter. Wer die MT-X ernsthaft offroad bewegen will, sollte früh in hochwertigere Reifen investieren. Inspektionsintervalle 15.000 km.

Kosten: 9.499 Euro inkl. NK – rund 3.000 Euro unter KTM 790 Adventure, 4 Jahre Garantie

Die CFMoto 800 MT-X kostet 9.499 Euro inkl. aller Nebenkosten. Die KTM 790 Adventure lag bei Marktstart 2024 bei 11.990 Euro. Aprilia Tuareg 660 (12.199 Euro, 80 PS, Öhlins serienmäßig, 21-Zoll). Honda Africa Twin (ab 16.449 Euro, 102 PS, DCT optional): teurer, mehr Hubraum, bewährter. BMW F 800 GS (ab ca. 10.650 Euro plus Nebenkosten, 87 PS): teurer, weniger Offroad. Die MT-X positioniert sich preislich unter allen genannten Alternativen und bringt serienmäßig mehr Ausstattung mit. Das optionale dreiteilige Kofferset kostet 1.568 Euro inkl. Halterung.

Fazit

91 PS KTM-Twin, KYB 48 mm voll einstellbar, 200 mm Federweg, Kurven-ABS, Quickshifter, Tempomat, TPMS, 22,5-Liter-Tank, Lenkungsdämpfer, 21/18-Zoll-Drahtspeichenräder, 4 Jahre Garantie. Die CST-Erstbereifung gibt Abzüge. Der Motor hatte bisher ein Drehmomentloch. Wer das weiß und entsprechend plant, bekommt für 9.499 Euro ein gut ausgestattetes Adventure-Bike, das weit mehr liefert, als der Preis erwarten lässt.

 

Kurzcheck

 

+ KTM LC8c-Basis: 799 cm³, 91 PS, 87 Nm; kultivierter, bassiger Twin-Klang

+ KYB USD 48 mm voll einstellbar; Zentralfederbein voll einstellbar; 200 mm Federweg je Achse

+ 230 mm Bodenfreiheit; 21/18-Zoll-Drahtspeichenräder schlauchlostauglich

+ Fahrwerk bügelt Gelände souverän weg; feinfühlig ansprechend; viel Rückmeldung

+ Kurven-ABS serienmäßig (Bosch 6-Achsen-IMU); Hinter-ABS per 3-Sek.-Knopfdruck deaktivierbar

+ 3 Fahrmodi: Standard, Rain, Offroad; Offroad-Modus lässt vorne Schlupf, hinten ABS-frei

+ Quickshifter und Tempomat serienmäßig

+ Lenkungsdämpfer serienmäßig

+ TPMS (Reifendrucksensor) serienmäßig

+ 22,5-Liter-Tank; über 400 km Reichweite (4,6 l/100 km Werksangabe)

+ 7-Zoll-TFT vertikal; Bluetooth; T-Box; Google-Navigation; USB-C/A

+ Comfort-Variante: 830 mm Sitzhöhe (statt 870 mm), 4 cm weniger Federweg

+ 9.499 Euro inkl. NK – ca. 3.000 Euro unter KTM 790 Adventure

+ 4 Jahre Garantie; 15.000-km-Inspektionsintervalle

 

Drehmomentschwäche zwischen 5.000–7.000 U/min: spürbares Loch; unterscheidet sich von KTM-Originalabstimmung

CST-Erstbereifung (Ambro A4): für Offroad-Potenzial der MT-X unglückliche Wahl; früher Reifenwechsel empfohlen

Keine Griffheizung serienmäßig

Fahrwerk unter Premium-Niveau (WP, Öhlins): für ambitionierte Offroad-Fahrer spürbar

Bremse auf Asphalt bei sportlicher Gangart auf Asphalt: Progression und Biss dürften kräftiger sein

Kein Kofferset serienmäßig; optionales Alukoffer-Set ca. 1.568 Euro

Wiederverkaufswert noch nicht belegt; CFMoto-Händlernetz kleiner als KTM

 

 

Technische Daten: CFMoto 800 MT-X (2026)

 

Fertigungsland: China (CFMoto; Motor auf KTM LC8c-Basis)

Motor: Paralleltwin, 799 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC; KTM LC8c-Basis; 6-Gang; Quickshifter serienmäßig; doppelte Ausgleichswellen; DLC-Beschichtung

Leistung: 91 PS (67 kW) bei 8.500/min

Drehmoment: 87 Nm bei 6.750/min

Fahrmodi / Elektronik: Standard, Rain, Offroad (serienmäßig); Kurven-ABS (Bosch 6-Achsen-IMU); TCS; Hinter-ABS deaktivierbar; Quickshifter; Tempomat; Lenkungsdämpfer; TPMS; T-Box

Varianten: Standard: 870–875 mm Sitzhöhe, 200 mm Federweg; Comfort: 830 mm, ca. 160 mm Federweg

Rahmen: CrMo-Stahl; Aluminiumschwinge

Gabel: KYB USD 48 mm; voll einstellbar; 200 mm Federweg (Standard)

Federbein: KYB Zentralfederbein; voll einstellbar; 200 mm Federweg (Standard)

Bodenfreiheit: 230 mm (Standard)

Bremse vorn: J.Juan radial angeschraubte Vierkolbensättel; 2× 320-mm-Scheiben; Kurven-ABS

Bremse hinten: J.Juan Schwimmsattel; 260-mm-Scheibe; ABS abschaltbar

Räder: Drahtspeichenräder schlauchlostauglich; 21 Zoll vorne / 18 Zoll hinten

Reifen: 90/90-21 vorne; 150/70-18 hinten; CST Ambro A4 (ab Werk)

Display: 7-Zoll-TFT vertikal; 4-stufig neigungsverstellbar; Bluetooth; T-Box; Google-Navigation; USB-C und USB-A

Windschild: Einhändig höhenverstellbar

Gewicht: 220 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 870–875 mm (Standard) / 830 mm (Comfort)

Radstand: Ca. 1.530 mm

Tank: 22,5 Liter; Reichweite über 400 km (4,6 l/100 km Werksangabe)

Inspektionsintervall: 15.000 km

Preis (D): 9.499 Euro inkl. Nebenkosten

Garantie: 4 Jahre Herstellergarantie