Test Moto Morini Calibro 650 (2026)
Kawasaki-verwandter 693-cm³-Twin, Zahnriemen, 725 mm Sitzhöhe – Cruiser und Bagger ab 7.699 Euro
Stand: 17.4.2026 | Modell: Moto Morini Calibro (Cruiser) + Calibro Bagger; Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China; Motor: 693 cm³ Kawasaki-Lizenz, von CFMoto gefertigt | Preis DE (inkl. NK): Calibro Cruiser 7.699 Euro; Calibro Bagger 8.620 Euro; A2-Version (35 kW) verfügbar | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären | Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit (alle Moto Morini Modelle)
Motor: 693 cm³, Kawasaki-Abstammung, von CFMoto gebaut
Der DOHC-Reihenzweizylinder der Calibro hat eine klare Technik-Linie: Der 649-cm³-Motor, mit dem Moto Morini die X-Cape 650 und die Seiemmezzo-Familie betreibt, basiert auf einer Kawasaki-Lizenz und wird von CFMoto produziert. Für die Calibro wurde der Hub von 60 auf 64 mm vergrößert, Bohrung bleibt 83 mm – ergibt 693 cm³. Leistung: 69 PS bei 8.500/min, Drehmoment: 68 Nm bei 6.500/min. Das sind für einen Cruiser dieser Größenordnung solide Werte: Die Honda CMX 500 Rebel hat 47 PS, die Kawasaki Eliminator 500 hat 45 PS. Die Calibro liegt darüber.
Die Kraftübertragung erfolgt über sechs Gänge und einen Zahnriemen – das ist Cruiser-Standard auf amerikanischem Vorbild. Der Zahnriemen ist wartungsarmer als eine Kette und erzeugt einen charakteristischen, gleichmäßigen Kraftfluss. Der Motor zieht, auch dank des Zahnriemens zum Hinterrad, geschmeidig und flüssig an, ruckelt nicht und leistet sich keine Leistungslöcher. Der Motor hängt stets satt am Gas, setzt Befehle der rechten Hand direkt aber nicht harsch um.
Einschränkung: Ab 4.500/min treten leichte Vibrationen an Sitzbank und Fußrasten auf – nicht nervig, aber spürbar. Am angenehmsten cruist die Calibro bei 3.000– 4.000/min. Das reicht für entspannte 80–100 km/h, nicht fürs Autobahnheizen. Und: Der 693er dreht bis über 10.000/min, doch dann kreischt er gequält. Stimmiger für einen Cruiser wären weniger PS und mehr Drehmoment – das ist die längerfristige Motorabstimmungs-Kritik, keine Alltagsschwäche.
Fahrwerk und Bremsen: Einfach, aber überraschend effektiv
Das Fahrwerk ist bewusst schlicht gehalten, wie es das Cruiser-Konzept verlangt. Telegabel 41 mm vorn mit 120 mm Federweg, zwei Federbeine hinten mit einstellbarer Vorspannung und 100 mm Federweg. Stahlrohrrahmen. Bosch ABS. Das einfache Fahrwerk der Calibro schlägt sich überraschend gut. Trotz 214 kg vollgetankt ist die Calibro handlich, lässt sich einfach dirigieren und überzeugt mit einem geringen Wendekreis. Allerdings ist das Fahrwerk von der strafferen Sorte, wodurch der Alltagskomfort etwas zu kurz kommt.
Die Bremsen sind für einen entspannten Cruiser ausreichend: Einzelscheibe 320 mm + 2-Kolben-Schwimmsattel vorn, 255 mm + 1 Kolben hinten. Kein Radialzangen-Anspruch; das ist dem Fahrstil angemessen. Wer sport-bremst: Das ist die falsche Maschine.: Die einfache Einscheiben-Bremsanlage bringt das simple Fahrwerk nicht in die Bredouille.
Ergonomie: 725 mm und das verstellbare Fußrastensystem
725 mm Sitzhöhe ist außergewöhnlich niedrig – selbst innerhalb der Cruiser-Klasse. Royal Enfield Meteor 350: 765 mm; Honda CMX 500 Rebel: 690 mm; Kawasaki Eliminator 500: 745 mm. Kurzfüßler können also beide Beine auf den Boden setzen. Die Cruiser-Sitzposition ist aufrecht und entspannt: Der Lenker fällt nicht nicht zu breit aus, nicht zu hoch.
Die Fußrasten sind moderat nach vorn versetzt, nicht radikal. Wer die Rasten zu weit vorn findet: Sie lassen sich um ca. 15 cm nach hinten Richtung Fahrzeugmitte versetzen. Der Kniewinkel ist aufgrund der vorversetzten Fußrasten angenehm offen und entspannt.
Die Soziustauglichkeit ist voll okay, Soziusgepäckträger und Sissy Bar sind als Zubehör erhältlich. Tank: 15 Liter, Verbrauch ca. 3,8 l/100 km, Reichweite ca. 350–400 km. Das ist für einen Cruiser mehr als ausreichend. Vmax ca. 175 km/h.
Calibro Cruiser vs. Calibro Bagger: Was der Aufpreis kauft
Die Calibro kommt in zwei Ausführungen mit identischer Technik. Der Cruiser ist die Standardversion: schlankes Profil, dekorative Frontscheibe, 15-Liter-Metalltank, klassisches Cruiser-Design. Farben: Fire Red, Shark Grey. Preis inkl. NK: 7.699 Euro.
Der Calibro Bagger unterscheidet sich durch eine Batwing-Verkleidung ähnlich amerikanischer Touring-Cruiser sowie zwei serienmäßige 19-Liter-Hartschalenkoffer. Das macht ihn zum echten Reise-Cruiser. Farbe: ausschließlich Quartz Black. Preis inkl. NK: 8.620 Euro. Für den Aufpreis von ca. 920 Euro bekommt man die Batwing-Verkleidung mit Windschutz und zwei Koffer mit insgesamt 38 Liter Volumen – das ist ein attraktives Komplettangebot für Tourer im Cruiser-Stil. Bereifung beim Bagger abweichend: 180/65-16 statt 180/70-16 hinten.
Preiseinordnung und Konkurrenz
7.699 Euro für den Cruiser ist wettbewerbsfähig. Honda CMX1100 Rebel: ca. 12.000 Euro, das ist der große 1100er-V-Twin. Royal Enfield Super Meteor 650: ca. 7.500 Euro: 650er Parallel-Twin, direkter Preiskonkurrent. Kawasaki Eliminator 500: ca. 7.700 Euro; 500er. Harley-Davidson Nightster: ca. 15.900 Euro. SWM Stormbreaker V 1200: 9.990 Euro; luftgekühlter V-Twin.
Die Calibro positioniert sich zwischen kleinvolumigen Günstig-Cruisern und dem Harley-Preissegment – mit einem Motor, der mehr als die 500er-Konkurrenz leistet, und einem Design, das in Design und Verarbeitung einen ordentlichen Eindruck macht.
Deutschland: Verfügbarkeit und Importeur
Anders als bei der AlltrHike 450 ist die Calibro in Deutschland seit August 2024 offiziell verfügbar. Moto Morini hatte zwischen Januar und August 2025 bereits 66 Neuzulassungen in Deutschland – kein Massenmarkt, aber ein reales Händlernetz. 3 Jahre Garantie ohne Kilometerlimit gelten wie für alle Moto Morini Modelle, gebunden an planmäßige Wartung beim Morini-Vertragshändler.
Fazit
Die Moto Morini Calibro ist ein Cruiser, der das tut, was ein Cruiser tun soll: entspannt gleiten, gut aussehen, handlich bleiben. Der Kawasaki-verwandte 693er-Twin mit Zahnriemen macht das geschmeidig und kultiviert. Das Fahrwerk überrascht positiv für sein simples Konzept. Die Vibrationen ab 4.500/min und die zu sportliche Motorabstimmung für dieses Konzept sind Einschränkungen. Der Bagger zum Aufpreis von 920 Euro mit Batwing und 38 Litern Koffervolumen ist ein Gesamtpaket, das Touring-Cruiser-Fans selten zu diesem Preis finden.
Kurzcheck
+ freundliches Motorrad, nichts extrem; Motor geschmeidig dank Zahnriemen; überraschend handlich trotz 214 kg; geringer Wendekreis; einfach zu dirigieren
+ Zahnriemenantrieb: wartungsarmer als Kette; geschmeidiger Kraftfluss; charakteristisch für amerikanisch inspirierte Cruiser
+ 725 mm Sitzhöhe: sehr niedrig; für kürzere Fahrer gut erreichbar; Fußrasten ~15 cm verstellbar (vor-/zurück); Cruiser-Sitzposition nicht extrem
+ Calibro Bagger: Batwing + 2x 19-L-Hartschalenkoffer serienmäßig für 8.620 Euro (Aufpreis Cruiser: ca. 920 Euro); Touring-Cruiser-Komplettangebot
+ 3 Jahre Garantie ohne Kilometerlimit; 69 PS, 68 Nm; A2-Version (35 kW) verfügbar; in Deutschland seit August 2024 verfügbar; 7.699 Euro (Cruiser)
– Vibrationen ab 4.500/min spürbar an Sitzbank und Fußrasten; am besten cruist die Calibro bei 3.000–4.000/min
– 69 PS und 10.000/min Drehzahlniveau: zu viele PS für Cruiser-Charakter bei hohen Drehzahlen; bei hohen Drehzahlen kreischt der Motor gequält
– Einfaches Bremssystem: Einzelscheibe 320 mm + 2-Kolben-Schwimmsattel vorn; kein Radialzangen-Sport; für entspanntes Cruisen ausreichend, nicht für sportliche Fahrweise
– Kurzfederweg: 120 mm vorn / 100 mm hinten; Cruiser-typisch; schlechtere Komfortbasis auf schlechten Straßen
– Tank nur 15 Liter; bei ca. 3,8 l/100 km ca. 350–400 km Reichweite; für einen Touring-Cruiser knapp
– Standgeräusch nicht offiziell publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären; Moto Morini: 66 Neuzulassungen Jan–Aug 2025 in DE; Markt- und Händlerpräsenz begrenzt
Technische Daten: Moto Morini Calibro 650/700 (2026)
Marke / Modell: Moto Morini Calibro (Cruiser-Version) + Calibro Bagger; Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group/ZNEN, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China
Motor: DOHC-Reihenzweizylinder, 693 cm³; Kawasaki-Lizenz, von CFMoto produziert; Bohrung 83 mm, Hub 64 mm; 4 Ventile/Zylinder; Einspritzung; 6-Gang; Zahnriemenantrieb; Euro 5; A2-Version (35 kW) verfügbar
Motor-Verwandtschaft: Vergrößerter 649-cm³-Kawasaki-Lizenzmotor (aus X-Cape 650 und Seiemmezzo); Hub +4 mm auf 64 mm; selbe Produktionsbasis CFMoto
Leistung: 69 PS bei 8.500/min
Drehmoment: 68 Nm bei 6.500/min
Vmax / Verbrauch: ca. 175 km/h; ca. 3,8 l/100 km
Tank / Reichweite: 15 l; ca. 350–400 km
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Gabel: Telegabel 41 mm; Federweg 120 mm
Federbeine: 2 Federbeine hinten; Federvorspannung einstellbar; Federweg 100 mm
Bremsen vorn: Einzelscheibe 320 mm; 2-Kolben-Schwimmsattel; Bosch ABS
Bremse hinten: Einzelscheibe 255 mm; 1-Kolben-Sattel; ABS
Räder: 18 Zoll vorn; 16 Zoll hinten (Aluminiumguss)
Reifen (Cruiser): 130/70-18 vorn; 180/70-16 hinten
Reifen (Bagger): 130/70 R18 vorn; 180/65-16 hinten
Ergonomie: Sitzhöhe 725 mm; Fußrasten moderat nach vorn; verstellbar ca. 15 cm zurück; Lenker mittel-hoch; entspannte Cruiser-Position
Gewicht: 214 kg vollgetankt
Ausstattung: Voll-LED; Bosch ABS; analog/digitales Kombiinstrument; USB; Zahnriemenantrieb; hinterer Sitz abnehmbar
Calibro Bagger extra: Batwing-Verkleidung mit Windschutz; 2x 19-L-Hartschalenkoffer serienmäßig (= 38 L gesamt); nur Quartz Black
Farben Cruiser: Fire Red; Shark Grey (Bagger: nur Quartz Black)
Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären
Preis DE: Calibro Cruiser: 7.699 Euro; Calibro Bagger: 8.620 Euro; beide inkl. Nebenkosten; A2-Version verfügbar
Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit (Bedingung: Wartung beim Morini-Vertragshändler)