Test Harley-Davidson Street Bob (2026)
der günstigste Weg in die Softail-Familie – minimalistisch, direkt, kompromisslos
Stand: 28.4.2026 | Modell: Harley-Davidson Street Bob (FXBB; 2026; 2026-Neu: Milwaukee-Eight 117 statt 114, Solo Trim Package, neue Farben); Hersteller: Harley-Davidson Motor Company (Milwaukee, WI, USA) | Preis DE: ab 17.500 Euro (UVP inkl. MwSt.; zzgl. 560 Euro Transport/Aufbau; 4 Jahre Garantie inkl.) | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; Vorgänger 114 hatte 97 dB(A) – über Tirol-Grenze; beim Händler klären | Garantie: 4 Jahre (2 Jahre Hersteller + 2 Jahre Anschlussgarantie)
Was 2026 neu ist
Das wichtigste 2026er-Update der Street Bob ist der Motorwechsel: Statt des Milwaukee-Eight 114 kommt jetzt der Milwaukee-Eight 117 Classic zum Einsatz – derselbe Motor, der auch in der Heritage Classic sitzt. Das bedeutet mehr Hubraum (1.917 statt 1.868 cm³), mehr Drehmoment (156 Nm statt ca. 150 Nm beim 114er) und eine neue 2-in-1-Auspuffanlage, die auf maximalen Durchlass und Drehmomentverlauf abgestimmt ist. Die neue Showa-Telegabel mit Dual-Bending-Valve-Technologie wurde bereits 2025 eingeführt und verbessert das Handling spürbar.
Zusätzlich gibt es das Solo Trim Package – neu für 2026: Dark Billiard Gray, Einzelsitz, keine Soziusfußrasten, Gussfelgen. In den USA ist das der günstigste Einstieg; die Preisgestaltung für Deutschland beim Händler erfragen. Fünf neue Farboptionen ergänzen das Angebot. Das legendäre „Stretched Diamond“-Tankemblem von Willie G. (1966) erscheint 2026 erstmals bei allen fünf Lackvarianten der Street Bob.
Philosophie: Minimalismus als Programm
Die Street Bob hat eine klare redaktionelle Haltung zum Motorrad: Alles, was man nicht braucht, kommt nicht drauf. Kein Windschild. Keine Satteltaschen. Kein großes Instrument. Das 102-mm-Analoginstrument mit kleinem LCD-Einschub gibt Geschwindigkeit, Gang, Verbrauch und Fahrmodus aus – mehr muss es nicht. Der Mini-Ape-Hanger-Lenker hält die Arme auf Schulterhöhe, der schlanke 13,2-Liter-Tank lässt die Taille des Rahmens sehen, das gekürzte hintere Schutzblech spart Masse und sieht gut aus.
Das ist kein Sparmotorrad. Es ist ein Motorrad, dessen Gestaltungsprinzip Weglassen ist. Für Fahrer, die genau das wollen, gibt es im Harley-Programm keine überzeugendere Antwort unter 20.000 Euro. Für Fahrer, die auf der Autobahn vom Wind gebremst werden wollen oder auf Reisen Gepäck brauchen, ist die Heritage Classic (28.270 Euro) die sinnvollere Wahl.
Motor: Milwaukee-Eight 117 Classic
1.917 cm³, 92 PS bei 5.020/min, 156 Nm bei 2.750/min. Die Classic-Abstimmung ist auf frühes, breites Drehmoment optimiert – dieselbe Motorcharakteristik wie bei der Heritage Classic. Der Motor zieht schon ab 2.000 Touren ohne Zicken durch. Das maximale Drehmoment liegt so weit unten, dass man es im zweiten Gang im Stadtverkehr spürt. Die neue 2-in-1-Auspuffanlage klingt tiefer und kerniger als der 2-in-2 der Fat Boy, und das Gewicht der einfacheren Anlage kommt der Gesamtmasse zugute.
6-Gang-Getriebe, Zahnriemen, Anti-Hopping-Kupplung. Verbrauch ca. 5,5 l/100 km, aber nur 13,2 Liter Tank – das ergibt eine Reichweite von ca. 240 km. Das ist die ehrlichste Einschränkung der Street Bob: Sie ist kein Reisemotorrad. 240 km sind für Stadttouren und Tagesausflüge vollkommen ausreichend, für Mehrtagestouren plant man die Tankstopps mit.
Fahrwerk und Ergonomie
Showa-Telegabel mit 49 mm Dual-Bending-Valve-Technologie vorn – zwei Federraten in einer Gabel, die bei kleinen Unebenheiten weich und bei harten Einfedern steifer wird. Das Zentralfederbein hinten ist unter dem Sitz versteckt und über einen Nocken in der Federvorspannung einstellbar. 19-Zoll-Vorderrad und 16-Zoll-Hinterrad.
Die Sitzhöhe von 680 mm ist mit den tief eingehängten Fußrasten kombiniert, was eine entspannte, leicht nach vorn gestreckte Sitzposition ergibt. 305 kg fahrfertig – weniger als Fat Boy und Heritage Classic, was das Handling minimal agiler macht.
Die schwarzen Annihilator-Gussfelgen sind serienmäßig, optional sind schlauchlose Drahtspeichenräder erhältlich. Die Drahtspeichenräder passen optisch zu dem Motorrad und sind praktisch für Touren: Reifenpannen lassen sich mit einem Reparaturkit ohne Werkstatt beheben.
Tirol-Hinweis: Standgeräusch
Das Vorgängermodell Street Bob 114 hatte laut EU-Typgenehmigung ein Standgeräusch von 97 dB(A) – das liegt über der Tiroler 95-dB(A)-Grenze und fällt damit unter die Fahrverbote auf bestimmten Tiroler Straßenabschnitten. Ob das neue 117er-Aggregat mit seiner veränderten Auspuffanlage diesen Wert verbessert oder beibehält, ist nicht offiziell publiziert. Wer Tirol-Touren plant, muss diesen Wert vorab beim Händler klären.
Preis und Einordnung
Ab 17.500 Euro UVP in Deutschland – zzgl. 560 Euro Transport/Aufbau, 4 Jahre Garantie inklusive. Das ist der günstigste Einstieg in die Harley-Davidson-Softail-Cruiser-Familie und rund 9.000 Euro weniger als die Fat Boy. Was man dafür aufgibt: Lakester-Felgen, 2-in-2-Auspuff, Doppelscheibenbremse (Fat Boy) und Windschild/Koffer (Heritage Classic). Was man behält: denselben Softail-Rahmen, denselben 117er-Classic-Motor, dasselbe Fahrerassistenzpaket. Die Indian Scout Bobber kostet ca. 15.400 Euro und ist ein relevanter Vergleichspunkt – leichter, moderner, anderen Charakter. Die Triumph Bonneville Bobber liegt bei ca. 16.400 Euro und ist deutlich leichter.
Fazit
Die Street Bob 2026 ist das beste Argument für alle, die Harley-Davidson aus Überzeugung kaufen wollen, aber nicht den höchsten Preis zahlen müssen. Der Milwaukee-Eight 117 Classic macht das Angebot 2026 attraktiver als je zuvor: mehr Hubraum, mehr Drehmoment, neue Auspuffanlage. Was das Motorrad nicht kann – längere Touren ohne Windschutz, Reisen mit Gepäck – steht bereits im Design geschrieben. Wer das weiß und es trotzdem will, trifft die richtige Wahl.
Kurzcheck
+ Ab 17.500 Euro: günstigster Einstieg in die Harley-Softail-Cruiser-Familie; Milwaukee-Eight 117 Classic 2026 neu (Upgrade von 114): 156 Nm bei 2.750/min, mehr Hubraum, neue 2-in-1-Auspuffanlage
+ Minimalismus als Designentscheidung: kein Windschild, keine Koffer, kompaktes 102-mm-Instrument, schlanker 13,2-L-Tank, gekürztes Schutzblech – das puristischste Motorrad im Harley-Cruiser-Programm
+ Showa-DBV-Telegabel, Zentralfederbein, 680 mm Sitzhöhe, 19/16-Zoll-Räder; 304 kg – leichtestes und agilstes Modell der Softail-Cruiser-Familie; C-ABS, C-TCS, C-DSCS, TPMS, Tempomat, USB-C, 3 Fahrmodi; 4 Jahre Garantie
+ 2026-Neu: Solo Trim Package (Einzelsitz, Dark Billiard Gray); „Stretched Diamond“-Tankemblem erstmals bei allen 5 Farben; optionale schlauchlose Drahtspeichenräder; dichtes weltweites Händlernetz
– Standgeräusch: Vorgänger 114 hatte 97 dB(A) – über der Tiroler 95-dB(A)-Grenze; 117er-Wert nicht offiziell publiziert – Tirol-Touren vorab beim Händler klären
– 13,2-Liter-Tank: ca. 240 km Reichweite – für Tagestouren ausreichend; für Mehrtagestouren häufiges Tanken einplanen; kein Windschutz für Autobahnpassagen
– Einzelscheibe vorn (Heritage Classic hat Doppelscheibe); kein Soziussitz serienmäßig (nur über Zubehör); kein Gepäcksystem ab Werk; 304 kg im Stadtverkehr spürbar
– 92 PS: sportliche Leistungsreserven fehlen; kein TFT; kein Navi; wer mehr Ausstattung will, zahlt für Heritage Classic oder Fat Boy deutlich mehr
Technische Daten: Harley-Davidson Street Bob (2026)
Marke / Modell: Harley-Davidson Street Bob (FXBB; 2026; 2026-Neu: Milwaukee-Eight 117 Classic statt 114, Solo Trim Package, neue Farben); Hersteller: Harley-Davidson Motor Company (Milwaukee, WI, USA)
Was 2026 neu ist: Milwaukee-Eight 117 Classic (Upgrade von 114; mehr Hubraum, mehr Drehmoment, neue 2-in-1-Auspuffanlage); Solo Trim Package (Einzelsitz, Dark Billiard Gray, Gussfelgen, keine Soziusfußrasten); 'Stretched Diamond'-Tankemblem bei allen 5 Farben; neue Farboptionen
Motor: Luft- und ölgekühlter 45°-V-Twin Milwaukee-Eight 117 Classic; 1.917 cm³; 2 Ventile pro Zylinder; 2-in-1-Auspuffanlage; Einspritzung; Anti-Hopping-Kupplung; Euro 5+
Leistung: 92 PS (68 kW) bei 5.020/min
Drehmoment: 156 Nm bei 2.750/min
Vmax / Verbrauch: ca. 175 km/h, ca. 5,5 l/100 km, ca. 240 km Reichweite
Tank / Gewicht: 13,2 l (schlanker Tank); 304 kg vollgetankt
Getriebe / Antrieb: 6-Gang; Zahnriemen
Elektronik: C-ABS; C-TCS; C-DSCS; TPMS; 3 Fahrmodi (Road, Rain, Sport); Tempomat; USB-C; 102-mm-Analoginstrument mit LCD-Einschub; einstellbarer Bremshebel
Gabel: SHOWA Dual-Bending-Valve-Telegabel 49 mm; 2 Federraten
Federbein: Verstecktes Zentralfederbein (unter Sitz); Nocken-Federvorspannung einstellbar
Bremse vorn: 4-Kolben-Festsattel; Einzelscheibe; C-ABS
Bremse hinten: 2-Kolben-Sattel; Einzelscheibe; ABS
Räder: Annihilator-Gussfelgen schwarz serienmäßig; 19 Zoll vorn; 16 Zoll hinten; optional schlauchlose Drahtspeichenräder
Reifen: Dunlop; 100/90B19 vorn; 160/70B17 hinten
Ergonomie: Sitzhöhe 680 mm; Mini-Ape-Hanger-Lenker; tief eingehängte Fußrasten; gekürztes hinteres Schutzblech; Soziussitz serienmäßig (Two-Up; klappbare Soziusfußrasten)
Standgeräusch: Vorgänger 114: 97 dB(A) (über Tirol-Grenze 95 dB(A)); 117er-Wert nicht offiziell publiziert – vor Tirol-Touren beim Händler klären
Farben 2026: Vivid Black; Dark Billiard Gray; Baja Orange; Billiard Red; Billiard Gray (neu); Solo Trim: Dark Billiard Gray
Garantie / Service: 4 Jahre (2 Jahre Herstellergarantie + 2 Jahre Händler-Anschlussgarantie); weltweites Händlernetz
Preis (D): ab 17.500 Euro (zzgl. 560 Euro Transport/Aufbau). Solo Trim: beim Händler erfragen