Test Kawasaki Meguro S1 (2026)
100 Jahre Meguro, 233cm³, verchromter Tank mit schwarzem Chassis – das exklusivere Retro-Einzylinder-Konzept für 6.095 Euro
Stand: 16.4.2026 | Modell: Kawasaki Meguro S1 (2026) | Preis: 6.095 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | Nur in Ebony erhältlich
Meguro: 100 Jahre Motorradgeschichte – von der Getriebeproduktion bis zur Kawasaki-Eingliederung 1964
Meguro wurde 1924 in Japan gegründet, zunächst als Hersteller von Getrieben. Ab 1937 begann das Unternehmen mit der Eigenentwicklung von Motorrädern – das erste war der Z97 mit 500 cm³. Rund 30 Modelle folgten in den nächsten drei Jahrzehnten. Im Oktober 1964 übernahm Kawasaki die Marke vollständig. Das Jahr 2024 markiert damit das 100-jährige Gründungsjubiläum von Meguro – und war für Kawasaki der Anlass, die Meguro-Linie als eigenständige Submarke wieder zu aktivieren. Einen ersten Schritt machte Kawasaki bereits Ende 2020 mit der Meguro K3 für den japanischen Markt, einem auf der W800 basierenden Modell. Die S1 für die 250er-Klasse folgte ab 2023 in Asien und kam 2025 nach Europa.
Die Meguro S1 leitet sich optisch direkt von der Kawasaki 250 Meguro SG aus dem Jahr 1964 ab – dem letzten Modell der unabhängigen Meguro-Ära, bevor die Marke in Kawasaki aufging. Das schwarz-verchromte Design, das M-Emblem und der Peashooter-Auspuff sind historisch nachvollziehbare Referenzen. MY2026 bringt keine technischen Änderungen gegenüber dem MY2025-Stand; das Modell bleibt in der einzigen Farbe Ebony erhältlich.
Meguro S1 vs. W230: Identische Technik, grundlegend anderes Designkonzept – was die 700 Euro Aufpreis kaufen
Motor, Fahrwerk, Bremsen, Reifen, Gewicht und Sitzhöhe sind bei Meguro S1 und W230 technisch identisch. Der Aufpreis von 700 Euro kauft ausschließlich Designunterschiede. Diese sind allerdings substanziell: Die W230 hat einen matten Lack in Grün oder Blau und ein 3D-W-Logo auf dem Tank; das Chassis ist in Kontrastfarben gehalten. Die Meguro S1 hat dagegen einen verchromten Tank mit lackierten Seitenflächen, ein komplett schwarz lackiertes Chassis und mehr Chrom-Applikationen am gesamten Motorrad. Das Erscheinungsbild der S1 nähert sich damit deutlich stärker den historischen Meguro-Vorbildern an als die W230 der W1 – bei der W230 ist der Retro-Stil erkennbar, bei der Meguro S1 ist er konsequenter umgesetzt.
Das Cockpit der Meguro S1 unterscheidet sich ebenfalls von der W230: Statt eines einzelnen Rundinstruments mit digitaler Innenanzeige trägt die S1 zwei separate Rundinstrumente im klassischen Stil mit spezieller Schriftart, die an ältere Meguro-Modelle erinnert, und dem ikonischen roten Meguro-Logo in Katakana-Schrift am unteren Rand. Das 3D-M-Emblem auf dem Tank ist ein weiteres Exklusivmerkmal. Die S1 ist ausschließlich in Ebony (Schwarz) erhältlich – im Gegensatz zur W230, die 2026 in Metallic Matte Dark Green erscheint.
Motor & Charakter: 233 cm³ mit Drehfreude-Charakter – identisch zur W230, aber subjektiv anders erlebt
Der 233-cm³-Einzylinder (DOHC, 2 Ventile, Einspritzung, Ausgleichswelle, hohes Kurbelwellen-Trägheitsmoment) leistet 18 PS bei 7.000/min und 19 Nm bei 5.800 Umdrehungen. Die technische Beschreibung gilt vollständig analog zur W230. Kawasaki hat gezielt auf einen Motor mit hohem Kurbelwellen-Trägheitsmoment gesetzt, der einen rhythmisch pulsierenden Charakter entwickelt. Das Leistungsprofil ist nach unten zurückhaltend und entfaltet seinen Charakter im oberen Drehzahlbereich; Vibrationen sind trotz Ausgleichswelle im oberen Bereich spürbar. Der Motor bietet mehr Drehfreude als den niedrig drehenden 350ern von Honda und Royal Enfield.
Was sich am Charakter verändert, ist der Rahmen, den der Motor bekommt: Die Meguro S1 umgibt denselben 233er mit einem konsequenteren Retro-Auftritt, der das entspannte, bewusst langsame Fahren stärker als Programm formuliert. Die Maschine beantwortet die Frage nach dem Fahrzweck klarer als die W230: Sie ist für Fahrer, die historisch inspiriertes Design als Kaufargument Nummer eins setzen und die technische Leistung der Maschine als bewussten Gegenentwurf zur PS-Maximierung verstehen. Der Peashooter-Auspuff, der am Fahrbericht der W230 als erstaunlich voll klingend beschrieben wird, gilt für die S1 identisch.
Fahrwerk & Ergonomie: 37-mm-Gabel mit Faltenbälgen, 143 kg, 740 mm – konzeptgerecht und zugänglich
Das Fahrwerk der Meguro S1 ist technisch identisch mit dem der W230: 37-mm-Teleskopgabel mit Faltenbälgen und 117 Millimetern Federweg vorne, zwei Stereo-Federbeine mit 5-fach einstellbarer Vorspannung und 95 Millimetern Federweg hinten, Stahlschleifenrahmen. Einstellbar ist ausschließlich die hintere Vorspannung. Das Fahrwerk ist komfortorientiert-weich abgestimmt und eignet sich für Stadt und entspannte Landstraße. Die Bodenfreiheit beträgt 150 Millimeter.
Die Sitzhöhe gibt Kawasaki für die Meguro S1 mit 740 Millimetern an (W230 745 mm, der Unterschied dürfte auf die etwas anders geformte Sitzbank zurückzuführen sein). Das Gewicht beträgt fahrbereit 143 Kilogramm. Beide Werte machen die Meguro S1 zum zugänglichsten Motorrad ihrer Markennische: deutlich leichter und tiefer als die Honda GB 350 S (179 kg, 800 mm) und direkt vergleichbar mit der W230. Drahtspeichenräder 18/17 Zoll, Reifen 90/90-18 vorne und 110/90-17 hinten, Bremsen wie W230 (265 mm / 220mm, ABS serienmäßig).
Kosten: 6.095 Euro – 700 Euro Designaufpreis gegenüber W230, Markengeschichte inklusive
Die Meguro S1 kostet 6.095 Euro inklusive Überführungskosten. Das sind 700 Euro mehr als die W230 (5.395 Euro) für identische Technik. Der Aufpreis ist eine reine Designprämie: verchromter Tank, schwarzes Chassis, Doppelinstrumente mit Meguro-Schriftart, 3D-M-Emblem. Wer diese Details als Kaufargument einordnet, zahlt sie gerne. Wer primär eine günstige Retro-Maschine sucht, greift zur W230. Die Entscheidung ist eine reine Geschmackssache – technisch gibt es keinen Grund für einen Preisunterschied.
Im Vergleich zur Konkurrenz liegt die Meguro S1 mit 6.095 Euro über dem Preisniveau der Honda GB 350 S und der Royal Enfield Hunter 350, bietet dafür aber ein in Europa einzigartiges Designkonzept mit historischer Markensubstanz. Der Starter-Bonus von 230 Euro gilt auch für die Meguro S1. Vier Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Die S1 ist ausschließlich in Ebony erhältlich – wer eine andere Farbe möchte, kauft die W230.
Fazit
Die Meguro S1 ist die konsequentere Aussage desselben technischen Konzepts. Sie nutzt dieselbe Basis wie die W230, formt aber ein klareres, historisch spezifischeres Bild: Schwarz und Chrom, Katakana, Doppel-Uhren, 100 Jahre Meguro-Geschichte. Wer mit dem Motorrad ein Statement über Marken-Authentizität machen möchte, ist bei der Meguro S1 besser aufgehoben als bei der W230. Wer das Erscheinungsbild als weniger wichtig einstuft und 700 Euro sparen möchte, greift zur technisch identischen W230.
Kurzcheck
+ 100 Jahre Meguro-Markengeschichte: 1924 Gründung, 1937 erstes Motorrad, 1964 Übernahme durch Kawasaki; S1 ist die konsequente Reaktivierung der Submarke
+ Design von der Kawasaki 250 Meguro SG (1964) direkt inspiriert: verchromter Tank, schwarzes Chassis, Peashooter-Auspuff
+ Doppelinstrumente mit Meguro-spezifischer Schriftart und ikonischem roten Meguro-Logo in Katakana – kein anderes Motorrad im Programm hat diese Cockpit-Eigenheit
+ 3D-M-Emblem auf dem Tank: optisch identifizierendes Markendetail
+ Mehr Chrom als die W230: verchromter Tank mit lackierten Seitenflächen statt einfarbig mattem Lackfinish
+ Identische starke Punkte wie W230: 143 kg Gewicht, 740 mm Sitzhöhe, 233er-Drehfreude-Motor, butterweiche Kupplung
+ 6-Gang, ABS serienmäßig beide Achsen, Soziussitz, Stahl-Kotflügel, Faltenbalg-Gabel
+ In Europa einzigartiges Designkonzept mit nachvollziehbarer Markenhistorie
+ Starter-Bonus 230 Euro möglich; 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung
+ 6.095 Euro inkl. Überführung: für das Designkonzept und die Markensubstanz fair positioniert
– 700 Euro Aufpreis gegenüber der technisch identischen W230: reine Designprämie, kein technischer Mehrwert
– 18 PS / 19 Nm / 233 cm³: messbar weniger als Honda GB 350 S und Royal Enfield Hunter 350 bei höherem Preis
– Nur in Ebony (Schwarz) erhältlich: kein Farbwahlspielraum
– Halogen- und Glühlampen-Beleuchtung: kein LED – retro-konsequent, aber sicherheitstechnisch hinter modernem Stand
– Kein Drehzahlmesser serienmäßig (trotz Doppel-Instrument-Optik: beide Uhren zeigen Tacho und Anzeigen, keinen Drehzahlmesser)
– Fahrwerk nicht einstellbar außer Hinterrad-Vorspannung; bei sportlicher Kurvenfahrt an Grenzen
– Tank 12 Liter: kleinster Tank im direkten Konkurrenzumfeld
– MY2026 technisch unverändert: kein Update, keine Leistungssteigerung, kein LED
Technische Daten: Kawasaki Meguro S1 (2026)
Modellreihe: EJ230B (2025 – heute); MY2026: technisch unverändert
Motor: Einzylinder, 233 cm³, luftgekühlt, DOHC, 2 Ventile; Einspritzung; Ausgleichswelle; hohes Kurbelwellen-Trägheitsmoment; 6-Gang; Kette – identisch W230
Leistung: 18 PS (13,2 kW) bei 7.000/min
Drehmoment: 19 Nm bei 5.800/min
Rahmen: Stahlschleifenrahmen (Semi-Double-Cradle)
Gabel: 37-mm-Teleskopgabel, konventionell, mit Faltenbälgen; Federweg 117 mm
Federbeine: Stereo-Federbeine; 5-fach vorspannbar; Federweg 95 mm
Geometrie: Radstand 1.415 mm; Lenkkopfwinkel 63°; B denfreiheit 150 mm
Bremse vorn: Einzelscheibe 265 mm; Zweikolben-Sattel; ABS
Bremse hinten: Einzelscheibe 220 mm; Einkolben-Sattel; ABS
Räder: Drahtspeichenräder; 18 Zoll vorne / 17 Zoll hinten
Reifen: IRC GP-21F/-22R; 90/90-18 vorne; 110/90-17 hinten
S1-exklusiv Design: Verchromter Tank mit lackierten Seitenflächen; komplett schwarz lackiertes Chassis; Doppel-Rundinstrumente mit Meguro-Schriftart + rotem Katakana-Logo; 3D-M-Emblem; mehr Chrom-Applikationen als W230
Cockpit: Doppel-Rundinstrumente im Retro-Stil; Meguro-spezifische Farbgebung und Schriftart; rotes Meguro-Logo in Katakana; kein Drehzahlmesser; Halogen-/Glühlampen
Gewicht: 143 kg vollgetankt
Sitzhöhe: 740 mm
Tank: 12 Liter
Vmax: ca. 130 km/h
Verbrauch: ca. 2,3 l/100 km (WMTC); praktisch ca. 3 l/100 km
Farbe (2026): Ebony (Schwarz) – einzige verfügbare Farbe
Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung
Preis (D): 6.095 Euro inkl. Überführung; Starter-Bonus 230 Euro möglich