KTM enthüllt die 690 Rally als Nachfolger der Kult-640-Adventure, MV Agusta stoppt Produktion nach geplatztem CFMoto-Deal

Dienstag, 8. September 2026. Nach jahrelangem Warten der Fanszene ist es offiziell: KTM bringt mit der 690 Rally den lange ersehnten geistigen Nachfolger der legendären 640 Adventure zurück – ein leichtes, geländetaugliches Reisemotorrad mit kräftigem Einzylinder. Ganz andere Nachrichten kommen aus Varese: MV Agusta hat die Motorradproduktion nach dem Scheitern einer Investitionsvereinbarung mit dem chinesischen Hersteller CFMoto komplett eingestellt – die Existenz der Traditionsmarke steht erneut auf der Kippe.

[KTM | NEUHEIT] KTM 690 Rally offiziell enthüllt: Rückkehr zu den Rally-Raid-Wurzeln

NEU / HIGHLIGHT

KTM hat die 2027 KTM 690 Rally offiziell vorgestellt und damit ein jahrelanges Warten der Adventure-Community beendet. Das Modell versteht sich ausdrücklich als geistiger Nachfolger der KTM 640 Adventure, die von 1997 bis 2007 gebaut wurde und seither als eine Art „Einhorn“ unter Reiseenduro-Fans gilt: ein wirklich geländetaugliches, aber gleichzeitig autobahntaugliches und gepäcktragendes Leichtgewicht.

Basis ist die bewährte 690-Enduro-Plattform mit dem aktuellen 692,7-ccm-LC4-Einzylinder, der 79 PS (57,3 kW) und 73 Nm leistet, gekoppelt an ein Sechsganggetriebe. KTM hat den Motor speziell für Langstrecken und anspruchsvollen Geländeeinsatz ausgelegt, mit verlängerten Wartungsintervallen von 15.000 Kilometern.

Statt des serienmäßigen 13-Liter-Hecktanks der 690 Enduro R sitzen bei der Rally zwei zusätzliche 3,5-Liter-Tanks vorn in einem eigens konstruierten Rally-Turm, der zugleich ein integriertes Windschild trägt – macht in Summe 20 Liter Tankvolumen. Vollverstellbares WP-XPLOR-Fahrwerk, ein 4,2-Zoll-TFT-Display mit Echtglas-Verklebung sowie das reguläre KTM-Herstellergarantieprogramm mit bis zu vier Jahren Laufzeit runden das Paket ab.

Die Fertigung im österreichischen Mattighofen startet noch im September, die Auslieferung an Händler weltweit beginnt im Oktober 2026 – ein UK-Preis steht noch aus.

 

[MV AGUSTA | MARKT] MV Agusta stoppt Produktion in Varese – CFMoto-Rettungsdeal ist geplatzt

NEU / WICHTIGKEIT

MV Agusta steckt erneut in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer internationaler Fachmedien ruht die Motorradproduktion im Werk Varese bereits seit April 2026 komplett – ausgelöst durch kollabierte Lieferketten und unbezahlte Rechnungen bei Zulieferern.

Hintergrund ist das Scheitern einer im Juni 2026 unterzeichneten Absichtserklärung mit dem chinesischen Hersteller CFMoto, die eine 49-Prozent-Beteiligung sowie eine mehrere Millionen Euro schwere Restrukturierung vorsah – Berichten zufolge auch mit Blick auf einen möglichen gemeinsamen MotoGP-Einstieg.

Die Verhandlungen scheiterten offenbar an unterschiedlichen Vorstellungen zur Umsetzung der Restrukturierung; Eigentümer Art of Mobility kündigte die Vereinbarung einseitig auf, worauf juristische Verfahren folgten. Auch eine bereits im Frühjahr angekündigte Kapitalspritze von 35 Millionen Euro wurde nie ausgezahlt.

Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Krise: Nach dem Verkaufseinbruch um 54,3 Prozent infolge der KTM-Insolvenz 2024/25 und dem Rückkauf durch Art of Mobility hatte CEO Luca Martin für 2026 zunächst 10.000 verkaufte Motorräder als Ziel ausgegeben – bis Ende Juli waren es tatsächlich lediglich 1.238 Einheiten. Hubert Trunkenpolz, der die CFMoto-Verhandlungen maßgeblich vorangetrieben hatte, trat bereits am 20. Juli als Vorstandsvorsitzender zurück.

Der deutsche Vertriebsstandort MV Agusta Operations in Köln beliefert ausgewählte Händler nach eigenen Angaben weiterhin in begrenztem Umfang – rund 150 Motorräder wurden 2026 nach Deutschland geliefert –, ein Wiederanlauf der Produktion in Varese wird intern für Oktober angepeilt. Betroffen sind auch die 185 Beschäftigten des Unternehmens.

 

Themen im Überblick

Modell / Thema

Status

Kerndaten

KTM 690 Rally

Highlight

692,7-ccm-LC4, 79 PS, 20 l Tank, Serienstart Oktober 2026

MV Agusta Produktionsstopp

Warnung

Werk Varese seit April 2026 still, CFMoto-Deal gescheitert, 185 Jobs betroffen

 

INFO: MV Agustas turbulente jüngere Vergangenheit

• 2023 verkaufte Eigentümer Art of Mobility 50,1 Prozent von MV Agusta für rund 60 Millionen Euro an KTM – im Dezember 2024 meldete KTM-Mutter Pierer Mobility mit rund 1,2 Milliarden Euro Schulden Insolvenz an.

• 2025 ging die MV-Agusta-Beteiligung zurück an Art of Mobility, wonach die Verkaufszahlen um über die Hälfte einbrachen.

• Mercedes-AMG hält weiterhin einen Minderheitsanteil von rund 25 Prozent an MV Agusta – dessen Rolle in der aktuellen Krise ist bislang unklar.

 

DO-NOT-RIDE / RÜCKRUF-STATUS (Stand 08.09.2026)

• Husqvarna / GASGAS Offroad (Bj. 2021–2024, Braktec-Bremssattel hinten): Rückruf weltweit gültig, auch Europa betroffen – VIN-Check über Hersteller-Website oder Händler.

• BMW S 1000 RR (K67, Bj. 2019–2026): Rückruf wegen Zündschloss-Wackelkontakt, ca. 77.000 Fahrzeuge weltweit; Halter-Benachrichtigung ab Mitte September 2026.

• Honda CB1000 Hornet – Rückruf 1 (Ölverbrauch): Endmaßnahme August 2026 – JETZT Termin beim Händler buchen.

• Yamaha Ténéré 700 MJ 2025 (USA/Kanada): Do-Not-Ride aktiv – TFT-Tausch kostenlos beim Händler.

 

NOCH IM RADAR

Honda GB 500 S: EU-Marktstart voraussichtlich 2027, Details noch offen

BMW S 1000 RR neue Generation: rund 215 PS, Produktionsbeginn Mai 2027, Handel Sommer 2027

Ducati Desmo450 SM: vollständige technische Daten und Preise für Mitte September angekündigt

ZX Moto V5-Superbike: keine offiziellen technischen Daten, Renneinsatz-Ziel 2028

MV Agusta: Wiederanlauf der Produktion in Varese intern für Oktober 2026 angepeilt

Moto Guzzi Audace: unbestätigte Gerüchte über Hybrid-Comeback ab 2028

 

FAZIT

Der 8. September zeigt beide Extreme der Motorradbranche an einem einzigen Tag. KTM löst mit der 690 Rally ein jahrzehntelanges Fan-Versprechen ein und zeigt, dass auch nach einer eigenen Insolvenzkrise noch Innovationskraft für echte Nischenmodelle bleibt. MV Agusta dagegen steht erneut mit dem Rücken zur Wand – nach KTM-Insolvenz, gescheitertem Rückkauf und jetzt geplatztem CFMoto-Deal wird die Luft für die Traditionsmarke aus Varese dünn. Ob der für Oktober angepeilte Produktionsneustart gelingt, dürfte auch davon abhängen, ob sich noch ein neuer Investor findet – wir bleiben an dem Thema dran.

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