Test Yamaha XSR 900 GP (2026)
Die YZR500-Hommage mit CP3-Triple, Clip-on-Lenker und Legend-Yellow-Sonderlackierung für „King“ Kenny Roberts – ab 14.149 Euro
Stand: 21.4.2026 | Modell: Yamaha XSR 900 GP (eingeführt MY2024; MY2026 Neuheit: Sonderlackierung Legend Yellow, limitiert, ab Q2/2026) | Preis: 14.149 Euro inkl. Nebenkosten | Standgeräusch: 93 dB(A) – nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen
Von Estoril nach 2026: Was die XSR 900 GP ist
Es ist kein Zufall, dass Yamaha die Weltpremiere der XSR 900 GP im Jahr 2024 auf dem Autodromo do Estoril abgehalten hat – jener Rennstrecke, auf der Eddie Lawson 1984 und 1986 Weltmeister wurde und Wayne Rainey 1990 und 1991 seine Titelkämpfe entschied.
Die Kulisse war kalkuliert: Die XSR 900 GP ist eine Hommage an die Grand-Prix-Ära der 1970er- und 1980er-Jahre, materialisiert in einem Motorrad, das 2024 erschienen ist und technisch vollständig auf dem Stand von 2026 liegt. Optisch zitiert die Frontverkleidung mit der kurz geschnittenen Scheibe, dem Sitzbankhöcker und den Aerodynamik-Bäckchen unverkennbar die YZR500, auf der Roberts, Lawson und Rainey ihre Weltmeistertitel holten.
Für Modelljahr 2026 gibt es eine einzige, aber gewichtige Neuheit: die Sonderlackierung Legend Yellow mit dem charakteristischen schwarz-weißen Speedblock-Dekor, das an die Werksrennmaschinen aus der Ära von „King“ Kenny Roberts erinnert – dem ersten amerikanischen Weltmeister der 500-cm³-Klasse, dreifacher Titelträger. Die Auslieferung dieser Version beginnt im zweiten Quartal 2026. Yamaha Motor Deutschland hat bestätigt, dass die Stückzahl für Deutschland so limitiert ist, dass mit einem schnellen Ausverkauf zu rechnen ist.
Eine Nummerierung jedes Exemplars gibt es nicht, die Limitierung ist aber klar kommuniziert. Daneben bleiben die Farben Legend Red und Power Grey im Programm. Der Preis ist für alle Farben gleich: 14.149 Euro inkl. Nebenkosten.
Der CP3-Triple unter der Verkleidung: Kein Kompromiss beim Motor
Was unter der YZR-inspirierten Verkleidung arbeitet, ist der beste Triple, den Yamaha hat: der CP3 mit 890 cm³, 119 PS bei 10.000/min und 93 Nm bei 7.000/min – identisch mit der MT-09, identisch mit der MT-09 SP. Drehmomentstark, drehfreudig, kultiviert, Dampf in jeder Lebenslage, hinreichend sparsam. Ganz zweifellos eines der besten Triebwerke, die der Markt seit Jahren offeriert.
Was den Triple zum passenden Partner für ein Retro-Sportbike macht: In ihm steckt ein gutes Stück des Charakters jener Ära, an die die XSR 900 GP erinnert – er klingt nicht austauschbar, er hat eine Seele.
Die Vmax gibt Yamaha mit 235 km/h an – etwas mehr als bei der MT-09, was der rahmenfesten Frontverkleidung zu verdanken ist, die auf hohen Autobahngeschwindigkeiten messbaren Windschutz bietet. Der Quickshifter der 3. Generation schaltet bidi (in beide Richtungen), das Getriebe lässt keinerlei Wünsche offen. Die Bremsanlage ist im Vergleich zur XSR 900 linearer und direkter ausgelegt – für den flotten Alltagseinsatz präzise und transparent, ohne den letzten Biss für den Rennstreckeneinsatz mitzubringen. Für gelegentliche Trackdays spricht trotzdem nichts dagegen.
Fahrwerk, Ergonomie, Verkleidung: Was die GP von der XSR 900 unterscheidet
Die XSR 900 GP teilt mit der XSR 900 Motor, Rahmen und Elektronikbasis, unterscheidet sich aber in mehreren wichtigen Punkten. Die Alu-Zweiarmschwinge ist länger als bei der XSR 900 und der MT-09, was der GP mehr Stabilität und Spurführung in schnellen Kurven gibt, ohne die Handlichkeit zu opfern. Das Motorrad liegt satt in der Kurve und vermittelt viel Vertrauen, egal ob auf der Landstraße oder auf der Rennstrecke.
Das KYB-Fahrwerk ist voll einstellbar vorn und hinten und bietet eine straffere Abstimmung als die XSR 900 Standard – spürbar mehr Präzision und Rückmeldung als die MT-09.
Der Clip-on-Lenker sitzt oberhalb der oberen Gabelbrücke und ist mit einem Riser ausgeführt, der sich dem Fahrer freundlich entgegenstreckt. Das Ergebnis ist eine Sitzposition, die sportlich nach vorn geneigt ist, aber den Handballen nicht übermäßig belastet: Niemand sollte auf ihr Rücken oder Nacken bekommen, lediglich leichten Druck auf die Handballen.
Die Fußrasten sind gegenüber der MT-09 leicht erhöht und weiter hinten positioniert, dazu in zwei Positionen einstellbar. Das Manövrieren bei sehr niedriger Geschwindigkeit ist wegen der tief liegenden Lenkerstummel anspruchsvoller als bei einem Naked Bike – die einzige echte Alltagshürde der GP.
Die Frontverkleidung sitzt rahmenfest. Sie bietet auf Reisegeschwindigkeit spürbaren Windschutz und ist optisch der Kern des gesamten Konzepts. Die Lenkerendenspiegel – typisch für die GP-Ästhetik – vergrößern die Fahrzeugbreite im Stadtverkehr merklich. Der USB-C-Port für das Smartphone liegt unter einer Cockpit-Abdeckung, deren Clips Werkzeug erfordern – kein tägliches Vergnügen.
Das 5-Zoll-TFT bietet in einem der vier Anzeigemodi einen großen halbrunden Drehzahlmesser im Analog-Stil, passend zur Retro-Ästhetik. Motorrad-magazin.at merkt an, dass ein echtes Rundinstrument stilistisch noch konsequenter wäre – aber technisch benötigt wird es nicht.
Das Racekit: Wenn die GP noch GP werden will
Für Fahrer, denen der serienmäßige Unterflur-Endschalldämpfer zu unauffällig ist, bietet Yamaha ein optionales Racekit an. Für knapp 3.000 Euro gibt es eine Akrapovič-Titan-Auspuffanlage im Racedesign, einen Motorspoiler und weitere Zubehörteile, die das Motorrad noch konsequenter in Richtung historischer GP-Ästhetik schieben: sehr stimmig. Das Racekit ist kein Muss, aber für Fans, die die XSR 900 GP als Sammlärstück und Drittmotorrad begreifen, der logische nächste Schritt.
Kosten und Einordnung: Was 14.149 Euro kaufen
Mit 14.149 Euro kostet die XSR 900 GP 2.700 Euro mehr als eine MT-09 Standard. Dafür gibt es: rahmenfeste Verkleidung mit YZR500-Optik, Clip-on-Lenker, längere Schwinge, strafferes KYB-Fahrwerk, Sitzbankhöcker, Lenkerendenspiegel und – bei der Legend-Yellow-Version – eines der eindruckvollsten Retro-Designs, das ein Großserienhersteller derzeit auf die Räder stellt. Auch wenn sie technisch alltagstauglich ist, mutet sie doch als typisches Drittmotorrad an. Direkte Konkurrenten im Retro-Sport-Segment sind die Triumph Speed Triple 765 RS (ca. 13.000 Euro, 130 PS, ohne Verkleidung) und die Ducati Streetfighter V2 (ca. 17.000 Euro, 120 PS). Wer ein Sport-Heritage-Motorrad im klassischen GP-Look sucht, findet 2026 keinen direkten Wettbewerber, der dasselbe Konzept so konsequent umsetzt.
Fazit
Die XSR 900 GP ist das einzige Motorrad im Yamaha-Programm, das nicht in erster Linie durch seine Fahrdaten überzeugt – obwohl die gut sind – sondern durch seine Haltung. Ein Motorrad kann aussehen wie eines der Weltmeistergeräte von Wayne Rainey, aber mit linearer Motorcharakteristik, IMU-gesteuerten Assistenzsystemen und fast alles verzeihenden Reifen ausgestattet sein. Genau das ist die neue Yamaha XSR 900 GP. Schön zu erleben, dass es selbst bei Großserienherstellers überzeugte Spinner gibt, die sich trauen, die breiten Trampelpfade zu verlassen. Die Legend-Yellow-Edition 2026 für Kenny Roberts gibt diesem Bekenntnis eine weitere Farbe.
Kurzcheck
+ Einzigartiges Design: YZR500-inspirierte Halbschalenverkleidung, Clip-on-Lenker mit Riser, Sitzbankhöcker, Lenkerendenspiegel – konsequenteste GP-Hommage eines Großserienherstellers
+ MY2026 Legend Yellow: limitierte Sonderlackierung mit Speedblock-Dekor für Kenny Roberts; Auslieferung ab Q2/2026; kein Preisaufschlag
+ CP3-Triple: eines der besten Triebwerke, die der Markt seit Jahren offeriert; 119 PS, 93 Nm; Vmax 235 km/h dank Verkleidung
+ KYB-Fahrwerk voll einstellbar: liegt satt in der Kurve, vermittelt viel Vertrauen; längere Schwinge sorgt für mehr Stabilität als MT-09 und XSR 900
+ Vollständiges Elektronikpaket serienmäßig: 6-Achsen-IMU, TCS, SCS, LIF, BSR, Kurven-ABS, QS 3. Gen, Tempomat, 5-Zoll-TFT, Garmin
+ Sitzposition überraschend komfortabel; Clip-on mit Riser streckt sich dem Fahrer freundlich entgegen; keine Nacken- oder Rückenschmerzen
+ Racekit optional (ca. 3.000 Euro): Akrapovič-Titan-Auspuff, Motorspoiler
+ 93 dB(A) Standgeräusch – nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen
– typisches Drittmotorrad – alltagstauglich, aber die Zielgruppe ist klar eingegrenzt; keine Massenmarktmaschine
– Clip-on-Lenker: Rangieren bei niedrigster Geschwindigkeit anspruchsvoller als bei Naked Bike; Handballen spüren die Sitzposition auf längerer Fahrt
– Bremsanlage könnte mehr Biss für den ambitionierten Rennstreckeneinsatz vertragen
– USB-C-Port unter Cockpit-Abdeckung mit Werkzeug-Clips – kein täglicher Komfort
– Lenkerendenspiegel vergrößern Fahrzeugbreite im Stadtverkehr merklich
– 14.149 Euro: 2.700 Euro Aufpreis zur MT-09 mit identischer Technik – gerechtfertigt durch Design und Fahrwerk, aber ein klares Statement-Kaufargument
– MY2026 ohne technische Neuheiten; Neuheit ist ausschließlich die Legend-Yellow-Lackierung
Technische Daten: Yamaha XSR 900 GP (2026)
Marke / Modell: Yamaha XSR 900 GP; Sport-Heritage-Flaggschiff; eingeführt MY2024; MY2026: Neuheit Legend Yellow (limitiert), technisch unverändert
Motor: CP3-Reihendreizylindermotor, 890 cm³, flüssigkeitsgekühlt; Ride-by-Wire; 6-Gang; QS 3. Gen bidi serienmäßig; Anti-Hopping-Kupplung; Kette; Euro 5+
Leistung: 119 PS (87,5 kW) bei 10.000/min
Drehmoment: 93 Nm bei 7.000/min
Vmax / Verbrauch: 235 km/h (Yamaha-Angabe); ca. 5,0 l/100 km; 14-L-Tank; ca. 280 km Reichweite
Rahmen: Alu-Deltabox (CF-Design); längere Alu-Zweiarmschwinge vs. XSR 900 und MT-09
Verkleidung: Rahmenfeste Halbschalenverkleidung, YZR500-inspiriert; Sitzbankhöcker serienmäßig; Clip-on-Lenker mit Riser; Lenkerendenspiegel
Gabel: KYB USD voll einstellbar (Vorspannung, Zug- und Druckstufe); straffere Abstimmung vs. XSR 900 und MT-09
Federbein: KYB Zentralfederbein voll einstellbar
Bremsen vorn: Advics 4-Kolben radial; 2×298 mm; Brembo Radial-Hauptbremszylinder; Kurven-ABS; linearer ausgelegt als XSR 900
Bremse hinten: ABS
Elektronik: 6-Achsen-IMU (R1-Basis); TCS 3-stufig schräglagenabhängig; SCS (Slide Control); LIF (Wheelie Control); BSR (Motorschleppmoment); Kurven-ABS; 5 Fahrmodi (2 individuell); QS 3. Gen bidi; Tempomat serienmäßig; 5-Wege-Joystick; 5-Zoll-TFT (inkl. Analog-Retro-Anzeigemodus); MyRide App; Garmin StreetCross Navigation
Reifen: Bridgestone Battlax S23; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17
Fußrastenanlage: Geschmiedete Alu-Fußrasten; höher und weiter hinten als MT-09; 2 Positionen einstellbar
Gewicht: 200 kg vollgetankt
Sitzhöhe: 835 mm
Standgeräusch: 93 dB(A); nicht von Tiroler Fahrverboten betroffen (Grenze 95 dB(A))
Farben MY2026: Legend Yellow (Speedblock-Dekor, limitiert, ab Q2/2026); Legend Red; Power Grey
MY2026-Änderung: Sonderlackierung Legend Yellow (limitiert) als Hommage an Kenny Roberts; keine technischen Änderungen
Zubehör: Racekit ca. 3.000 Euro: Akrapovič-Titan-Auspuff im Racedesign, Motorspoiler, weitere Accessoires
Preis (D): 14.149 Euro (alle Farben gleicher Preis)
Garantie: 2 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung