Test Ducati Diavel V4 (2026)

V4 Granturismo, 168 PS, 126 Nm, Brembo Stylema, 240er Hinterreifen – 97 dB(A), Tirol gesperrt

Die Diavel V4 ist Ducatis radikalstes Design-Statement: 168 PS aus 1.158 cm³ V4, Brembo-Stylema-Monoblockzangen, voll einstellbares Marzocchi-50-mm-USD-Fahrwerk, 240er Hinterreifen, Einarmschwinge. 236 kg, 780 mm Sitzhöhe. Und 97 dB(A) Standgeräusch – die Tirol-Grenze von 95 dB(A) ist überschritten.

Stand: 2.5.2026 | Modell: Ducati Diavel V4 (2026; seit 2023; 2026 technisch identisch mit Vorjahr; neue Diavel V4 RS als Top-Modell 2026 neu); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT; Tochter der Audi AG) | Preis DE: ab 28.190 Euro (zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten für Diavel-Modelle) | Standgeräusch: 97 dB(A) – überschreitet Tirol-Grenze 95 dB(A); Tirol-Streckensperrung | Garantie: 2 Jahre (unbegrenzte Kilometer); Ventilspielkontrolle alle 60.000 km

97 dB(A): die Tirol-Grenze ist überschritten

Das Standgeräusch der Ducati Diavel V4 beträgt laut Zulassungsdokumenten 97 dB(A). Die Tirol-Grenze liegt bei 95 dB(A). Das bedeutet: Auf Strecken in Tirol, auf denen ein Fahrverbot für Motorräder über 95 dB(A) gilt, darf die Diavel V4 nicht fahren. Wer regelmäßig über Tiroler Pässe fährt und die Diavel V4 kauft, hat ein Planungsproblem. Das ist kein Detail am Rand des Berichts – das ist kaufentscheidend für alle, die regelmäßig auf österreichischen Alpenstrecken fahren.

Was 2026 neu ist: Diavel V4 RS, Facelift angekündigt

Die Diavel V4 (Standard) ist für 2026 technisch unverändert. Das wichtigste 2026er-Ereignis für die Diavel-Familie: die neue Diavel V4 RS (182 PS aus 1.103 cm³ Desmosedici-Stradale-Motor, desmodromisch, limitiert, teurer).

Im Januar 2026 hat Ducati beim Europäischen Markenamt (EUIPO) Design-Patente für eine mutmaßliche Diavel V4 S angemeldet – mit überarbeiteten Seitenverkleidungen, geändertem Felgen-Design und wahrscheinlich semi-aktivem Fahrwerk. Einen offiziellen Starttermin gibt es nicht, für 2026 oder frühestens 2027 wird die V4 S erwartet.

Motor: V4 Granturismo – 168 PS, breit und unmittelbar

1.158 cm³, flüssigkeitsgekühlt, 90°-V4, gegenläufig rotierende Kurbelwelle, Ventilfedern (kein Desmo), 168 PS bei 10.750/min, 126 Nm bei 7.500/min, 6-Gang-Getriebe, Euro 5+, Quick Shift Up/Down. Der V4 Granturismo ist kein Hochdrehzahl-Rennmotor – er zieht breit und füllig an, ohne dass man ihm die 10.000/min abringen muss, um die volle Wirkung zu spüren. Schon ab 3.000 Touren liegt ein Schub an, der auf der Landstraße jeden Gang sinnvoll macht und auf Autobahneinfahrten keine Zwänge kennt. Wer ihn dennoch hochdreht, merkt, wie er mit zunehmender Drehzahl schärfer wird – aber auch, dass er es nicht muss.

Die gegenläufige Kurbelwelle ist kein Marketingdetail: Sie neutralisiert einen Teil des Kreiselmoments, das bei herkömmlichen Motoren das Einlenken bei höherem Tempo spürbar bremst. An der Diavel – einem Motorrad mit 240er Hinterreifen, das normativ schwer einzulenken sein sollte – sorgt die gegenläufige Kurbelwelle dafür, dass das Richtungswechseln merklich williger wirkt als erwartet. Wer von einem konventionellen Cruiser umsteigt, ist überrascht. Verbrauch ca. 6,4 l/100 km, 20-Liter-Tank, ca. 312 km Reichweite.

Fahrwerk: Marzocchi 50-mm-USD, Einarmschwinge, Stylema-Brembo

50-mm-Marzocchi-USD-Gabel vorn mit 127 mm Federweg, voll einstellbar. Hinten: Zentralfederbein voll einstellbar, Einarmschwinge. Das Fahrwerk der Diavel V4 ist auf komfortabel abgestimmtem Hochleistungsniveau: Die Gabel spricht feiner an als die meisten Cruiser-Gabeln und bleibt bei schnellen Richtungswechseln präzise – eine Kombination, die man nicht oft findet. Auf welligen Landstraßen arbeitet die Abstimmung sauber, ohne den Fahrer zu malträtieren. Wer das Fahrwerk auf seinen Körper und Beladungszustand abstimmen will, hat mit der vollen Einstellbarkeit alle Optionen.

Bremsen: Brembo Stylema-Monoblockzangen, 2× 330-mm-Scheiben, Kurven-ABS EVO. Die Brembo Stylema sind dieselben Zangen wie auf der Ducati Panigale V4. Sie beißen stark, kommen aber mit feiner Dosierbarkeit: Der Übergang vom sanften Verzögern zum vollen Zupacken ist linear, nie sprunghaft. Am 236 kg schweren Diavel macht das einen hörbaren Unterschied zum Bremsgefühl mittelklassiger Sattelzangen. Wer die Diavel sportlich fährt, spürt, warum Brembo Stylema auf diesem Motorrad Sinn ergibt. Langer Radstand, kurze Bremswege, weil kaum Überschlagsgefahr durch steigendes Hinterrad wie bei kurzen Supersportlern.

Ergonomie: 780 mm, 240er Hinterreifen, Power-Cruiser-Haltung

Sitzhöhe 780 mm, Radstand 1.569 mm, 236 kg fahrbereit. Die Diavel hat eine Sitzposition, für die es keinen treffenden Kategoriebegriff gibt: aufrechter als ein Superbike, kompakter als ein klassischer Cruiser, mit leicht vorgestellten Fußrasten, die den Rumpf entlasten. Das funktioniert für Fahrten bis drei Stunden problemlos, darüber beginnt der fehlende Windschutz spürbar zu werden, nicht die Sitzposition.

Das 240/45 ZR17 Hinterrad ist das breiteste Serienreifen von Ducati. Es prägt das Erscheinungsbild der Diavel fundamental – und beeinflusst das Fahrgefühl messbar. Bei sehr niedrigem Tempo und beim Rangieren liegt mehr Reifen auf dem Asphalt, was die benötigte Lenkkraft erhöht. In Bewegung, ab etwa 40 km/h, verschwindet dieser Effekt. Im Kurvenbereich gibt das breite Hinterrad eine Sicherheit und Stabilität, die schmalere Reifen so nicht liefern – besonders beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren.

Elektronik: 6-Achsen-IMU, Launch Control, Hands-Free

6-Achsen-IMU, 4 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet), 3 Power Modes, DTC Traktionskontrolle, DWC Wheelie-Kontrolle, Kurven-ABS EVO, Ducati Power Launch (Launch Control), Tempomat, Hands-Free (Keyless), 5-Zoll-TFT-Farbdisplay (DMS, Bluetooth, Navigation via App), LED rundum, USB. Das Elektronikpaket wirkt im Alltag unauffällig – genau so, wie es sein soll.

Die Traktionskontrolle greift im Touring-Modus spät genug ein, um kein Fahrgefühl zu räubern, früh genug, um auf nassem Asphalt zu schützen. Der Sport-Modus verändert spürbar das Gasannahme-Mapping: direkter, nerviger, für Stadtrunden zu anstrengend, für freie Landstraßen die richtige Wahl.

Launch Control auf einem Cruiser. Das klingt wie ein Widerspruch. An der Diavel ist es ein konsequentes Statement: Das Motorrad will nicht nur schön stehen – es will auch fahren. Wer die DPL einmal aktiviert hat und wegfährt, versteht, was 168 PS und 126 Nm in der richtigen Dosierung bedeuten. Generell sollte man sich nich vom Cruiser-Erscheinungsbild blenden lassen: Die Diavel verhält sich eher wie ein Sportmotorrad, sie will rangenommen werden.

Diavel V4 vs. Diavel V4 RS: die 2026er-Familienentscheidung

Für 2026 gibt es die Diavel in zwei Motorisierungen: Standard (V4 Granturismo, 168 PS, ab 28.190 Euro) und RS (Desmosedici Stradale, 182 PS, desmodromisch; Race-Modus; limitiert; deutlich teurer). Die RS hat einen anderen Motorcharakter – schärfer, höherdrehend, mit dem typischen Desmo-Sound. Die Standard V4 klingt anders: voller, breiter, weniger spitz. Wer das Motorrad als alltagstauglichen Power-Cruiser kauft und keinen Rennstreckentermin plant, kauft die Standard V4 und spart den Desmo-Aufpreis. Wer 182 PS und Race-Modus braucht, kauft die RS.

Preis und Einordnung

Ab 28.190 Euro zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten, 2 Jahre Garantie. Ein direkter Wettbewerber im Power-Cruiser-Segment mit vergleichbarem Technikpaket existiert 2026 nicht. Die Yamaha VMAX ist eingestellt. Die Kawasaki Z H2 SE kommt mit Kompressor-Vierzylinder, aber als Naked Bike ohne Cruiser-Geometrie. Die Harley-Davidson Low Rider S (23.200 Euro) kostet weniger, hat einen V-Twin statt V4 und eine andere Philosophie. Wer die Diavel V4 kauft, kauft das einzige Motorrad seiner Art.

Fazit

Die Ducati Diavel V4 2026 ist das technisch ambitionierteste Motorrad dieser Testreihe im Power-Cruiser-Segment. Sie fährt agiler als ihr Gewicht und ihr 240er-Reifen erwarten lassen, bremst mit Panigale-Zangen und bleibt dabei im Alltag handhabbar. Die gegenläufige Kurbelwelle macht einen messbaren Unterschied beim Einlenken. Das Elektronikpaket ist vollständig und arbeitet im Hintergrund. Wer keine Tiroler Alpenstrecken plant, bekommt für 28.190 Euro ein Motorrad ohne direkten Wettbewerber.

 

Kurzcheck

 

+ V4 Granturismo: 168 PS; 126 Nm; breites, fülliges Drehmomentband ab 3.000/min; gegenläufige Kurbelwelle sorgt für überraschend williges Einlenkverhalten trotz 240er-Reifen; Brembo Stylema-Monoblockzangen (Panigale-Niveau): kraftvoll, linear dosierbar

+ 50-mm-Marzocchi-USD voll einstellbar; Zentralfederbein voll einstellbar; Einarmschwinge; 6-Achsen-IMU; Launch Control; Wheelie-Kontrolle; Kurven-ABS EVO; Quick Shift; Tempomat; Hands-Free; 5-Zoll-TFT; 20-L-Tank; 312 km Reichweite

+ Sitzposition: aufrecht, kompakt, über 2–3 Stunden ermudungsfrei; Soziussitz integriert; Power-Cruiser-Kategorie ohne direkten Wettbewerber 2026; Red Dot Design Award 2024; Ventilspielkontrolle alle 60.000 km (deutlich günstiger als V4 RS)

+ Ab 28.190 Euro; Diavel V4 RS (182 PS, Desmo) als Erweiterung der Familie 2026 neu; für Alltagsfahrer ist die Standard V4 das richtige Modell – breiteres Drehmoment, wartungsfreundlicher, günstiger

 

97 dB(A) Standgeräusch: überschreitet Tirol-Grenze 95 dB(A); auf gesperrten Tiroler Strecken Fahrverbot; kaufentscheidend für alle, die regelmäßig über österreichische Alpenpässe fahren

2026 technisch identisch mit Vorjahr; Diavel V4 S mit Facelift und semi-aktivem Fahrwerk beim EUIPO patentiert aber noch nicht offiziell; wer warten kann, sollte die Ankündigung der V4 S abwarten

236 kg fahrbereit; 240er Hinterreifen: beim Rangieren und in sehr engen Kurven ist mehr Kraftaufwand nötig als bei schmalbereifte Motorrädern; kein Windschutz ab Werk; kein Topcase/Koffer; Navigation nur via Smartphone-App, nicht nativ im TFT

Nur 2 Jahre Garantie; Liefernebenkosten 345 Euro (höher als Scrambler mit 305 Euro); 240er-Reifendimension: Reifenauswahl am Markt begrenzt, Reifenpreise über Standarddimensionen; Diavel V4 RS mit 182 PS und Race-Modus für 14 PS Mehrleistung teurer

 

 

Technische Daten: Ducati Diavel V4 (2026)

 

Marke / Modell: Ducati Diavel V4 (2026; seit 2023; 2026 technisch identisch; neu: Diavel V4 RS als Topmodell); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT)

Was 2026 neu ist: Technisch unverändert; neue Diavel V4 RS (182 PS, Desmosedici Stradale) als separates Topmodell; Diavel V4 S mit Facelift beim EUIPO patentiert (noch nicht offiziell)

Diavel V4 vs. V4 RS: V4 (Standard): Granturismo, 168 PS, breites Drehmoment, 60.000 km Ventilspiel, ab 28.190 Euro. V4 RS: Desmosedici Stradale, 182 PS, Desmo, Race-Modus, 30.000 km Ventilspiel, limitiert, teurer.

Motor: Flüssiggekühlter 90°-V4 Granturismo; 1.158 cm³; gegenläufig rotierende Kurbelwelle (CRC); 4 Ventile/Zylinder; Ventilfedern (kein Desmo); 6-Gang; nasse Mehrscheibenkupplung; Euro 5+

Leistung: 168 PS (124 kW) bei 10.750/min

Drehmoment: 126 Nm bei 7.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 250 km/h, ca. 6,4 l/100 km, ca. 312 km Reichweite

Tank / Gewicht: 20 l, 236 kg vollgetankt

Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Kettenantrieb; DQS Quick Shift Up/Down

Elektronik: 6-Achsen-IMU; 4 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet); 3 Power Modes; DTC Traktionskontrolle; DWC Wheelie-Kontrolle; Ducati Power Launch (Launch Control); Kurven-ABS EVO; DQS Quick Shift Up/Down; Tempomat; Hands-Free (Keyless); 5-Zoll-TFT-Farbdisplay (DMS Bluetooth; Navigation via App); LED rundum; USB

Gabel: Marzocchi 50-mm-USD; Federweg 127 mm; voll einstellbar (Zug-/Druckstufe + Federvorspannung)

Federbein: Zentralfederbein; voll einstellbar; Einarmschwinge

Bremse vorn: Brembo Stylema-Monoblockzangen; 2× 330-mm-Scheiben; Kurven-ABS EVO

Bremse hinten: 245-mm-Scheibe; Kurven-ABS EVO

Räder: Leichtmetall-Gussräder; 17 Zoll vorn; 17 Zoll hinten (Einarmschwinge)

Reifen: Pirelli Diablo Rosso III; 120/70 ZR17 vorn; 240/45 ZR17 hinten

Ergonomie: Sitzhöhe 780 mm; Radstand 1.569 mm; aufrechte Sitzposition mit leicht vorgestellten Fußrasten; Soziussitz integriert (versenkbare Fußrasten, ausklappbarer Haltegriff); kein Windschutz serienmäßig

Standgeräusch: 97 dB(A) – überschreitet Tirol-Grenze 95 dB(A); auf Tirol-gesperrten Strecken Fahrverbot möglich

Farben 2026: Ducati Red; Thrilling Black

Garantie / Service: 2 Jahre Herstellergarantie (unbegrenzte Kilometer); 2 Jahre Pannenhilfe; Wartung 15.000 km / 2 Jahre; Ventilspielkontrolle alle 60.000 km

Preis (D): Ab 28.190 Euro (zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten)