Test Kawasaki ZX-4RR (2026)
399 cm³, 77 PS bei 14.500/min, Begrenzer bei 16.000 – der einzige Supersport-Reihenvierzylinder in 400er-Format für 10.170 Euro
Stand: 10.4.2026 | Modell: Kawasaki Ninja ZX-4RR (2026) | Preis: 10.170 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | A2: drosselbar auf 35 kW / 48 PS | MY2026: technisch unverändert, neue Farben | Starter-Bonus 400 Euro möglich
Einordnung: Ein Reihenvierzylinder unter 400 cm³ – und warum das eine eigene Kategorie ist
Die Kawasaki Ninja ZX-4RR hat keine direkte Konkurrenz. Es gibt 400er mit Zwei- und Dreizylindern, es gibt Supersportler mit 600 und 1.000 cm³ Vierzylindern. Eine vollwertige Supersport-Maschine mit 399 cm³ Reihenvierzylinder, radial montierten Monoblock-Bremssätteln, Showa-BFRC-lite-Federbein, bidirektionalem Quickshifter, 4 Fahrmodi und einem Drehzahlbegrenzer bei 16.000/min gibt es sonst nicht. Das ist die Marktposition der ZX-4RR: nicht gegen die 600er konkurrieren, sondern eine eigene Klasse definieren. Mutig, sie nach Deutschland zu importieren – einen Markt, der mit kleinen Hubräumen wenig anfangen kann. Aber das Motorrad überzeugt.
Der Rahmen ist ein Stahl-Gitterrohr – kein Aluminium, was aus Kostengründen nachvollziehbar ist. Die Geometrie ist direkt von der ZX-10R abgeleitet: Schwingendrehpunkt, Motorschraubpunkte und Lenkkopfwinkel. Das Fahrwerk ist kein Sparkonzept, sondern ein für die Klasse überraschend ernsthaftes Paket. Es sind nicht die Fahrwerkskomponenten, die dem supersportlichen Treiben Grenzen setzen, sondern die serienmäßigen Reifen.
Motor: 57 mm Bohrung, 39,1 mm Hub, 77 PS bei 14.500/min – wie ein Hochdrehzahlmotor funktioniert und warum er so klingt
57 Millimeter Bohrung, 39,1 Millimeter Hub. Das ist extrem kurzhubig. Das Quadratverhältnis ist auf Drehzahl optimiert: Ein langer Hub ermöglicht hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen, ein kurzer Hub – wie hier – ermöglicht hohe Kolbengeschwindigkeiten und damit hohe Drehzahlen. Das Ergebnis: 77 PS bei 14.500 Umdrehungen, Begrenzer bei 16.000, rote Linie jenseits 15.000. Mit Ram-Air-Unterstützung steigt die Leistung auf bis zu 80 PS. Der Doppeleinlass kombiniert einen zentralen Ram-Air-Kanal mit einem seitlichen Kanal – konzeptionell inspiriert von der Ninja H2 – um Luftstrom und Klang zu optimieren.
Unterhalb 4.000 U/min tut sich wenig. Im vierstelligen Drehzahlbereich produziert der Motor akzeptable Leistung um im Verkehr mitzuschwimmen. Wenn der Drehzahlmesser die 10.000er-Marke passiert und das Gas stehen bleibt, erwacht der Vierzylinder richtig zum Leben. Gut, dass der bidirektionale Quickshifter am knackig-präzisen Sechsganggetriebe eine makellose Performance zeigt. Der Auspuff wurde von der ZX-6R abgeleitet. Der Sound bei über 15.000/min ist das elektrisierende Alleinstellungsmerkmal dieser Klasse: kein anderes 400er-Serienmotorrad klingt so.
Fahrwerk: 37-mm-Showa-SFF-BP-Gabel, BFRC-lite voll einstellbar wie ZX-10R – ein Präzisionsinstrument
Die Vordergabel ist eine 37-Millimeter-Showa-SFF-BP (Separate Function Fork – Big Piston) in Upside-Down-Bauweise, einstellbar ist nur die Federvorspannung. Das Federbein hinten ist ein Showa BFRC lite in horizontal-liegender Back-Link-Anordnung, voll einstellbar in Druckstufe, Zugstufe und Federvorspannung – dasselbe Federbein, das in der ZX-10R verwendet wird. Schon leichte Anpassungen am Federbein entfalten eine klar spürbare Wirkung. Das ist kein Massenmarkt-Fahrwerk für eine 400er, sondern eine ernsthafte Lösung.
Einlenken geht praktisch wie von selbst, die ZX-4RR trifft die anvisierte Linie jeweils unverschämt genau: ein Präzisionsinstrument, das anderen, aber ähnlich viel Fahrspaß bereitet wie deutlich leistungsstärkere Maschinen. Bei der ZX-4RR geht es um das Fahren an sich geht – die richtige Linie, die richtige Geschwindigkeit. Assist- und Rutschkupplung sind serienmäßig: abruptes Herunterschalten in engen Kurven gelingt, ohne dass der Hinterrad springt. Beide Handhebel einstellbar in Serie: in der Klasse keine Selbstverständlichkeit.
Elektronik: 4 Fahrmodi, Track-Display mit Laptimer, bidirektionaler KQS – vollständig für eine 400er
Das Elektronikpaket der ZX-4RR setzt für ein 400er-Motorrad einen ungewöhnlich hohen Maßstab. Vier Fahrmodi (Rain, Road, Sport, Rider) mit integrierter Traktionskontrolle und Leistungsmodus-Verknüpfung. Im Rider-Modus lässt sich die Schlupfregelung auch vollständig abschalten. Das 4,3-Zoll-TFT-Display bietet zwei Anzeigemodi: den normalen Straßenmodus und einen Track-Modus, der den Laptimer aktiviert, die Drehzahl und Gangposition groß darstellt und auf die Rennstrecken-Nutzung optimiert ist – ein Detail, das andere 400er nicht anbieten. Den Sport-Modus funktioniert auch auf der Landstraße pima.
Der bidirektionale Quickshifter (KQS) ist serienmäßig und liefert eine makellose Vorstellung. Smartphone-Konnektivität via Rideology App. Vollständige LED-Beleuchtung inklusive Kurvenlicht-Scheinwerfer. Das Display ist übersichtlich und gut ablesbar, die Tasten am linken Lenkerende sind intuitiv.
Ergonomie: Sportlich, aber nicht kompromisslos – Stadtbetrieb möglich, Langbeinige aufpassen
Die Sitzposition der ZX-4RR ist sportlich – mit Stummellenker und zurückgesetzten Fußrasten – aber nicht so radikal wie bei einem Superbike. Die Sitzposition ist sportlich, aber nicht kompromisslos. Ein Trip durch städtisches Verkehrsgewusel ist definitiv aushaltbar. Hinweis für große Fahrer: Bei voll eingeschlagenem Lenker kann es im Bereich der Knie eng werden.
Das Motorrad ist im internationalen Markt als eigenständiges 400er-Supersportkonzept gedacht. In Deutschland ist es mit der A2-Drosselung auf 35 kW / 48 PS auch für Führerscheinklasse-A2-Inhaber zugänglich und rückrüstbar auf die volle Leistung. Das Gewicht von 189 Kilogramm fahrbereit ist für einen Supersportler dieser Kategorie leicht; der 15-Liter-Tank erlaubt realistische Reichweiten. Die Vollverkleidung mit ihrem ZX-10R-ähnlichen Design ist optisch klar in der Z-Supersport-Linie positioniert, erinnerte an die ZXR 400 und ZXR 750 der 1990er-Jahre.
Kosten: 10.170 Euro inkl. Überführung – für dieses Paket ein fairer Preis ohne direkten Vergleichspunkt
Die ZX-4RR kostet 10.170 Euro inklusive Überführungskosten. Im 400er-Kontext teuer, im Supersport-Kontext günstig. Die nächstgrößere Kawasaki-Supersportler, die ZX-6R, kostet 13.170 Euro – 3.000 Euro mehr für 126 PS statt 77 PS. Das ist kein fairer Vergleich, weil die ZX-6R einen anderen Charakter und eine andere Fahrdynamik hat.
Der Preis liegt für das technisch und fahrdynamisch Gebotene absolut im grünen Bereich. Für Fahrer, die Hochdrehzahlen dieses Motors lieben, ist die ZX-4RR das einzige verfügbare Werkzeug. Starter-Bonus 400 Euro möglich (Führerschein max. 12 Monate alt). A2-Drosselung auf 48 PS gegen Aufpreis beim Händler, rückrüstbar. 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung.
Fazit
Die Ninja ZX-4RR ist das einzige Motorrad, das einen Reihenvierzylinder in 400er-Format auf echtem Supersport-Niveau liefert. Wer schon einmal diesen Motor über 10.000/min erlebt hat, versteht das Alleinstellungsmerkmal: Es gibt keinen vergleichbaren Sound, kein vergleichbares Drehzahlgefühl, kein vergleichbares Instrument für fahrdynamisches Lernen bei überschaubarem Risiko und für vernünftiges Geld. MY2026 bringt neue Farben. Der Rest ist bereits sehr gut.
Kurzcheck
+ 399-cm³-Reihenvierzylinder mit Begrenzer bei 16.000/min: kein anderes in Deutschland verfügbares 400er-Serienmotorrad bietet diese Konfiguration
+ 77 PS bei 14.500 U/min, Ram-Air bis 80 PS: für 399 cm³ eine PS/Liter-Ausbeute ohne Vergleich in der Klasse
+ Bohrung 57 mm / Hub 39,1 mm: extremes Kurzhub-Layout für Hochdrehzahl-Performance; Auspuff von ZX-6R abgeleitet
+ Showa BFRC lite Federbein voll einstellbar (Druck, Zug, Vorspannung): dasselbe Federbein wie in der ZX-10R verbaut
+ Geometrie direkt von ZX-10R abgeleitet (Schwingendrehpunkt, Motorschraubpunkte, Lenkkopfwinkel)
+ Doppelter Lufteinlass (zentral + seitlich): Ram-Air-System nach H2-Prinzip für Leistungssteigerung und charakteristischen Sound
+ 290-mm-Doppelscheiben vorne mit radial montierten Monoblock-Bremssätteln: Supersport-Bremsniveau
+ Bidirektionaler KQS serienmäßig
+ 4 Fahrmodi (Rain/Road/Sport/Rider) + abschaltbare TC serienmäßig
+ Track-Display-Modus: Laptimer, große Drehzahlanzeige, Gangposition im Renneinsatz-Layout – bei einem 400er einzigartig
+ Assist-/Rutschkupplung serienmäßig; beide Handhebel einstellbar (in Klasse nicht selbstverständlich)
+ 189 kg fahrfertig: leicht für einen Supersportler mit dieser Ausstattung
+ 228 km/h Vmax (Zulassungsschein); Sitzposition sportlich aber alltagstauglich
+ A2-drosselbar auf 35 kW / 48 PS; rückrüstbar; Starter-Bonus 400 Euro möglich
+ 10.170 Euro inkl. Überführung: fast ein Schnäppchen“
+ 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung
– Leistungsband: unterhalb 4.000/min wenig Schub; echtes Erwachen erst ab 10.000/min – viel Schaltarbeit auf kurvigen Strecken
– Rahmen aus Stahl (kein Aluminium): Gewichts- und Kostenkompromiss; führbar aber kein Premium-Material
– Gabel nur in Federvorspannung einstellbar (Druckstufe und Zugstufe nicht): Einschränkung für ambitionierten Rennstreckeneinsatz
– Serienmäßige Reifen (Dunlop GPR300) als limitierender Faktor auf der Rennstrecke. Supercorsa SP oder Slick für ernsthaften Track-Einsatz
– Schräglagenfreiheit: Fußraste kratzt bei engagierter Rennstreckennutzung
– Kein nennenswerter Windschutz bei Vollgas: aerodynamische Verkleidungselemente vorhanden, aber Hochgeschwindigkeits-Komfort begrenzt
– Für große Fahrer: bei voll eingeschlagenem Lenker kann es bei den Knien eng werden
– MY2026 technisch unverändert: wer auf ein Update wartet, findet hier keines
– Keine direkte Konkurrenz im Segment (außer der Bimota KB399 mit dem gleichen Motor/Rahmen)
Technische Daten: Kawasaki Ninja ZX-4RR (2026)
Modellreihe: Mk1 (2024 – heute); MY2026: neue Farben, technisch unverändert
Motor: Reihenvierzylinder, 399 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC; Bohrung 57 mm / Hub 39,1 mm; Einspritzung; Assist-/Rutschkupplung; 6-Gang; Doppeleinlass Ram-Air (zentral + seitlich, H2-Prinzip)
Leistung: 77 PS (57 kW) bei 14.500/min; bis 80 PS mit Ram-Air
Begrenzer: 16.000/min, rote Linie >15.000/min
Elektronik: KTRC Traktionskontrolle (abschaltbar); 4 Fahrmodi (Rain/Road/Sport/Rider); KQS bidirektionaler Quickshifter serienmäßig; Rideology App; Bluetooth
Display: 4,3-Zoll-TFT; Straßen- und Track-Modus (Laptimer, große Drehzahl-/Ganganzeige)
Rahmen: Stahl-Gitterrohr; Geometrie abgeleitet von ZX-10R (Schwingendrehpunkt, Motorschraubpunkte, Lenkkopfwinkel)
Gabel: 37-mm-Showa SFF-BP USD; nur Federvorspannung einstellbar
Federbein: Showa BFRC lite; horizontal/Back-Link; voll einstellbar (Druckstufe, Zugstufe, Vorspannung); identisch ZX-10R
Bremse vorn: Doppelscheiben 290 mm; radial montierte Monoblock-Bremssättel; ABS
Bremse hinten: Einzelscheibe 220 mm; ABS
Räder: 17 Zoll vorne und hinten
Reifen: Dunlop GPR300; 120/70 ZR17 vorne; 160/60 ZR17 hinten
Gewicht: 189 kg vollgetankt
Tank: 15 Liter
Führerschein: A; A2-drosselbar auf 35 kW / 48 PS (rückrüstbar)
Auspuff: Abgeleitet von ZX-6R; Akrapovic-Endtopf (homologiert) als Originalzubehör
Farben (2026): Lime Green (GN1); Metallic Matte Graphenesteel Gray / Metallic Spark Black (GY2)
Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung
Preis (D): 10.170 Euro inkl. Überführung, Starter-Bonus 400 Euro möglich