Test Kawasaki Z H2 (2026)

200 PS Kompressor-Hypernaked mit Brembo M4.32, vollständiger Elektronik, Dog-Ring-Getriebe und konventionellem Showa-Fahrwerk für 20.145 Euro

998 cm³, 200 PS, 137 Nm. Kawasaki-Kompressor. Brembo M4.32 + Nissin-Radialpumpe, 320 mm. Voll einstellbare Showa SFF-BP-Gabel. IMU, KTRC, KCMF, KIBS Kurven-ABS, bidirektionaler Quickshifter, Tempomat, Launch Control, 4 Fahrmodi, 3 Power-Modi serienmäßig. Dog-Ring-Getriebe. 239 kg. MY2026 technisch unverändert, neue Farbe Metallic Diablo Black/Metallic Carbon Gray. Die Z H2 SE mit semiaktivem Showa-Fahrwerk und Brembo Stylema folgt im eigenen Testbericht.

Stand: 16.4.2026 | Modell: Kawasaki Z H2 (2026, Basis) | Preis:  20!045 Euro inkl. Überführung | Garantie: 4 Jahre | Standgeräusch: ca. 94 dB(A) – Tirol-konform | MY2026: technisch unverändert, neue Farbe | Z H2 SE: 22./95 Euro inkl. Überführung

Einordnung: Was Z H2 und Z H2 SE teilen – und was die SE zusätzlich mitbringt

Z H2 und Z H2 SE teilen Motor, Rahmen, Getriebe und das vollständige Elektronikpaket. Was beide serienmäßig bieten: 200 PS aus 998 cm³ mit Kawasaki-Kompressor, bidirektionaler Quickshifter (Dog-Ring-Getriebe), Tempomat, IMU 6 DOF, Kurven-ABS (KIBS), Traktionskontrolle KTRC, Launch Control, Wheelie Control, Slide Control, KCMF, vier Fahrmodi (Rain/Road/Sport/Rider) und drei Power-Modi (Full/Middle/Low). Alle Systeme komplett, alle ohne Aufpreis.

Was ausschließlich die SE zusätzlich bietet: semiaktives Showa Skyhook EERA-Fahrwerk (SFF-CA-Gabel mit elektronischer Dämpfungsregelung vorne, Showa BFRC lite Federbein hinten), Brembo Stylema Monoblock-Vierkolben-Bremssättel mit Brembo-Radialpumpe und Stahlflexleitungen statt der Brembo-M4.32-Zangen und Nissin-Radialpumpe der Basis. Die SE ist 1 Kilogramm schwerer (240 vs. 239 kg) und kostet 2.650 Euro mehr. MY2026 bringt bei beiden Modellen ausschließlich neue Farben bei unveränderter Technik.

Motor: 200 PS Kompressor, 137 Nm ab 4.000/min bereits über 100 Nm – das ist das Definierende

Der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierzylinder mit 998 Kubikzentimetern und Kawasaki-Kompressor leistet 200 PS bei 11.000 Umdrehungen und 137 Newtonmeter bei 8.500 Umdrehungen. Das Entscheidende an der Kompressor-Charakteristik: Ab 4.000 Umdrehungen stehen mehr als 100 Newtonmeter zur Verfügung – ein Wert, den vergleichbare Saugmaschinen erst bei der doppelten Drehzahl erreichen. Das bedeutet im Fahralltag: Kraftreserven in jedem Gang, bei jeder Geschwindigkeit, ohne den Motor auf Touren bringen zu müssen. Der Kompressor gibt dabei durch ein Bypass-Ventil ein charakteristisches Zwitschern von sich, das beim Gaswegnehmen hörbar wird – der unverwechselbare akustische Fingerabdruck der H2-Familie.

Das Getriebe ist ein Dog-Ring-Getriebe mit sechs Gängen, identisch mit der H2R. Die Gangwechsel über den bidirektionalen Quickshifter (KQS) gelingen in beiden Schaltrichtungen als wenig befriedigend, mit einem Blipper, der entweder kaum bemerkbar sei oder harte Fußeinsätze erfordere. Der Quickshifter profitiert von gezielter Feinjustierung am Hebel.

Fahrwerk: Voll einstellbare Showa SFF-BP-Gabel, konventionelles Federbein – komfortorientiert abgestimmt, stabil bei Highspeed

Die voll einstellbare 43-Millimeter-Showa SFF-BP-Gabel (Separate Function Fork – Big Piston) arbeitet ohne Losbrechmoment und hält kleine Unebenheiten wirkungsvoll vom Fahrer fern. Das Federbein hinten ist ebenfalls von Showa und einstellbar in Druckstufe, Zugstufe und Federvorspannung. Es ist im direkten Vergleich minimal weniger fein im Ansprechen als die Gabel. Das Grundsetup ist eher komfortorientiert. Die Z H2 ist klar auf der stabilen Seite liegend – mit langen Geraden und schnellen Kurven als natürlichem Element.

In der Anbremszone taucht die Gabel wegen der soften Grundabstimmung und der spürbaren Frontlastigkeit des Motorrads deutlich ein – das erfordert am Einlenkpunkt Fingerspitzengefühl am Handbremshebel und einen klaren Steuerimpuls am hohen Lenker. Wer in enge Kurven will, muss die Z H2 mit körperlichem Einsatz in den Radius drücke. Das ist kein Manko, sondern das Handling-Profil einer schweren Hypernaked-Maschine mit Highspeed-Auslegung. Auf der Rennstrecke oder im Highspeed-Oval liegt die Kawasaki wunderbar satt und präzise. Radstand 1.455 mm: Die Schwinge orientiert sich laut Kawasaki an der Schwingenkonstruktion der ZX-10R.

Bremsen: Brembo M4.32 + Nissin-Radialpumpe, 320 mm – dosierbar, kraftvoll, ohne Schwäche bei Dauereinsatz

Die Bremsanlage der Basis-Z H2 kombiniert Brembo-M4.32-Vierkolben-Monoblock-Festsättel mit einer Nissin-Radialpumpe und 320-Millimeter-Doppelscheiben vorne. Die Brembo-Monoblock-Sättel verbeißen sich in die Scheibe und verzögern performant und zuverlässig – selbst beim Renneinsatz kein Anlass zur Kritik trotz des hohen Fahrzeuggewichts. Die Brembo-Monoblocks mit Nissin-Bremspumpe arbeiten erstklassig dosierbar und ohne Anzeichen von Schwäche in der Anbremszone. Hinten arbeitet ein Brembo-Sattel an einer Einzelscheibe. Das Kurven-ABS (KIBS) greift schräglagenabhängig ein, im Sport-Fahrmodus kann es auf der Rennstrecke frühzeitig reagieren und den Bremsweg verlängern – ein bekanntes Straßenmotorrad-ABS-Verhalten.

Ergonomie: Hoher Lenker, aufrechte Haltung, 830 mm Sitzhöhe – komfortabler Sport-Naked-Sitzplatz auch für große Fahrer

Der Lenker sitzt vor den Holmen der Showa-Gabel hoch und weit nach hinten gestreckt. In Kombination mit dem Abstand zwischen Sitzbank und Fußrasten ergibt sich eine Sitzposition, die selbst Großgewachsenen problemlos taugt – aufrecht, mit ausreichend Kniespielraum. Die 830 Millimeter Sitzhöhe sind moderat, als Zubehör ist ein Comfort Seat mit +20 Millimetern (ca. 170 Euro) verfügbar. Die Front der Z H2 ist ausladend und bietet einen vergleichsweise guten Windschutz für ein Naked Bike. Der Soziussitz ist kompakt; im Kawasaki-Zubehörprogramm ist ein ERGO-FIT Comfort Passenger Seat (+10 mm) für ca. 133 Euro verfügbar.

Das 4,3-Zoll-TFT-Display zeigt unter anderem Ladedruck und Ladetemperatur des Kompressors an – Werte, die kein anderes Serienmotorrad im Cockpit darstellt. Die Bedienung über die Tasten am linken Lenkerende erfordert eine Eingewöhnungszeit, ist dann aber logisch aufgebaut. Die Restreichweiten-Anzeige des Bordcomputers ist etwas sprunghaft in ihrer Anzeigegenauigkeit. Einstellbare Kupplungs- und Bremshebel serienmäßig.

Kosten: 20.145 Euro inkl. Überführung – vollständiges Elektronikpaket, Brembo M4.32, Kompressor-Motor für diesen Preis einzigartig

Die Z H2 kostet 20.145 Euro inklusive Überführungskosten. Im Hypernaked-Segment ist das ein klarer Positionierungsvorteil: Die KTM Super Duke 1390 R liegt über 22.000 Euro, die Aprilia Tuono V4 Factory bei 21.000 Euro, die Ducati Streetfighter V4 fast 26.000 Euro. Was die Z H2 zu diesem Preis serienmäßig bietet – Kompressormotor, vollständiges IMU-gestütztes Elektronikpaket, bidirektionaler Quickshifter, Tempomat, Brembo M4.32, Dog-Ring-Getriebe – hat kein direkter Konkurrent in dieser Preiskategorie in dieser Kombination.

Der Aufpreis zur SE beträgt 2.650 Euro. Dafür bekommt man semiaktives Showa Skyhook EERA-Fahrwerk und Brembo-Stylema-Anlage mit Brembo-Radialpumpe und Stahlflexleitungen. Wer auf schnellen Landstraßen und am Limit fährt und das Fahrwerk zur zentralen Kaufentscheidung macht, wird im SE-Testbericht die Argumente finden. Wer die Basisversion kauft, bekommt ein vollständiges und hervorragend ausgestattetes Hypernaked-Bike, dem das konventionelle Fahrwerk auf der Straße keine wesentliche Einschränkung auferlegt.

Fazit

Die Z H2 ist das einzige Hypernaked mit Kompressor-Aufladung im Markt – und sie kostet 20.145 Euro. Der Motor ist sein eigenes Argument: 200 PS mit mehr als 100 Newtonmeter ab 4.000 Umdrehungen erzeugt ein Fahrgefühl, das kein Saugmotor dieser Klasse ansatzweise bietet. Das Fahrwerk ist gut, komfortorientiert und stabil. Die Bremsen sind stark. Das Elektronikpaket ist vollständig. Wer mehr Fahrwerk will, zahlt 2.650 Euro Aufpreis für die SE.

 

Kurzcheck

 

+ 200 PS / 137 Nm mit Kawasaki-Kompressor: ab 4.000/min >100 Nm verfügbar; kein anderes Naked Bike dieser Preisklasse bietet dieses Drehmoment-Profil

+ Dog-Ring-Getriebe + bidirektionaler KQS: motorsport-erprobte Schaltkonfiguration serienmäßig

+ Vollständiges IMU-Elektronikpaket serienmäßig: KTRC 3 Modi/9 Level, KIBS Kurven-ABS, KCMF, Launch Control, Wheelie Control, Slide Control

+ 4 Fahrmodi (Rain/Road/Sport/Rider) + 3 Power-Modi (Full 100%/Middle 75%/Low 50%): feinkörnige Konfigurierbarkeit für unterschiedliche Bedingungen

+ Tempomat serienmäßig: für ein Hypernaked dieser Art ungewöhnlich und praktisch für Autobahn-Etappen

+ Brembo M4.32 Vierkolben-Monoblock + Nissin-Radialpumpe, 320 mm: dosierbar, kraftvoll, standfest

+ Showa SFF-BP-Gabel 43 mm, voll einstellbar: sensibel ansprechend, keine Losbrechmoment-Problematik

+ Hochgeschwindigkeitsstabilität ausgezeichnet: wunderbar satt in schnellen Kurven

+ 267 km/h Spitze, 0–100 km/h in 3,5 Sekunden

+ Kompressor-Zwitschern beim Gaswegnehmen: akustisch unverwechselbares Merkmal der H2-Familie

+ Cockpit zeigt Ladedruck und Ladetemperatur an: einzigartig im Serienmotorrad-Markt

+ 830 mm Sitzhöhe: komfortabler Sitzplatz auch für große Fahrer; hoher Lenker mit viel Spielraum

+ Comfort Seat +20 mm (ca. 170 Euro) als Zubehör; einstellbare Bremshebel serienmäßig

+ Ausladende Front mit vergleichsweise gutem Windschutz für ein Naked Bike

+ 20.145 Euro inkl. Überführung: für ein Kompressor-Hypernaked mit Brembo, Dog-Ring und vollständiger Elektronik ein konkurrenzlos günstiger Einstieg

+ 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung

 

Kein semiaktives Fahrwerk (SE-exklusiv): Basis mit konventionellem Showa-Federbein; für ambitionierte Fahrwerksfans Argument für SE-Aufpreis

Gabel taucht bei harter Bremsung deutlich ein: Frontlastigkeit + softes Grundsetup erfordert Fingerspitzengefühl am Einlenkpunkt

Quickshifter-Qualität teils widersprüchlich: von butterweich bis enttäuschend; Feinjustierung empfohlen

Kurven-ABS greift auf der Rennstrecke frühzeitig ein: verlängert dort den Bremsweg

Enge Kurven erfordern Körpereinsatz: 239 kg wollen aktiv gelenkt werden; kein leichtfüßiges Naked Bike

Soziussitz kompakt: komfortabler Beifahrersitz als Zubehör sinnvoll

Restreichweitenanzeige im Bordcomputer sprunghaft

Fahrzeug benötigt Eingewöhnungszeit für Menu-Bedienung und volle Leistungsentfaltung: kein Einsteigermotorrad

MY2026 technisch unverändert: wer auf ein Fahrwerk-Update gehofft hat, wartet noch

 

 

Technische Daten: Kawasaki Z H2 (2026, Basis)

 

Modellreihe: ZR1000 (2020 – heute); MY2026 technisch unverändert

Motor: Reihenvierzylinder, 998 cm³, flüssigkeitsgekühlt, DOHC 16V; Kawasaki-Kompressor; Ride-by-Wire; Dog-Ring-Getriebe; 6-Gang; Kette

Leistung: 200 PS (147 kW) bei 11.000/min

Drehmoment: 137 Nm bei 8.500/min; ab 4.000/min bereits >100 Nm

Elektronik: IMU 6 DOF; KTRC (3 Modi, 9 Level); KIBS Kurven-ABS; KCMF; Launch Control (KLCM); Wheelie Control; Slide Control; Tempomat; KQS bidirektional (Dog-Ring)

Fahrmodi: Rain / Road / Sport / Rider (frei konfigurierbar); Power-Modi: Full (100%) / Middle (75%) / Low (50%)

Display: 4,3-Zoll-TFT; zeigt Ladedruck und Ladetemperatur; Rideology App; Bluetooth

Rahmen: Stahl-Gitterrohrrahmen, hochfest

Gabel (Basis): Showa SFF-BP (Separate Function Fork – Big Piston) USD; 43 mm; voll einstellbar (Druck, Zug, Vorspannung); Federweg 120 mm

Federbein (Basis): Showa; einstellbar (Druck, Zugstufe, Federvorspannung); Federweg 130 mm; konventionell (kein KECS)

Bremse vorn (Basis): Brembo M4.32 Vierkolben-Monoblock; Doppelscheiben 320 mm; Nissin-Radialpumpe; KIBS

Bremse hinten: Brembo; Einzelscheibe; Zweikolben-Sattel

SE-Unterschiede: KECS Showa Skyhook EERA semiaktiv (SFF-CA Gabel + BFRC lite FB) statt konventionell; Brembo Stylema + Brembo-Pumpe + Stahlflexleitungen statt M4.32 + Nissin; 1 kg schwerer

Räder: 17 Zoll vorne und hinten

Reifen: 120/70 ZR17 vorne; 190/55 ZR17 hinten; Bridgestone Battlax Hypersport S22

Gewicht: 239 kg vollgetankt

Sitzhöhe: 830 mm; Comfort Seat +20 mm als Zubehör (ca. 170 Euro)

Radstand: 1.455 mm

Tank: 19 Liter; ca. 316 km Reichweite (WMTC 6,0 l/100 km)

Standgeräusch: ca. 94 dB(A) – Tirol-konform

Farbe (2026): Metallic Diablo Black / Metallic Carbon Gray

Garantie: 4 Jahre Kawasaki-Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung (Deutschland)

Preis (D): 20.145 Euro inkl. Überführung