Test Kawasaki Z 900 (70 kW) (2026)
Die vollwertige Z 900 für den A2-Führerschein – gleiche Plattform, eigene Motorabstimmung, 300 Euro günstiger als die Vollversion
Stand: 10.4.2026 | Modell: Kawasaki Z 900 70 kW (2026) | Preis: 9.870 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | Standgeräusch: 94 dB(A) – Tirol-konform | Führerschein: A2 (drosselbar auf 35 kW); nach 2 Jahren A
Das Konzept: Eine eigenständige Homologation – kein gedrosseltes Standard-Modell
Wer glaubt, die Z 900 70 kW sei einfach die normale Z 900 mit einem anderen Softwaremapping, liegt nicht ganz richtig. Die EU-Führerscheinrichtlinie schreibt für A2-taugliche Motorräder vor, dass die Nennleistung dauerhaft auf maximal 70 Kilowatt begrenzt ist und die Maschine sich nicht durch reines Umprogrammieren auf mehr als das Doppelte der gedrosselten Leistung bringen lässt. Das bedeutet konkret: Kawasaki hat für die 70-kW-Variante eine eigene Motorabstimmung entwickelt, die mechanisch sicherstellt, dass diese Grenze eingehalten wird. Der Vierzylinder mit 948 Kubikzentimetern Hubraum ist in beiden Varianten identisch – die Art, wie er auf Befehle reagiert, unterscheidet sich jedoch.
Das Ergebnis ist eine Maschine, die auf dem Papier 95 PS leistet – deutlich weniger als die 124 PS der Vollversion, aber ein erheblich ernsteres Motorrad als typische A2-Bikes wie die Kawasaki Z 650 oder vergleichbare Einsteigermodelle. Und wer nach zwei Jahren A2-Zeit den A-Führerschein erwirbt, fährt mit dieser Maschine einfach weiter: Drosseln – und später Entdrosseln – erledigt der Kawasaki-Händler per Drosselkit. Das macht die 70-kW-Variante zum Motorrad, mit dem man wachsen kann.
Motor: 948 cm³, eigene Abstimmung, 95 PS – weniger als die Vollversion, aber erheblich mehr als ein typisches A2-Bike
Der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierzylinder mit 948 Kubikzentimetern leistet in der 70-kW-Homologation 95 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 93 Newtonmetern – etwas weniger und bei einer niedrigeren Drehzahl anliegend als bei der Vollversion mit 97,4 Nm, was dem Charakter dieser Variante entgegenkommt: Der Motor zieht elastisch und gutmütig an, ohne nervös zu wirken. Elektronische Drosselklappen sorgen für eine präzise, lineare Gasannahme, die gerade für weniger erfahrene Fahrer angenehm unkritisch ist. Die Assist- und Rutschkupplung erleichtert das Herunterschalten und verhindert Rückkopplungsschübe, die Anfänger auf holprigen Bergabpassagen überraschen könnten.
Der entscheidende Charakter-Unterschied zur Vollversion liegt nicht nur in den fehlenden 29 PS, sondern auch in der Art, wie der Motor auf Gasstöße reagiert: Die 70-kW-Abstimmung ist spürbar sanftmütiger, verzeiht Fehler beim Gasgeben freundlicher und baut die Leistung gleichmäßiger auf. Für den täglichen Einsatz auf Landstraßen und in der Stadt ist das kein Nachteil – viele erfahrene Fahrer, die die 70-kW-Variante für ihre Anfängerjahre gewählt haben, berichten, dass das Motorrad auch offen gefahren angenehm souverän wirkt. Selbst mit 95 PS zieht die Kawa stramm an der Kette.
Elektronik: Sechsachsen-IMU, Kurven-ABS, Tempomat, 5-Zoll-TFT – fast vollständig identisch mit der Vollversion, ein Unterschied
Das Elektronikpaket der Z 900 70 kW ist in allen wesentlichen Punkten identisch mit dem der Vollversion: Die ab Modelljahr 2025 neu eingeführte Sechsachsen-IMU ist auch hier verbaut und liefert die Datenbasis für schräglagenabhängiges Kurven-ABS (KIBS), schräglagenabhängige Traktionskontrolle (KTRC) und die Kawasaki Cornering Management Function (KCMF). Der Tempomat ist serienmäßig, die vier Fahrmodi – Road, Sport, Rain und der frei konfigurierbare Rider-Modus – stehen alle zur Verfügung. Das fünf Zoll große TFT-Farbdisplay mit Kawasaki Rideology App, Sprachsteuerung und Turn-by-Turn-Navigation ist ebenfalls identisch.
Der einzige Ausstattungsunterschied gegenüber der Vollversion ist der bidirektionale Quickshifter: Er ist bei der Z 900 70 kW nicht serienmäßig, sondern kann als Original-Zubehör für 475 Euro nachgerüstet werden. Wichtig dabei: Die Aktivierung erfordert ein KVCI-Diagnosewerkzeug beim Kawasaki-Händler – die Hardware ist im Steuergerät angelegt, muss aber freigeschaltet werden. Das ist kein großes Hindernis, kostet aber einen Händlerbesuch zusätzlich zum Kaufpreis des Zubehörpakets.
Fahrwerk & Ergonomie: Vollständig identisch mit der Vollversion – dasselbe Motorrad, dasselbe Fahrverhalten
Rahmen, Fahrwerk, Bremsen, Geometrie und Ergonomie sind bei der 70-kW-Variante in jeder Hinsicht identisch mit der Vollversion. Der Stahlgitterrohrrahmen, die USD-Gabel mit 41 Millimetern Durchmesser und einstellbarer Zugstufendämpfung sowie Federvorspannung, das Zentralfederbein mit ebenfalls einstellbarer Vorspannung, die radial montierten Vierkolben-Bremssättel mit je 300-Millimeter-Scheiben – all das ist identisch. Der Radstand beträgt 1.450 Millimeter, die Sitzhöhe 830 Millimeter, optional mit Niedrigsitzbank auf 810 Millimeter reduzierbar. Das Gewicht liegt bei 213 Kilogramm vollgetankt.
Wer die Z 900 70 kW fährt, fährt in jeder Kurve, bei jedem Bremsmanöver und auf jedem holprigen Abschnitt dieselbe Maschine wie ein Fahrer der Vollversion. Das ist kein Selbstverständlichkeit im A2-Segment: Viele A2-Bikes sind von Grund auf als kleinere, leichtere Plattformen konzipiert, auf die dann die Homologation aufgesetzt wird. Die Z 900 70 kW funktioniert anders herum: Hier wurde eine vollwertige 948er-Plattform mit einer eigenen Motorabstimmung versehen. Das Fahrverhalten, die Lenkpräzision, das Bremsgefühl – es ist das gleiche wie bei der größeren Schwester.
Das A2-Konzept: 70 kW offen, 35 kW gedrosselt – und warum das 70-kW-Modell der richtige Einstieg ist
Die EU-Führerscheinrichtlinie erlaubt für den A2-Schein Motorräder mit maximal 70 Kilowatt, die auf 35 Kilowatt gedrosselt werden – wobei die gedrosselte Version maximal halb so viel leisten darf wie das offene Modell. Mit 70 Kilowatt Nennleistung erfüllt die Z 900 exakt diese Bedingung: Gedrosselt auf 35 Kilowatt darf sie mit dem A2-Führerschein gefahren werden. Die Drosselung auf 35 kW ist beim Kawasaki-Händler gegen Aufpreis möglich; in der Schweiz wurden dafür rund 150 Franken als Anhaltspunkt genannt, der deutsche Preis variiert je nach Händler.
Die Logik des Konzepts liegt auf der Hand: Wer heute mit 20 Jahren den A2-Führerschein macht, kauft die 70-kW-Variante gedrosselt, fährt zwei Jahre legal damit, und lässt nach dem Aufstieg auf den A-Führerschein die Drosselung beim Händler entfernen. Er sitzt dann auf einer vollwertigen Z 900 mit 70 kW – nicht auf der Vollversion mit 91 kW, aber auf einem echten, vollwertigen Motorrad. Was dabei oft übersehen wird: Die 70-kW-Motorabstimmung ist eine eigenständige Homologation – sie lässt sich nicht durch Softwaretuning einfach auf 124 PS hochschrauben. Wer die volle Leistung der Z 900 möchte, muss die Vollversion kaufen.
Kosten: 300 Euro günstiger als die Vollversion – und mit Starter-Bonus noch attraktiver
Die Z 900 70 kW kostet 9.870 Euro inklusive Überführungskosten. Die Vollversion liegt bei 9.695 Euro ab Werk und 10.170 Euro mit Überführung – der Preisunterschied beträgt damit genau 300 Euro ab Werk. Das ist keine dramatische Differenz, und angesichts des fehlenden Quickshifters ist der „Mehrwert“ der 70-kW-Variante gegenüber der Vollversion in erster Linie die A2-Berechtigung. Wer den A-Führerschein bereits besitzt, greift besser zur Vollversion.
Für A2-Einsteiger ist das Rechenbild dagegen attraktiv: Der Kawasaki Starter-Bonus gewährt Führerschein-Neulingen, die ihren Schein in den vergangenen zwölf Monaten erworben haben, einen Preisnachlass von einem Euro pro Kubikzentimeter Hubraum – beim 948er-Vierzylinder also bis zu 800 Euro. Mit dem Starter-Bonus liegt der Einstiegspreis bereits unter neun Tausend Euro ab Werk, was die Z 900 70 kW zu einem der günstigsten Wege macht, eine vollwertige Vierzylinder-Plattform dieser Größenordnung mit aktuellem Elektronikpaket zu erwerben. Hinzu kommt die Option, den Quickshifter für 475 Euro nachzurüsten; die Drosselkit-Kosten sind davon gesondert zu erfragen. Wartungsintervalle und Garantie sind identisch mit der Vollversion: Serviceintervalle alle 12.000 Kilometer, vier Jahre Werksgarantie.
Fazit
Die Z 900 70 kW ist für A2-Führerscheininhaber das ehrlichste Angebot im Kawasaki-Portfolio: dieselbe Plattform wie die große Schwester, dieselbe Elektronik, dasselbe Fahrwerk – nur mit einer gutmütigeren Motorabstimmung und ohne serienmäßigen Quickshifter. Wer damit einsteigt, lernt auf einem echten Motorrad und fährt später – wenn der A-Führerschein kommt und die Drosselung fällt – auf einer vollwertigen Z 900 weiter. Wer bereits den A-Führerschein hat, nimmt die Vollversion für 300 Euro mehr.
Kurzcheck
+ Eigenständige 70-kW-Homologation: A2-tauglich, drosselbar auf 35 kW für A2-Führerschein
+ Nach Erwerb des A-Führerscheins bleibt die Maschine fahrbar – Drosselung beim Händler entfernbar, keine neue Maschine nötig
+ Vollständig identische Plattform mit der Vollversion: Rahmen, Fahrwerk, Bremsen, Geometrie, Gewicht und Ergonomie
+ Sechsachsen-IMU serienmäßig: schräglagenabhängiges Kurven-ABS (KIBS), Kurven-Traktionskontrolle (KTRC), Kawasaki Cornering Management Function
+ Tempomat serienmäßig; 4 Fahrmodi (Road, Sport, Rain, Rider); elektronische Drosselklappen
+ 5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit Rideology App, Sprachsteuerung, Turn-by-Turn-Navigation – identisch mit Vollversion
+ Gutmütige, lineare Motorabstimmung: verzeiht Anfängerfehler beim Gasgeben freundlicher als die Vollversion
+ 95 PS und 91,2 Nm: deutlich mehr als typische A2-Bikes im Einstiegsbereich
+ 94 dB(A) Standgeräusch – Tirol-konform
+ 300 Euro günstiger als die Vollversion; mit Kawasaki Starter-Bonus (bis 800 Euro) für Führerscheinneulinge besonders attraktiv
+ Quickshifter nachrüstbar als Original-Zubehör (475 Euro; Aktivierung beim Händler erforderlich)
+ 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie; 12.000-km-Serviceintervalle
+ Gleiche Farben wie die Vollversion: Ebony/Metallic Carbon Gray, Candy Lime Green/Metallic Carbon Gray, Metallic Matte Graphenesteel Gray/Metallic Spark Black
– Kein serienmäßiger Quickshifter: einziger substanzieller Ausstattungsunterschied zur Vollversion; Nachrüstung kostet 475 Euro plus Händlereinbau
– Eigenständige Motorabstimmung: durch Softwaretuning nicht auf 124 PS der Vollversion bringbar – wer die volle Leistung möchte, muss die Vollversion kaufen
– Nur 300 Euro günstiger als die Vollversion: wer den A-Führerschein bereits besitzt, sollte zur Vollversion greifen
– Drosselung auf 35 kW ist kostenpflichtig beim Händler: zusätzliche Kosten über den Kaufpreis hinaus
– Kein USB-C serienmäßig: optional wie bei der Vollversion
– Rideology-App-Funktionen teilweise abonnementpflichtig
Technische Daten: Kawasaki Z 900 70 kW (2026)
Fertigungsland: Japan (Kawasaki)
Motor: Reihenvierzylinder, 948 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC; elektronische Drosselklappen (ETV); Assist-/Rutschkupplung; 6-Gang; eigenständige 70-kW-Motorabstimmung (nicht identisch mit Vollversion)
Leistung: 70 kW / 95 PS bei 7.200/min – eigene Homologation; Vollversion: 91 kW / 124 PS
Drehmoment: 93 Nm bei 7.200/min
A2-Drossel: Drosselbar auf 35 kW / 48 PS für A2-Führerschein; Drosselkit beim Kawasaki-Händler; nach A-Führerschein-Erwerb rückgängig machbar
Fahrmodi / Elektronik: Road, Sport, Rain, Rider (individuell); 6-Achsen-IMU; KIBS (Kurven-ABS schräglagenabhängig); KTRC (Kurven-TCS); KCMF; Tempomat; Rideology App – identisch mit Vollversion
Quickshifter: Nicht serienmäßig; als Original-Zubehör für 475 Euro nachrüstbar, Aktivierung beim Händler mit KVCI-Werkzeug erforderlich
Rahmen: Hochfester Stahl-Gitterrohrrahmen; Aluminiumschwinge – identisch mit Vollversion
Gabel: USD 41 mm; Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar; Federweg 120 mm – identisch mit Vollversion
Federbein: Zentralfederbein; Federvorspannung einstellbar; Federweg 140 mm – identisch mit Vollversion
Bremse vorn: Radial montierte Vierkolben-Bremssättel; 2× 300-mm-Scheiben; KIBS Kurven-ABS – identisch mit Vollversion
Bremse hinten: Einkolben-Sattel; 250-mm-Scheibe; ABS
Räder: Alugussräder; 17 Zoll vorne und hinten
Reifen: 120/70-17 vorne; 180/55-17 hinten; Dunlop Sportmax Q5A
Display: 5-Zoll-TFT-Farbdisplay; Kawasaki Rideology App; Turn-by-Turn-Navigation; Sprachsteuerung – identisch mit Vollversion
Gewicht: 213 kg vollgetankt – identisch mit Vollversion
Sitzhöhe: 830 mm (optional 810 mm)
Radstand: 1.450 mm
Tank: 17 Liter; ca. 298 km Reichweite (Werksverbrauch 5,7 l/100 km)
Standgeräusch: 94 dB(A) – Tirol-konform
Führerschein: A2 (offen mit 70 kW); drosselbar auf 35 kW für A2-Betrieb; nach Erwerb A-Führerschein offen fahrbar
Farben (2026): Ebony/Metallic Carbon Gray; Candy Lime Green/Metallic Carbon Gray; Metallic Matte Graphenesteel Gray/Metallic Spark Black
Preis (D): 9.870 Euro inkl. Überführung; Kawasaki Starter-Bonus: bis 800 Euro für Führerscheinneulinge (Schein ≤12 Monate)
Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie
Service: Alle 12.000 km; Ventilspielkontrolle alle 36.000 km