Test Kawasaki Z 650 S (2026)
Der Bestseller wird erwachsen – 30 mm breiterer Lenker, neue Ergonomie, USB-C, Continental-ABS und optionaler Quickshifter für 7.970 Euro
Stand: 15.4.2026 | Modell: Kawasaki Z 650 S (2026) | Preis: 7.970 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | Standgeräusch: 89 dB(A) – Tirol-konform | A2: auf 48 PS (35 kW) drosselbar; rückrüstbar | Vorgänger Z 650 (Basis) läuft parallel weiter ab 7.770 Euro inkl. Überführung
Was die Z 650 S neu macht: Sieben Änderungen, die man beim Fahren spürt
Die Z 650 S ist das neue Topmodell der Z-650-Familie und kommt zusätzlich zur bisherigen Basisversion als führendes Modell der Baureihe. Sieben Änderungen unterscheiden sie von der Basis-Z 650, die 2026 für 200 Euro weniger parallel im Programm bleibt. Erstens: Der Lenker ist ein Fat-Bar-Typ, 40 Millimeter weiter vorne, 10 Millimeter höher und 30 Millimeter breiter als beim Vorgänger. Die Ellenbogen-Haltung öffnet sich, die Sitzposition neigt sich leicht nach vorne. Zweitens: Die Sitzhöhe steigt von 790 auf 805 Millimeter. Drittens: Die Fahrersitzbank ist breiter und um 15 Millimeter stärker gepolstert. Viertens: Die Fußrasten wurden neu positioniert, was zusammen mit der neuen Lenkerhaltung den Kniewinkel entspannt.
Fünftens: Das ABS stammt von Continental statt Bosch. Sechstens: Ein USB-C-Ladeanschluss ist serienmäßig in der linken Frontverkleidung verbaut. Siebtens: Ein Quickshifter für kupplungsfreies Hochschalten ab 2.500 Umdrehungen ist als Originalzubehör für rund 277 Euro erhältlich. Neu ist außerdem das vollständig überarbeitete Design mit neuem dreiteiligen LED-Scheinwerfer, breiterer Tankverkleidung mit Aluminium-Kühlereinfassung, neuer Frontmaske und überarbeitetem Heck. Technisch unverändert bleiben: Motor, Rahmen-Geometrie, Gabel, Federbein, Räder, Bremsen (außer ABS-Hersteller) und Gewicht.
Ergonomie: Das wichtigste Update – Lenker, Sitzbank und Fußrasten machen aus dem 650er ein Motorrad für alle Körpergrößen
Wer die Z 650 in Vergleichstests gelesen hat, kennt den wiederkehrenden Kritikpunkt: zu schmaler Lenker, zu enge Ergonomie für große Fahrer. Kawasaki hat diesen Punkt bei der Z 650 S direkt adressiert. Der breitere Lenker in Fat-Bar-Ausführung ermöglicht eine geöffnete Ellenbogenstellung, die mehr Kontrolle über das Motorrad gibt und gleichzeitig die Schultern entlastet. Die neue Fußrastenposition entspannt den Kniewinkel, den große Fahrer auf der Serienbank der Z 650 als etwas eng empfanden. Fahrer mit 1,95 Metern Körpergröße sitzen auf der Z 650 S überraschend komfortabel– mit dem Hinweis, dass der Kniewinkel über einen langen Fahrtag angenehmer bleibt.
Die Sitzhöhe von 805 Millimetern ist 15 Millimeter höher als bei der Basis-Z 650. Für kleinere Fahrer, die bisher die 790 Millimeter als Vorteil sahen, gibt es im Originalzubehör eine um 20 Millimeter niedrigere Ergo-Fit-Sitzbank für 269 Euro, womit man auf 785 Millimeter Sitzhöhe käme. Trotz der höheren Serienbank bleibt die schmale Taille des Motorrads ein positiver Faktor: Der Sitzbank ist eng und erlaubt guten Bodenkontakt, auch wenn man nicht mit beiden Fußsohlen flach steht. Der Soziussitz profitiert ebenfalls: 20 Millimeter breiter, 10 Millimeter mehr Polsterung.
Design: Sugomi-Großauftritt – dreiteiliger LED-Scheinwerfer, Alu-Kühlereinfassung, bulliger Tank und ein überraschender Nebeneffekt
Das neue Design der Z 650 S orientiert sich konsequent an der großen Z-Familie und speziell an der Z 900. Der dreiteilige LED-Scheinwerfer mit zwei Abblendlichtern oben und einem Fernlicht unten dominiert die Frontpartie und erzeugt eine Breitenwirkung, die dem Motorrad einen erheblich massiveren Eindruck verleiht als das Vorgängermodell. Die Kühlerabdeckung aus Aluminium unterstreicht diesen Eindruck und gibt der Front eine Materialhaptik, die in der Klasse ungewöhnlich ist. Die neuen Tankverkleidungen mit seitlichen Finnen und hexagonalen Texturflächen strecken und verbreitern die Seitenansicht visuell.
Was in keiner Pressemitteilung steht: Die breiteren Verkleidungselemente am Tank schirmen die Beine des Fahrers erstaunlich effektiv gegen Fahrtwind und Kälte ab. Das ist bei einem unverkleideten Naked Bike eine angenehme Überraschung, die sich besonders auf längeren Herbst-Etappen bemerkbar machen dürfte. Ein zweiter Nebeneffekt der neuen Konstruktion: Der Lüfter leitet heiße Abluft gezielt nach unten vom Fahrer weg – ein Detail, das im hochsommerlichen Stadtverkehr Komfortgewinn bringt.
Motor & Quickshifter: 68 PS unverändert – Ansprechverhalten verbessert, Quickshifter funktioniert mit kleinen Einschränkungen
Der 649-cm³-Parallel-Twin mit 68 PS und 64 Newtonmeter ist technisch unverändert. Kawasaki spricht von einer Verbesserung des Ansprechverhaltens im unteren und mittleren Drehzahlbereich: einen sauber durchziehenden, elastischen Motor, der im mittleren Bereich geballt ans Gas geht und sich auch schaltfaul fahren lässt. Der 180-Grad-Hubzapfenversatz – der Twin zündet wie zwei Einzylinder im gleichmäßigen Abstand – gibt dem Motor seinen charakteristisch gleichförmigen Rhythmus, der sich von neueren 270-Grad-Twins unterscheidet. Das ist keine Schwäche, sondern ein bewusstes Charaktermerkmal.
Der optionale Quickshifter für rund 277 Euro ist nur für kupplungsfreies Hochschalten ausgelegt, nicht für das Runterschalten. Er funktioniert ab 2.500 Umdrehungen gut und erhöht den Fahrspaß, zeigt aber bei hohen Drehzahlen eine leichte Hakeligkeit. Wer bei eingelegtem Quickshifter trotzdem normal kuppelt, erlebt manchmal einen kurzen unfreiwilligen Eingriff, bei dem das System kurz Gas wegnimmt. Das ist kontrollierbar und unproblematisch, aber spürbar. Ähnlich die Gasannahme: manchmal etwas abrupt. Erfahrene Fahrer kompensieren das. Einsteiger merken es deutlicher, weil es Unruhe in die Linie bringen kann.
Fahrwerk & Handling: Geometrie unverändert, Continental-ABS neu – agil, leichtfüssig, kein Einstellungsspielraum
Rahmen-Geometrie, Telegabel, Federbein, Räder und Bremsscheiben übernimmt die Z 650 S unverändert von der Basis-Z 650. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten zuverlässig heraus, ohne zu weich zu werden. Das Motorrad reagiert direkt auf Lenkimpulse und spielt in engen Kurven seine Agilität aus. Die schmale Bauweise und das Gewicht von 188 Kilogramm machen es zu einem ausgesprochen leichtfüßigen Stadtmotorrad. Auf kurvigen Landstraßen beschert das Zusammenspiel aus handlichem Fahrwerk und elastischem Motor viel Spaß. Einstellmöglichkeiten gibt es keine, außer der Federvorspannung hinten.
Die Bremsen greifen ordentlich und dosierbar. Der Wechsel von Bosch-ABS zu Continental-ABS ist im Fahrbetrieb nicht direkt spürbar. Neu und vom früheren Modell übernommen war der Wechsel von Wave-Bremsscheiben auf konventionelle Form. Die Bremshebel sind nun einstellbar in der Spreizung – ein früherer Kritikpunkt am Vorgänger, der damit direkt behoben wurde.
Kosten: 7.970 Euro inkl. Überführung – 200 Euro mehr als die Basis, aber ein substanziell anderes Paket
Die Z 650 S kostet 7.970 Euro inklusive Überführungskosten. Das sind 200 Euro mehr als die parallel weiterlaufende Basis-Z 650. Für diesen Aufpreis bekommt man: neues Design, breiterer Lenker, neue Ergonomie, Continental-ABS, USB-C serienmäßig, Option auf Quickshifter (277 Euro), einstellbare Bremshebel und eine breitere, besser gepolsterte Sitzbank. Das ist ein substanzielles Upgrade-Paket für 200 Euro Aufpreis – kauflogisch einer der deutlichsten Vorteilswerte in Kawasakis gesamter MY2026-Palette.
Im Wettbewerbsvergleich liegt die Z 650 S unterhalb der Yamaha MT-07 (8.524 Euro), deutlich unterhalb der Suzuki GSX-8S (9.500 Euro plus Nebenkosten) und unterhalb der Honda CB 650 R (9.959 Euro, Vierzylinder, E-Clutch). Für Führerscheinneulinge gilt der Starter-Bonus von 649 Euro, womit der Einstiegspreis auf rund 7.300 Euro inkl. Überführung sinkt. Die vierjährige Garantie, das 12.000-km-Serviceintervall und die starke Marktstellung von Kawasaki im Servicenetz sind weitere kaufpraktische Argumente.
Fazit
Die Z 650 S ist genau die Weiterentwicklung, die sich viele gewünscht haben. Ohne das bewährte Grundkonzept zu verändern, hat Kawasaki an den richtigen Stellschrauben gedreht: Ergonomie, Elektronik und Design. Das Motorrad ist kein spektakulärer Neuanfang, aber ein extrem stimmiges Motorrad – und genau das macht es so erfolgreich. Wer heute in dieser Klasse kauft, sollte die 200 Euro Aufpreis gegenüber der Basis mitgehen. Das Ergebnis ist ein spürbar erwachseneres Motorrad.
Kurzcheck
+ Fat-Bar-Lenker serienmäßig: 40 mm weiter vorne, 10 mm höher, 30 mm breiter – offene Ellenbogenstellung, spürbar mehr Kontrolle und Komfort
+ 805 mm Sitzhöhe (+15 mm vs. Basis): Fahrer ab ca. 1,75 m fühlen sich nun deutlich besser integriert; größere Fahrer spürbar entlastet
+ Fahrersitzbank breiter und 15 mm stärker gepolstert; Soziussitz 20 mm breiter, 10 mm mehr Polsterung
+ Einstellbare Kupplungs- und Bremshebel serienmäßig: früherer Kritikpunkt der Z 650 Basis behoben
+ USB-C serienmäßig in der linken Frontverkleidung; wasserresistente Zubehör-Version (3 A) erhältlich
+ Continental-ABS serienmäßig: neue ABS-Generation
+ Quickshifter optional (ca. 277 Euro): kupplungsfreies Hochschalten ab 2.500/min
+ Neuer dreiteiliger LED-Scheinwerfer: Abblendlicht oben, Fernlicht unten; sieht der Z900 sehr ähnlich
+ Alu-Kühlereinfassung serienmäßig: hochwertiger Materialeindruck, hebt die Z 650 S optisch deutlich von der Basis ab
+ Tankverkleidungs-Finnen schirmen Beine effektiv gegen Fahrtwind ab: überraschend guter Windschutz für ein Naked Bike
+ Lüfter leitet Abluft nach unten ab: spürbarer Komfortgewinn im Stadtverkehr im Sommer
+ 68 PS / 64 Nm: bewährter Motor, laut Kawasaki verbessertes Ansprechverhalten unten/mittig
+ KTRC zweistufig serienmäßig (abschaltbar); ABS und Traktionskontrolle mehrstufig einstellbar
+ 188 kg fahrfertig: handlich und leichtfüßig
+ 7.970 Euro inkl. Überführung: nur 200 Euro Aufpreis vs. Basis –mehr Motorrad für wenig Mehrgeld
+ Ergo-Fit-Sitzbank (−20 mm, 785 mm Sitzhöhe) für 269 Euro: Option für kleinere Fahrer
+ Starter-Bonus 649 Euro möglich; 4 Jahre Garantie; 12.000-km-Serviceintervall
– Quickshifter (optional) bei hohen Drehzahlen leicht hakelig
– Gasannahme in Kurven etwas abrupt: für Einsteiger spürbarer als für erfahrene Fahrer (motorradundreisen.de-Test)
– Kein einstellbares Fahrwerk (nur Federvorspannung hinten): für Einstellungs-Enthusiasten kein Spielraum
– Kein Ride-by-Wire, keine Fahrmodi: technisch hinter Konkurrenten wie Yamaha MT-07 (Fahrmodi) oder Honda CB 650 R
– 180-Grad-Twin statt 270-Grad: gleichmäßigerer Rhythmus als neuere Zweizylinder; Geschmackssache, aber kein Nachteil – zu benennen für eine informierte Kaufentscheidung
– Kein Windschutz serienmäßig: Autobahn-Etappen ohne Verkleidung erfordern Körper als Windbrecher
– Quickshifter nur für Hochschalten: kein bidirektionaler Einsatz möglich
– 805 mm Sitzhöhe: für sehr kleine Fahrer höher als Basis; Ergo-Fit-Sitzbank sinnvoll, aber gegen 269 Euro Aufpreis
– Staufach unter Sozius optimiert, aber nach wie vor klein
Technische Daten: Kawasaki Z 650 S (2026)
Fertigungsland: Japan (Kawasaki)
Modellreihe: ER650W (2026, neu); nachfolger der ER 650 K-TC
Motor: Reihenzweizylinder, 649 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 180-Grad-Hubzapfenversatz; Einspritzung; Assist-/Rutschkupplung; 6-Gang
Leistung: 68 PS (50 kW) bei 8.000/min
Drehmoment: 64 Nm bei 6.700/min
Elektronik: KTRC zweistufige Traktionskontrolle (abschaltbar, mehrstufig); Zweikanal-ABS (Continental); kein Ride-by-Wire; kein Tempomat
Quickshifter: Optional ca. 277 Euro; nur Hochschalten
Display: 4,3-Zoll-TFT-Farbdisplay (zwei Layoutoptionen: Balken / Hexagon); Rideology App; Bluetooth; USB-C serienmäßig
Lenker: Fat-Bar; 40 mm weiter vorne, 10 mm höher, 30 mm breiter als Basis-Z 650
Bremshebel: Einstellbar (Verbesserung gegenüber Basis)
Rahmen: Leichter Stahl-Gitterrohrrahmen (15 kg); Geometrie unverändert zur Basis
Gabel: Teleskopgabel 41 mm; nicht einstellbar
Federbein: Horizontal-Back-Link-Federbein; Federvorspannung einstellbar; nicht extern einstellbar
Bremse vorn: Doppelscheiben 300 mm; Doppelkolben-Bremssättel; Zweikanal-ABS (Continental)
Bremse hinten: Einzelscheibe 220 mm; Einkolben-Sattel; ABS
Räder: Alu-Gussfelgen; 17 Zoll vorne und hinten
Reifen: 120/70 ZR17 vorne; 160/60 ZR17 hinten
Gewicht: 188 kg vollgetankt (unverändert zur Basis)
Sitzhöhe: 805 mm (+15 mm vs. Basis 790 mm); Ergo-Fit-Sitzbank −20 mm (785 mm) als Zubehör, 269 Euro
Sitzbank: Fahrer: breiter, +15 mm Polsterung; Sozius: +20 mm breiter, +10 mm Polsterung
Tank: 15 Liter; ca. 348 km Reichweite (WMTC 4,3 l/100 km)
Besonderheiten: Alu-Kühlereinfassung; Fahrtwindschutz durch Tankfinnen; Abluftableitung nach unten (Stadtkomfort)
Standgeräusch: 89 dB(A) – Tirol-konform
Führerschein: A; elektronisch drosselbar auf 35 kW / 48 PS für A2 (ca. 249 Euro; rückrüstbar)
Farben: Ebony / Metallic Carbon Gray; Candy Lime Green / Metallic Carbon Gray; Metallic Matte Graphenesteel Gray / Metallic Flat Spark Black
Zubehör: Quickshifter (277 Euro), Ergo-Fit-Sitzbank (269 Euro), USB-C wasserresistent, Sitzabdeckung (274 Euro), Instrumentenabdeckung getönt (183 Euro), Sozius-Haltegriff (122 Euro), Tankpad, Kniepads
Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie
Service: Alle 12.000 km
Preis (D): 7.970 Euro inkl. Überführung. Starter-Bonus 649 Euro für Führerscheinneulinge möglich