Test Benda Chinchilla 500 (2026)
Der erwachsene Schritt – mehr Hubraum, mehr Auftritt, mehr Motorrad
Stand: 28.4.2026 | Modell: Benda Chinchilla 500 (2026; Typ BD500-15); Hersteller: Guangzhou Benda Motor Co., Ltd. (China); Europavertrieb: Benda Motor Europe GmbH (Salzburg) | Preis DE: 7.299 Euro (UVP inkl. MwSt.; zzgl. Händler-NK ca. 300 Euro) | Standgeräusch: 95 dB(A) – exakt an der Tiroler Grenze | Garantie: 3 Jahre (optional auf 5 Jahre erweiterbar)
500 vs. 300: was sich wirklich ändert
Der Schritt von der Chinchilla 300 zur 500 ist mehr als eine Hubraumvergrößerung. Der Motor wechselt von SOHC auf DOHC und liefert fast 60 % mehr Leistung – von ca. 30 auf ca. 47 PS. Das ändert, was das Motorrad kann: Wo die 300 auf Tempo 130 an ihre Grenzen stößt, bewegt sich die 500 dort entspannter und hat noch Reserven.
Der Hinterreifen wächst von 150/80-15 auf 180/65-16, was dem Motorrad deutlich mehr Masse und Präsenz verleiht. Das Gewicht steigt von ca. 180 auf 215 kg, der Radstand von 1.350 auf 1.550 mm. Die 500 ist das große Geschwistermodell – würdiger im Stand, mehr Aufwand beim Rangieren. Neu hinzu kommt die Traktionskontrolle (TCS) serienmäßig – die 300 hat das nicht. Das 3-Zoll-Farb-TFT-Rundinstrument ist ebenfalls ein Upgrade gegenüber dem LCD der 300.
Motor: DOHC, 475 cm³, 47 PS
Der 475,6-cm³-DOHC-V-Twin mit 8 Ventilen und Flüssigkühlung ist eine eigenständige Motorentwicklung von Benda – nicht der aufgebohrte 300er, sondern ein neues Aggregat. 47 PS bei 9.000/min, 42 Nm bei 7.200/min, Verdichtung 11,5:1. Das Drehmoment liegt deutlich höher als bei der 300 (27 Nm), kommt aber erst bei höheren Drehzahlen. Der Motor (identisch zur Napoleonbob 500) läuft mit guter Laufruhe, ist kein Drehzahljäger, entfaltet aber oberhalb von 5.000 Touren spürbar mehr Druck als die 300. Für entspanntes Cruisen zwischen 70 und 110 km/h ist er gut abgestimmt, die Gasannahme kann bei ruckartigem Gasgeben etwas unharmonisch wirken.
6-Gang-Getriebe, Anti-Hopping-Kupplung, Riemenantrieb (Continental-Zahnriemen); Euro 5+. Ein wichtiger Hinweis zum Standgeräusch: Die Chinchilla 500 ist mit 95 dB(A) angegeben – das ist exakt der Grenzwert der Tiroler Fahrverbote.
Design und Präsenz
Die Chinchilla 500 ist ein Motorrad, das man auf der Straße wahrnimmt. Der 180/65-16-Hinterreifen, die langgezogene Silhouette mit 1.550 mm Radstand und der breite Doppelschalldämpfer rechts geben ihr eine Präsenz, die die 300 so nicht hat. Das runde LED-Frontscheinwerfer-Layout, die Tropfentankform, die Zweipunkt-Soziussitzbank und die schwarz glänzenden Alugussfelgen ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Der Stil ist konsequent: Bobber-Silhouette ohne überflüssige Details, aber mit zeitgemäßem Ausstattungsniveau.
Fahrwerk und Ergonomie
USD-Gabel vorn mit 129 mm Federweg, zwei Hydraulikdämpfer hinten mit 65 mm Federweg, Stahlrohrrahmen mit Alu-Schwinge, Lenkkopfwinkel 29°. Der lange Radstand macht die 500er auf gerader Strecke sehr stabil und angenehm. Enge Kurven und langsames Rangieren verlangen durch das Gewicht von 215 kg mehr Aufmerksamkeit als bei der 300. Das ist kein Kritikpunkt, sondern das Naturgesetz des Bobber-Konzepts: Je länger und breiter das Motorrad, desto entspannter auf freier Strecke und desto bewusster in engen Situationen.
Sitzhöhe 705 mm: niedrig genug für nahezu jeden Fahrer, beide Füße stehen sicher auf dem Boden. Die Ergonomie folgt der Cruiser-Philosphie: aufrechte Haltung, leicht nach vorn ausgestreckte Arme, entspannte Fußposition. Für Touren bis ca. 300 km ist das komfortabel; bei sehr langen Etappen fehlt Rückenhalt, wie bei fast allen Cruisern dieser Art.
Bremsen und Elektronik
Vorn: Radial-Bremssattel mit 4×32-mm-Kolben an einer 320-mm-Einzelscheibe. Hinten: Radial-Sattel mit 2×34-mm-Kolben an 260-mm-Scheibe, ABS serienmäßig. Das ist für ein 215-kg-Motorrad ein solides Setup – die Bremsanlage arbeitet zuverlässig und lässt sich gut dosieren. Traktionskontrolle (TCS) serienmäßig; 3-Zoll-Farb-TFT-Rundinstrument; USB-A und USB-C; keine Bluetooth-Konnektivität serienmäßig. Das Elektronikpaket ist für diese Klasse günstig und komplett.
Preis und Einordnung
7.299 Euro UVP in Deutschland (zzgl. ca. 300 Euro Händler-NK). Das ist 1.400 Euro mehr als die Chinchilla 300 – wofür man DOHC statt SOHC, 47 statt 30 PS, TCS, TFT-Display und das größere Reifenformat bekommt. Im direkten Wettbewerb: Die Kawasaki Vulcan S 650 kostet ca. 7.800 Euro mit 61 PS und einem bewusst nicht breit ausgestellten Cruiser-Profil. Die Triumph Bonneville Speedmaster mit 1.200 Kubik liegt bei ca. 16.000 Euro. Die Royal Enfield Super Meteor 650 kostet ca. 7.900 Euro mit 47 PS. Die Chinchilla 500 ist damit der günstigste Einstieg in einen DOHC-V2-Bobber mit TCS und ABS im deutschsprachigen Markt.
Fazit
Die Chinchilla 500 ist das überzeugendere Motorrad als die 300 – weil der Motor zu ihr passt. 47 PS aus einem DOHC-V2 erlauben das entspannte Gleiten bei 110 km/h, ohne dass der Motor dabei ausgequetscht wirkt. Das macht die 500er zu einem echten Tourenbegleiter für mittlere Strecken, während die 300 eher das Stadtmotorrad mit Bobber-Optik ist.
Kurzcheck
+ DOHC-V2 mit 475 cm³ und 47 PS: deutlich mehr Reserven als die 300, angenehm zwischen 70 und 110 km/h; TCS serienmäßig; 3-Zoll-Farb-TFT; ABS; Riemenantrieb; Anti-Hopping-Kupplung
+ 180/65-16 Hinterreifen, 1.550 mm Radstand, 705 mm Sitzhöhe: überzeugender Bobber-Auftritt mit niedrigem Schwerpunkt; stabile Geradausfahrt; Radial-Bremssattel vorn mit 320 mm
+ 7.299 Euro UVP: günstigster DOHC-V2-Bobber mit TCS und ABS im deutschsprachigen Markt; 3 Jahre Garantie serienmäßig, optional auf 5 Jahre erweiterbar
+ USB-A + USB-C serienmäßig; 16-Liter-Tank (ca. 355 km Reichweite); Benda baut europäisches Händlernetz aktiv aus
– Standgeräusch 95 dB(A) – exakt an der Tiroler Grenze
– 215 kg fahrfertig: beim langsamen Rangieren spürbar; langer Radstand macht enge Kurven mühsamer; Schräglagenfreiheit durch Bobber-Geometrie begrenzt; Gasannahme kann bei ruckartigem Gasgeben unharmonisch wirken
– Reifenformat 16-Zoll vorn und hinten: begrenztere Ersatzreifenauswahl; Händlernetz noch im Aufbau – vor dem Kauf nächsten Benda-Händler lokalisieren; Verarbeitungsqualität noch nicht auf Japaner-/Europäer-Niveau
– Kein Bluetooth serienmäßig; begrenzte Schräglagenfreiheit durch Reifenbreite und Geometrie; kein Motorrad für sportliche Gangart oder enge Kurven
Technische Daten: Benda Chinchilla 500 (2026)
Marke / Modell: Benda Chinchilla 500 (2026; Typ BD500-15); Hersteller: Guangzhou Benda Motor Co., Ltd. (China); Europavertrieb: Benda Motor Europe GmbH (Salzburg, Österreich)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter DOHC-V-Twin (45°); 8 Ventile; 475,6 cm³; Bohrung/Hub: 69 × 63,6 mm; Verdichtung 11,5:1; Einspritzung; Euro 5+
Leistung: 35 kW (ca. 47 PS) bei 9.000/min
Drehmoment: 42 Nm bei 7.200/min
Vmax / Verbrauch: ca. 145 km/h, ca. 4,5 l/100 km, ca. 355 km Reichweite
Tank / Gewicht: 16 l; 215 kg vollgetankt
Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Riemenantrieb (Continental-Zahnriemen); Anti-Hopping-Kupplung
Elektronik: ABS serienmäßig; TCS (Traktionskontrolle) serienmäßig; 3-Zoll-Farb-TFT-Rundinstrument; USB-A + USB-C; kein Bluetooth serienmäßig
Gabel: USD-Gabel; Federweg 129 mm
Federbeine: Duale Hydraulikdämpfer; Federweg 65 mm
Bremse vorn: Radial-Bremssattel 4×32-mm-Kolben; Einzelscheibe 320 mm; ABS
Bremse hinten: Radial-Bremssattel 2×34-mm-Kolben; Scheibe 260 mm; ABS
Räder: Aluminiumgussfelgen schwarz; 16 Zoll vorn; 16 Zoll hinten
Reifen: 150/80-16 vorn; 180/65-16 hinten
Ergonomie: Sitzhöhe 705 mm; aufrechte Cruiser-Sitzposition; Radstand 1.550 mm; Abmessungen: 2.220 × 890 × 1.150 mm; Bodenfreiheit 150 mm
Standgeräusch: 95 dB(A) – exakt an der Tiroler Grenze
Farben 2026: Midnight Black / Moonstone White (Händler); ggf. weitere Farben beim Händler erfragen
Garantie / Service: 3 Jahre Herstellergarantie serienmäßig; optional auf 5 Jahre erweiterbar (Benda Plus Garantie)
Preis (D): 7.299 Euro (zzgl. ca. 300 Euro Händler-Nebenkosten)