Test Kawasaki W800 (2025)
Königswellen-Paralleltwin, 773 cm³, 360-Grad-Kurbelwelle – das Einzige seiner Art im Serienmotorradbau
Stand: 16.4.2026 | Modell: Kawasaki W800 (2026) | Deutschland: kein offizieller MY2026-Neupreis; Händlerbestände ab ca. 10.380 Euro anfragen | Garantie: 4 Jahre | Varianten: W800 / W800 Street / W800 Café
Das Alleinstellungsmerkmal: Königswellenantrieb – was er ist, warum er einzigartig ist und wie er sich anfühlt
Eine Königswelle ist eine vertikale Welle, die im Inneren des Motors vom Kurbelwellenbereich nach oben zur Nockenwelle führt und diese antreibt. Der übliche Weg ist eine Steuerkette. Die Königswelle läuft präziser, verschleißärmer und hat ein charakteristisches mechanisches Klangbild. Kawasaki setzt diesen Antrieb seit der W1 von 1966 ein und hat ihn bis heute in der W800 beibehalten – als einziger Serienmotorradhersteller weltweit.
Das ist kein historisches Relikt, sondern eine bewusste Entscheidung. Sichtbar wird die Königswelle außen: Rechts am Motor sind die charakteristischen Gehäuseabdeckungen der Königswelle zu erkennen, die das Motorrad bereits optisch von jedem anderen Retro-Bike unterscheiden.
48 PS aus 773 cm³ sind keine Megaleistung, aber das Drehmoment von fast 63 Newtonmetern steht bereits ab 4.800 Umdrehungen zur Verfügung. Das ergibt eine gutmütige, stets beherrschbare Performance mit ruckfreiem Ansprechverhalten. Die 360-Grad-Kurbelwelle – beide Kolben bewegen sich synchron auf und ab – erzeugt dabei einen rhythmischen, pulsierenden Charakter. Der Paralleltwin blubbert leise aus den Schalldämpfern, säuselnd, unauffällig – überhaupt nicht wie eine Maschine aus den Roaring Sixties. Doch sobald man fährt, tritt dieser Charakter unverwechselbar hervor.
Motor & Charakter: Langhubig, drehmomentbetont, elastisch – das Gegenprogramm zur Drehzahl-Maximierung
Bohrung 77 Millimeter, Hub 83 Millimeter – das ist die Grundgeometrie eines Langhub-Motors. Im Vergleich zu hochdrehenden Sportmotoren erlaubt der lange Hub ein frühes, massives Drehmoment-Hochtal. Die W800 fährt sich genussreich bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen. Bis 4.000/min verhält sich die Maschine kultiviert und zahm, ab 4.000/min beginnt das Kribbeln in Händen und Sitzfläche bei höheren Drehzahlen. Das ist charaktertypisch und nicht störend. Das 5-Gang-Getriebe ist bewusst auf dieses Leistungsprofil abgestimmt – kein 6-Gang, weil die W800 kein Motorrad für die Suche nach dem nächsten höheren Gang ist.
Die Einspritzung wird durch Chromblenden verborgen, die Kabel hätten dezenter verlegt werden können – ein altbekannter, kleiner Kritikpunkt. Die Assist- und Rutschkupplung reduziert die Handkraft am Kupplungshebel und verhindert Hinterradhopfen beim Herunterschalten. Die Doppelschalldämpfer in Peashooter-Form sind chromverkleidet und doppelwandig gefertigt, damit sie nicht anlaufen. Der Auspuffklang wurde laut Kawasaki gezielt auf den charakteristischen Sound der 360-Grad-Kurbelwelle abgestimmt.
Design & Ausführung: Drei Varianten mit unterschiedlichem Charakter – W800, Street und Café
Die W800 wird in drei Ausführungen angeboten, die sich im Wesentlichen durch Lenker, Sitzbank, Radgröße und Bremsanlage unterscheiden. Die W800 (Basisversion) hat ein 19-Zoll-Vorderrad (statt 18 Zoll bei Street und Café), einen breiteren Lenker als die Café und eine flache einteilige Sitzbank mit gesetzter Sitzposition sowie einen silberfarbigen Motor. Die W800 Street hat eine aufrechte Sitzposition mit breitem Lenker und einen schwarz lackierten Motor. Die W800 Café hat Stummellenker, eine zweifarbige Höckersitzbank und eine kleine Lampenverkleidung für eine sportlichere Sitzposition sowie ebenfalls einen schwarz lackierten Motor.
Alle drei Varianten teilen: Speichenräder, Faltenbälge an der Gabel (41 mm), chromverkleidete Stahlkotflügel, Doppelinstrumente (Tacho und Drehzahlmesser, analoge Zeiger mit modellspezifischer Schriftart und LCD-Zusatzanzeige), LED-Frontscheinwerfer 170 mm Durchmesser mit rundem Chromring, runde Blinker mit orangefarbenen Gläsern und chromverkleideten Gehäusen, Kniekissen am Tank sowie Hauptständer serienmäßig (Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse). Das Gewicht liegt je nach Ausführung bei rund 221 Kilogramm (Street) bis 228 Kilogramm (W800 Basis), die Sitzhöhe bei 770 mm (Street) bis 795 mm (W800 Basis).
Fahrwerk & Ergonomie: Weich, komfortbetont, aufrecht – das Fahrwerk der Entschleunigung
Der geschlossene Doppelschleifenrahmen aus Stahlrundrohr ist die klassisch richtige Konstruktion für diesen Motorradtyp. Die Teleskopgabel (41 mm) hat Faltenbälge, die Federbeine hinten sind klassisch angeordnet und einstellbar. Das Fahrwerk ist weich und komfortbetont abgestimmt – es gibt die richtigen Signale weiter, ohne in nervöses oder härtendes Ansprechen zu verfallen. Gutmütig mit einem Fahrgefühl, das zur Entspannung einlädt statt zum Tempomachen.
Das 19-Zoll-Vorderrad der Basisvariante erzeugt ein typisches Lenkgefühl großer Räder: ruhiger, trägerer Lenkkopf, stabiler auf Geraden, braucht beim Einlenken etwas mehr Initiative – genau der Charakter eines klassischen Straßenmotorrads. Die Street- und Café-Varianten mit 18-Zoll-Vorderrad lenken einen Tick agiler ein. Für längere Touren ist die W800 gut geeignet: breiter Lenker, entspannte Sitzposition, Hauptständer serienmäßig erleichtern die Vorbereitung. Der Tank fasst 15 Liter. Bei rund 4,0 l/100 km Verbrauch (WMTC) ergibt sich eine Reichweite von über 300 Kilometern.
Verfügbarkeit & Preis in Deutschland: Händlerbestände anfragen – kein offizieller MY2026-Preis von Kawasaki Deutschland
Die W800 wurde in der offiziellen Kawasaki-Deutschland-Preismitteilung für Modelljahr 2026 nicht explizit aufgeführt. In den USA ist das Modell als MY2026 in Pearl Crystal White für 10.699 USD erhältlich. In Deutschland sind bei Händlern Restbestände der Modelljahrgänge 2024 und 2025 zu Preisen ab ca. 10.380 Euro zu finden; der letzte offiziell kommunizierte Neupreis für Deutschland lag bei ca. 10.645 Euro (MY2024). Ob und wann ein offizieller MY2026-Preis für Deutschland kommuniziert wird, war zum Redaktionsschluss offen.
Technisch ist das Modell seit MY2021 (Euro-5-Homologation) unverändert – Motor, Fahrwerk, Bremsen und Ausstattung sind identisch geblieben. Die W800 hat in ihrer aktuellen Generation keine Traktionskontrolle, keine elektronischen Fahrmodi und keine IMU. Das ist Programm: Die W800 richtet sich an Fahrer, die genau diese Abwesenheit von Hightech-Assistenz als Qualitätsmerkmal einordnen. Der Starter-Bonus von Kawasaki (1 Euro/cm³, max. 800 Euro) gilt für alle Kawasaki-Neufahrzeuge; ob er für verbleibende W800-Restbestände beim Händler angewendet werden kann, ist individuell zu erfragen. 4 Jahre Garantie gilt weiterhin.
Fazit
Die W800 ist das Motorrad mit dem Alleinstellungsmerkmal, das kein anderer Hersteller mehr anbietet: eine Königswelle. Dazu kommen 360-Grad-Kurbelwelle, langhubige Motorcharakteristik, Speichenräder, chromverkleidete Stahl-Kotflügel und ein Fahrgefühl, das bewusst aus dem Schneller-Höher-Weiter herausführt. Das Motorrad hat seit 2011 keine Konkurrenz – und das wird sich absehbar nicht ändern. Wer einen Königswellen-Paralleltwin will, kommt an der W800 nicht vorbei.
Kurzcheck
+ Königswellenantrieb der Nockenwelle: weltweit einziges aktuelles Serienmotorrad mit dieser Konstruktion; sichtbar durch charakteristische Gehäuseabdeckungen rechts am Motor
+ 360-Grad-Kurbelwelle: synchrone Kolbenbewegung erzeugt rhythmisch pulsierenden Charakter – unverwechselbares Fahrgefühl
+ Langhubige Motorauslegung (Bohrung 77 mm / Hub 83 mm): 63 Nm bereits ab 4.800/min; elastisch, gutmütig, kein Drehzahl-Stress
+ 48 PS: A2-tauglich serienmäßig ohne Drosselmaßnahme
+ Assist-/Rutschkupplung: leichte Handkraft, sicheres Herunterschalten
+ Chromverkleidete, doppelwandige Peashooter-Schalldämpfer: laufen nicht an; aufeinander abgestimmter Klang
+ Speichenräder an allen Varianten; chromverkleidete Stahl-Kotflügel; Faltenbälge
+ Doppelinstrumente (Tacho + Drehzahlmesser) mit analogen Zeigern und modellspezifischer Schriftart; LCD-Zusatzanzeige
+ Hauptständer serienmäßig: selten in dieser Klasse; erleichtert Wartung und Parken
+ LED-Scheinwerfer 170 mm mit Chromring: Lichtleistung modern, Optik klassisch
+ 15-Liter-Tank; ca. 4,0 l/100 km; Reichweite über 300 km
+ Drei Varianten: W800 (19-Zoll-Vorderrad, silberner Motor), Street (18 Zoll, schwarzer Motor, aufrecht), Café (18 Zoll, schwarzer Motor, Stummellenker)
+ 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung
+ Keine Konkurrenz weltweit
– Kein offizieller MY2026-Preis für Deutschland kommuniziert: Händlerbestände anfragen; Preise variieren je nach Restbestand und Variante
– Keine Traktionskontrolle, kein Kurven-ABS, keine elektronischen Fahrmodi: bewusste Entscheidung, aber für Fahrer, die Hightech erwarten, eine Lücke
– 5-Gang-Getriebe: für das Einsatzprofil korrekt, aber ohne 6. Gang limitiert bei Autobahn-Dauerfahrt
– Ca. 221 kg (Street) bis 228 kg (W800 Basis) fahrfertig: für entspanntes Fahren kein Problem, Rangiermanöver erfordern Kraft
– Kabel der Einspritzanlage hinter Chromblenden nicht vollständig versteckt: alter, noch ungelöster Kritikpunkt
– Kein LED-Heck- oder Blinkerlicht: klassisch, aber sicherheitstechnisch hinter modernem Standard
– Vibrationen im oberen Drehzahlbereich (ab ca. 4.000 U/min) spürbar: charaktertypisch, aber nicht jedem angenehm
– Technisch seit MY2021 unverändert: wer auf ein Update wartet, findet hier keines
Technische Daten: Kawasaki W800 (2026)
Modellreihe: EJ800A (2019 – heute); Euro 5 ab MY2021; technisch unverändert seit MY2021
Motor: Parallel-Twin, 773 cm³, luftgekühlt, DOHC, 4V/Zylinder; Königswellenantrieb (Nockenwelle); 360-Grad-Kurbelwelle; langhubig: Bohrung 77 mm / Hub 83 mm; Einspritzung; Assist-/Rutschkupplung; 5-Gang; Kette
Leistung: 48 PS (35 kW) bei 6.000/min; A2-tauglich serienmäßig
Drehmoment: 62,9 Nm bei 4.800/min
Königswelle: Antrieb der obenliegenden Nockenwelle über vertikale Welle; einziges aktuelles Serienmotorrad weltweit mit dieser Konstruktion
Rahmen: Geschlossener Doppelschleifenrahmen, Stahl-Rundrohr
Gabel: 41-mm-Teleskopgabel, konventionell, mit Faltenbälgen
Federbeine: Stereo-Federbeine; einstellbar
Varianten-überblick: W800: 19/18-Zoll-Räder, silberner Motor, flache Sitzbank, breit. Lenker, 795 mm Sitzhöhe, 228 kg. Street: 18/18 Zoll, schwarzer Motor, 770 mm, 221 kg. Café: 18/18 Zoll, schwarzer Motor, Stummellenker, Höckersitzbank, 790 mm, 222 kg
Bremsen: Vorne: Einzelscheibe 300 mm (Street) / 320 mm (W800 US 2026). Hinten: Einzelscheibe 270 mm (US-Spec 2026) / Trommelbremse historisch; ABS serienmäßig
Räder: Speichenräder; W800: 19/18 Zoll; Street/Café: 18/18 Zoll
Reifen: W800: Dunlop K300GP; 100/90-19 vorne / 130/70-18 hinten. Street/Café: 100/90-18 / 130/70-18
Cockpit: Analoges Doppelinstrument (Tacho + Drehzahlmesser); modellspezifische Schriftart; LCD-Zusatzanzeige (Km, Tankanzeige etc.)
Scheinwerfer: LED, 170 mm Durchmesser, Chromring; Peashooter-Blinker mit Chromgehäuse und orangefarbenen Gläsern
Hauptsänder: Serienmäßig
Tank: 15 Liter
Verbrauch: ca. 4,0 l/100 km (WMTC); Reichweite über 300 km
Elektronik: ABS serienmäßig; keine TC, keine Fahrmodi, keine IMU
Preis (D): Kein offizieller MY2026-Preis für Deutschland; Händlerbestände MY2024/25 ab ca. 10.380 Euro. USA MY2026: 10.699 USD (Pearl Crystal White)
Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung