Test Ducati DesertX Rally (2025)

KYB Closed Cartridge, 250/240 mm, Testastretta-Desmo, 910 mm – die Enduro mit dem Rennstreckenzertifikat

Erzbergrodeo, Rally of Albania, NORRA Mexican 1000: Die DesertX Rally wurde nicht in der Werkstätte homologiert, sondern auf Wettbewerbsstrecken entwickelt. KYB 48 mm Closed Cartridge, 250/240 mm Federweg, Öhlins-Lenkungsdämpfer, Excel-Felgen, 93 dB(A) Tirol-konform. Der letzte Ducati mit Testastretta-Desmo im Enduro-Einsatz. Ab ca. 20.590 Euro.

Stand: 5.5.2026 | Modell: Ducati DesertX Rally (2024/2025; aktuelle Generation; identisch 2024 und 2025; 2026 noch ohne V2-Update); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT) | Preis DE: ca. 20.590 Euro (Händlerpreis 2025; Einführung 2024: 21.590 Euro) zzgl. 345 Euro | Standgeräusch: 93 dB(A) – Tirol-konform | Garantie: 4 Jahre (Ducati 4Ever DesertX; ohne Kilometerbegrenzung)

Erster Eindruck: ein Motorrad, das weiß, was der Erzbergrodeo ist

Wer auf der DesertX Rally sitzt, merkt sofort, dass 910 mm Sitzhöhe keine Designentscheidung ist. Das ist eine Aussage über ihren Einsatzzweck. Die Rally-Sitzbank verbindet Fahrersitz und Soziussitz zu einem einteiligen Stück – flach, schmal, mit rauher Textur, damit man sich beim Stehen auf den Fußrasten bewegen kann ohne zu rutschen. Die unlackierten, durchgefärbten Kunststoffteile kratzen und stürzen wie Enduro-Teile. Das ist kein Versehen. Ducati hat die DesertX Rally explizit für Fahrer entwickelt, die ihr Motorrad fallen lassen – und danach einfach weiterfahren wollen.

Antoine Méo, mehrfacher Enduro-Weltmeister, hat die Rally beim Iron Road Prolog des Erzbergrodeo 2023 in der Kategorie Zweizylinder auf den ersten Platz gefahren und beide Läufe gewonnen. Das ist kein Marketing-Statement – das ist ein Wettbewerbsergebnis auf einer der härtesten Strecken der Welt. Es ist der stärkste externe Beleg dafür, dass die Rally das kann, was sie verspricht.

Motor: Testastretta 11° Desmo – der letzte seiner Art in der DesertX-Familie

937 cm³, desmodromische Ventilsteuerung, 110 PS bei 9.250/min, 92 Nm bei 6.500/min. Das ist der Testastretta 11° – derselbe Motor, der in DesertX Standard, alter Monster und alter Hypermotard gearbeitet hat, bevor der neue 890-cm³-V2 sie abgelöst hat. In der Rally-Version ist er noch aktiv. Die DesertX Rally ist damit der letzte Ducati mit Desmodromik im Enduro-Einsatz. Wer den Desmo-Charakter kennt und schätzt – die leicht ruppige Gasannahme bei niedrigen Drehzahlen, das Anziehen bei mittleren Drehzahlen, den spezifischen Schaltruck beim Herunterschalten – kauft die Rally nicht trotzdem, sondern deshalb.

30.000 km Ventilspiel: Das ist weniger als die neue Standard-DesertX (45.000 km), und wer die Rally regelmäßig im Gelände bewegt, wird dieses Intervall nicht ignorieren können. Das ist der Wartungspreis der Desmodromik. Er lohnt sich für alle, die den Motor als Persönlichkeit und nicht als Mittel zum Zweck verstehen.

Fahrwerk: KYB Closed Cartridge, 250/240 mm, Öhlins-Lenkungsdämpfer

Die KYB 48-mm-USD mit Closed-Cartridge-System ist das entscheidende Fahrwerk-Upgrade gegenüber der Standard-DesertX. Closed Cartridge bedeutet: Die Dämpfereinheit ist hermetisch von der restlichen Gabelkammer getrennt. Das verhindert Kavitation (Lufteinschlüsse im Öl) auch bei intensivem Geländeeinsatz und erhält ein gleichmäßigeres Ansprechverhalten über längere Strecken.

Die Kashima-Beschichtung der Gabelholme reduziert Reibung. Die DLC-Beschichtung (Diamond Like Carbon) der Gleitrohre macht sie kratzfester als konventionelle Oberflächen – relevant für alle, die ihr Motorrad auch mal durch Dickicht oder über Steine bewegen.

250 mm Federweg vorn, 240 mm hinten: 20 mm mehr als die Standard-DesertX in beiden Achsen. Das klingt nach wenig. Im Gelände bei höherem Tempo bedeutet es den Unterschied zwischen kontrolliertem Landen nach einem Sprung und hartem Anschlag. Das KYB-Federbein hinten hat einen separaten Ausgleichsbehälter und einen größeren 46-mm-Kolben als der Standard. Die Bodenfreiheit beträgt 280 mm – das ist mehr als die meisten Mittelklasse-Enduros bieten.

Der einstellbare Öhlins-Lenkungsdämpfer, direkt am Lenker montiert, ist das dritte Fahrwerk-Merkmal der Rally. Er reduziert Lenker-Flattern bei hohem Tempo auf Schotterpisten und in technischem Gelände. Wer schon mal bei 80 km/h auf einem Sandwaschbrett einen ungedämpften Lenker erlebt hat, weiß, warum das kein optionales Zubehör, sondern eine serienmäßige Sicherheitskomponente ist.

Excel-Felgen: leichter, stärker, Mousse-kompatibel

Die Excel-Felgen (Takasago-Außenringe, Carbonstahl-Speichen, gefräste Billet-Aluminium-Naben) sind 0,5 kg leichter als der Standard-DesertX-Radsatz. Das ist weniger relevant als ihre strukturelle Stärke: Verstärkte Speichen und massive Naben tolerieren die Belastungen durch Steine, Wurzeln und harte Landungen besser als die Standard-Ausführung. Das Hinterrad ist mit 18“ × 4“ schmaler als das Standard-Hinterrad (18“ × 4,25“). Beide Räder sind schlauchlos – ein Argument für alle, die im Gelände keinen Platten-Stop mit Schlauchsuche einplanen wollen. Die Mousse-Kompatibilität der Felgenprofile erlaubt den Einsatz von Mousse-Einsätzen statt Schlauch – die Profilösung für extreme Geländeeinsätze.

Bremsen: 320 mm, geteilte Leitung, hoher Kotflügel

2× 320-mm-Scheiben vorn, Brembo-Monoblock, Cornering ABS (Bosch). Die geteilte vordere Bremsleitung ist das technische Detail, das den hohen vorderen Kotflügel erst möglich macht: Beim Hochmontieren eines Kotflügels über dem Bremssattel muss die Bremsleitung geteilt werden, damit kein Bogen entsteht, der bei vollem Einfedern klemmt. Das ist Gelände-Ingenieursarbeit, keine Marketing-Übung. Der hohe Kotflügel gibt dem Vorderrad mehr Schlammfreigang als bei Standard-Enduro-Modellen.

Schutzausstattung und unlackierte Verkleidung: bereit für das Unvermeidliche

Motorschutz Aluminium, Kühler- und Ölwannenschutz, Schutz hinteres Federbein, Carbon-Ölwannenschutz: alles serienmäßig. Die Kunststoffverkleidungsteile sind unlackiert und durchgefärbt – eine Technik, die Kratzer und leichte Kollisionen unsichtbar macht, weil die Farbe im Material statt auf der Oberfläche sitzt. Die dicke PVC-Tankabdeckung schützt den Tank. Das ist die konsequente Konstruktionsphilosophie einer Enduro: Nicht Kratzer verhindern, sondern sie irrelevant machen.

910 mm Sitzhöhe: für wen ist das?

910 mm ist eine Ansage. Mit beiden Füßen flach auf dem Boden: ab ca. 1,90 m Körpergröße. Mit einem Fuß und Zehenspitzen: ab ca. 1,80 m. Die optional erhältliche tiefere Sitzbank senkt auf 885 mm ab. Das ist immer noch hoch. Die DesertX Rally ist nicht das Motorrad für Menschen, die im Stand Stabilität brauchen. Sie ist das Motorrad für Menschen, die im Stehen auf den Fußrasten fahren – und im Stand halt einen Fuß setzen und das Gleichgewicht halten. Das ist der Unterschied zwischen Enduro-Fahren und Touring-Fahren.

93 dB(A) und Tirol: auch die Rally darf

93 dB(A) laut Ducati-Typgenehmigung. Tirol-konform. Das ist das Ergebnis einer spezifischen Auspuffabstimmung, die trotz Desmodromik und Offroad-Charakter unter der 95-dB(A)-Grenze bleibt. Wer mit der DesertX Rally nach Österreich fährt: kein Problem.

Fazit: das kompromissloseste Enduro-Motorrad im Ducati-Programm

Die Ducati DesertX Rally ist nicht für alle. Sie ist für Fahrer, die wissen, was 910 mm bedeuten, warum Closed Cartridge relevant ist und warum der Testastretta-Desmo-Charakter einen Unterschied macht. Erzbergrodeo-Podium. KYB Closed Cartridge 250/240 mm. Öhlins-Lenkungsdämpfer. Excel-Felgen. 93 dB(A) Tirol-konform. 4 Jahre Garantie. Ca. 20.590 Euro. Das ist das Angebot.

 

Kurzcheck

 

+ Erzbergrodeo Iron Road Prolog 2023: Gesamtsieg Kategorie Zweizylinder mit Antoine Méo (beide Läufe gewonnen); 93 dB(A) Tirol-konform; 937 cm³ Testastretta 11° Desmo (letzter Ducati-Desmo im Enduro-Einsatz); 110 PS bei 9.250/min; 92 Nm; 6-Gang; DQS; 4 Jahre Garantie.

+ KYB 48-mm-USD Closed Cartridge (Kashima Gabelholme; DLC Gleitrohre; gefräste Alugabelbrücken); 250 mm Federweg vorn (20 mm mehr als Standard-DesertX); KYB-Federbein (separater Ausgleichsbehälter; 46-mm-Kolben); 240 mm hinten (20 mm mehr); Bodenfreiheit 280 mm; Öhlins-Lenkungsdämpfer einstellbar serienmäßig.

+ Excel-Felgen (Takasago-Außenringe; Carbonstahl-Speichen; Billet-Alu-Naben; 0,5 kg leichter als Standard; Mousse-kompatibel; schlauchlos); geteilte vordere Bremsleitung (hoher Kotflügel ohne Anbauteile); Motorschutz Aluminium; Kühler- und Ölwannenschutz; Carbon-Ölwannenschutz; unlackierte durchgefärbte Kunststoffteile; dicke PVC-Tankabdeckung serienmäßig.

+ 6 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet/Enduro/Rally); Rally-Sitzbank einteilig (Fahrer + Sozius; raue Textur; Bewegungsfreiheit im Stehen); 21-Liter-Tank; optionaler 8-Liter-Hecktank; Pirelli Scorpion Rally STR; 21/18 Zoll; Brembo 320-mm-Scheiben; Cornering ABS (Bosch); DTC; DWC; EBC; Tempomat; 5-Zoll-TFT; DMS.

 

910 mm Sitzhöhe: nur für Fahrer ab ca. 1,80 m (mit einem Fuß und Zehenspitzen); 885 mm mit tiefer Sitzbank (Zubehör); kein Hauptständer serienmäßig; Soziussatz stark eingeschränkt durch Rally-Charakter. 30.000 km Ventilspiel (Desmo-Rhythmus; Standard-DesertX 2026 hat 45.000 km). Ca. 20.590 Euro: fast 5.000 Euro teurer als Standard-DesertX 2026 (16.390 Euro).

Kein Update auf neuen 890-cm³-V2 (Standard-DesertX 2026 hat neuen Motor; Rally läuft noch mit Testastretta 11°). 18-Liter-Tank der neuen Standard-DesertX schlanker und tiefer positioniert als der 21-Liter-Tank der Rally; Rally-Tank voluminöser, aber höher im Schwerpunkt. Motor rauer als neuer 890-cm³-V2 bei niedrigen Drehzahlen.

Nicht für Einsteiger (910 mm + Geländecharakter + 225 kg vollgetankt). Kein adaptives Fahrwerk, kein Radar, keine Navigation serienmäßig. Wer primär auf der Straße fährt: Standard-DesertX oder Discovery. KTM 890 Adventure R: direkter Wettbewerber; ca. 17.000 Euro; leichter. BMW F 900 GS Trophy: ähnliches Konzept; günstiger.

 

 

Technische Daten: Ducati DesertX Rally (2024/2025)

 

Marke / Modell: Ducati DesertX Rally (2024/2025; aktuelle Generation; 2024 eingeführt; 2025 technisch identisch; 2026 noch kein V2-Update); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT)

Motorsport-Referenz: Erzbergrodeo Iron Road Prolog 2023: Gesamtsieg Kategorie Zweizylinder mit Antoine Méo (beide Läufe gewonnen)

Rally vs. Standard-DesertX (2026): Rally: Testastretta 11° Desmo 937 cm³ (30.000 km VSK), KYB Closed Cartridge (250/240 mm), Öhlins-Lenkungsdämpfer, Excel-Felgen, 280 mm Bodenfreiheit, 910 mm Sitzhöhe, ca. 20.590 Euro. Standard 2026: 890 cm³ V2 IVT (45.000 km VSK), KYB konventionell (230/220 mm), Sachs-Lenkungsdämpfer, Standardspeichenräder, 16.390 Euro.

Motor: Testastretta 11°; 937 cm³; desmodromische Ventilsteuerung (Desmo); flüssigkeitsgekühlt; L-Form 90°; 4 Ventile/Zylinder; 6-Gang; DQS Up/Down; Euro 5

Leistung / Drehmoment: 110 PS (81 kW) bei 9.250/min; 92 Nm bei 6.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 200 km/h; ca. 5,5 l/100 km; 21-Liter-Tank; optionaler 8-Liter-Hecktank (dann 29 Liter gesamt)

Tank / Gewicht: 21 l, 203 kg trocken, ca. 225 kg vollgetankt

Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Kettenantrieb; DQS Up/Down

Elektronik: 6 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet/Enduro/Rally); DTC; DWC; EBC; Cornering ABS (Bosch; stufenweise einstellbar; Hinterrad deaktivierbar); 6-Achsen-IMU; DQS; Tempomat; 5-Zoll-TFT hochkant; DMS; USB; 12V

Rahmen: Stahlrohr-Gitterrahmen; Aluminium-Hinterradschwinge; Lenkungsdämpfer-Halterungen gefräst

Gabel: KYB 48-mm-USD; Closed Cartridge; Kashima-Beschichtung Gabelholme; DLC-Beschichtung Gleitrohre; gefräste Alugabelbrücken; voll einstellbar; Federweg 250 mm

Federbein: KYB; separater Ausgleichsbehälter; 46-mm-Kolben; voll einstellbar; Federweg 240 mm; Öhlins-Lenkungsdämpfer einstellbar (direkt am Lenker)

Bremse vorn: Brembo Monoblockzangen; 2× 320-mm-Scheiben; geteilte Bremsleitung (hoher Kotflügel); Cornering ABS/Kurven-ABS (Bosch)

Bremse hinten: Brembo; Scheibenbremse; ABS (deaktivierbar)

Räder / Reifen: Excel-Felgen (Takasago; Carbonstahl-Speichen; Billet-Alu-Naben; 0,5 kg leichter als Standard; Mousse-kompatibel; schlauchlos); 21 Zoll vorn / 18 Zoll hinten; Pirelli Scorpion Rally STR; 90/90-21 / 150/70-18

Ergonomie: Sitzhöhe 910 mm (885 mm mit tiefer Sitzbank als Zubehör); Rally-Sitzbank einteilig (Fahrer + Sozius; raue Textur); Fußrasten Enduro-Position; kein Hauptständer; Bodenfreiheit 280 mm

Schutzausstattung: Motorschutz Aluminium; Kühler- und Ölwannenschutz; Schutz hinteres Federbein; Carbon-Ölwannenschutz; unlackierte durchgefärbte Kunststoffteile; dicke PVC-Tankabdeckung; Brems- und Schalthebel Billet-Aluminium

Standgeräusch: 93 dB(A) – Tirol-konform (Tirol-Grenze 95 dB(A))

Farben: Iron Giant (Rot/Weiß/Schwarz; exklusiv für DesertX Rally)

Garantie / Service: 4 Jahre (Ducati 4Ever DesertX; ohne Kilometerbegrenzung); 30.000 km Ventilspiel (Desmo); 15.000 km / 12 Monate Öl

Zubehör: Optionaler 8-L-Hecktank; tiefere Sitzbank (885 mm); Alu-Koffer mit Träger; Softbags; Termignoni-Auspuff (Racing-Variante; +7 % Leistung mit Mapping); zusätzliche LED-Scheinwerfer

Preis (D): Ca. 20.590 Euro (Händlerpreis 2025; Einführungspreis 2024: 21.590 Euro); zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten