Test Kawasaki Z 1100 SE (2026)

Der lauernde Jäger ist zurück

Reihen-Vierzylinder, 1.099 ccm, 136 PS bei 9.000/min, 113 Nm bei 7.600/min. SE-Paket: Brembo-Radialzangen, Brembo-Scheiben, Stahlflex, Öhlins-S46-Federbein, Dunlop Sportmax Q5A. Showa 41-mm-SFF-BP-Gabel, 120 mm, voll einstellbar. 6-Achsen-IMU, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, 4 Fahrmodi, KQS-Quickshifter, Tempomat, 5-Zoll-TFT, Navigation. 221 kg, 815 mm. Tirol-konform. 14.270 Euro.

Stand: 17.4.2026 | Modell: Kawasaki Z1100 SE ABS (2026; Supernaked; A-Führerschein); Hersteller: Kawasaki Heavy Industries, Akashi (Japan) | Preis DE: 14.270 Euro; Standard Z1100 12.470 Euro | Standgeräusch: Tirol-konform | Garantie: 4 Jahre (Kawasaki-Standard)

Sechs Jahre Pause. Die Z1000 verschwand 2020, weil Euro 5 den alten Vierzylinder zu teuer werden ließ, und Kawasaki ließ sein Flaggschiff-Naked-Bike in Stille auslaufen. Jetzt ist der Nachfolger da. Größer, schärfer elektronisch, und mit einem SE-Paket, das sich liest wie eine Einkaufsliste für sportliche Puristen: Brembo, Öhlins, Stahlflex, Dunlop Q5A. Willkommen zurück, Kawasaki. Es wurde Zeit.

Was die SE von der Standard trennt – und warum es den Aufpreis rechtfertigt

Kawasaki verkauft zwei Versionen der Z1100. Beide haben identischen Motor, identisches Fahrgestell, identische Elektronik. Was die SE dazubekommt, ist das Paket, das man bei diesem Motorrad haben will: Brembo-Radial-Monobloc-Vierkolbenzangen vorn mit Brembo 310-mm-Scheiben und Stahlflexleitungen. Und hinten: Öhlins S46 mit separatem Vorspannungsversteller, der sich auch mit Handschuhen bedienen lässt. Dazu ab Werk Dunlop Sportmax Q5A – kein Kompromiss-Allrounder, sondern ein Reifen, der auf Landstraße und Rennstrecke gleichermaßen ernst gemeint ist.

Der 1000PS-Marktdurchschnitt für die SE liegt bei 14.270 Euro. Die Standard-Z1100 liegt bei 12.470 Euro. Für knapp 1.800 Euro Aufpreis bekommt man Brembo, Öhlins und Q5A-Reifen. Das ist kein schlechtes Geschäft.

Der Motor: 1.099 ccm, 136 PS, und mehr Drehmoment unten

1.099 ccm. Nicht 1.100, weil Kawasaki mit einem Schluckvolumen unter der runden Zahl bessere Emissions-Kennzahlen erreicht – und trotzdem 1100 sagen darf. Der Reihen-Vierzylinder kennt man aus der Ninja 1100SX und der Versys 1100: 38-mm-Drosselklappen, neue Nockenwellen, überarbeitete Kolben, Hub +3 mm gegenüber der alten Z1000. Diese drei Millimeter mehr Hub sind der Grund, warum der Motor im unteren und mittleren Drehzahlbereich anders anfühlt als der Vorgänger. 113 Nm kommen erst bei 7.600/min vollständig – aber darunter ist das Drehmoment spürbarer als beim alten 1.043-ccm-Aggregat.

136 PS bei 9.000/min. Das ist ehrlich – nicht die meisten PS in dieser Klasse (die Honda CB1000 Hornet kommt auf 152 PS, die BMW M 1000 R auf 210 PS), aber ausreichend für alles, was auf deutschen Landstraßen und Alpenpässen erlaubt ist. Die längeren 5./6.-Gang-Übersetzungen helfen bei Reisetouren: weniger Touren auf der Autobahn, ruhigerer Motor bei Richtgeschwindigkeit.

Fahrwerk: Showa vorn, Öhlins hinten, 120 mm

Showa SFF-BP – Separate Function Fork, Big Piston – mit 41 mm Durchmesser. 120 mm Federweg. Voll einstellbar in Federvorspannung, Druck- und Zugstufe. Das ist Kawasaki-typisch auf Performance ausgelegt: eher straff als komfortbetont. Hinten: das Öhlins S46 mit Horizontal-Back-Link-Kinematik und externem Vorspannungsversteller. Das Back-Link-System ist Kawasakis Antwort auf die Frage, wie man ein Federbein verbaut, das sowohl sensitiv auf kleine Unebenheiten anspricht als auch Stabilität bei hoher Last bietet. Es funktioniert.

815 mm Sitzhöhe. Das ist Supernaked-Niveau – sportlich, aber nicht so hoch, dass man auf Zehenspitzen balanciert. 221 kg fahrbereit. Das ist am oberen Ende der Klasse, aber identisch mit dem Vorgänger Z1000. Der etwas breitere Lenker – 22 mm mehr als zuvor, weiter vorne positioniert – macht das bei Temporitt auf kurviger Landstraße spürbar: mehr Hebel, direkterer Einlenkimpuls.

Elektronik: IMU, vier Modi, Quickshifter, Tempomat

6-Achsen-IMU als Datenbasis für alles. Kurven-ABS. Traktionskontrolle mit mehreren Eingriffsstufen. Vier Fahrmodi: Sport, Road, Rain, Rider – der letzte völlig frei konfigurierbar. Bidirektionaler KQS-Quickshifter: hoch und runter ohne Kupplung, serienmäßig. Tempomat serienmäßig. Ride-by-Wire. Das 5-Zoll-TFT-Farbdisplay koppelt per Rideology-App ans Smartphone, zeigt Turn-by-Turn-Navigation, versteht Sprachsteuerung.

Das ist das vollständigste Elektronikpaket, das Kawasaki je in ein seriengefertigtes Z-Naked gesteckt hat. Und es lässt sich – anders als bei einigen Mitbewerbern – vollständig über Lenkerschalter bedienen, ohne in Menüs einzutauchen, die mehr nach Buchhaltungs-Software als nach Motorsport aussehen.

Das Sugomi-Design und die Frage, wer es mag

Sugomi ist ein japanisches Wort, das sich ungefähr mit „einschüchternde Präsenz“ übersetzen lässt. Kawasaki verwendet es seit Jahren für das Design seiner Z-Supernakeds: scharfe Kanten, asymmetrische LED-Scheinwerfer, aggressive Unterverkleidung mit Finnen. Die Z1100 ist das bisher konsequenteste Ergebnis dieser Philosophie. Ob man das schön findet, ist eine Frage der Präferenzen. Dass man es auf der Straße sieht, ist keine.

Metallic Matte Graphenesteel Gray / Metallic Matte Carbon Gray: das ist die einzige Farboption der SE zum Marktstart. Matt und dunkel. Passend zum Konzept.

Tirol-konform und alltagstauglich

Das Standgeräusch liegt im Tirol-konformen Bereich – kein Fahrverbot auf Alpenpässen. 17 Liter Tank, 5,6 l/100 km, 303 km Reichweite. Das sind vernünftige Zahlen für ein Supernaked. Euro 5+. Der KQS-Quickshifter macht aus der Z1100 SE kein Pendlerfahrzeug, aber ein alltagstaugliches Motorrad für Fahrer, die auch unter der Woche fahren und am Wochenende nicht auf Leistung verzichten wollen.

Fazit

Die Kawasaki Z1100 SE 2026 ist die Antwort auf sechs Jahre Schweigen: 136 PS, 113 Nm, Brembo, Öhlins, Dunlop Q5A, Showa SFF-BP, 6-Achsen-IMU, bidirektionaler Quickshifter, Tempomat, 5-Zoll-TFT – alles serienmäßig, für 14.270 Euro. Gegenüber der Honda CB1000 Hornet SP (152 PS, 12.559 Euro) steht sie preislich gut da und verliert technisch kaum. Für Kawasaki-Fans ist sie die Rückkehr eines alten Freundes in bester Verfassung.

 

Kurzcheck

 

+ SE-Paket für ca. 900 Euro Aufpreis zur Standard Z1100: Brembo-Radial-Monobloc-Zangen + Brembo 310-mm-Scheiben + Stahlflexleitungen + Öhlins S46 + Dunlop Q5A ab Werk. Bidirektionaler KQS-Quickshifter serienmäßig. Tempomat serienmäßig. 6-Achsen-IMU: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, 4 Fahrmodi vollständig konfigurierbar. 5-Zoll-TFT mit Navigation und Rideology-App.

+ Hub +3 mm vs. Z1000: spürbar mehr Drehmoment im Mittelbereich.

+ Tirol-konform.

+ 221 kg fahrbereit: nicht leicht, aber identisch mit Vorgänger Z1000 und konkurrenzfähig in der Klasse.

+ 17 Liter / 303 km Reichweite.

+ Nachfolger einer Legende (Z1000): Tradition.

 

136 PS: nicht der höchste Wert der Klasse (CB1000 Hornet: 152 PS; BMW M 1000 R: 210 PS).

221 kg: am oberen Ende der Supernaked-Klasse.

Nur eine SE-Farboption zum Marktstart (Metallic Matte Graphenesteel).

 

 

Technische Daten: Kawasaki Z1100 SE (2026)

 

Marke / Modell: Kawasaki Z1100 SE (2026; Supernaked / Z-Linie; A-Führerschein); Hersteller: Kawasaki Heavy Industries Ltd. (Akashi, Japan)

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihen-Vierzylinder DOHC; 1.099 ccm; 38-mm-Drosselklappen; neue Nockenwellen + Kolben; Hub +3 mm vs. Z1000; 136 PS (100 kW) bei 9.000/min; 113 Nm bei 7.600/min; längere 5./6.-Gang-Übersetzung; Euro 5+

Antrieb: 6-Gang-Getriebe; Kettenantrieb; Mehrscheibenkupplung (Assist-/Slipper)

SE-Exklusiv: Brembo-Radial-Monobloc-Vierkolbenzangen vorn; Brembo 310-mm-Bremsscheiben; Stahlflexleitungen; Öhlins S46 Federbein (hinten) mit separatem Vorspannungsversteller; Dunlop Sportmax Q5A Reifen ab Werk

Fahrwerk vorn: Showa SFF-BP (Separate Function Fork, Big Piston) 41 mm; 120 mm Federweg; voll einstellbar (Federvorspannung, Druck-/Zugstufe)

Fahrwerk hinten: Öhlins S46 Monoschock; Horizontal-Back-Link-Kinematik; externer Vorspannungsversteller; einstellbar

Bremsen (SE): 2× 310-mm-Brembo-Scheiben vorn (Brembo-Radial-Monobloc-Vierkolben); 260-mm-Scheibe hinten; Stahlflexleitungen; 6-Achsen-IMU-gestütztes Kurven-ABS

Räder / Reifen: 17 Zoll vorn und hinten; Dunlop Sportmax Q5A (120/70-17 vorn; 190/50-17 hinten)

Rahmen / Ergonomie: Aluminium-Doppelrohrrahmen; Lenker 22 mm breiter + weiter vorne positioniert vs. Z1000; Sitzhöhe 815 mm; Bodenfreiheit 125 mm; Radstand 1.440 mm; Länge 2.055 mm

Gewicht: 201 kg trocken / 221 kg fahrbereit (mit ABS)

Tank / Verbrauch: 17 Liter; 5,6 l/100 km kombiniert; CO₂ 126 g/km; Reichweite 303 km

Elektronik: 6-Achsen-IMU; Kurven-ABS (abschaltbar); Traktionskontrolle (KTRC; mehrstufig); 4 Fahrmodi (Sport/Road/Rain/Rider); bidirektionaler KQS-Quickshifter; Tempomat; Ride-by-Wire; 5-Zoll-TFT-Farbdisplay; Turn-by-Turn-Navigation; Rideology-App; Bluetooth; Sprachsteuerung; KIPASS (Keyless)

Standgeräusch: Tirol-konform

Garantie: 4 Jahre (Kawasaki-Standard)

Farben (SE): Metallic Matte Graphenesteel Gray / Metallic Matte Carbon Gray

Z1100 vs. Z1100 SE: Identischer Motor, Rahmen, Elektronik. SE: Brembo-Bremsen + Öhlins S46 + Stahlflexleitungen + Dunlop Q5A. Standard Z1100: Monobloc-Sättel, konventionelles Federbein. Preisunterschied ca. 1.800 Euro.

Konkurrenz: Honda CB1000 Hornet SP: 12.559 Euro; 152 PS; 202 kg; Showa + Brembo. BMW M 1000 R: ab 22.940 Euro; 210 PS; Racing-Niveau. Suzuki GSX-S1000: 13.390 Euro; 152 PS; 214 kg.

Preis (D): 14.270 Euro; Standard Z1100: 12.470 Euro inkl. Überführung