Test Kawasaki W230 (2026)

233 cm³, 18 PS, 143 kg, 745 mm Sitzhöhe – der leichteste Weg zurück in die Sechziger für 5.395 Euro

Luftgekühlter 233-cm³-Einzylinder mit Einspritzung, 18 PS, 19 Nm. 6-Gang, butterweiche Kupplung. 37-mm-Telegabel mit Faltenbälgen, Stereo-Federbeine 5-fach vorspannbar. Drahtspeichenräder 18/17 Zoll. ABS serienmäßig. Analoges Rundinstrument ohne Drehzahlmesser. 143 kg fahrbereit. 745 mm Sitzhöhe. Peashooter-Auspuff. Design inspiriert von der W1 von 1965. MY2026: neue Farbe Metallic Matte Dark Green, dreidimensionales W-Logo, technisch unverändert.

Stand: 16.4.2026 | Modell: Kawasaki W230 (2026) | Preis: 4.995 Euro ab Werk / 5.395 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | MY2026: neue Farbe, technisch unverändert

 

Herkunft & Konzept: Ururenkel der W1 von 1965 – und was das bedeutet

Kawasakis Geschichte in Deutschland begann 1966 mit der 650 W1 – einem unverkleideten Einzylinder-Roadster in der Tradition britischer Motorräder, der die Marke hierzulande einführte. Die W230 zieht eine direkte Linie zu diesem Modell: Faltenbälge an der Telegabel, Stereo-Federbeine, Drahtspeichenräder, Peashooter-Auspuff, Stahlkotflügel statt Plastik, analoge Rundinstrumente. Das ist kein aufgelegtes Retro-Styling, sondern eine konsequente Interpretation von Kawasakis eigenem Ausgangspunkt.

Die W230 wurde ab 2023 zunächst in Asien eingeführt und kam 2025 nach Europa, um am wachsenden Markt für unkomplizierte Retro-Einzylinder teilzuhaben – einem Segment, das Royal Enfield und Honda mit ihren 350ern bereits erfolgreich bedienen.

MY2026 bringt keine technischen Änderungen. Neu ist die Farbe Metallic Matte Dark Green – ein matting-grüner Ton, der zur Retro-Ästhetik der Baureihe passt – sowie ein dreidimensionales „W“-Logo auf dem Tank. Beide Verbesserungen sind kosmetischer Natur. Der Preis bleibt bei 5.395 Euro inklusive Überführungskosten.

Motor: 233 cm³, hohe Kurbelwellenmasse, Drehfreude statt Hubraum – der Character-Unterschied zur 350er-Konkurrenz

Der 233-cm³-Einzylinder (DOHC, 2 Ventile, Einspritzung, Ausgleichswelle) leistet 18 PS bei 7.000 U/min und 19 Nm bei 5.800 Umdrehungen. Im Vergleich zur Honda GB350S (21 PS, 29 Nm) und Royal Enfield Hunter 350 (20 PS, 27 Nm) sind das messbar geringere Werte. Der Unterschied liegt aber im Charakter: Die 350er drehen eher niedrig und lassen ein stabiles, aber wenig aufregendes Drehmomentplateau entstehen. Der 233er der W230 dreht höher und begeistert mit einer Drehfreude, die ihn subjektiv vor die größeren Einzylinder setzt. Kawasaki hat gezielt auf ein hohes Kurbelwellen-Trägheitsmoment gesetzt, das dem Motor einen rhythmisch pulsierenden Charakter gibt. Das Fahrgefühl ist Absicht, kein Zufall.

Das Klangbild des metallischen Peashooter-Auspuffs ist erstaunlich vollmundig für ein Motorrad dieser Klasse. Ab Standgas setzt sich die W230 sanft in Bewegung, im rollenden Stadtbetrieb hält sie locker mit dem Verkehr mit. Im oberen Drehzahlbereich sind trotz der Ausgleichswelle Vibrationen spürbar – ein Charaktermerkmal, das zur Retro-Auslegung des Konzepts passt. Die Kupplung ist butterweich, das Sechsganggetriebe präzise und mit kurzen Schaltwegen. Das Motorrad eignet sich für Stadt, Landstraße und entspannte Zwischenziele – nicht für Autobahndauerbetrieb.

Fahrwerk & Handling: 143 kg + schmale Speichenreifen = fahrradähnlicher Charakter in engen Kurven

Der Stahlschleifenrahmen trägt vorne eine 37-mm-Telegabel mit klassischen Faltenbälgen und 117 Millimetern Federweg. Hinten arbeiten zwei Stereo-Federbeine mit 5-fach einstellbarer Vorspannung und 95 Millimetern Federweg. Beide Achsen sind nicht einstellbar außer der hinteren Vorspannung. Das Fahrwerk ist konzeptgerecht weich-komfortabel abgestimmt, was auf schlechten Straßen die Schläge auffängt, bei sportlicher Kurvenfahrt aber naturgemäß Grenzen zeigt. Die Drahtspeichenräder in 18/17 Zoll mit schmalen Reifenformaten (90/90-18 vorne, 110/90-17 hinten) geben der Maschine einen leichten, nahezu fahrradähnlichen Einlenkcharakter.

Die W230 gleitet bei 143 Kilogramm und mit diesen schmalen Reifen mit Schwung durch enge Kurven und verlagert dabei die Konzentration des Fahrers von der Geschwindigkeit auf die Umgebung – eine Form von Fahrspaß, die mit hubraumstärkeren Motorrädern nicht reproduzierbar ist. Die niedrige Sitzhöhe von 745 Millimetern sorgt dafür, dass ein breites Spektrum an Fahrern stabil auf beiden Füßen steht. Das Motorrad richtet sich explizit auch an Wiedereinsteiger und Fahranfänger.

Design & Details: Stahlkotflügel, analoge Instrumente ohne Drehzahlmesser – wo Authentizität aufhört und Sparmaßnahme beginnt

Kawasakis Designentscheidungen bei der W230 sind überwiegend konsequent. Die Kotflügel sind echtes Stahlblech statt Plastik. Die Telegabel hat echte Faltenbälge. Die Drahtspeichenräder sind stilistisch korrekt. Der Peashooter-Auspuff ist in der Materialausführung metallisch und klingt überzeugend. Das Rundinstrument kombiniert einen analogen Tacho mit einer digitalen LC-Anzeige für Kilometerstand, Tageskilometer und Tankfüllstand. Ein Drehzahlmesser fehlt – hier dürfte man geteilter Meinung sein, da ein solches Instrument im Retro-Umfeld auch optisch passen würde, zugleich aber dem entspannten Fahrstil der W230 nicht fremd wäre.

Die Beleuchtung basiert vollständig auf Halogen- und Glühlampen – kein LED. Das ist eine der wenigen Stellen, wo das Retro-Konzept hinter modernen Sicherheitsstandards zurückbleibt. ABS ist serienmäßig für beide Achsen verbaut. Die Bremsen vorne (265 mm, Zweikolben-Sattel) und hinten (220 mm, Einkolben-Sattel) sind für die Motorrad-Performance dimensioniert, akzeptable Bremsleistung bei den erreichbaren Geschwindigkeiten. Sozius-Platz und Haltebügel sind serienmäßig.

Kosten & Markt: 5.395 Euro – teurer als die Honda GB 350 S und leistungsschwächer, aber 36 kg leichter

Die W230 kostet 5.395 Euro inklusive Überführungskosten. Die Honda GB 350 S ist im Vergleich leistungsstärker (21 PS, 29 Nm, 348 cm³), aber auch 36 Kilogramm schwerer (179 kg) und mit 800 Millimetern Sitzhöhe deutlich weniger für kleinere Fahrer zugänglich. Im direkten Vergleich beider Modelle wird die GB 350 S leistungsseitig überlegen und günstiger eingestuft. Royal Enfield Hunter 350 liegt preislich darunter und bietet ebenfalls mehr Motorleistung. Die W230 behauptet ihre Position über das Alleinstellungsmerkmal Gewicht und Sitzhöhe: Kein anderes Motorrad in dieser Retro-Klasse wiegt 143 kg und sitzt auf 745 Millimetern.

Die Meguro S1 basiert auf identischer Technik und kostet 6.095 Euro inkl. Überführung. Sie unterscheidet sich durch mehr Chrom, ein stilisiertes M-Emblem und das Design, das an das historische Meguro-SG-Modell erinnert. Für das Kawasaki-eigene Modellprogramm bilden W230 und Meguro S1 gemeinsam das Fundament der Heritage-Linie. Das Verbrauchsversprechen von Kawasaki (44,3 km/l im WMTC-Zyklus, entspricht rund 2,3 l/100 km) ist im Idealbetrieb realistisch. Im Alltagsgebrauch dürften rund 3 Liter auf 100 Kilometer der praxisnäheren Größe entsprechen. Der Tank fasst 12 Liter.

Fazit

Die W230 ist kein Motorrad für Menschen, die PS-Zahlen optimieren möchten. Sie ist ein Motorrad für Menschen, die das Fahren als entspannte Bewegung im Raum erleben wollen – und dabei auf einem Fahrzeug sitzen möchten, das historisch authentisch aussieht. Das Gewicht von 143 Kilogramm und die Sitzhöhe von 745 Millimetern sind konkrete Kaufargumente für Fahrer, die kleinere Dimensionen brauchen oder bevorzugen. MY2026 bringt eine neue Farbe. Das Konzept braucht sonst nichts.

 

Kurzcheck

 

+ 143 kg fahrbereit: leichtestes Motorrad im Retro-Einzylinder-Segment; kein Konkurrenzmodell erreicht diesen Wert

+ 745 m Sitzhöhe: eine der niedrigsten im Segment; auch für kleinere Fahrer und Wiedereinsteiger sicherer Bodenkontakt

+ Drehfreude-Charakter: trotz geringerer PS subjektiv spaßiger als die niedrig drehenden 350er-Konkurrenten

+ Peashooter-Auspuff aus Metall; Stahlkotflügel; Telegabel mit Faltenbälgen; Drahtspeichenräder – weitgehend authentische Retro-Materialien

+ Design von der Kawasaki W1 (1965) inspiriert; historisch glaubwürdige Linie innerhalb des eigenen Marken-Erbes

+ Butterweiche Kupplung; präzises 6-Gang-Getriebe; leichter, fahrradähnlicher Einlenkcharakter durch schmale Speichenreifen

+ ABS serienmäßig an beiden Achsen

+ Reichweite ca. 300 km bei 12 Litern Tank; sparsamster Verbrauch im Alltag ca. 3 l/100 km

+ Soziussitz + Haltebügel serienmäßig; für Zweipersonenbetrieb zugelassen

+ MY2026: neue Farbe Metallic Matte Dark Green + 3D-W-Logo; optisch überzeugend in der Retro-Farbgebung

+ 5.395 Euro inkl. Überführung: günstigster Einstieg in die Kawasaki W-Familie

+ 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung

 

18 PS / 19 Nm: messbar weniger als Honda GB 350 S (21 PS, 29 Nm) und Royal Enfield Hunter 350 (20 PS, 27 Nm)

233 cm³ Hubraum: rund 115 cm³ weniger als die 350er-Konkurrenz; kein Autobahn-Dauerreise-Motorrad

Halogen- und Glühlampen-Beleuchtung: kein LED; optisch retro-konsequent, sicherheitstechnisch hinter modernem Standard

Kein Drehzahlmesser serienmäßig: für Fahrstil passend, aber Ausstattungslücke gegenüber Mitbewerbern

Fahrwerk nicht einstellbar außer Hinterrad-Vorspannung; bei sportlicher Fahrweise merklich an Grenzen

Vibrationen im oberen Drehzahlbereich trotz Ausgleichswelle spürbar

Preis 5.395 Euro: höher als Royal Enfield Hunter 350 bei geringerer Motorleistung – der Gewichtsvorteil muss den Preisunterschied rechtfertigen

Tank 12 Liter: kleinster Tank im direkten Konkurrenzvergleich

IRC-Reifen ab Werk: solide, aber nicht der Gripstandard modernerer Qualitätsreifen

MY2026 technisch unverändert: keine Leistungserhöhung, kein LED, kein Drehzahlmesser

 

 

Technische Daten: Kawasaki W230 (2026)

 

Modellreihe: EJ230A (2025 – heute); MY2026: neue Farbe Metallic Matte Dark Green, technisch unverändert

Motor: Einzylinder, 233 cm³, luftgekühlt, DOHC, 2 Ventile; Einspritzung; Ausgleichswelle; hohes Kurbelwellen-Trägheitsmoment; 6-Gang; Kette

Leistung: 18 PS (13,2 kW) bei 7.000 U/min

Drehmoment: 19 Nm bei 5.800 U/min

Rahmen: Stahlschleifenrahmen (Semi-Double-Cradle)

Gabel: 37-mm-Teleskopgabel, konventionell, mit Faltenbälgen; Federweg 117 mm; nicht einstellbar

Federbeine: Stereo-Federbeine; 5-fach vorspannbar; Federweg 95 mm

Geometrie: Radstand 1.415 mm; Lenkkopfwinkel 63°

Bremse vorn: Einzelscheibe 265 mm; Zweikolben-Sattel; ABS

Bremse hinten: Einzelscheibe 220 mm; Einkolben-Sattel; ABS

Räder: Drahtspeichenräder; 18 Zoll vorne / 17 Zoll hinten

Reifen: IRC GP-21F/-22R (Erstbereifung); 90/90-18 vorne; 110/90-17 hinten

Cockpit: Analoges Rundinstrument (Tacho); digitale LC-Anzeige (km, Tageskm, Tankstand); kein Drehzahlmesser; Halogen-/Glühlampen

Gewicht: 143 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 745 mm

Tank: 12 Liter

Verbrauch: ca. 2,3 l/100 km (WMTC); im Alltag ca. 3 l/100 km

Reichweite: ca. 300 km

Farben (2026): Metallic Matte Dark Green (neu, 3D-W-Logo); Candy Tone Blue (2025-Farbe ggf. weiter)

Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung

Preis (D): 5.395 Euro inkl. Überführung