Test Ducati Multistrada V4 Rally (2026)

30 Liter, 3.000 Kilometer, kein Kompromiss

Der 30-L-Aluminiumtank allein ist ein Argument. Aber die Rally ist mehr als das: DVO, Forward Collision Warning, neue Rear-to-Front-Bremsstrategie, 200 mm Federweg, Speichenräder, Aluminiumkoffer im Paket. Das Motorrad für alle, die reisen wollen, ohne nachzudenken, wann der nächste Tankstop kommt.

Stand: 5.5.2026 | Modell: Ducati Multistrada V4 Rally (2026) | Preis DE: ab 27.990 Euro (Radar-Basispaket; zzgl. 345 Euro) | Standgeräusch: 94 dB(A) – Tirol-konform | Garantie: 4 Jahre (Ducati 4Ever Multistrada; ohne Kilometerbegrenzung)

Erster Eindruck: ein Motorrad, das mit Selbstverständlichkeit überzeugt

Man merkt den Unterschied nicht sofort. Erst nach 200 km beginnt die Rally ihre Qualitäten zu offenbaren. Der 30-Liter-Tank macht es möglich, einen Tag lang zu fahren, ohne einmal an die Tankuhr zu denken – bei moderatem Tempo sind über 450 km drin. Das ist keine Zahl. Das ist ein Gefühl von Freiheit, das die V4 S mit ihren 22 Litern nicht bietet.

Auf der Straße sitzt man hoch, aufrecht, breiter Lenker, großzügige Beinfreiheit. 870–890 mm Sitzhöhe serienmäßig: Das ist nicht für jeden. Wer aber damit umgehen kann, erlebt eine Übersicht, die in kurvigem Gelände und auf Schotter echte Vorteile hat. Der Windschutz ist 40 mm höher und 20 mm breiter als bei der V4 S. Ab 130 km/h auf der Autobahn merkt man, warum das relevant ist: weniger Turbulenz, entspannteres Reisen.

Motor: 170 PS, ECD, DQS 2.0 – und warum Zylinderabschaltung hier mehr bedeutet als anderswo

Der V4 Granturismo ist identisch mit dem anderer V4-Modelle – 1.158 cm³, 170 PS, kein Desmo. Was in der Rally relevanter ist als in der V4 S: die Zylinderabschaltung (ECD). Wer mit vollem Gepäck, Sozius und 30-L-Tank im Sommer durch eine süddeutsche Stadt kriecht, greift die Rally ein und schaltet die hintere Zylinderbank im Leerlauf und bei Niedriglast ab. Die Temperaturentwicklung an den Beinen reduziert sich spürbar. Bei der V4 S mit 22-L-Tank und weniger Gepäckmasse ist das ein Komfort-Feature. Bei der Rally ist es eine praktische Notwendigkeit.

Der neue DQS 2.0 ohne Mikroschalter – Sensor an der Schaltwalze stattdessen – gibt dem Schaltvorgang eine Direktheit, die der Vorgänger nicht hatte. Man hört weniger, man spürt mehr. Das ist der richtige Ansatz für ein Motorrad, das auch bei 130 km/h auf der Autobahn klaglos Gang um Gang wechseln soll.

Fahrwerk: 200 mm, Automatic Lowering Device und die Physik des Beladens

Die hoch angelenkte Schwinge ist das Detail, über das kaum jemand spricht, das aber auf beladenem Motorrad spürbar ist: Durch die erhöhte Schwingenlagerung steigt der Anti-Squat-Effekt, d.h. das Heck sackt beim Herausbeschleunigen weniger durch. Mit Sozius und vollem Gepäck – Zuladung bis 228 kg – ist das kein akademischer Unterschied, sondern fühlbarer Fahrstabilitätsgewinn.

Das Automatic Lowering Device (automatische Fahrwerksabsenkung) ist die unauffälligste großzügige Geste, die Ducati einem großen Motorrad mitgeben kann: Unter 10 km/h senkt sich die Rally automatisch ab. Über 50 km/h auf der Straße hebt sie sich wieder. Wer zum ersten Mal damit fährt und dann versucht, das Motorrad ohne diese Funktion zu rangieren, versteht sofort, was er vermissen würde. Für 870 mm Sitzhöhe ist das kein Luxus. Das ist Vernunft.

Was 2026 neu ist – und warum es mehr als ein Update ist

DVO (Ducati Vehicle Observer): 70 virtuelle Sensoren, aus der MotoGP übernommen, prädiktiv statt reaktiv. Was das bedeutet: Kurven-ABS und Wheelie-Control wissen, was kommt, bevor es passiert – oder präziser: Sie reagieren schneller, weil der Algorithmus Fahrzustand und Beladung in Echtzeit berechnet. Bei ca. 260 kg fahrbereit mit Gepäck und Sozius ist das eine relevante Sicherheitsverbesserung, keine optionale Spielerei.

Forward Collision Warning (FCW): Das Radar warnt jetzt zusätzlich vor drohenden Auffahrunfällen. Rear-to-Front-Bremsstrategie: Wer die Hinterradbremse betätigt, aktiviert jetzt auch anteilig die Vorderradbremse elektronisch. Das Ergebnis auf langen Passabfahrten mit vollem Gepäck: Das Motorrad nickt weniger. 280-mm-Hinterbremsscheibe, größer als beim Vorgänger. Das sind fünf konkrete technische Verbesserungen – keine von ihnen ist Marketing.

94 dB(A) und Tirol: Die Rally darf

94 dB(A) – 1 dB unter der Tiroler Grenze. Die Rally darf auf Tiroler Sperrstraßen fahren. Die RS hat 92 dB(A), aber Desmosedici. Die Pikes Peak hat 95 dB(A) – genau an der Grenze. Wer mit seiner V4 Granturismo nach Österreich will und sicher sein möchte, sollte diese Standgeräusch-Werte tunlichst beachten.

Fazit: das Motorrad für den, der wirklich reist

Die Multistrada V4 Rally 2026 ist ein technisch aufwendiges Serienreisemotorrad. DVO, FCW, Rear-to-Front-Bremse, Automatic Lowering Device, 200 mm Federweg, 30-Lite-Tank, Speichenräder, 94 dB(A) Tirol-konform, 4 Jahre Garantie. Ab 27.990 Euro. Aluminiumkoffer (39/31 Liter) im Adventure-Travel-&-Radar-Paket. Das ist das Angebot für Fahrer, die Abstand zwischen sich und der Zivilisation suchen – und trotzdem immer ankommen wollen.

 

Kurzcheck

 

+ 94 dB(A) Tirol-konform; 30-Liter-Aluminiumtank; ca. 461 km Reichweite; 200 mm Federweg; 230 mm Bodenfreiheit; schlauchlosen Speichenräder 19/17; Marzocchi 50 mm DSS EVO (Automatic Lowering Device; Minimum Preload; Anti-Squat hoch angelenkte Schwinge)

+ DVO (70 virtuelle Sensoren; 2026); FCW (Forward Collision Warning; 2026); Rear-to-Front-Bremse (2026); 280-mm-Hinterbremsscheibe (2026); DQS 2.0; Brembo Stylema 330 mm; ACC + BSD + FCW serienmäßig; TPMS; 6,5-Zoll-TFT (überarbeitet); 4 Fahrmodi inkl. Enduro; 4 Jahre Garantie; 60.000 km Ventilspiel

+ 3 Pakete: Radar (ab 27.990 Euro) / Adventure Travel & Radar (+ Alu-Koffer 39+31 Liter, Sitzheizung) / Full Adventure (+ Akrapovič + Carbon-Kotflügel); Jade Green Goldfelgen (neu 2026); Zuladung 228 kg

 

Ab 27.990 Euro Radar-Basis ohne Koffer; Alu-Koffer nur im Adventure Travel & Radar-Paket; ca. 260 kg fahrbereit: schwerstes Modell mit Gepäck; 870–890 mm Sitzhöhe: nur für Fahrer ab ca. 1,80 m beidseitig auf dem Boden

94 dB(A): 1 dB Reserve zur Tiroler Grenze; BMW R 1300 GS Adventure (ca. 26.000 Euro), KTM 1390 Super Adventure als Konkurrenz; kein Desmo (RS hat Desmosedici)

 

 

Technische Daten: Ducati Multistrada V4 Rally (2026)

 

Motor: V4 Granturismo; 1.158 cm³; kein Desmo; ECD; DQS 2.0; Euro 5+; 60.000 km VSK

Leistung / Drehmoment: 170 PS (125 kW) bei 10.750/min; 121 Nm bei 8.750/min

Fahrwerk: Marzocchi 50 mm DSS EVO (Adaptive Skyhook; Automatic Lowering Device; Anti-Squat; Federwegsensor; Minimum Preload); 200 mm; Rear-to-Front Bremsstrategie (2026)

Bremsen: Brembo Stylema; 2× 330 mm; 280-mm-Hinterbremsscheibe (2026); Cornering ABS; FCW

Räder / Reifen: Schlauchlose Speichenräder; 19/17; Pirelli Scorpion Trail II; 120/70 ZR19 / 170/60 ZR17

Elektronik: DVO (2026); 4 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Enduro); DTC; DWC; EBC; ABS; ACC + BSD + FCW (Radar); TPMS; 6,5-Zoll-TFT; Hands-Free; Heizgriffe; Nav; 12V+USB

Tank / Gewicht: 30 L Aluminium; ca. 260 kg fahrbereit; Zuladung 228 kg

Sitzhöhe: 870–890 mm (bis 825 mm mit tiefer Sitzbank + Tieferlegung; bis 905 mm hoch)

Standgeräusch: 94 dB(A) – Tirol-konform

Garantie / Service: 4 Jahre; 60.000 km Ventilspiel; 15.000 km / 24 Monate Öl

Preis (D): Ab 27.990 Euro (Radar; zzgl. 345 Euro); Adventure Travel & Radar und Full Adventure: beim Händler