Test Yamaha TMAX 560 (2026)

Der Scooter, der das Wort Motorroller nie mochte

Wassergekühlter Twin, 562 ccm, 48 PS bei 7.500/min, 55,7 Nm bei 5.250/min. CVT-Automatik, Zahnriemenantrieb, A2. 41-mm-USD-Gabel (120 mm), Mono-Federbein (117 mm), 2× 267-mm-Radial-Vierkolbenzangen vorn, 282-mm-Scheibe hinten. Traktionskontrolle, Smart Key, Tempomat, 2 Fahrmodi, ABS. 218 kg, 800 mm, 15 L Tank. 85 dB(A) Tirol-konform. Ab 14.149 Euro (Standard); Tech MAX ab 16.049 Euro.

Stand: 17.4.2026 | Modell: Yamaha TMAX 560 (2026; 7. Generation; Maxi-Scooter; A2); Tech MAX: zusätzlich elektrisches Windschild, Sitz-/Griffheizung, 7-Zoll-Garmin-Navigation | Hersteller: Yamaha Motor Co., Ltd. (Iwata, Japan) | Preis DE: Standard 14.149 Euro; Tech MAX 16.049 Euro |  Standgeräusch: 85 dB(A) (Zulassungsbescheinigung; Tirol-konform) | Garantie: 2 Jahre

 

Als Yamaha im Sommer 2000 den ersten TMax 500 der Presse vorstellte, war die Rollerwelt mit einem Schlag eine andere. SCOOTER & Sport hat das in einem Langzeittest festgehalten: Bis dahin hatten die meist kleinrädrigen Plastikbomber bestenfalls 250 ccm und rund 20 PS. Was für flottes Vorankommen in Ballungsgebieten durchaus reicht, aber in freiem Gelände der Fahrdynamik frühe Grenzen setzt. Mit dem TMax änderte sich das radikal. 40 PS. Große Räder. Motorradfahrwerk. Das Raunen in den Pressereihen war angemessen.

26 Jahre später ist der TMAX 560 in der siebten Generation. Die Ur-Idee ist dieselbe geblieben: ein Roller, der so fährt, dass man aufhört, über die Kategorie nachzudenken. Wer auf einem TMAX sitzt und fährt, denkt nicht an „Roller“. Er denkt an die Kurve.

Der Motor: 48 PS, aber wie

562 Kubik. Wassergekühlter Zwilling. Vier Ventile pro Zylinder. 48 PS bei 7.500 Touren. 55,7 Nm bei 5.250/min. Auf dem Papier ist das ein bescheidener Motor. Im Fahrbetrieb ist er etwas anderes. Motorradonline schreibt aus dem ersten Langzeittest: „562 Kubikzentimetern sei Dank erfüllen Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungswerte die Erwartungen, die das dynamisch-aggressive Design des TMAX 560 weckt.“ Das ist eine freundliche Umschreibung eines einfachen Sachverhalts: Der TMAX 560 fährt schneller, als die PS-Zahl vermuten lässt.

Der Grund liegt in der Konstruktion. Der TMAX-Motor ist ein Gleichläufer – beide Kolben bewegen sich parallel. Das klingt nach Vibrations-Katastrophe, aber Yamaha löst das mit einem Ausgleichskolben, der sich 180 Grad versetzt zu den beiden Antriebskolben bewegt. De facto ein Dreikolben-Konzept, das Laufruhe produziert und gleichzeitig das charakteristische, satte Sound-Profil des TMAX ergibt. Er tönt wohl, fast wie ein BMW-Boxer, aber vibriert kaum.

48 PS drücken den TMAX exakt in die A2-Klasse. Wer seinen A2-Führerschein nutzen und gleichzeitig keine Abstriche beim Fahrerlebnis machen will: Der TMAX ist das überzeugendste A2-Angebot dieser Testreihe für alle, die kein Schaltgetriebe brauchen. CVT-Automatik. Kein Schalten, kein Kuppeln. Gasdrehen, fahren.

Fahrwerk: Motorrad-Philosophie im Roller-Kleid

Das ist der Kern des TMAX-Konzepts, der ihn seit 2000 von allen anderen Scootern unterscheidet: Das Fahrwerk ist keine Kompromisslösung. Es ist eine Entscheidung. Alu-Doppelrohrrahmen. 41-mm-USD-Gabel mit 120 mm Federweg. Liegendes Mono-Federbein hinten mit 117 mm. Leichtmetallgussräder 15 Zoll, größer als bei den meisten Konkurrenten. Vorn zwei 267-mm-Bremsscheiben mit radialen Vierkolbenzangen – das ist feine Bremstechnik, keine Roller-Bremstechnik. Hinten eine 282-mm-Scheibe. 2-Kanal-ABS.

Motorradonline im Fahrbericht: „Nicht superhandlich, aber dennoch agil lässt er sich in die Ecken werfen.“ Nur die Schräglagenfreiheit stört, er schleift früher auf dem Asphalt als andere Großroller. Was umso negative auffällt. Denn der TMAX ist kein Stadt- und Reiseroller, der Kurven nur als Störung des geraden Wegs kennt. Er nimmt Kurven. Er mag Kurven. Er ist 218 kg schwer und 800 mm hoch, was beim ersten Stand erschreckt und beim ersten Fahren vergessen wird, weil der Schwerpunkt tief liegt und das Fahrwerk die Arbeit tut.

Elektronik: Smart Key, Tempomat und das Bremskontrollsystem

Traktionskontrolle serienmäßig. Smart Key (Keyless) serienmäßig – kein Schloss, kein Schlüssel, nur der Sender in der Jackentasche. Tempomat serienmäßig. Zwei D-Mode-Fahrmodi (Leistungscharakteristik anpassbar). TFT-Display mit MyRide-App-Konnektivität. Bremskontrollsystem neu (2-Kanal-ABS als Basis, ergänzt um Bremsdruckkontrolle). Das ist mehr Elektronik, als die meisten Motorräder dieser Preisklasse serienmäßig bieten.

Was der TMAX zusätzlich hat, das kaum ein anderer Roller hat: einen Zahnriemenantrieb. Kein Kette, kein Schmieren, keine Kettenwartung. Den riemenabdichtenden CVT-Deckel abnehmen, einmal im Wartungsintervall prüfen, fertig. Das ist Alltagstauglichkeit auf einer anderen Ebene als fast alle Motorräder.

Tech MAX: was der Aufpreis bringt

Standard und Tech MAX teilen Motor, Fahrwerk, Bremsen, Grundelektronik. Was die Tech-MAX-Version dazubekommt, ist das Ausstattungspaket, das Yamaha als „Premium“ positioniert: elektrisch verstellbarer Windschild. Beheizte Sitzbank. Beheizte Griffe. 7-Zoll-Display mit Garmin-Navigation (serienmäßig, kostenlos). Einstellbares Federbein hinten. 1000PS beschreibt es als „der TMAX-to-have“ – weil in der Vergangenheit die TMAX-Kundschaft immer zu den Modellen mit hochwertiger Ausstattung gegriffen hat.

Der Aufpreis ist erheblich: 16.049 Euro für Tech MAX, Standard bei 14.149 Euro. Das sind 1.900 Euro Mehrpreis für elektrisches Windschild, Heizung und Navigation. Wer den TMAX das ganze Jahr fährt und im Winter pendelt: die Griff- und Sitzheizung ist in Deutschland keine Luxusoption, sondern eine praktische. Wer nur sommers fährt: der Standard reicht vollkommen.

Der Sozius: 800 mm und eine ehrliche Einschränkung

800 mm Sitzhöhe. Das ist für einen Roller hoch – normale Roller haben 760–780 mm. Der TMAX-Sitz ist außerdem breit, was die effektive Schrittlänge erhöht. Kleiner als 1,75 Meter sollte man nicht sein, um halbwegs sicher anhalten zu können. Das ist die Einschränkung dieses Fahrzeugs. Wer unter 1,75 m ist: Probefahrt unbedingt machen, Tieferlegungsmöglichkeiten mit dem Händler klären.

Die Zuladung ist 195 kg. Das ist großzügig. Mit dem TMAX mit vollständiger Beladung und Sozius fahren: möglich, sinnvoll, und mit Tempomat auch auf langen Strecken angenehm. Der Stauraum unter dem Sitz ist beim TMAX eher klein bemessen – er schluckt nur einen Integralhelm, die meisten Reiseoscooter dagegen zwei.

85 dB(A): leiser als die meisten Motorräder

85 dB(A) Standgeräusch laut Zulassungsbescheinigung. Das ist ein niedriger Wert. 10 dB(A) unter der Tiroler Grenze. Kein Fahrverbot auf Alpenpässen. 4,3 l/100 km Verbrauch im Praxis-Langzeiteinsatz. Das sind Zahlen, bei denen ein TMAX-Besitzer nach 13.000 km zitiert: „Mal etwas mehr (max. 4,5 l), mal etwas weniger (min 4,1 l).“ Das ist sparsam für 48 PS und 218 kg.

25 Jahre TMAX: die Referenz bleibt

Der TMAX existiert seit 2000. Seitdem hat jede Generation der Rollerwelt gezeigt, was ein Maxi-Scooter sein kann, wenn man aufhört, ihn als Roller zu denken, und anfängt, ihn als Fahrzeug zu denken. Kein Konkurrent hat die Grundformel bislang übertroffen: 41-mm-USD-Gabel, radiale Vierkolbenbremsen, Motorrad-Rahmenarchitektur, A2-tauglich, CVT. Der Honda Forza 750 ist größer. Der Kymco AK 575 ist günstiger. Aber der TMAX ist der TMAX. In 26 Jahren hat keiner das Original ersetzt.

Fazit

Der Yamaha TMAX 560 2026 ist das überzeugendste Argument für den Maxi-Scooter als alleiniges Fahrzeug: 48 PS, 55,7 Nm, USD-Gabel, radiale Vierkolbenbremsen, Traktionskontrolle, Tempomat, Smart Key, CVT-Automatik, 85 dB(A), 4,3 l/100 km. Kein Schalten, kein Kuppeln, kein Kettenfett. Ab 14.149 Euro. Für Fahrer, die täglich fahren und dabei nie schlechter ankommen wollen als auf einem Motorrad: der TMAX lässt diese Frage seit 2000 offen. Er ist die Antwort.

 

Kurzcheck

 

+ 48 PS (A2) + CVT-Automatik: maximale Leistung ohne Schaltzwang.

+ 41-mm-USD-Gabel, 2× 267-mm-Radial-Vierkolbenzangen (Motorrad-Bremstechnik), 282-mm-Scheibbe hinten: Fahrwerksniveau klar über Roller-Standard.

+ Zahnriemenantrieb: wartungsarmes Antriebskonzept.

+ Smart Key + Tempomat serienmäßig.

+ 85 dB(A): Tirol-konform.

+ 195 kg Zuladung: vollständig sozius- und gepäcktauglich.

+ Tech MAX: elektrisches Windschild, Sitz-/Griffheizung, 7-Zoll-Garmin-Navigation.

+ Starker Wiederverkauf: TMAX ist Referenz im Segment.

 

800 mm Sitzhöhe + breiter Sitz: Fahrer unter 1,75 m mit eingeschränktem Bodenkontakt – Probefahrt und Tieferlegungsoptionen vorab klären.

218 kg: beim Rangieren spürbar.

15-Zoll-Räder: weniger Reifenauswahl als 17 Zoll.

Kleines Helmfach: fasst nur einen Helm.

Standard ohne Navigation: beim Tech MAX Aufpreis 1.900 Euro.

Tech-MAX-Preise ab 16.049 Euro: für einen A2-Roller anspruchsvolles Preisniveau.

 

 

Technische Daten: Yamaha TMAX 560 (2026)

 

Marke / Modell: Yamaha TMAX 560 (2026; 7. Generation; Maxi-Scooter; A2); Hersteller: Yamaha Motor Co., Ltd. (Iwata, Japan). Tech MAX = Komfort-/Navigations-Ausstattungsvariante (gleiche Technik)

Motor: Wassergekühlter Zweizylinder-Reihenmotor DOHC; 4 Ventile/Zylinder; 562 ccm; Gleichläufer mit Ausgleichskolben (de facto 3-Kolben-Konzept für Laufruhe); 48 PS (35 kW) bei 7.500/min; 55,7 Nm bei 5.250/min; Benzineinspritzung; Euro 5+; A2

Antrieb: CVT-Automatik (stufenloses Getriebe); Zahnriemenantrieb (wartungsarm; keine Kettenpflege)

Fahrwerk vorn: 41-mm-USD-Gabel; 120 mm Federweg

Fahrwerk hinten: Liegendes Mono-Federbein; 117 mm Federweg; Federbasis einstellbar (Tech MAX: vollständig einstellbar)

Bremsen: 2× 267-mm-Bremsscheiben vorn (radiale Vierkolbenzangen); 282-mm-Scheibe hinten; 2-Kanal-ABS; Bremskontrollsystem

Räder / Reifen: Leichtmetallgussräder 15 Zoll; 120/70-15 vorn; 160/60-15 hinten; Bridgestone Battlax SCR

Gewicht / Sitzhöhe: 218–220 kg fahrfertig; Sitzhöhe 800 mm (breit: Bodenkontakt unter 1,75 m eingeschränkt); Zuladung 195 kg; Radstand 1.575 m

Tank / Verbrauch: 15 Liter; 4,3 l/100 km; Reichweite ca. 340 km

Elektronik Standard: Traktionskontrolle; Smart Key (Keyless); Tempomat; 2 D-Mode-Fahrmodi; TFT-Display; MyRide-App; ABS; Bremskontrollsystem

Tech MAX Extras: Elektrisch verstellbares Windschild; beheizte Sitzbank; beheizte Griffe; 7-Zoll-Display mit Garmin-Navigation (kostenlos); vollständig einstellbares Federbein hinten

Standgeräusch: 85 dB(A); Tirol-konform; < 95 dB(A)

Garantie: 2 Jahre

TMAX vs. Tech MAX: Identische Technik. Tech MAX: elektrisches Windschild + Sitzheizung + Griffheizung + Garmin-Navigation 7 Zoll + vollständig einstellbares Federbein. Preisdifferenz 1.400 Euro. Tech MAX für Ganzjahres-/Tourenfahrer sinnvoll; Standard für Sommer-/Alltagsfahrer ausreichend.

Konkurrenz: Honda Forza 750: ca. 13.600 Euro; 58 PS; größer; weniger sportlich. Kymco AK 575: ca. 12.700 Euro; 52 PS; ähnliches Fahrwerk-Niveau. BMW C 650 Sport: eingestellt. TMAX: teuerste Option, aber seit 2000 die Referenz im Segment.

Preis (D): Standard: 14.149 Euro; Tech MAX: 16.049 Euro