Test KTM 990 RC R (2026)
Die Rückkehr des KTM-Supersportlers – 130 PS, Brembo HyPure, Michelin Power Cup 2, 15.490 Euro
Stand: 14.4.2026 | Getestetes Modell: KTM 990 RC R (2026) | Preis: 15.490 Euro zzgl. Nebenkosten (offizieller KTM-Listenpreis Deutschland) | Fertigung: KTM Mattighofen, Österreich
Motor: 947 cm³, 130 PS, 103 Nm – auf Drehmoment getrimmt, 100 % Drossel, 60.000-km-Ventilspiel
Der LC8c-Paralleltwin mit 947 cm³ wurde für die RC R spezifisch abgestimmt. Gegenüber der 990 Duke wurden Drosselklappenwinkel auf 100 Prozent geöffnet, die Airbox vergrößert und die Motorabstimmung auf den Sportbetrieb ausgerichtet. Das Ergebnis: 130 PS bei 9.500/min, 103 Nm bei 6.750/min. Die RC R leistet damit einen Hauch mehr als der offizielle ktm.com-Wert von 127,84 PS nahelegt, die Abweichung ist auf unterschiedliche Messnormen zurückzuführen. Charakterlich ist der Motor eindeutig ein Paralleltwin: druckvoll aus niedrigen Drehzahlen, weniger linear hochdrehend als ein Vierzylinder. Das ist der Charakter der RC R – kein hochdrehender Vierzylinder, sondern ein Zweizylindermotor, der sich schon bei 3.000 Touren meldet.
Bemerkenswert: Das Ventilspielintervall wurde gegenüber der 990 Duke von 30.000 auf 60.000 km verdoppelt. Das reduziert die langfristigen Unterhaltskosten erheblich. Das Ölwechselintervall liegt bei 15.000 km. Ride-by-Wire, Doppelzündung, Euro 5+. Zentraler Edelstahl-Endschalldämpfer. 15,7-Liter-Tank.
Fahrwerk & Bremsen: Brembo HyPure neu, WP APEX gut, progressive Umlenkung als Schllüssel fürs Traktionsgefühl
Die Bremse ist das technische Highlight der RC R: Brembo HyPure 4-Kolben-Radialbremssättel, dieselbe neue Generation wie an der Ducati Panigale V4 S – bisher einer deutlich höheren Preisklasse vorbehalten. Dazu die Brembo MCS-Radialbremspumpe mit einstellbarem Druckpunkt und Hebelweite. Die Bremse performt super mit klarem Druckpunkt und den standfesten Biss. Hinten: Einkolben-Galfer-Scheibe, 240 mm.
Das WP APEX Fahrwerk: 48-mm-USD-Gabel mit 147 mm Federweg (davon 17 mm Negativfederweg), je 30 Klicks Druck- und Zugstufe, 3 Umdrehungen Vorspannung. Federbein 134 mm Federweg, 30 Klicks Low-Speed-Druckstufe, 3 Umdrehungen High-Speed, 30 Klicks Zugstufe. Das Urteil: gut, aber nicht überragend. Entscheidend ist die neue progressive Umlenkung der Aluminiumschwinge – erstmals in einem LC8c-Modell verbaut. Sie verbessert das Gefühl für die Hinterachs-Traktion deutlich. CroMo-Gitterrohrrahmen, 25° Lenkkopfwinkel, 33 mm Offset, 1.481 mm Radstand, 98,5 mm Nachlauf.
Aerodynamik: 13,6 kg Abtrieb bei 240 km/h – die Design-Abteilung verlor, die Physik gewann
Die Winglets der RC R sind kein Styling-Statement – sie sind das Ergebnis einer internen Auseinandersetzung. Die Design-Abteilung wollte sie nicht. Die Ingenieure lieferten Testdaten, die ca. 13,6 kg Abtrieb bei 240 km/h belegten. KTM-Management entschied: Funktion geht vor Form, die Winglets bleiben. Das Vorbild ist die RC16 aus der MotoGP. Auf der Rennstrecke verringern die Winglets den Auftrieb der Vorderachse bei hohem Tempo und machen die RC R stabiler beim Bremsen. Auf der Straße ist der Effekt weniger messbar – aber optisch setzt KTM damit ein klares Statement.
Elektronik: 4 Serienfahrmodi, 3 optionale Track-Konfigurationen, 6D-IMU, 8,8-Zoll-TFT mit Touchscreen
Serienmäßig: Rain, Street, Sport und Custom – vier Fahrmodi mit feiner Abstufung. Drei zusätzliche Track-/Custom-Konfigurationen sind als optionale Softwarepakete erhältlich. Darin enthalten ist die Slip-Adjuster-Funktion, die während der Fahrt über den linken Lenkerschalter bedient werden kann. Die Traktionskontrolle bietet 8 Stufen und agiert je nach Einstellung sehr fein. Kurven-ABS und Supermoto-ABS serienmäßig, das ABS ist hochwertig . 6D-IMU. Wheelie-Control.
Das 8,8-Zoll-TFT im Querformat ist das größte Display, das je serienmäßig in einem Motorrad dieser Klasse verbaut wurde. Touchscreen, Anti-Reflex-Beschichtung, fingerabdruckresistent. Split-Screen-Betrieb. Telemetrie: Schräglagenwinkel, Beschleunigung, Verzögerung, Gasstellung in Echtzeit anzeigbar. Offline-GPS-Navigation. KTM Connect. USB-C serienmäßig.
Ergonomie: 845 mm, Clip-ons unter Gabelbrücke, verstellbare Fußrasten – sportlich, aber überraschend moderat
Die Ergonomie überrascht regelmäßig: Wer einen kompromisslosen Track-Knäuel erwartet, findet eine Sportmaschine, die auch auf längeren Etappen funktioniert. Die Aluminium-Stummel sitzen unterhalb der Gabelbrücke, aber nicht extrem weit unten. Sie sind breiter als bei vielen Superbike-Lenkern. Der Tank mit sechs Kontaktpunkten ermöglicht aktives Mitfahren in der Kurve. Die Fußrasten sind in zwei Positionen montierbar: Street (Standard) und Track (25 mm nach hinten, 17 mm nach oben). 845 mm Sitzhöhe. 163 mm Bodenfreiheit. 195 kg fahrfertig.
Einschränkungen: Hitze im Stadtverkehr spürbar am Oberkörper des Fahrers. Die Vorderbremse erfordert etwas höheren Kraftaufwand als erwartet. Das Front-Feedback ist im Grenzbereich begrenzt. Das sind die Kompromisse eines Motorrads, das Rennstreckentauglichkeit mit Straßenzulassung verbindet.
Handhabung: Stabil statt agil, Drehmoment-Charakter statt Hochdrehzahl – und genau darin liegt der Reiz
Die RC R ist kein 600er-Vierzylinder-Ersatz. Sie dreht anders, sie lenkt anders, sie funktioniert anders. Der Radstand von 1.481 mm ist für einen Supersportler lang, der Nachlauf von 98,5 mm ist stabil, nicht hyperagil. Die RC R bevorzugt stabile Linien, spätes Anbremsen, frühes Herausbeschleunigen auf der Kraftwelle des Paralleltwins. Das ist ein anderes Fahrgefühl als eine Yamaha R9 oder Ducati Panigale V2 – nicht schlechter, aber anders.
Direkter Marktvergleich: Yamaha R9 (13.699 Euro, 890 cm³ CP3-Dreizylinder, 119 PS). Ducati Panigale V2 (ab 16.590 Euro plus Nebenkosten, L-Twin, 120 PS, weniger Alltagstauglichkeit). Triumph Daytona 660 (9.795 plus Nebenkosten, 95 PS, Einsteigersegment). Mit 15.490 Euro liegt die RC R preislich zwischen R9 und Panigale V2 – und bietet bei diesem Preis Brembo HyPure und Michelin Power Cup 2 serienmäßig, was den anderen fehlt.
Track-Version und RC R Cup 2026: Das Ökosystem um die RC R
Parallel zur straßenzugelassenen RC R hat KTM eine Track-Version angekündigt, ohne Straßenzulassung, leichter und stärker, zu einem Preis unter 20.000 Franken in der Schweiz (D-Preis noch nicht offiziell kommuniziert). Die Track-Version richtet sich an Fahrer, für die die Serienmaschine noch nicht genug ist. Begleitend hat KTM den RC R Cup 2026 gestartet: eine eigene Rennserie, bei der auch mit Serienmodellen angetreten werden darf. Das ist ein klares Bekenntnis – die RC R ist nicht nur ein Streckenbesucher, sondern soll eine Rennserie tragen.
Kosten: 15.490 Euro zzgl. NK – Brembo HyPure, Michelin Power Cup 2, TFT Touchscreen, 4 Jahre Garantie
15.490 Euro ist der offizielle KTM-Listenpreis Deutschland. Dafür bekommt man: Brembo HyPure serienmäßig (eine Klasse, die bislang bei 20.000 Euro+ begann), Brembo MCS-Radialbremspumpe, Michelin Power Cup 2 (kein Kompromissreifen), 8,8-Zoll-TFT mit Touchscreen und Offline-Navigation, 130 PS, 6D-IMU, Winglets mit MotoGP-Erfahrung, progressive Federbeingumlenkung, 15.000-km-Service, 60.000-km-Ventilspiel, 4 Jahre Premium-Herstellergarantie.
Optionale Track-Softwarepakete (Slip-Adjuster, erweiterte Modi) sind aufpreispflichtig – über den Demo-Modus kann auch die RC R auf den ersten 1.500 km alle Optionen gratis testen. Fertigung: KTM Mattighofen, Österreich. Garantie gilt unter Einhaltung der Wartungsintervalle beim autorisierten KTM-Händler.
Fazit
Fast fünfzehn Jahre Pause. KTM war in der MotoGP, hatte den LC8c entwickelt, hatte die Adventure-Serie aufgebaut – aber kein Supersport-Straßenmotorrad. Die 990 RC R ändert das. Mit 130 PS, Brembo HyPure, Michelin Power Cup 2, 8,8-Zoll-TFT, progressive Umlenkung, Winglets, 15.490 Euro. Sie ist kein 600er-Vierzylinder und will keiner sein. Sie ist ein Paralleltwin-Supersportler mit Drehmomentcharakter, stabiler Front und überraschend moderater Ergonomie. Die Bremse ist das Beste in der Klasse. Das Fahrwerk ist gut, aber nicht die Krönung. Das Display ist das größte der Klasse. Und der Preis ist der richtige.
Kurzcheck
+ 130 PS, 103 Nm aus 947 cm³ LC8c – Drehmomentcharakter von unten, 100 % Drosselklappenwinkel, vergrößerte Airbox
+ Brembo HyPure 4-Kolben serienmäßig: neue Generation, bislang Panigale V4-Preisniveau
+ Brembo MCS-Radialbremspumpe mit einstellbarem Druckpunkt und Hebelweite
+ Michelin Power Cup 2 serienmäßig: kein Kompromissreifen, 120/70-17 vorne, 180/55-17 hinten
+ WP APEX 48-mm-USD: 147 mm Federweg, 30 Klicks Druck-/Zugstufe – weitreichend einstellbar
+ Progressive Umlenkung Schwinge (erstmals LC8c): verbessert Traktionsgefühl Hinterachse deutlich
+ Winglets: 13,6 kg Abtrieb bei 240 km/h; MotoGP-Erfahrung; von Testdaten durchgesetzt
+ 8,8-Zoll-TFT Querformat, Touchscreen, Anti-Reflex, Offline-Navigation, Split-Screen, Telemetrie
+ Kurven-ABS + Supermoto-ABS; 6D-IMU; 4 Serienfahrmodi; 3 optionale Track-Konfigurationen
+ Fußrasten in Street- und Track-Position (25 mm / 17 mm versetzt)
+ 60.000-km-Ventilspiel (doppelt so lang wie 990 Duke); 15.000-km-Service
+ 4 Jahre Premium-Herstellergarantie (Servicepflicht KTM-Händler)
+ 195 kg fahrfertig; 845 mm Sitzhöhe; 15.490 Euro
+ Standgeräusch 94 dB(A) – unter Tiroler Grenze (95 dB)
– WP APEX Fahrwerk: gut, aber nicht überragend für Rennstreckeneinsatz; Front-Feedback begrenzt
– Hitze im Stadtverkehr: Twin-Thermik spürbar am Oberkörper
– Vorderbremse: etwas höherer Kraftaufwand als von manchen Testern erwartet
– 1.481 mm Radstand: stabiler, keine Hyperagilität im Kurveneingang
– Optionale Track-Softwarepakete (Slip-Adjuster etc.) kostenpflichtig
– 15,7-Liter-Tank: überschaubare Reichweite bei sportlicher Fahrweise
Technische Daten: KTM 990 RC R (2026)
Fertigungsland: Österreich (KTM Mattighofen)
Motor: LC8c Reihenzweizylinder, 947 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, Doppelzündung, Ride-by-Wire, Euro 5+; 100 % Drosselklappenwinkel (RC R-spezifisch); vergrößerte Airbox; Edelstahl-Endschalldämpfer zentral
Leistung: 94 kW (130 PS) bei 9.500/min
Drehmoment: 103 Nm bei 6.750/min
Getriebe: 6-Gang; Kettenantrieb; Antihopping-Kupplung
Fahrmodi / Elektronik: Rain, Street, Sport, Custom (serienmäßig); 3 optionale Track-/Custom-Konfigurationen (aufpreispflichtig); 6D-IMU; Kurven-ABS; Supermoto-ABS; Traktionskontrolle (8 Stufen); Wheelie-Control; Slip-Adjuster (optional, während Fahrt bedienbar)
Rahmen: Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen; Lenkkopfwinkel 25°; Offset 33 mm; Radstand 1.481 mm; Nachlauf 98,5 mm; 52,5 % Gewichtsverteilung vorne / 47,5 % hinten
Gabel: WP APEX Open Cartridge USD, 48 mm; 147 mm Federweg (17 mm Negativfederweg); 30 Klicks Druckstufe (links), 30 Klicks Zugstufe (rechts), 3 Umdrehungen Vorspannung
Federbein: WP APEX Monoshock; 134 mm Federweg; 30 Klicks Low-Speed-Druckstufe, 3 Umdrehungen High-Speed-Druckstufe, 30 Klicks Zugstufe; progressive Umlenkung Schwinge (erstmals LC8c-Modell)
Schwinge: Aluminium
Aerodynamik: Winglets serienmäßig; ca. 13,6 kg Abtrieb bei 240 km/h. RC16-MotoGP als Vorbild
Bremse vorn: Brembo HyPure 4-Kolben radial (neue Generation; bisher Panigale V4-Niveau); 2× 320-mm-Bremsscheiben; Brembo MCS-Radialbremspumpe (einstellbarer Druckpunkt und Hebelweite); Bosch Kurven-ABS
Bremse hinten: Einkolben; Galfer 240-mm-Bremsscheibe; Supermoto-ABS
Reifen: Michelin Power Cup 2 serienmäßig; 120/70-17 vorne; 180/55-17 hinten
Display: 8,8-Zoll-TFT Querformat; Touchscreen; Anti-Reflex; Offline-GPS-Navigation; Split-Screen; Telemetrie (Schräglage, Beschleunigung, Verzögerung, Gasstellung); KTM Connect; USB-C
Ergonomie: Aluminium-Stummel unterhalb Gabelbrücke; Fußrasten 2-fach verstellbar: Street (Standard) / Track (+25 mm hinten, +17 mm oben); Tankkontaktpunkte 6-fach
Gewicht: 195 kg vollgetankt (Trockengewicht 184 kg)
Sitzhöhe: 845 mm
Bodenfreiheit: 163 mm
Radstand: 1.481 mm
Tank: 15,7 Liter
Serviceintervall: 15.000 km, Ventilspiel alle 60.000 km
Standgeräusch: 94 dB(A) – unter Tiroler Grenze (95 dB)
Führerschein: A
Track-Version: Separat erhältlich (keine Straßenzulassung), D-Preis noch nicht offiziell veröffentlicht
RC R Cup: Eigene Rennserie 2026, Serienmodelle startberechtigt
Preis (D): 15.490 Euro zzgl. Nebenkosten
Garantie: Bis zu 4 Jahre Premium-Herstellergarantie (ab MY2025; Servicepflicht beim autorisierten KTM-Händler)