Test Fantic Caballero 700 Scrambler (2026)
Yamaha-Motor, italienischer Rahmen – und moderner als die Technikspenderin
Stand: 13.4.2026 | Getestetes Modell: Fantic Caballero 700 Scrambler (2026) | Preis ab: 9.290 Euro (inkl. Nebenkosten)
Motor: Yamaha CP2 mit Fantic-Abstimmung – 75 PS, mehr als in MT-07 und XSR 700
689 cm³, Reihenzweizylinder, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 270°-Kurbelwellenversatz, Einspritzung, Ride-by-Wire. Der Yamaha CP2 ist einer der besten Mittelklasse-Motoren, die es derzeit gibt – bekannt aus MT-07, Ténéré 700 und XSR 700. Was bei Fantic nicht bekannt war: Durch eigene Abstimmung von Luftfilterbox, Auspuffanlage und Einspritz-Mapping holt Fantic aus dem CP2 rund 75 PS und 68–69 Nm heraus – je nach Quelle ca. 1–1,5 PS mehr als in den Yamaha-Modellen. Das ist ein feiner Unterschied, der sich weniger in Zahlen als im gefühlten Charakter äußert: Der Fantic-CP2 reagiert spontaner im Gasanschlag und liefert im unteren und mittleren Drehzahlbereich mehr Druck.
Der charakteristische CP2-Sound mit 270°-Versatz – synkopiert, pulsierend, deutlich anders als ein normaler Paralleltwin – wird durch den hochgelegten Fantic-Doppelschalldämpfer mit Carbonschutz akzentuiert. Wer den Yamaha-Klang von MT-07 oder Ténéré kennt, erkennt die Basis. Der Fantic-Charakter macht ihn aber anders: spontaner, direkter, mit etwas mehr Schub im Scrambler-typischen Niedrig- und Mitteldrehzahlbereich. Drei Fahrmodi: Street, Offroad, Custom. Im Offroad-Modus wirkt das ABS nur auf das Vorderrad, die Traktionskontrolle ist inaktiv. Im Custom-Modus kann der Fahrer ABS und Traktionskontrolle individuell konfigurieren oder vollständig abschalten.
Fahrwerk: Marzocchi USD-Gabel 45 mm, Brembo-Bremsen, Inertialplattform – weit über dem Yamaha-Niveau
Rahmen: Chrom-Molybdän-Stahl-Zentralrohrrahmen (Monobeam), komplett Fantic-eigene Konstruktion. Fahrwerk vorne: Marzocchi USD-Gabel, ø 45 mm, Federweg 150 mm – nicht einstellbar beim Standard-Scrambler. Fahrwerk hinten: Marzocchi-Monofederbein, Federweg 150 mm, einstellbar in Federvorspannung. Alu-Zweiarmschwinge. Drahtspeichenräder: 19 Zoll vorne, 17 Zoll hinten. Reifen: Pirelli Scorpion Rally STR, 110/80-19 vorne, 150/70-17 hinten – breiter als bei der 500er (140/80-17), was die höhere Leistung unterstreicht. Das Fahrwerk ist durch unzählige Testkilometer über alle Bedingungen abgestimmt: schnelle Straßen, Schotterpisten, Offroad. Das Ergebnis ist praxistauglich auf Asphalt, mit echtem Dual-Sport-Charakter im leichten Gelände.
Bremsen: das eigentliche Qualitätssignal. 330-mm-Scheibe vorne mit Brembo 4-Kolben-Radialsattel P4.32 – das ist ein echter Hochleistungssattel, wie er in deutlich teureren Motorrädern steckt. 245-mm-Scheibe hinten mit Brembo-Sattel. Continental Cornering ABS serienmäßig, abschaltbar, schräglagenoptimiert. Traktionskontrolle serienmäßig, abschaltbar. Inertialplattform (IMU) serienmäßig. Das ist eine Ausstattung, die in der Yamaha XSR 700 nicht zu finden ist – die XSR 700 hat kein Ride-by-Wire, keine Schräglage-Systeme. Die Fantic ist in der Elektronikausstattung erheblich moderner als das Spendermodell.
Ergonomie: 830 mm Sitzhöhe, rundes TFT mit Bluetooth, aufrechte Scrambler-Position
830 mm Sitzhöhe – 10 mm höher als die 500er-Variante. Beide Beine kommen auch bei kürzeren Fahrern dank schmaler Taille sicher auf den Boden. Die Sitzbank ist flach und durchgehend, Scrambler-typisch aufrecht. Der breite, konifizierte Off-road-Lenker erzwingt eine leichte Vorlage des Oberkörpers bei entspannten Kniewinkeln – typisches Scrambler-Feeling, das über weite Strecken nicht ermüdet. Kohärente Sitzposition für Fahrer bis ca. 1,90 m.
Display: 3,5-Zoll-TFT, rund – der erste Scrambler weltweit mit diesem Feature bei seiner Vorstellung 2023. Das runde TFT passt ikonografisch perfekt zum Scrambler-Design und ist klar ablesbar. Bluetooth-Konnektivität für Telefonie und Media-Anwendungen serienmäßig – ein erheblicher Vorteil gegenüber dem LCD-Display der 500er. Tankinhalt 14 Liter; bei ca. 4,1 Litern Verbrauch auf 100 km rund 320–340 km Reichweite. Full-LED-Beleuchtung serienmäßig. Arrow-Doppelschalldämpfer serienmäßig mit Carbon-Auspuffschutz.
Handhabung: ca. 188 kg vollgetankt – agil für ein 75-PS-Motorrad, ehrlich zu seinen Grenzen im Gelände
Ca. 188 kg vollgetankt ist für ein Motorrad mit 75 PS und Brembo-Bremsen ausgesprochen wenig. Die Yamaha XSR 700 liegt im ähnlichen Bereich (ca. 193 kg). Die Triumph Scrambler 900 (2026) ist mit dem neuen Rahmen leichter geworden, aber der Zweizylinder mit 900 ccm und 80 Nm Drehmoment spielt in einer anderen Drehzahl-Charakterklasse. Die Fantic ist kein Reisemotorrad: 14 Liter Tank, keine Halterung für Koffersystem, keine Windschutzscheibe. Wer das versteht und ein Scrambler-Motorrad kaufen will, das auf Landstraßen und Schotterpisten funktioniert, findet in der Caballero 700 eines der besten Angebote im Segment.
Testberichte beschreiben die 700er als angenehm handlich, mit gutem Handling über den breiten Lenker und einer gutmütigen Zugangskurve. Der CP2-Motor ist kein Anfänger-Motor – 75 PS bei einem leichten Motorrad verlangen Respekt. Aber er ist gutmütig im Charakter, linear in der Leistungsentfaltung und dank Ride-by-Wire und drei Fahrmodi gut dosierbar. Das Getriebe hakelt bei fabrikneuen Exemplaren anfangs leicht in den oberen Gängen – das legt sich nach den ersten Einfahrkilometern.
Ausstattung: Moderne Elektronik, die Yamaha XSR 700 übertrifft – erster Scrambler weltweit mit rundem TFT
Serienmäßig: Yamaha CP2 (689 cm³) mit Fantic-Abstimmung (Ride-by-Wire), Continental Cornering ABS (abschaltbar), Traktionskontrolle (abschaltbar), IMU (Inertialplattform), drei Fahrmodi (Street, Offroad, Custom), 3,5-Zoll-TFT-Display rund mit Bluetooth, Arrow-Doppelschalldämpfer, Carbon-Auspuffschutz, Brembo 4-Kolben-Radialsattel vorne, Brembo hinten, Marzocchi USD-Gabel 45 mm, Pirelli Scorpion Rally STR, Full-LED-Beleuchtung, CNC-Gabelbrücke. Farbvarianten: Rot (klassisch, Hommage an Caballero 125 RC 1974–76) und Mattblau-Metallic. Deluxe-Variante mit Scrambler-Lenker und zusätzlichen optischen Details. Versorgungshinweis: Die Caballero 700 ist in geringeren Stückzahlen als Mainstream-Modelle verfügbar, bei Interesse den Händler frühzeitig kontaktieren.
Kosten: 9.290 Euro – unter 10.000 Euro für ein Motorrad mit Brembo, Marzocchi, IMU und TFT
Ab 9.290 Euro (Scrambler), ab 9.999 Euro (Deluxe). Direkter Vergleich: Yamaha XSR 700 ab 12.249 Euro. Triumph Scrambler 900 (2026, neuer Rahmen) ab 12.445 Euro laut Triumph Deutschland – rund 3.000 Euro teurer, 65 PS, 900 cm³, mehr Drehmoment, britisches Markenprestige. Die Fantic positioniert sich zwischen beiden: mehr Elektronik und Ausstattungsqualität als die Yamaha, niedrigerer Preis als die Triumph.
Inspektionen alle 10.000 km. Garantie: 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung. Das Fantic-Händlernetz in Deutschland ist kleiner als Yamaha oder Triumph – vor dem Kauf prüfen.
Fazit
Die Fantic Caballero 700 Scrambler ist das überzeugendste Scrambler-Angebot zwischen 9.000 und 10.000 Euro. Sie hat den besten Motor des Segments (Yamaha CP2, eigenständig abgestimmt), die beste Elektronikausstattung (Kurven-ABS, IMU, Ride-by-Wire – alles serienmäßig), die besten Bremsen (Brembo 4-Kolben-Radialsattel) und ein Design, das erklärungslos funktioniert. Sie ist besser ausgestattet als die XSR 700 und günstiger als die Triumph Scrambler 900. Wer das Paket versteht, kommt schwer an ihr vorbei.
Kurzcheck
+ Yamaha CP2 (689 cm³) mit Fantic-Abstimmung: 75 PS – ca. 1–1,5 PS mehr als in MT-07 und XSR 700
+ Continental Cornering ABS, IMU und Ride-by-Wire serienmäßig – weit moderner als Yamaha XSR 700
+ Brembo 4-Kolben-Radialsattel P4.32 vorne – Oberklasse-Bremse im Mittelklasse-Preis
+ Marzocchi USD-Gabel 45 mm serienmäßig
+ Ca. 188 kg vollgetankt – ausgesprochen leicht für ein 75-PS-Motorrad
+ 3,5-Zoll-TFT-Display (rund) mit Bluetooth: weltweit erster Scrambler mit diesem Feature
+ Arrow-Doppelschalldämpfer serienmäßig mit Carbon-Auspuffschutz
+ Drei Fahrmodi (Street, Offroad, Custom): Offroad-Modus deaktiviert Traktionskontrolle, reduziert ABS
+ 9.290 Euro Basis inkl. Nebenkosten: unter 10.000 Euro für Brembo, Marzocchi, IMU, TFT
+ Ca. 3.000 Euro günstiger als Triumph Scrambler 900 (2026) bei höherer Elektronikausstattung
– USD-Gabel nicht einstellbar (Scrambler-Version); Federbein nur Vorspannung einstellbar
– Kein Reisemotorrad: 14-Liter-Tank, kein Koffersystem, keine Windschutzscheibe
– Geringere Stückzahlen als Mainstream-Modelle: Verfügbarkeit beim Händler erfragen
– Fantic-Händlernetz in Deutschland kleiner als Yamaha oder Triumph
– Getriebe bei fabrikneuen Exemplaren anfangs etwas hakelig – legt sich nach Einfahren
– Garantie 2 Jahre
Technische Daten: Fantic Caballero 700 Scrambler (2026)
Fertigungsland: Italien (Asolo, Treviso); Motor: Yamaha (Japan), Fantic-Abstimmung
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder-Viertaktmotor, DOHC, 270°-Kurbelwellenversatz, Ride-by-Wire; Yamaha CP2
Hubraum: 689 cm³ (80 mm × 68,6 mm)
Leistung: 55 kW (75 PS); ca. 1–1,5 PS mehr als in Yamaha-Modellen durch Fantic-Abstimmung
Drehmoment: ca. 68–69 Nm
Getriebe: 6 Gänge; Kettenantrieb
Fahrmodi: Street, Offroad, Custom (Custom: ABS und TC frei konfigurierbar oder vollständig abschaltbar)
Rahmen: Chrom-Molybdän-Stahl-Zentralrohrrahmen (Monobeam), Fantic-Eigenkonstruktion
Fahrwerk vorn: Marzocchi USD-Gabel, ø 45 mm, Federweg 150 mm (Scrambler: nicht einstellbar)
Fahrwerk hinten: Marzocchi-Monofederbein, Federweg 150 mm, einstellbar in Federvorspannung; Alu-Zweiarmschwinge
Bremsen vorn: 330-mm-Scheibe, Brembo 4-Kolben-Radialsattel P4.32
Bremsen hinten: 245-mm-Scheibe, Brembo-Sattel
Assistenzsysteme: Continental Cornering ABS (abschaltbar, schräglagenoptimiert), Traktionskontrolle (abschaltbar), IMU (Inertialplattform)
Räder: Drahtspeichenräder, 19 Zoll vorne, 17 Zoll hinten
Reifen vorn: Pirelli Scorpion Rally STR 110/80-19
Reifen hinten: Pirelli Scorpion Rally STR 150/70-17
Auspuff: Arrow-Doppelschalldämpfer serienmäßig, Carbon-Auspuffschutz
Display: 3,5-Zoll-TFT, rund, mit Bluetooth (Telefonie und Media); weltweit erster Scrambler mit rundem TFT bei Vorstellung 2023
Beleuchtung: Full-LED serienmäßig
Gewicht vollgetankt: ca. 188 kg
Sitzhöhe: 830 mm
Radstand: 1.460 mm
Tankinhalt: 14 Liter
Preis (D): ab 9.290 Euro (Scrambler Basis); 9.999 Euro (Deluxe), jeweils inkl. Nebenkosten
Garantie: 2 Jahre, ohne Kilometerbeschränkung