Test Ducati XDiavel V4 (2026)

168 PS Granturismo, Füße vorn, 1.620 mm Radstand, 6,9-Zoll-TFT – der Ducati-Cruiser, der keiner sein will

Die XDiavel V4 ist kein Diavel mit vorverlegten Fußraster. Sie ist ein eigenständiges Konzept: Cruiser-Geometrie mit Ducati-V4-Motor. 770 mm Sitzhöhe, 1.620 mm Radstand, 240er Hinterreifen, Einarmschwinge, 6,9-Zoll-TFT-Display. Derselbe Granturismo-V4 wie in der Diavel V4 – aber in einem Motorrad, das sich auf der Landstraße sportlicher anfühlt als es aussieht.

Stand: 2.5.2026 | Modell: Ducati XDiavel V4 (2026; seit 2025; 2026 technisch identisch); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT; Tochter der Audi AG) | Preis DE: 29.390 Euro zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten   | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären (Tirol-Grenze 95 dB(A)) | Garantie: 2 Jahre (unbegrenzte Kilometer); Ventilspielkontrolle alle 60.000 km

XDiavel V4 vs. Diavel V4: zwei verschiedene Motorräder mit demselben Motor

Die XDiavel V4 und die Diavel V4 teilen den Granturismo-V4-Motor und das 240er-Hinterrad. Alles andere – Geometrie, Fahrcharakter, Proportionen – ist verschieden. Die Diavel V4 ist ein Muscle-Naked mit aufrechter, leicht nach vorne orientierter Sitzposition und kurzem Radstand (1.569 mm). Die XDiavel V4 ist ein Techno-Cruiser mit vorverlegten Fußrasten, tiefem Sitz (770 mm statt 780 mm bei der Diavel V4) und langem Radstand (1.620 mm). Das ergibt zwei vollkommen verschiedene Fahrcharaktere.

Die kurze Version: Wer sport-agil fahren will und den Diavel-Look bevorzugt, kauft die Diavel V4. Wer entspannter sitzt, länger gleiten will und die Cruiser-Silhouette der XDiavel attraktiver findet, kauft die XDiavel V4. Die 8 kg Mehrgewicht der XDiavel (244 vs. 236 kg) sind spürbar beim Einlenken – aber weniger spürbar als erwartet, weil der längere Radstand das Motorrad im Kurvenbereich trotzdem erstaunlich stabil hält.

Motor: V4 Granturismo – 168 PS, sanft und breitmächtig

1.158 cm³, flüssigkeitsgekühlt, 90°-V4, gegenläufige Kurbelwelle, 4 Ventile/Zylinder, 168 PS bei 10.750/min, 126 Nm bei 7.500/min, Zylinderabschaltung (in allen Fahrmodi, nahtlos und für den Fahrer kaum spürbar), 6-Gang-Getriebe, Euro 5+, Quick Shift 2.0.

In der XDiavel wirkt der Granturismo-V4 anders als in der Diavel V4 – nicht weil der Motor verschieden ist, sondern weil die Geometrie den Impuls anders weitergibt. Der längere Radstand und die vorverlegten Fußrasten dämpfen das Gefühl der Unmittelbarkeit, das man an der Diavel kennt. Der Motor bleibt derselbe, aber er wirkt gesetzter. Das ist kein Nachteil – es ist die richtige Abstimmung für ein Motorrad, das gleiten soll.

Die Zylinderabschaltung in der XDiavel ist im Stadtbetrieb besonders relevant: Ein hochverdichteter V4 im Stau produziert erhebliche Hitzemengen. Das System schaltet den hinteren Zylinderbank nahtlos ab, sobald die Bedingungen es erlauben, und schaltet bei steigendem Leistungsbedarf ebenso nahtlos wieder zu. In der Praxis merkt man es kaum. Man spürt nur, dass die Wärme an den Oberschenkeln ausbleibt. Verbrauch ca. 6,0 l/100 km, 20-Liter-Tank, ca. 310 km Reichweite.

Fahrwerk: 45-mm-USD, Einarmschwinge, mehr Federweg

Marzocchi 45-mm-USD vorn, voll einstellbar, Federweg ca. 120 mm. Hinten: Zentralfederbein mit 145 mm Federweg (25 mm mehr als beim Vorgänger XDiavel S), voll einstellbar, Einarmschwinge. Bremsen: Brembo Stylema-Monoblockzangen, 2× 330-mm-Scheiben, Kurven-ABS.

Das Fahrwerk der XDiavel ist weicher abgestimmt als das der Diavel V4 – passend zur längeren, entspannteren Geometrie. Auf schlechten Straßen schluckt es komfortabler, auf sehr zügig gefahrenen Landstraßenkurven kommt es früher an seine Grenzen. Das ist kein Fehler in der Konstruktion, das ist die richtige Abstimmung für den Einsatzbereich.

Was die XDiavel-Testrückmeldungen konsequent bestätigen: Die Schräglagenfreiheit ist für ein Motorrad dieser Proportionen überraschend gut. Der 1.620-mm-Radstand verteilt das Gewicht optimal, und das Fahrwerk hält die Linie in Kurven stabiler, als man es bei 244 kg erwarten würde. Wer die XDiavel zügig fährt, ist überrascht – nicht weil sie sportlich ist, sondern weil sie sehr souverän ist.

Ergonomie: Feet Forward, 770 mm, langer Radstand

Sitzhöhe 770 mm, Radstand 1.620 mm, 244 kg fahrbereit. Die vorverlegten Fußrasten sind in mehreren Positionen einstellbar und ermöglichen eine klassische Cruiser-Haltung: Oberschenkel flach, Rücken aufrecht, Hände leicht gesenkt. Das ist auf langen Autobahnabschnitten deutlich komfortabler als die kompaktere Diavel-Haltung. Der Preis ist eine geringere körperliche Rückmeldung vom Motorrad: Man sitzt in der XDiavel entspannter, aber auch distanzierter. Und bekommt auf Holperstrecken wegen der Cruiser-Sitzposition mehr Schläge in den Rücken.

Der Soziussitz wurde gegenüber dem Vorgängermodell (XDiavel S) um 50% vergrößert. Das ist bei einem Motorrad, das mit 1.620 mm Radstand physisch Platz für zwei Personen hat, kein unwichtiges Detail. Wer die XDiavel regelmäßig zu zweit fährt, findet hier mehr Soziuskomfort als bei der Diavel V4, deren Soziusplatz kompakter ist.

Display und Elektronik: 6,9-Zoll-TFT, Turn-by-Turn nativ

Das 6,9-Zoll-TFT-Display der XDiavel V4 ist das größte serienmäßige Display in der Diavel-Familie (Diavel V4 Standard: 5 Zoll; Diavel V4 RS: 6,5 Zoll). Es nutzt Optical-Bonding-Technologie für bessere Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung und zeigt Turn-by-Turn-Navigation nativ an, ohne Smartphone-Spiegelung zu erfordern. Der Info Mode Road wurde für die XDiavel-Optik speziell überarbeitet.

Elektronik vollständig: 6-Achsen-IMU; 4 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet); 3 Power Modes; DTC Traktionskontrolle; DWC Wheelie-Kontrolle; Launch Control; Kurven-ABS; Quick Shift 2.0; Tempomat; Hands-Free; USB. Der Touring-Modus ist der Hauptmodus der XDiavel: lineare, geschmeidige Gasannahme, TCS greift früh genug ein, um auf nassen Straßen sicher zu sein, und das Fahrwerk-Setup passt zur entspannten Haltung. Wer gelegentlich im Sport-Modus fährt, wird nicht enttäuscht – der Granturismo-V4 ist in beiden gut.

Design: flach, lang, vier Endrohrblenden

Die XDiavel V4 hat eine flachere, länger gestreckte Silhouette als die Diavel V4. Der Tank ist lang und geschwungen; der Auspuff endet in vier kurzen übereinanderliegenden Endrohrblenden, die in der Seitenansicht sofort die V4-Architektur kommunizieren. Das Tagfahrlicht mit Doppel-C-Design ist ein Designelement, das die XDiavel von jeder Richtung erkennbar macht. Zwei Farben: Burning Red und Black Lava. Die Farbpalette ist eng, aber beide Optionen funktionieren gut mit der Liniengebung der XDiavel.

Standgeräusch und Tirol

Das Standgeräusch der XDiavel V4 ist nicht offiziell publiziert. Die Diavel V4 liegt bei 97 dB(A) und überschreitet damit bereits die Tirol-Grenze von 95 dB(A). Die XDiavel hat denselben Motor und eine ähnliche Auspuffkonfiguration. Beim Händler klären, bevor Tiroler Alpenstrecken geplant werden.

Preis und Einordnung

Ab 29.390 Euro zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten und 2 Jahre Garantie. Das ist ähnlich wie die Diavel V4 (28.190 Euro). Für die 1.200 Euro Aufpreis bekommt man: Cruiser-Geometrie statt Muscle-Naked-Geometrie, 6,9-Zoll-TFT statt 5 Zoll, nativen Turn-by-Turn. Man gibt auf: 8 kg weniger Gewicht und die kompaktere, direktere Diavel-Haltung. Das ist ein überschaubares Austauschverhältnis – wer zwischen XDiavel und Diavel wählt, entscheidet vor allem über den Fahrstil, den er auf dem Motorrad erleben will.

Fazit

Die Ducati XDiavel V4 2026 ist der überzeugendste Beweis, dass Cruiser und Ducati keine widersprüchlichen Begriffe sind. Derselbe Granturismo-V4 wie in der Diavel V4, aber in einem Motorrad, das entspannter sitzt, länger gleitet und trotzdem auf der Landstraße überrascht. Für Fahrer, die das Cruiser-Konzept wollen, aber nicht auf Ducati-V4-Leistung verzichten möchten, gibt es kein äquivalentes Angebot.

 

Kurzcheck

 

+ Cruiser-Geometrie mit Ducati-V4-DNA: 168 PS Granturismo-V4; 126 Nm; Feet-Forward-Sitzposition; 770 mm Sitzhöhe; 1.620 mm Radstand; auf langen Autobahnabschnitten deutlich komfortabler als Diavel V4; großzügigerer Soziussitz (50% größer als XDiavel-Vorgänger)

+ 6,9-Zoll-TFT (größstes Display in der Diavel-Familie; Optical Bonding; native Turn-by-Turn-Navigation); 6-Achsen-IMU; Kurven-ABS; DTC; DWC; Launch Control; Quick Shift 2.0; Tempomat; Hands-Free; Brembo Stylema; Zylinderabschaltung in allen Modi

+ Schräglagenfreiheit überraschend gut für 244 kg und 1.620 mm Radstand; fahrbereit souverän statt schwer; 20-L-Tank; ca. 310 km Reichweite; 2 Jahre Garantie; Ventilspielkontrolle alle 60.000 km

+ 1.200 Euro Aufpreis über Diavel V4: wer das Cruiser-Konzept mit Ducati-V4 will, bekommt dafür das größere Display und native Navigation als konkreten Mehrwert

 

Standgeräusch nicht publiziert; Tirol-Grenze 95 dB(A) – Motor und Auspuff identisch mit Diavel V4 (97 dB(A)); beim Händler klären vor Tiroler Ausfahrten

244 kg fahrbereit (8 kg mehr als Diavel V4): beim Rangieren spürbar; längerer Radstand macht enge Wendemöglichkeiten anspruchsvoller als bei der Diavel; kein Windschutz serienmäßig

2026 technisch identisch mit Einführungsmodell 2025; nur zwei Farben (Burning Red / Black Lava); nur 2 Jahre Garantie

Diavel V4 (28.190 Euro): 8 kg leichter, kompakter, direkteres Fahrgefühl, sportlichere Haltung – wer diese Eigenschaften bevorzugt, zahlt 1.200 Euro weniger und bekommt das agilere Motorrad

 

 

Technische Daten: Ducati XDiavel V4 (2026)

 

Marke / Modell: Ducati XDiavel V4 (2026; seit 2025; 2026 technisch identisch; Techno-Cruiser mit V4 Granturismo); Hersteller: Ducati Motor Holding S.p.A. (Borgo Panigale, Bologna, IT)

Was 2026 neu ist: Technisch identisch mit 2025-Einführungsmodell; eventuelle neue Farboption beim Händler erfragen

XDiavel V4 vs. Diavel V4: XDiavel: Cruiser-Geometrie (Feet Forward), 770 mm Sitzhöhe, 1.620 mm Radstand, 244 kg, 6,9-Zoll-TFT nativ, 45-mm-Gabel, flachere Silhouette, ca. 800 Euro mehr. Diavel V4: Muscle-Naked-Geometrie, 780 mm, 1.569 mm, 236 kg, 5-Zoll-TFT, 50-mm-Gabel, direkteres Fahrgefühl.

Motor: Flüssiggekühlter 90°-V4 Granturismo; 1.158 cm³; gegenläufige Kurbelwelle; 4 Ventile/Zylinder; Zylinderabschaltung (in allen Modi); 6-Gang; nasse Mehrscheibenkupplung; Euro 5+

Leistung: 168 PS (124 kW) bei 10.750/min

Drehmoment: 126 Nm bei 7.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 250 km/h, ca. 6,0 l/100 km, ca. 310 km Reichweite

Tank / Gewicht: 20 l, 244 kg vollgetankt

Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Kettenantrieb; DQS Quick Shift 2.0

Elektronik: 6-Achsen-IMU; 4 Fahrmodi (Sport/Touring/Urban/Wet); 3 Power Modes; DTC Traktionskontrolle; DWC Wheelie-Kontrolle; Launch Control; Kurven-ABS; Quick Shift 2.0; Tempomat; Hands-Free (Keyless); 6,9-Zoll-TFT-Farbdisplay (Optical Bonding; DMS; Turn-by-Turn nativ; Bluetooth); dynamische Blinker; USB

Gabel: Marzocchi 45-mm-USD; voll einstellbar; Federweg ca. 120 mm

Federbein: Zentralfederbein; 145 mm Federweg; voll einstellbar; Einarmschwinge

Bremse vorn: Brembo Stylema-Monoblockzangen; 2× 330-mm-Scheiben; Kurven-ABS

Bremse hinten: 245-mm-Scheibe; Kurven-ABS

Räder: Leichtmetall-Gussräder; 17 Zoll vorn; 17 Zoll hinten (Einarmschwinge)

Reifen: 120/70 ZR17 vorn; 240/45 ZR17 hinten

Ergonomie: Sitzhöhe 770 mm; Radstand 1.620 mm; vorverlegte Fußrasten (mehrere Positionen einstellbar); Soziussitz 50% größer als Vorgänger XDiavel S; kein Windschutz serienmäßig

Design: Flach gestreckte Cruiser-Silhouette; 4 übereinanderliegende Endrohrblenden; Doppel-C-Tagfahrlicht; integrierte dynamische Blinker; Stahltank mit skulpturalem Profil

Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; beim Händler klären (Tirol-Grenze 95 dB(A); Diavel V4 liegt bei 97 dB(A))

Farben 2026: Burning Red; Black Lava

Garantie / Service: 2 Jahre Herstellergarantie (unbegrenzte Kilometer); Wartung 15.000 km / 2 Jahre; Ventilspielkontrolle alle 60.000 km

Preis (D): Ab 29.390 Euro zzgl. 345 Euro Liefernebenkosten