Benda entwickelt ein DCT – aber anders als Honda. Wie das funktioniert

Freitag, 10. Juli. Motorradonline.de hat gestern einen technisch tiefen Artikel zum Benda-EM-DCT-Patent veröffentlicht. Was Benda plant, ist kein Honda-DCT-Klon – es ist ein strukturell anderes Konzept: lateral getrennte Kupplungen statt konzentrisch, elektromechanische Aktoren statt Hydraulik, als Huckepack-Lösung für bestehende Motoren konzipiert. Das Zielmotorrad ist Bendas angekündigter 1.700-ccm-Reihensechszylinder. Das ist die technisch interessanteste Motorrad-Getriebe-Meldung seit Jahren – und sie kommt aus China.

[PATENT | TECHNIK] – Benda EM-DCT: was das Patent zeigt – und wie es sich von Honda unterscheidet

 

Was Motorradonline gestern veröffentlicht hat: Ein Patent zeigt die wohl kommende Automatik von Benda, die eine Huckepack-Lösung für bestehende Motoren darstellt, mit 2 getrennten Kupplungen. Der Artikel ist der bisher präziseste deutsche Bericht über das EM-DCT – und er liefert den entscheidenden Satz: „Benda platziert wohl je Getriebeseite ein einzelnes Kupplungspack, also in Fahrtrichtung je eines links und rechts.“ Das ist der fundamentale Unterschied zu Honda.

 

Was das bedeutet – und warum es wichtig ist: Um das zu verstehen, muss man Hondas DCT kennen. Das 2010 eingeführte DCT ist ein Alleinstellungsmerkmal der Motorräder von Honda und ist heute eines der fortschrittlichsten Motorradgetriebe auf dem Markt. Honda steuert die beiden Einheiten mittels einer Hydraulik. Die beiden Kupplungen liegen beim DCT hintereinander gepackt auf einer Seite des Gehäuses. Das ist das konzentrische Prinzip: Kupplung 1 im Innern, Kupplung 2 außen herum, beide auf derselben Seite. Benda dreht das um: Eine Kupplung links, eine Kupplung rechts. Nicht konzentrisch, sondern lateral. Das klingt nach Details – ist aber eine fundamentale Konstruktionsentscheidung.

 

Benda EM-DCT vs. Honda DCT – der direkte Vergleich

 

Grundprinzip Identisch: Zwei Kupplungen — eine für ungerade Gänge — eine für gerade Gänge — kein Zugkraftunterbrechung

 

Honda DCT: Kupplungs-Anordnung Konzentrisch — eine Kupplung im Innern — eine außen herum — beide auf gleicher Seite

Honda DCT: Aktor Hydraulisch — Öldruck steuert Kupplungsbetätigung

Honda DCT: Einbau Vollständige Neuentwicklung des Motorenblocks nötig

 

Benda EM-DCT: Kupplungs-Anordnung Lateral — je eine Kupplung links und rechts am Gehäuse — getrennt

Benda EM-DCT: Aktor Elektromechanisch — E-Motoren betätigen Kupplungen — wie BEC MK-II Chinchilla

Benda EM-DCT: Einbau Huckepack — auf bestehende Motoren aufsetzbar — kein Motorblock-Umbau

 

Was „Huckepack“ bedeutet und warum das eine wichtige Aussage ist: „Das neue Patent zeigt ein einfacheres System, das dieselben elektromechanischen Aktoren verwendet, die Benda bereits in seinen Modellen mit elektronischer Kupplung nutzt.“ Das ist der wichtigste Satz des Artikels. Benda hat mit dem BEC MK-II (in der Chinchilla 500) bereits eine elektromechanische Kupplungs-Aktuator-Plattform etabliert. Das EM-DCT baut auf genau dieselbe Technologie auf – verdoppelt sie, macht sie automatisch und nennt das DCT. Was das für die Produktion bedeutet: Benda muss keine komplett neue Fabrik aufbauen. Die Zulieferkette, die Aktoren liefert, existiert bereits.

 

Für welches Fahrzeug das EM-DCT gedacht ist: Obwohl die Patentzeichnungen das Benda-DCT klar am bekannten Reihenvierzylinder zeigen, dürfte die neue Automatik im erwarteten Sechszylinder kommen. Diesen zeigte Benda bereits 2025 und teaserte eine Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe und elektromechanischer Steuerung. Benda legt sogar noch etwas mehr Hubraum obendrauf und kommt angeblich auf rund 1.700 Kubik. Dazu hat Benda ein elektromechanisches Doppelkupplungsgetriebe angekündigt, während die K-Modelle von BMW bisher nicht über einen Schaltassistenten hinausgekommen sind. Das ist der implizite Vergleich, den Motorradonline schon im November 2025 gezogen hat: Benda plant mehr als BMW bei der K1600.

 

Benda EM-DCT – Zielfahrzeug und Kontext

 

Motor im Patent Benda LFC 700 Reihenvierzylinder — zur Dokumentation

Wahrscheinliches Zielfahrzeug Benda 1.700 ccm Reihensechszylinder — BMW-K1600-Konkurrent

Sechszylinder-Hubraum Ca. 1.700 ccm — mehr als BMW K1600 (1.649 ccm)

Vorgestellt EICMA 2025 — als Teaser-Motor ohne vollständiges Fahrzeug

EM-DCT angekündigt EICMA 2025 — gleichzeitig mit Sechszylinder-Motor

Marktstart Noch kein Datum — Patentphase

 

Warum lateral getrennte Kupplungen einfacher sein könnten: Beim Honda-DCT sind beide Kupplungen auf einer Seite, konzentrisch angeordnet. Das ist raumeffizient, aber konstruktiv komplex: Beide Kupplungen müssen präzise ineinanderpassen, die Hydraulik muss die innere und äußere Einheit unabhängig steuern. Beim Benda-Ansatz mit einer Kupplung links und einer rechts gibt es diese Verschachtelungs-Komplexität nicht. Jede Kupplung ist ein separates, einfacheres Bauteil. Der Preis: mehr Breite. Das Getriebe wird breiter als beim Honda-Konzept. Ob das bei einem 1.700er-Sechszylinder-Tourenmotorrad ein Problem ist: nein. Bei einem kompakten Naked Bike: ja.

 

ℹ️ Vergleich Benda BEC MK-II (Chinchilla 500) und EM-DCT: Das BEC MK-II hat eine elektromechanische Kupplung — also eine Einheit. Das EM-DCT hat zwei. Derselbe Aktor-Typ, doppelt eingesetzt. Das ist Benda-Plattformstrategie: Eine Technologie in verschiedenen Ausbaustufen anbieten.

 

 

[EINORDNUNG] – Die Getriebe-Offensive aus China: DCT, E-Clutch, Y-AMT – wer macht was

 

Warum 2026 das Jahr der automatischen Motorradgetriebe ist: Innerhalb von zwölf Monaten häufen sich die Automatic-Getriebe-Meldungen im Motorradmarkt auf eine Art, die vorher nicht vorstellbar war. Honda hat die E-Clutch auf fünf weitere Modelle ausgeweitet. Yamaha hat das Y-AMT jetzt auch in der Tracer 7. Benda hat BEC MK-II in der Chinchilla und jetzt EM-DCT im Patent. QJMotor hat für den SRK 1051RR aktive Winglets patentiert – was technologisch eine andere Richtung ist, aber dieselbe Signal-Substanz hat: chinesische Hersteller schreiben 2026 Technik-Geschichte.

 

Automatische Motorradgetriebe – Stand Juli 2026

 

Honda DCT (seit 2010) 7 Serienmodelle 2026 — hydraulisch — konzentrische Kupplungen — Referenzsystem

Honda E-Clutch (seit 2024) 7 Modelle 2026 — CB500 bis XL750 — elektromechanisch — manueller Hebel bleibt

Yamaha Y-AMT Tracer 9 + Tracer 7 2026 — automatisches Schaltgetriebe — kein Kupplungshebel

Kawasaki Z7/Ninja 7 Hybrid Elektromotor + Verbrenner — hybride Automatik — kein echter Kupplungshebel

Benda BEC MK-II (seit 2025) Chinchilla 500 + Rock 707 — elektromechanisch — Hebel bleibt erhalten

Benda EM-DCT (Patent 2026) Zwei lateral getrennte Kupplungen — elektromechanisch — Huckepack-Lösung — Ziel: 1.700er Sechszylinder

 

Was das für Käufer bedeutet: In drei bis fünf Jahren wird automatisches Schalten keine Nischentechnologie mehr sein. Wer heute ein Motorrad kauft und weiß, dass er über 50.000 km mit ihm fahren wird: Es lohnt sich, die Automatik-Optionen in die Kaufentscheidung einzubeziehen. Honda DCT ist technisch ausgereift und serviceerprobt. Yamaha Y-AMT ist noch jung, aber schon in zwei Tracer-Generationen getestet. Benda EM-DCT ist ein Patent – noch kein kaufbares Produkt. Wer jetzt kauft: Honda DCT ist die ausgereifte Wahl. Wer warten kann: Die nächsten zwei Jahre werden das Angebot massiv verbreitern.

 

 

[UPDATE | RÜCKRUFE] – Stand 10. Juli 2026

 

⚠️ Honda CBR600RR: Endmaßnahme Juli 2026 — jetzt Händlertermin buchen. Honda CB1000 Hornet Rückruf 1: Endmaßnahme August 2026. Yamaha Ténéré 700 MJ 2025 (USA/Kanada): Do-Not-Ride — TFT-Tausch beim Händler.

 

 

NOCH IM RADAR

Benda EM-DCT: Patent-Phase — Zielfahrzeug 1.700 ccm Sechszylinder — Marktstart offen.

 

Ducati Desmo450 SM: Serienversion September 2026 — Verkaufsstart Oktober 2026.

 

KTM 790 Duke 2027: Ende Juli 2026 bei Händlern.

 

BMW R20: Serienankündigung wahrscheinlich 2026.

 

Honda V3R 900 E-Compressor: Serienversion EICMA November 2026.

 

FAZIT: MOTO-NEWS VOM 10. JULI 2026

Benda erfindet das Doppelkupplungsgetriebe nicht neu. Aber Benda erfindet eine eigene Version, die technisch durchdacht ist und auf bereits existierender Fertigungskompetenz aufbaut. Lateral getrennte Kupplungen, elektromechanische Aktoren, Huckepack-Einbau: Das ist kein Baukastenkopieren, das ist Ingenieurarbeit. Was 2026 im Bereich automatischer Motorradgetriebe passiert, hat denselben Charakter wie das, was 2005 mit Motorrad-Fahrwerk-Elektronik passierte: Es wird nicht verschwinden, es wird zur Selbstverständlichkeit. Und China ist dabei ganz vorne.

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