Test BMW R 1300 GS Adventure (2026)

30 Liter, 269 kg – die Fernreise-GS ohne Kompromiss

Gleicher 145-PS-Boxer wie die R 1300 GS, aber 30 Liter Tank, 210/220 mm Federweg, Aluminium-Heckrahmen, DSA serienmäßig, Zusatzscheinwerfer ab Werk – und 22.335 Euro. Die R 1300 GS Adventure ist nicht die agilere GS. Sie ist das Motorrad für alle, die wirklich weit fahren wollen.

Stand: 10.4.2026 | Getestetes Modell: BMW R 1300 GS Adventure (2026) | Preis ab: 22.335 Euro

Motor: Identisch zur R 1300 GS – 145 PS, 149 Nm

Der Antrieb ist identisch mit dem der R 1300 GS: der luft-/flüssigkeitsgekühlte Zweizylinder-Boxer mit 1.300 cm³ und BMW ShiftCam-Technologie zur variablen Ventilsteuerung. 107 kW (145 PS) bei 7.750 Touren, 149 Nm bei 6.500 Touren, Kardanantrieb, sechs Gänge, Schaltassistent Pro serienmäßig. Das ist unverändert der leistungsstärkste BMW-Boxer aller Zeiten.

Im Alltagsbetrieb macht sich das Mehrgewicht der Adventure gegenüber der Standard-GS beim Anfahren kaum bemerkbar. Der Boxer zieht souverän durch, das Drehmoment liegt breit und früh an. Wer auf der Autobahn im sechsten Gang fährt und überholt, muss nicht zurückschalten. Wer auf einer Bergpassage im dritten Gang Kurven kostet, spürt den Motor motivierend und präzise reagierend. Der Charakter ist identisch zur Standard-GS – und das ist ein Kompliment.

Die BMW R 1300 GS Adventure ist das erste Motorrad, das BMW mit dem ASA (Automatisierter Schaltassistent) angeboten hat. Dieser bedient Kupplung und Schaltung vollautomatisch – auch beim Anfahren und Anhalten. Der ASA ist optional bestellbar, aber nur in Verbindung mit dem Dynamic-Paket (1.710 Euro) und kostet 895 Euro extra. Wer regelmäßig im Stau, auf Bergpässen oder mit körperlichen Einschränkungen fährt, wird den ASA nicht mehr hergeben wollen. Das Feedback erfahrener Fernreisender ist eindeutig positiv.

Fahrwerk: 20 mm mehr Federweg – und DSA serienmäßig

Das ist der wichtigste technische Unterschied: vorne 210 mm Federweg statt 190 mm, hinten 220 mm statt 200 mm – je 20 mm mehr. Der verlängerte Federweg erhöht die Bodenfreiheit, macht die Adventure auf schlechten Straßen noch komfortabler und besitzt im Gelände mehr Reserven. Der Radstand wächst auf 1.534 mm (Standard-GS: 1.518 mm), der Nachlauf auf 118,8 mm.

Das DSA-Fahrwerk ist bei der Adventure serienmäßig – bei der Standard-GS optional. DSA passt Dämpfung und Federrate in Millisekunden automatisch an Fahrstil, Fahrmodus und Beladung an. Wer solo, zu zweit oder vollgepackt fährt, muss das Fahrwerk nicht manuell umstellen: DSA erledigt das automatisch. Das ist auf langen Touren ein erheblicher Alltagsvorteil.

Optional ist die adaptive Fahrzeughöhenregelung verfügbar: Das DSA-Fahrwerk senkt die Adventure bei langsamer Fahrt automatisch ab – bei Standard-Sitzhöhe um 30 mm. Die Fahrzeughöhenregelung Komfort senkt um weitere 20 mm, also insgesamt 50 mm gegenüber der Reiseposition. Das macht die Adventure für kleinere Fahrer zugänglich. Der Heckrahmen der Adventure ist aus Aluminiumrohr und Schmiedeteilen – leichter und steifer als der Stahlrohrheckrahmen der Standard-GS.

Bremsen: identisch zur Standard-GS – Brembo 310-mm-Doppelscheibe vorne mit 4-Kolben-Radialbremssatteln, 285-mm-Scheibe hinten. Vollintegrales ABS Pro serienmäßig.

Ergonomie: 870–890 mm Sitzhöhe und bessere Wärmeableitung

870 bis 890 mm Sitzhöhe, je nach Sitzbankkonfiguration – 20 mm mehr als die Standard-GS. Die adaptive Fahrzeughöhenregelung ist bei diesem Motorrad keine Spielerei, sondern eine ernst gemeinte Zugänglichkeitshilfe. Mit der Komfort-Absenkung um bis zu 50 mm wird die Adventure auch für kleinere Fahrer beherrschbar.

Eine unerwartete Besonderheit: Die Adventure leitet die Motorwärme besser ab als die Standard-GS. Das liegt an der Anordnung der Verkleidung: Wer auf langen Sommertagestouren im Stadtverkehr steht, schwitzt auf der Adventure weniger.

Die Sitzposition ist aufrecht und für lange Etappen mit Sozius und vollem Gepäck ausgelegt. Die Sitzbank ist komfortabler als die der Standard-GS, die Soziusposition großzügiger. Haltegriffe, Verzurrösen und Staumöglichkeiten sind ab Werk umfangreicher.

Handhabung: 269 kg, 30 Liter – und die Zuladungs-Rechnung

269 kg vollgetankt – 32 kg mehr als die Standard-GS. Im Fahrbetrieb spürt man das Mehrgewicht auf engen Serpentinen und bei schnellen Richtungswechseln, die Adventure ist spürbar weniger agil. Wer die Adventure auf der Langstrecke bewegt – wofür sie gebaut ist –, merkt es kaum.

Der 30-Liter-Tank ist das Hauptargument. Bei rund 5 Litern auf 100 km sind Reichweiten von 560 bis 600 km realistisch – fast doppelt so viel wie bei der Standard-GS (rund 350 km). Das macht die Adventure zum einzigen Motorrad in dieser Klasse, das man für Reisen durch dünn besiedelte Regionen ohne Tankplanung einsetzen kann.

Ein echter Kritikpunkt: Die zulässige Zuladung beträgt nur 216 kg. Bei 269 kg Leergewicht ergibt das 485 kg zulässiges Gesamtgewicht. Wer zwei vollausgerüstete Fahrer und ein vollständiges Kofferset aus Aluminium an Bord nimmt, ist bereits an der Grenze. Das schränkt die proklamierte Fernreise-Eignung auf dem Papier erheblich ein.

Die Zusatzscheinwerfer sind bei der Adventure serienmäßig. Das TFT-Display ist identisch zur Standard-GS: 6,5 Zoll, gut ablesbar, Menüführung gewöhnungsbedürftig.

Ausstattung: Mehr Serie als die Standard-GS – und Enduro Package Pro

Die Adventure enthält in der Basisversion mehr Serienausstattung: DSA serienmäßig (Standard-GS optional), Zusatzscheinwerfer serienmäßig, erweiterter Handschutz, Aluminium-Heckrahmen, komfortablere Sitzbank. Identisch serienmäßig: ABS Pro, Schaltassistent Pro, vier Fahrmodi, DTC, MSR, DBC, HSC, Tempomat DCC, Keyless Ride, Griffheizung, RDC, Lithium-Batterie, USB, TFT.

Das Enduro Package Pro ist das spezifische Offroad-Upgrade: volleinstellbares Sportfahrwerk, Enduro-Fußrasten, Motorschutz und Lenkererhöhung. Es verwandelt die Adventure von einem schweren Reisemotorrad in ein ernsthaftes Geländewerkzeug.

Kosten: 22.335 Euro – und eine realistische Vollkostenrechnung

22.335 Euro Basispreis. Zum Vergleich: Standard-GS 19.900 Euro, Honda Africa Twin Adventure Sports DCT über 21.000 Euro, KTM 1390 Super Adventure S fast 22.000 Euro. Wer die Adventure vollständig ausstattet – Trophy, Enduro Package Pro, ASA, Dynamic-Paket, adaptive Höhenregelung Komfort, Koffer – landet bei über 28.000 Euro.

Inspektionen alle 10.000 km, 400 bis 600 Euro. Kardanservice alle 60.000 km. Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung.

Fazit

Die BMW R 1300 GS Adventure ist das vollständigste Fernreise-Motorrad auf dem Markt. Der 30-Liter-Tank, das serienmäßige DSA-Fahrwerk mit 210/220 mm Federweg, die Zusatzscheinwerfer, der Aluminium-Heckrahmen und der optionale ASA machen sie zum überzeugendsten Langstrecken-GS, den BMW je gebaut hat. Wer die Zuladungsrechnung kennt und akzeptiert, bekommt das beste Reisemotorrad seiner Klasse.

 

Kurzcheck

 

+ 30-Liter-Tank – bis zu 600 km Reichweite, kein anderes GS-Modell kommt nah heran

+ DSA-Fahrwerk serienmäßig – automatische Anpassung bei Beladungswechsel

+ 210/220 mm Federweg – 20 mm mehr als die Standard-GS in beide Richtungen

+ Zusatzscheinwerfer serienmäßig – bei der Standard-GS optional

+ Aluminium-Heckrahmen – leichter und steifer als Stahl

+ ASA optional – erster BMW mit Vollautomatik-Kupplung und -Schaltung

+ Adaptive Fahrzeughöhenregelung mit bis zu 50 mm Absenkung optional

+ 145 PS, 149 Nm – identisch zur Standard-GS, keine Abstriche

 

269 kg vollgetankt – 32 kg mehr als die Standard-GS

Zuladung nur 216 kg – im vollausgerüsteten Fernreisebetrieb schnell überschritten

22.335 Euro Basispreis – mit Vollausstattung über 28.000 Euro

870–890 mm Sitzhöhe – ohne adaptive Höhenregelung herausfordernd

Weniger agil als die Standard-GS auf kurzen Strecken

Menüführung komplex – identische Kritik wie bei der Standard-GS

 

 

Technische Daten: BMW R 1300 GS Adventure (2026)

 

Fertigungsland: Deutschland (Berlin-Spandau)

Motor: Luft-/flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Boxer, DOHC, BMW ShiftCam, Anti-Hopping-Kupplung, Euro 5+

Hubraum: 1.300 cm³

Leistung: 107 kW (145 PS) bei 7.750 U/min

Drehmoment: 149 Nm bei 6.500 U/min

Getriebe: 6 Gänge, Schaltassistent Pro serienmäßig; ASA optional (nur mit Dynamic-Paket)

Antrieb: Kardan

Rahmen: Stahlblech-Hauptrahmen, Aluminium-Gitterrohr-Heckrahmen

Fahrwerk vorn: BMW Motorrad EVO-Telelever mit Flexelement, DSA-Federbein, Federweg 210 mm

Fahrwerk hinten: BMW Motorrad EVO-Paralever, Aluminiumguss-Einarmschwinge, DSA-Federbein mit Beladungsausgleich, Federweg 220 mm; adaptive Fahrzeughöhenregelung optional

Bremsen vorn: 2× 310-mm-Scheibe (semi-schwimmend), Brembo 4-Kolben-Radialbremssattel

Bremsen hinten: 285-mm-Scheibe, 2-Kolben-Schwimmsattel

Räder: Kreuzspeichenräder serienmäßig (Trophy); Aluminium-Gussräder (Basis)

Reifen vorn: 120/70 R19

Reifen hinten: 170/60 R17

Assistenzsysteme: Vollintegrales ABS Pro, DTC, MSR, DBC, HSC, Tempomat DCC, 4 Fahrmodi serienmäßig; Riding Assistant mit ACC, FCW, SWW, RECW optional; Enduro Package Pro optional

Gewicht vollgetankt: 269 kg

Zuladung: 216 kg

Sitzhöhe: 870–890 mm (optional bis 820 mm mit adaptiver Höhenregelung Komfort)

Radstand: 1.534 mm

Tankinhalt: 30 Liter

Preis (D): ab 22.335 Euro (Basis); Trophy ab 23.060 Euro; Triple Black ab 23.120 Euro. Jeweils + Nebenkosten

Garantie: 2 Jahre, ohne Kilometerbeschränkung