Test KTM 890 Adventure (2024)

Die Basis für alle anderen – 105 PS, 200 mm Federweg, 840 mm Sitzhöhe, Straße und Schotter

Die 890 Adventure (ohne R) ist das, was die meisten Fahrer wirklich brauchen: 105 PS, 100 Nm, 200 mm Federweg, WP APEX einstellbar, 840/860 mm Sitzhöhe, Pirelli Scorpion STR, 21/18-Zoll-Speichenräder schlauchlos, 20-Liter-Tank, Demo-Modus, TFT mit KTM Connect. Mehr Windschutz, niedrigere Sitzhöhe und Straßenbereifung statt Stollenreifen – das ist das Konzept der Basis gegenüber der R. In Deutschland zuletzt als MY2024 erhältlich; ab MY2025/2026 in Deutschland nicht mehr im Programm.

Hinweis: Dieser Test bezieht sich auf die KTM 890 Adventure (Basismodell, ohne R-Suffix), Modelljahr 2024. Das Modell ist das letzte in Deutschland angebotene Baujahr; ab MY2025/2026 führt KTM in Deutschland nur noch die 890 Adventure R und R Rally.

 

Basis vs. R: 200 statt 240 mm Federweg, 840 statt 880 mm Sitzhöhe, Straßenbereifung statt Enduro-Profil

Wer eine KTM 890 Adventure kauft oder kaufen wollte, stand immer vor derselben Frage: Basis oder R? Der Motor ist identisch. Der Rahmen ist identisch. Die Elektronik ist weitgehend identisch. Was sich unterscheidet, ist das Konzept. Die Basis hat 200 mm Federweg – 40 mm weniger als die R. Sie hat eine niedrigere Sitzhöhe (840 mm in der niedrigen Einstellung, 860 mm hoch), einen verstellbaren Windschild mit besserem Windschutz und kommt ab Werk mit Pirelli Scorpion STR – einem echten Touring-Reifen für Asphalt und gelegentlichen Schotter. Die R hingegen rollt auf Mitas Enduro Trail für ernsthafteres Gelände, hat 880 mm Sitzhöhe und wurde für Offroad-Einsatz abgestimmt.

Was das für den Alltag bedeutet: Die Basis ist das zugänglichere Motorrad. Wer unter 1,80 m groß ist und nicht primär Gelände fährt, ist mit der Basis besser bedient. Der 840-mm-Stand ermöglicht an der Ampel sicheres Aufsetzen; die 880 mm der R verlangen bei kürzerer Körpergröße Zehenstand. Dazu: Das verstellbare Windschild der Basis schützt auf Autobahn-Etappen merklich besser als der niedrig-fixierte Gelände-Schild der R.

Motor: Identisch mit der R – 105 PS, 100 Nm, breiter Nutzungsbereich, kaum Vibrationen

Der LC8c-Parallelzwilling mit 889 cm³ Hubraum leistet 105 PS bei 100 Nm – derselbe Motor wie in der 890 Adventure R. Er geht in allen drei Fahrmodi (Rain, Street, Offroad) prima ans Gas und bietet einen breiten Nutzungsbereich von etwa 2.500 bis fast 9.000/min. Sein druckvoller Charakter, feines Ansprechverhalten und hohe Laufruhe bescheren dem Aggregat aus Mattighofen viele Fans. Zwei Ausgleichswellen halten die primären Massenkräfte in Grenzen. Der Twin klingt markant, aber kultiviert.

Ride-by-Wire, Euro 5, 6-Gang, Antihopping-Kupplung, Kettenantrieb. Der Demo-Modus ist an Bord: Auf den ersten 1.500 Kilometern sind alle optionalen Softwarepakete freigeschaltet – Rally-Modus, Quickshifter+, Tempomat, Motorschleppmomentregelung. Danach entscheidet man, was man kostenpflichtig behält. Der Verbrauch liegt laut KTM bei 4,5 l/100 km, bei 20-Liter-Tank ergibt das eine rechnerische Reichweite von rund 400 Kilometern. Serviceintervall: 15.000 km.

Fahrwerk: WP APEX 43 mm, 200 mm Federweg, ab MY2023 einstellbar – komfortabler als die R, aber kein Offroad-Spezialgerät

Ab dem Modelljahrgang 2023 wurde das Fahrwerk der Basis überarbeitet und einstellbar gemacht: Die 43-mm-WP-Apex-Upside-down-Gabel lässt sich über die Gabelköpfe in Zug- und Druckstufe einstellen, das Federbein hinten kommt mit einstellbarer Zugstufe und Federvorspannung. Beides ist weniger umfangreich einstellbar als bei der 890 Adventure R, reicht aber für sinnvolle Fahrergewichts-Anpassung. Der Federweg von 200 mm ist für eine Reiseenduro solide. Wer ernsthaft Gelände fährt, wird die Grenzen eher spüren als bei der R – wer Schotter, Feldwege und schnelle Passstraßen fährt, findet das Fahrwerk überzeugend.

Die Bremsen sind über alle 890er-Varianten identisch: 2× 320-mm-Scheiben vorne mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln, 260-mm-Scheibe hinten mit Zweikolben-Sattel. Kurven-ABS serienmäßig. Das Offroad-ABS schaltet automatisch ein bei Offroad- oder Rally-Modus. Die 21/18-Zoll-Speichenräder sind schlauchlos – Reparaturen unterwegs mit Standard-Flickzeug möglich. Ab Werk Pirelli Scorpion STR: ein Touring-Dual-Sport-Reifen mit Schwerpunkt Asphalt. Wer mehr Schotter fahren will, kann auf Mitas Enduro Trail oder Metzeler Karoo 4 umrüsten.

Ergonomie: 840/860 mm, verstellbarer Windschild, zweiteilige Sitzbank – für Zweipersonen-Betrieb besser geeignet als die R

Die Sitzhöhe beträgt 840 mm (niedrig) oder 860 mm (hoch) – die Basis sitzt damit 40 mm niedriger als die R. Das macht einen spürbaren Unterschied im Alltag. Optional ist ein Tieferlegungssatz über KTM PowerParts erhältlich, der die Sitzhöhe auf 800 mm absenkt – für sehr kleine Fahrer eine sinnvolle Option. Das Windschild ist an der Basis größer und verstellbar. Folge: kaum Verwirbelungen am Helm bei Autobahnfahrt. Bei der R ist der Schild fest und niedrig – Gelände-Logik.

Die zweiteilige Sitzbank ist auf Langstreckenkomfort ausgelegt und für Sozius-Betrieb besser geeignet als die einteilige Rally-Sitzbank der R. Das 5,5-Zoll-TFT-Display (MY2023: aufgerüstet mit Mineralglas, Anti-Blend-Beschichtung) zeigt alle Fahrdaten klar an und unterstützt KTM Connect mit Navigation, Musiksteuerung und Telefon über Bluetooth. Zwei geschmiedete Aluminiumhalterungen an der Front sorgen für Steifigkeit auch mit großem GPS-Gerät oder Navigationszubehör montiert. Gewicht: 215 kg vollgetankt. 6D-Sensor steuert Kurven-ABS, MTC, Wheelie-Control.

Handhabung: Sportlich, zugänglich, vielseitig – das Motorrad für alle, die nicht zwischen Straße und Schotter wählen wollen

Die 890 Adventure (Basis) ist das, wofür der Name steht: ein Motorrad für Adventure-orientierte Vielfahrer, die primär auf Asphalt unterwegs sind und gelegentlich auf Schotter abbiegen wollen. Der 105-PS-Twin macht Spaß – bei niedrigen Drehzahlen gutmütig, bei höheren Touren lebhaft. Die Traktionskontrolle ist feiner abgestimmt als in älteren Modellen: Im Offroad-Modus lässt sie mehr Schlupf zu, als man es erwartet. Die 890er schafft den Spagat vom Endurowandern bis zum härteren Einsatz. Schotter, Feldwege und mittelhartes Gelände meistert sie trotz Straßenbereifung souverän.

Direkter Vergleich innerhalb der 890er-Familie: Wer unter 1,80 m groß ist, Straße und Schotter-Mischung fährt, gelegentlich einen Sozius mitnimmt und auf Autobahn-Windschutz Wert legt – Basis. Wer öfter im Gelände ist, ständig fährt, die höhere Sitzhöhe toleriert und maximalen Federweg will – R. Außerhalb der Familie: Honda XL 750 Transalp E-Clutch (91,8 PS, weniger Offroad-Fokus); Yamaha Ténéré 700 (leichter, weniger Leistung, günstiger); BMW F 900 GS (mehr Touring-Komfort, teurer).

Warum es die Basis-890 ab MY2025/26 in Deutschland nicht mehr gibt

KTM hat die 890 Adventure (Basis) für MY2025/2026 in Deutschland aus dem Programm genommen. Offiziell genannt wurde kein Grund. Wir nehmen an, dass der Abstand zur 790 Adventure (die seit MY2023 bei CFMOTO in China gefertigt wird und günstiger ist) als zu gering erachtet wurde. Die 790 Adventure übernimmt das Preissegment, in dem die Basis-890 war, die 890 Adventure R deckt das höhere Segment ab. Das Resultat ist eine erkennbare Lücke: Es gibt kein 890er-Modell mehr mit niedrigerer Sitzhöhe, Straßenbereifung und verstellbarem Windschild. Wer das suchte, wird auf Gebrauchtmärkte verwiesen – MY2021–2024 sind dort gut verfügbar.

Kosten: Ab ca. 14.449 Euro (MY2023) – MY2024 ähnlich; Gebrauchtwert stabil

Die 890 Adventure (Basis) kostete bei Einführung MY2023 ab 14.449 Euro in Deutschland, MY2024 lag sie im ähnlichen Rahmen. Das war rund 1.000 Euro weniger als die R zur gleichen Zeit. Auf dem Gebrauchtmarkt liegen MY2023/24-Modelle aktuell bei ca. 10.000–12.500 Euro je nach Zustand und Ausstattung. Die langen Serviceintervalle (15.000 km) und der ausgereiftere Motor (verglichen mit früheren LC8c-Generationen) stützen den Restwert. KTM gewährte 2 Jahre Garantie (ohne Kilometerbeschränkung), die 4-Jahres-Premium-Garantie gilt erst ab MY2025.

Fazit

Die KTM 890 Adventure (Basis) war das richtige Motorrad für alle, die 105 PS und den LC8c-Charakter wollten – aber 840 statt 880 mm Sitzhöhe, einen ordentlichen Windschild und Touring-Bereifung als sinnvollere Alltagskombination betrachteten als Stollenreifen und maximalen Federweg. KTM hat sie aus Deutschland abgezogen. Die 790 Adventure füllt die Preislücke.

 

Kurzcheck

 

+ 105 PS und 100 Nm – identisch mit der R; breiter Nutzungsbereich, kaum Vibrationen

+ 840/860 mm Sitzhöhe – 40 mm niedriger als R; Tieferlegungssatz auf 800 mm über PowerParts möglich

+ Verstellbarer Windschild: deutlich besserer Windschutz als bei der R; ADAC bestätigt keine Verwirbelungen am Helm

+ WP APEX 43-mm-USD-Gabel: ab MY2023 einstellbar in Zug- und Druckstufe; Federbein: Vorspannung und Zugstufe

+ 200 mm Federweg: für Straße, Schotter und leichtes Gelände ausreichend

+ Pirelli Scorpion STR serienmäßig: Touring-Dual-Sport-Reifen; besser auf Asphalt als Mitas Enduro Trail der R

+ 21/18-Zoll-Speichenräder schlauchlos: Reparaturen unterwegs möglich

+ 2× 320-mm-Bremsen vorne mit Vierkolben radial; Kurven-ABS; Offroad-ABS automatisch

+ Zweiteilige Sitzbank: Sozius-Komfort besser als bei R

+ 5,5-Zoll-TFT mit Mineralglas (MY2023); KTM Connect; Navigation, Musik, Telefon

+ Demo-Modus: erste 1.500 km alle Softwareoption gratis

+ 20-Liter-Tank: ~400 km Reichweite; 15.000-km-Serviceintervall

 

Ab MY2025/2026 in Deutschland nicht mehr erhältlich – nur noch über Gebrauchtmarkt oder andere Exportmärkte

200 mm Federweg: für ernsthafte Offroad-Einsatze klar schwächer als R mit 240 mm

Pirelli Scorpion STR: für ambitioniertes Gelände zu straßenorientiert; Umrüstung auf Enduro-Reifen empfohlen

215 kg vollgetankt: nicht leicht für Geländeeinsatz

Garantie (MY2024): 2 Jahre; die 4-Jahres-Premium-Garantie gilt erst ab MY2025

Rally-Modus, Quickshifter+ etc. nach Demo-Modus kostenpflichtig

 

 

Technische Daten: KTM 890 Adventure (Basis, MY2024)

 

Fertigungsland: Österreich (KTM Mattighofen)

Motor: LC8c Reihenzweizylinder, 889 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, Ride-by-Wire, Euro 5; Antihopping-Kupplung

Leistung: 77 kW (105 PS)

Drehmoment: 100 Nm

Getriebe: 6-Gang; Kettenantrieb; Quickshifter+ über Demo-Modus / kostenpflichtig

Fahrmodi / Elektronik: Street, Rain, Offroad + optionaler Rally-Modus; 6D-Sensor; Kurven-ABS; Offroad-ABS (automatisch bei Offroad/Rally); MTC; Wheelie-Control; Demo-Modus (erste 1.500 km alle Optionen gratis)

Rahmen: Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen; Motor mittragend; Lenkkopfwinkel 63,7° (wie R)

Gabel: WP APEX Open-Cartridge USD, 43 mm; 200 mm Federweg; einstellbar in Zug- und Druckstufe (ab MY2023)

Federbein: WP APEX Monoshock; 200 mm Federweg; einstellbar in Federvorspannung und Zugstufe (ab MY2023)

Fahrwerk vs. R: 40 mm weniger Federweg (200 vs. 240 mm); straßenorientierter abgestimmt; niedrigere Sitzhöhe

Bremsen vorn: 2× 320-mm-Scheiben; radiale Vierkolben-Bremssättel; Kurven-ABS

Bremsen hinten: 260-mm-Scheibe; Zweikolben-Sattel; Offroad-ABS

Räder: Speichenräder schlauchlos; 21 Zoll vorne, 18 Zoll hinten

Reifen: 90/90-21 vorne; 150/70-18 hinten; Pirelli Scorpion STR serienmäßig

Windschild: Verstellbar, größer als bei R

Sitzbank: Zweiteilig; 840 mm (niedrig) / 860 mm (hoch); Tieferlegungssatz auf 800 mm über KTM PowerParts

Display: 5,5-Zoll-TFT, Mineralglas (MY2023); KTM Connect; Navigation, Musik, Telefon

Gewicht vollgetankt: 215 kg

Radstand: 1.528 mm

Tank: 20 Liter; Reichweite ca. 400 km (4,5 l/100 km)

Serviceintervall: 15.000 km

Führerschein: A

Verfügbarkeit D: MY2021–2024; ab MY2025/2026 nicht mehr im deutschen Programm; über Gebrauchtmarkt verfügbar

Preis (D, MY2024): Ca. 14.449–15.000 Euro zzgl. Nebenkosten

Garantie: 2 Jahre (MY2024; die 4-Jahres-Premium-Garantie gilt erst ab MY2025)