Test BMW S 1000 RR (2026)

Das Superbike für alle, die Rennstrecke und Landstraße in einem wollen

BMW hat die S 1000 RR nicht für Racer gebaut, die sowieso die M 1000 RR kaufen. Sie ist für ambitionierte Fahrer gedacht, die am Wochenende auf die Rennstrecke gehen, aber auch nach Hause fahren müssen. Neue Winglets, Brake Ducts und Kurzhub-Gasgriff aus dem WM-Superbike – mehr Rennstrecken-DNA als je zuvor, zum günstigsten Preis im Segment. Ab 20.890 Euro.

Stand: 10.4.2026 | Getestetes Modell: BMW S 1000 RR (2026) | Preis ab: 20.890 Euro

Motor: 210 PS ShiftCam – unverändert stark, neu abgestimmt

999 cm³, Vierzylinder-Reihenmotor, BMW ShiftCam mit zweistufiger Einlassnockenwellensteuerung, flüssigkeitsgekühlt, Euro 5+. 154 kW (210 PS) bei 13.750 Touren, 113 Nm bei 11.000 Touren. Die Leistung der S 1000 RR ist seit Einführung der ShiftCam-Generation 2019 unverändert – BMW hat seit der 2025er-Version bewusst auf Leistungssteigerung verzichtet und stattdessen in Fahrbarkeit investiert. Das Ergebnis ist ein Superbike, das bereits bei 2.000 Touren ohne Verschlucken Gas annimmt und über das gesamte Drehzahlband keinen spürbaren Einbruch zeigt – außerordentlich für eine Maschine dieser Klasse.

Ab 2025 erhielt die S 1000 RR den Kurzhub-Gasgriff aus der M 1000 RR: Der Drehwinkel von Leerlauf auf Vollgas verkürzt sich um 14 Grad. Das ermöglicht präzisere Dosierung und schnelleres Aufdrehen ohne Nachfassen – auf der Rennstrecke beim Herausbeschleunigen aus Kurven ein spürbarer Vorteil. Der Schaltassistent Pro ist serienmäßig und wurde weiterentwickelt: ruckfreies Hoch- und Runterschalten auch bei Vollgas möglich.

Serienmäßig Fahrmodi Pro mit Race und Race Pro – das ist seit 2025 neu und gegenüber dem Vorgänger ein echter Mehrwert. Zusätzlich Engine Brake (einstellbare Motorbremsstärke), MSR (Motor-Schleppmoment-Regelung) und ABS-Setting für Slick-Reifen neu serienmäßig: Wer die S 1000 RR auf die Rennstrecke bringt, braucht keine Pakete nachzuordern, um ein vollständiges Track-Setup zu konfigurieren. Launch Control, Pit-Lane-Limiter, DTC, Wheelie Control, Slide Control und Brake Slide Assist sind serienmäßig an Bord.

Fahrwerk: Neue Winglets, Brake Ducts – mehr Abtrieb, direkter WM-Transfer

Das größte sichtbare Update der S 1000 RR seit 2025: neue Winglets an der Front, aerodynamisch stärker an die M-Version angelehnt. Sie erzeugen bei hohen Geschwindigkeiten mehr Abtrieb auf das Vorderrad als bisher und verbessern die Kurvenstabilität bei hohem Tempo sowie die Wheelie-Dämpfung beim Herausbeschleunigen. Hinzu kommen Brake Ducts – aerodynamische Bremsbelüftungen zwischen Vorderradabdeckung und Bremsscheiben, die die Bremsentemperatur unter harten Rennstreckenbedingungen senken. Beides ist direkt aus der Entwicklungsarbeit mit Toprak Razgatlioglu und dem BMW WorldSBK-Team übernommen.

Fahrwerk: Aluminium-Brückenrahmen (Flex-Frame) mit Motor als mittragendem Element. Vorne: 46-mm-USD-Gabel, in Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung einstellbar, Lenkungsdämpfer serienmäßig, Federweg 120 mm. Hinten: Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, einstellbar, Federweg 130 mm. DDC (Dynamic Damping Control, semiaktives Fahrwerk) ist optional im Dynamic-Paket (1.400 Euro) erhältlich. Das serienmäßige Fahrwerk ist bereits voll einstellbar und für Rennstrecke wie Landstraße nutzbar.

Bremsen: 320-mm-Doppelscheibe vorne mit radial montierten Vierkolben-Festsätteln, 220-mm-Scheibe hinten mit Einkolben-Schwimmsattel. ABS Pro serienmäßig, schräglagenoptimiert. Der Druckpunkt ist klar definiert, die Verzögerung jenseits von 10 m/s² – ohne Druckschwankungen auch über viele Runden. Die neue Frontpartie hat ein höheres Windschild erhalten, das den Fahrer bei hohen Tempi spürbar besser schützt.

Ergonomie: 832 mm Sitzhöhe, Rennstreckenposition – aber mit Alltagstauglichkeit

832 mm Sitzhöhe. Die Sitzposition ist rennstreckenorientiert: Lenkerklemmung nach vorne, Fußraste zurückversetzt, Oberkörper nach vorne geneigt. BMW hat die S 1000 RR nicht als Komfort-Tourer konzipiert – aber auch nicht als reines Streckengerät. Die Ergonomie erlaubt Wochenendausfahrten auf der Landstraße ohne übermäßige Beschwerden. Für mehrtägige Alpenpassfahrten ist sie nicht die erste Wahl. Der Soziussitz ist serienmäßig montiert, der neue Kennzeichenträger ist kürzer und schneller abnehmbar – praktisch für Rennstreckentage.

Das 6,5-Zoll-TFT-Display bietet umfangreiche Rennstreckeninformationen: Schräglage, Bremsdruckanzeige, Rundenzeiten. Connectivity und Bluetooth serienmäßig. Der 16,5-Liter-Tank ergibt auf der Straße rund 250 km Reichweite, auf der Rennstrecke erheblich weniger.

Handhabung: 198 kg, WM-Titel 2024 und 2025 – und das Ziel, breit beherrschbar zu sein

198 kg vollgetankt – mit Race-Paket 195,4 kg, mit M-Paket 193,5 kg. Toprak Razgatlioglu gewann auf der M 1000 RR die Superbike-WM 2024 und 2025 – BMW nutzt diese Erfolge und bringt die S 1000 RR auf aerodynamisch nahezu gleichen Stand mit der M-Version. Die aerodynamischen Updates sind kein Marketing-Transfer, sondern haben nachweislich messbaren Einfluss auf Geradeausfahrstabilität und Kurvengeschwindigkeit.

Die Universalität der S 1000 RR ist ihr Alleinstellungsmerkmal im Superbike-Segment. BMW hat die Elektronikabstimmung bewusst so ausgelegt, dass das Bike auch für Fahrer beherrschbar ist, die nicht jedes Wochenende auf die Rennstrecke gehen: Das schräglagensensitive ABS Pro und die DTC spannen ein Sicherheitsnetz auf. Erfahrene Fahrer können die ABS-Regelung stufenweise zurücknehmen bis auf das Slick-Setting. Der Motor gibt sich bei gemäßigtem Tempo lammfromm und explodiert erst oberhalb von 10.000 Touren.

Ausstattung: Drei Varianten, vier Pakete – DDC kostet Aufpreis

Drei Farbvarianten: Blackstorm metallic (Basis, 20.890 Euro), Bluestone metallic Sport-Variante, Lightwhite uni/M-Motorsport mit M-Paket. Serienmäßig: ABS Pro mit Slick-Setting, DTC, MSR, Slide Control, Brake Slide Assist, Wheelie Control, Launch Control, Pit-Lane-Limiter, Engine Brake, Fahrmodi Pro mit Race und Race Pro, Schaltassistent Pro, Kurzhub-Gasgriff, neue Winglets, Brake Ducts, 6,5-Zoll-TFT, Connectivity.

Optional: Dynamic-Paket mit DDC, Tempomat und Heizgriffen (1.400 Euro); Race-Paket (935 Euro); M Paket mit Sonderfarbe, Sportsitz und Karbonrädern (4.480 Euro); M Karbon-Paket mit Karbonverkleidungsteilen (1.980 Euro). Vollausgestattet nähert sich der Preis 29.000 Euro, das Gewicht sinkt auf 193,5 kg.

Kosten: 20.890 Euro – günstigstes Vollblut-Superbike mit WM-DNA

20.890 Euro Basispreis plus Nebenkosten. Ducati Panigale V4 ab 28.190 Euro. Aprilia RSV4 Factory ab 27.050 Euro. Die S 1000 RR ist damit das preisgünstigste vollwertige Superbike mit aktueller WM-Abstammung.

Inspektionen alle 10.000 km für 550–750 Euro. Ventilspielkontrolle alle 10.000 km. Pirelli Diablo Supercorsa SP V3 hält auf der Straße 2.000–3.000 km, auf der Rennstrecke deutlich kürzer. Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung.

Fazit

Die BMW S 1000 RR ist das preisgünstigste Superbike im Segment mit direktem WM-Technologietransfer. Neue Winglets, Brake Ducts und Kurzhub-Gasgriff aus dem WM-Motorrad, Fahrmodi Pro mit Race Pro und Slick-ABS-Setting neu serienmäßig – das Update seit Modelljahr 2025 ist substanziell. BMW hat dabei nicht vergessen, für wen die S 1000 RR gebaut ist: für Fahrer, die das Wochenende auf der Rennstrecke verbringen wollen, aber danach auch nach Hause fahren.

 

Kurzcheck

 

+ 210 PS ShiftCam – Motorkonzept des zweifachen Superbike-Weltmeisters 2024 und 2025 (Toprak Razgatlioglu auf M 1000 RR)

+ Neue Winglets und Brake Ducts für 2025 – direkter WM-Technologietransfer, mehr Abtrieb und bessere Bremsbelüftung

+ Kurzhub-Gasgriff serienmäßig: 14 Grad kürzerer Gasweg, präzisere Dosierung

+ Fahrmodi Pro mit Race und Race Pro neu serienmäßig – kein Aufpreis mehr

+ ABS-Setting für Slick-Reifen serienmäßig – vollständiges Track-Setup ohne Pakete

+ 198 kg vollgetankt – wettbewerbsfähig im Superbike-Segment

+ 20.890 Euro – günstiger als Ducati Panigale V4 und Aprilia RSV4 Factory

+ Breite Beherrschbarkeit: Landstraße und Rennstrecke in einem Motorrad

+ M Paket mit Karbonrädern optional für maximale Gewichtsreduktion auf 193,5 kg

 

DDC nicht serienmäßig – nur im optionalen Dynamic-Paket (1.400 Euro)

Sitzposition rennstreckenorientiert – Langstrecken beschwerlich

Standgeräusch über 95 dB(A) je nach Konfiguration – Tiroler Fahrbeschränkungen beachten

Auf der Straße ist das Leistungspotenzial kaum ausschöpfbar

Reifenverschleiß auf der Rennstrecke hoch

Garantie 2 Jahre – weniger als KTM oder Triumph (je 4 Jahre)

 

 

Technische Daten: BMW S 1000 RR (2026)

 

Fertigungsland: Deutschland (Berlin-Spandau)

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, DOHC, 4 Ventile/Zylinder, BMW ShiftCam, Euro 5+

Hubraum: 999 cm³

Leistung: 154 kW (210 PS) bei 13.750 U/min

Drehmoment: 113 Nm bei 11.000 U/min

Getriebe: 6 Gänge, Schaltassistent Pro serienmäßig

Antrieb: Kette

Rahmen: Aluminium-Brückenrahmen (Flex-Frame) mit Motor als mittragendem Element

Fahrwerk vorn: USD-Telegabel, ø 46 mm, einstellbar (Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung), Lenkungsdämpfer serienmäßig, Federweg 120 mm; DDC optional (Dynamic-Paket, 1.400 Euro)

Fahrwerk hinten: Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, einstellbar (Federvorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung), Federweg 130 mm; DDC optional

Aerodynamik: Neue Winglets serienmäßig (M-abgeleitet); Brake Ducts serienmäßig; überarbeitetes Windschild mit besserem Fahrerschutz

Bremsen vorn: 2× 320-mm-Scheibe, Vierkolben-Festsattel radial montiert

Bremsen hinten: 220-mm-Scheibe, Einkolben-Schwimmsattel

Räder: Aluminium-Gussräder; Karbonräder im M Paket (4.480 Euro)

Reifen vorn: 120/70 ZR17, Pirelli Diablo Supercorsa SP V3

Reifen hinten: 190/55 ZR17, Pirelli Diablo Supercorsa SP V3

Assistenzsysteme: ABS Pro (schrälagensensitiv, inkl. Slick-Setting), DTC, MSR, Slide Control, Brake Slide Assist, Wheelie Control, Launch Control, Pit-Lane-Limiter, Engine Brake serienmäßig; Fahrmodi Pro mit Race und Race Pro serienmäßig; DDC optional (Dynamic-Paket)

Display: 6,5-Zoll-TFT, Bluetooth, Connectivity serienmäßig

Gasgriff: Kurzhub-Gasgriff serienmäßig (Gasweg 14 Grad kürzer als Vorgänger)

Gewicht vollgetankt: 198 kg; mit Race-Paket 195,4 kg; mit M Paket 193,5 kg

Sitzhöhe: 832 mm

Radstand: 1.456 mm

Tankinhalt: 16,5 Liter

Preis (D): ab 20.890 Euro + Nebenkosten; Dynamic-Paket +1.400 Euro; Race-Paket +935 Euro; M Paket +4.480 Euro; M Karbon-Paket +1.980 Euro

Garantie: 2 Jahre, ohne Kilometerbeschränkung