Test Husqvarna 701 Supermoto (2026)
79 PS, 145 kg, Supermoto-ABS – das Straßenmotorrad mit Rennstrecken-Elektronik
Stand: 17.7.2026 | Modell: Husqvarna 701 Supermoto (2026; LC4 Einzylinder; Supermoto/Naked; A / A2 gedrosselt möglich); Hersteller: Husqvarna Motorcycles GmbH (Mattighofen, Österreich; Pierer Mobility / Bajaj Auto) | Preis DE: 12.499 Euro zzgl. 495 Euro Nebenkosten (gesamt 12.994 Euro) | Standgeräusch: 94 dB(A) (Tirol-konform) | Garantie: 4 Jahre (Husqvarna-Standard)
Es gibt Motorräder, die nach Rennstrecke aussehen. Und es gibt Motorräder, die für die Rennstrecke gemacht sind und auf der Straße fahren dürfen. Die Husqvarna 701 Supermoto ist das zweite. 79 PS aus dem LC4-Einzylinder. 145 kg Trockengewicht. Supermoto-ABS, das das Hinterrad beim Bremsen gezielt rutschen lässt. Track Mode mit Launch Control. Und 94 dB(A) – das Standgeräusch liegt exakt einen Dezibel unter der Tiroler Grenze.
Die 701 Supermoto und die 701 Enduro sind aus demselben LC4-Motor gemacht und kosten dasselbe. Was sie trennt, ist die Ausrichtung: Gelände oder Asphalt, 21-Zoll oder 17-Zoll, 935 mm oder 890 mm, Enduro-ABS oder Supermoto-ABS. Das ist die Kaufentscheidung.
Der Motor: 79 PS, neue Kraftstoffpumpe, direktere Gas-Hinterrad-Verbindung
Identisch mit der 701 Enduro in allen wesentlichen Eckwerten: LC4-Einzylinder, 79 PS (+5 PS gegenüber Vorgänger), 73 Nm, Ride-by-Wire, 6-Gang, optionaler Quickshifter+, 15.000 km Ölwechsel-Intervall (neu 2026), 30.000 km Ventilspielkontrolle. Was die Supermoto-Version zusätzlich bekommt: eine Kraftstoffpumpe mit höherem Druck. Husqvarna beschreibt den Effekt: direktere Verbindung zwischen Gaspedal und Hinterrad. Das ist der Charakter-Unterschied auf der Straße: Die Supermoto reagiert unmittelbarer auf Gasstöße. Das ist auf der Rennstrecke ein Vorteil. Im Stadtverkehr eine Frage der Gewöhnung.
Supermoto-ABS: vier Einstellungen, Hinterrad-Rutschen erlaubt
Das ABS der 701 Supermoto hat vier Einstellungen. Straße: konventionelles ABS für den Alltag. Sport: späteres Eingreifen, mehr Fahrerautonomie. Supermoto: erlaubt das Hinterrad-Rutschen beim Bremsen. Supermoto+: erlaubt kontrolliertes Hinterrad-Rutschen auch bei höherer Schräglage. Das ist das ABS-System für Fahrer, die Supermoto-Fahrtechnik beherrschen oder erlernen wollen: Einlenken mit blockierendem oder rutschendem Hinterrad ist Supermoto-Technik, kein Fehler.
Die Brembo-Vierkolben-Anlage vorn (320 mm) ist – anders als bei der Enduro mit 300-mm-Zweikolben – für hartes Straßenbremsen und Rennstreckeneinsatz ausgelegt. Der Kritikpunkt des 1000PS-Enduro-Tests – „Vorderbremse für Straßeneinsatz etwas zu schwach“ – gilt hier nicht: Die Supermoto hat 20 mm mehr Scheibendurchmesser und doppelt so viele Kolben vorn. Das ist das richtige Werkzeug für das richtige Einsatzgebiet.
WP APEX, 240 mm, 17-Zoll-Gussräder: das Supermoto-Fahrwerk
WP APEX Gabel vorn (Enduro: WP XPLOR): 240 mm Federweg, einstellbar in Druck- und Zugstufe. WP APEX Federbein hinten: 240 mm Federweg, Druck- und Zugstufe einstellbar. Das ist weniger Federweg als die Enduro (265 mm), aber mit auf Asphalt-Feedback optimierter Abstimmung. Das Ergebnis laut Husqvarna: „hohes Maß an Rückmeldung vom Asphalt.“ Das ist der Unterschied zwischen einem Enduro-Fahrwerk (absorbiert Unebenheiten) und einem Supermoto-Fahrwerk (kommuniziert Unebenheiten).
17-Zoll-Gussräder vorn und hinten. 120/70-17 vorn, 160/60-17 hinten. Das ist das Reifenprofil der Straße und der Rennstrecke: mehr Reifenbreite, mehr Gummi-Asphalt-Kontaktfläche, mehr Grip bei hohen Kurvengeschwindigkeiten auf glattem Belag. Auf Schotter, Sand oder Waldwegen: das schlechtere System als das 21/18-Zoll-Profil der Enduro. Die Entscheidung ist eindeutig: 17 Zoll = Straße. 21/18 Zoll = Gelände.
890 mm und 145 kg: zugänglicher als die Enduro
890 mm Sitzhöhe. Das sind 45 mm weniger als die Enduro-Sitzhöhe von 935 mm. Für Fahrer zwischen 1,70 und 1,80 m: Der Unterschied ist spürbar. 145 kg Trockengewicht. Das ist leichter als fast jedes vergleichbare Motorrad mit ähnlicher Leistung. Für ein Straßenmotorrad mit 79 PS ist 145 kg trocken ein vorzügliches Leistungsgewicht.
Track Mode: Launch Control, Wheeliekontrolle, Motorbremskontrolle
Der optionale Track Mode (Aufpreis) ergänzt die Basisfahrmodi Street und Sport um drei Rennstrecken-Features. Launch Control: optimale Startbeschleunigung ohne Hinterrad-Durchdrehen. Anti-Wheelie 5-stufig: konfigurierbar von vollständiger Wheelie-Unterdrückung bis minimaler Einmischung. Motorbremskontrolle: stellt sicher, dass das Motorrad beim Gaswegnehmen gleichmäßig verzögert ohne Hinterrad-Hüpfen. Das sind drei Systeme, die auf Trackdays kaufentscheidend sind – und die in der Standardversion nicht verfügbar sind.
94 dB(A): ein Dezibel unter der Tiroler Grenze
94 dB(A) Standgeräusch laut EU-Typgenehmigung. 94 dB(A) ist legal. 95 dB(A) wäre das Fahrverbot in Tirol. Der Puffer ist ein Dezibel. Das ist knapp.
12.994 Euro: gleich wie Enduro, anderes Motorrad
12.499 Euro zzgl. 495 Euro Nebenkosten = ca. 12.994 Euro Gesamtpreis – identisch mit der 701 Enduro. Für denselben Preis bekommt man entweder das Gelände-Werkzeug (Enduro: 265 mm Federweg, 21/18 Zoll, 935 mm, Enduro-ABS, Dynamic Slip Adjust optional) oder das Straßen-Werkzeug (Supermoto: 240 mm Federweg, 17/17 Zoll, 890 mm, Supermoto-ABS mit 4 Einstellungen, Track Mode optional). Die Entscheidung hängt ausschließlich davon ab, wo man fahren will.
Fazit
Die Husqvarna 701 Supermoto ist das Motorrad für Fahrer, die Supermoto-Technik auf der Straße und gelegentlich auf der Rennstrecke ausüben wollen. 79 PS, 145 kg trocken, Brembo-Vierkolben 320 mm, Supermoto-ABS mit Hinterrad-Rutsch-Modus, optionaler Track Mode mit Launch Control. 94 dB(A) – Tirol-konform, aber knapp. 12.994 Euro. Für die Zielgruppe: das konsequenteste Angebot in der Klasse.
Kurzcheck
+ Supermoto-ABS mit 4 Einstellungen (Straße/Sport/Supermoto/Supermoto+): erlaubt Hinterrad-Rutschen beim Bremsen.
+ Brembo Vierkolben vorn (320 mm): stärkste Bremsanlage aller Einzylinder-Modelle.
+ 79 PS / 145 kg Trockengewicht: konkurrenzloses Leistungsgewicht unter straßenzugelassenen Einzylindern.
+ 890 mm Sitzhöhe: 45 mm niedriger als Enduro; zugänglicher für Fahrer unter 1,80 m.
+ WP APEX Fahrwerk voll einstellbar: hohes Asphalt-Feedback (Husqvarna: 'wie ein direktes Gespräch mit dem Asphalt').
+ Optionaler Track Mode: Launch Control, 5-stufige Wheeliekontrolle, Motorbremskontrolle.
+ 15.000 km Ölwechsel-Intervall (neu 2026); 30.000 km Ventilspielkontrolle.
+ 4,2-Zoll-TFT-Display mit Smartphone-Konnektivität (neu 2026).
+ 94 dB(A): Tirol-konform; Auspuff-Tausch ohne Kat-Komplikationen möglich (Kat im Krümmer).
– 94 dB(A): nur 1 dB(A) Puffer bis zur Tiroler Grenze; bei Zubehör-Auspuff EU-Typgenehmigung beachten.
– 17/17-Zoll-Gussräder: kein Geländeeinsatz sinnvoll; reine Straßen/Rennstrecken-Auslegung.
– Kein Sozius ab Werk: Einsitzer serienmäßig.
– Track Mode und Quickshifter nur gegen Aufpreis.
– 890 mm: immer noch sehr hoch für Fahrer unter 1,70 m.
– 13-Liter-Tank: ca. 300 km Reichweite; bei sportlicher Fahrweise kürzer.
Technische Daten: Husqvarna 701 Supermoto (2026)
Marke / Modell: Husqvarna 701 Supermoto (2026; LC4 Einzylinder flüssigkeitsgekühlt; Supermoto/Naked; A / A2 Drosselung möglich); Hersteller: Husqvarna Motorcycles GmbH (Mattighofen, Österreich; Pierer Mobility / Bajaj Auto)
Motor: LC4; flüssigkeitsgekühlter Einzylinder; 79 PS (neu 2026, +5 PS); 73 Nm; Ride-by-Wire; 6-Gang; neue Hochdruck-Kraftstoffpumpe (direktere Gas-Hinterrad-Verbindung); optionaler Quickshifter+; Euro 5
Wartung (neu 2026): 15.000 km Ölwechsel-Intervall; 30.000 km Ventilspielkontrolle (identisch mit Enduro)
Fahrwerk vorn: WP APEX Gabel; voll einstellbar (Druck- und Zugstufe); 240 mm Federweg
Fahrwerk hinten: WP APEX Federbein; voll einstellbar (Druck- und Zugstufe); 240 mm Federweg
Bremsen: Brembo Vierkolben-Sattel vorn; 320-mm-Scheibe. Brembo Einkolben hinten; 240-mm-Scheibe. Bosch ABS: 4 Einstellungen (Straße / Sport / Supermoto [Hinterrad-Rutschen erlaubt] / Supermoto+ [Rutschen bei Schräglage]).
Räder / Reifen: 17 Zoll vorn und hinten; 120/70-17 vorn / 160/60-17 hinten; Gussräder; Straßenreifen
Gewicht / Sitzhöhe: 145 kg trocken; Sitzhöhe 890 mm (45 mm niedriger als Enduro)
Tank / Verbrauch: 13 Liter (integriert im Heckrahmen); ca. 4,2 l/100 km; Reichweite ca. 300 km
Elektronik: Ride-by-Wire; Bosch ABS (4 Modi); schräglagenabhängige Traktionskontrolle; Fahrmodi Street/Sport; optionaler Track Mode (Launch Control + Anti-Wheelie 5-stufig + Motorbremskontrolle); 4,2-Zoll-TFT-Display; Smartphone-Konnektivität; USB-C
Supermoto vs. Enduro: Gleicher Motor/Preis. Supermoto: 17/17-Zoll-Gussräder, 240 mm Federweg, 890 mm, Brembo 4-Kolben 320 mm, Supermoto-ABS 4-Modi, Track Mode optional. Enduro: 21/18-Zoll-Speichenräder, 265 mm Federweg, 935 mm, Brembo 2-Kolben 300 mm, Enduro-ABS, Rally Pack optional.
Standgeräusch: 94 dB(A) (EU-Typgenehmigung; Tirol-konform; 1 dB(A) Puffer bis 95-dB-Grenze; bei Zubehör-Auspuff Typgenehmigung prüfen)
Garantie: 4 Jahre (Husqvarna-Standard)
Konkurrenz: KTM 690 SMC R (technisch Schwester, Orange): ca. 12.000 Euro inkl. Nebenkosten. Aprilia Dorsoduro 900: ca. 10.000 Euro gebraucht. Yamaha MT-07 (47 PS, 689 ccm, 184 kg): ca. 8.500 Euro. 701 Supermoto: mehr PS und weniger Gewicht als alle genannten; höchstes spezifisches Leistungsgewicht im Supermoto-Segment.
Preis (D): 12.499 Euro zzgl. 495 Euro Nebenkosten = 12.994 Euro Gesamtpreis (identisch mit 701 Enduro)