Test Moto Guzzi V100 Mandello (2026)
115 PS Compact-Block-V2, adaptive Aerodynamik, Kardan, 233 kg – erste Guzzi mit Wasserkühlung, erster Sporttourer weltweit mit aktiven Flaps
Stand: 18.4.2026 | Modell: Moto Guzzi V100 Mandello (Standard; V100 Mandello S im separaten Testbericht) | Produktion: Mandello del Lario, Italien | Preis: 15.699 Euro | Farben: Ozeanblau, Titangrau (MY2025/26)
Pionierrolle: Erste Serien-Guzzi mit Wasserkühlung – und laut Hersteller erstes Motorrad der Welt mit adaptiver Aerodynamik
Die V100 Mandello markiert den Beginn einer neuen Ära bei Moto Guzzi. Seit 1921 hat die Marke aus Mandello del Lario ausnahmslos luftgekühlte Motoren gebaut. Die V100 bricht mit dieser Tradition und bringt Italiens älteste aktive Motorradmarke in die technische Neuzeit. Dabei geht Moto Guzzi über das Notwendige weit hinaus: Die V100 ist nach Herstellerangaben das erste Motorrad der Welt, das in Serie mit adaptiver Aerodynamik ausgeliefert wird. Die Seitenflügel (Deflektoren/Flaps) am Tank fahren elektronisch aus und ein – geschwindigkeitsabhängig und fahrmodus-angpasst. Das ist nicht Marketing, sondern ein Windkanalprodukt: Moto Guzzi betreibt seit 1954 den weltweit ersten eigenen Windkanal eines Motorradherstellers.
Moto Guzzi positioniert die V100 als reisetauglichen Roadster: sportlich positioniert wie ein Naked Bike, technisch ausgestattet wie ein Tourer. Also zwei Seelen in einer Brust.
Motor: 1.042 cm³ Compact Block, DOHC, flüssigkeitsgekühlt – 115 PS, 105 Nm, grollendes V-Twin-Temperament ab 2.000/min
Der „Compact Block“ ist eine komplett neue Motorgeneration. Der V-Twin (90°, längs) hat flüssigkeitsgekühlte Zylinderköpfe, DOHC mit je vier Ventilen pro Zylinder und Ride-by-Wire. Eine Ausgleichswelle und eine schlankere Kurbelwelle reduzieren Vibrationen gegenüber älteren Guzzi-Motoren. Der Motorblock ist 103 Millimeter kürzer als der V85 TT-Motor und trägt über sechs Befestigungspunkte am Rahmen mit. Die Zylinderköpfe sind um 90° gedreht: Einlass oben/innen, Auslass außen/unten – das schafft Platz für die Knie und ermöglicht geradlinige Luftführung von oben nach unten.
115 PS bei 8.700/min; 105 Nm bei 6.750/min; 90 Prozent des Drehmoments ab 3.000/min. Ab 2.000 Touren völlig ruckfrei hochdrehen möglich, ab 3.000 Touren geht es souverän los. Der Begrenzer setzt sanft bei ca. 10.000/min ein – aber der typische Tourenbereich liegt deutlich darunter. Die Guzzi-typische V-Twin-Charakterästhetik – sanftes Rucken und grollend-bollernder Sound – blieb erhalten. Euro 5+; Verbrauch 5,1 l/100 km (WMTC).
Adaptive Aerodynamik: Flaps + elektrisches Windschild – individuell konfigurierbar, per Fahrmodus steuerbar, 30–90 km/h Aktivierungsschwelle einstellbar
Das aerodynamische System der V100 besteht aus zwei Komponenten: den Tank-Flaps (Seitendeflektor) und dem elektrischen Windschild (90 mm Verstellbereich). Die Flaps fahren standardmäßig je nach Fahrmodus automatisch aus: Im Pioggia-Modus permanent; im Turismo-Modus ab 70 km/h; in Sport und Strada inaktiv. Diese Voreinstellungen lassen sich vollständig individualisieren: Der Fahrer kann die Aktivierungsgeschwindigkeit zwischen 30 und 90 km/h frei festlegen, die Flaps permanent aktivieren oder dauerhaft deaktivieren – und das getrennt für jeden Fahrmodus. All das ohne dass man vorher ein IT-Studium benötigt.
In der Praxis ist das System wirksam: Ausgefahrene Flaps leiten Wind und Regen bei höheren Geschwindigkeiten vom Fahrerkörper weg. Das Windschild ergänzt die Flaps. Beide Systeme zusammen ermöglichen auf der V100 einen Windschutz, der für ein Motorrad mit Roadster-Sitzposition ungewöhnlich gut ist.
Fahrwerk: Kayaba-USD 130 mm, Brembo M4.32 radial, Alu-Einarmschwinge links – spielerisch leicht trotz 233 kg
Das Standardmodell hat ein Kayaba-Fahrwerk: vorne USD-Gabel (41 mm, 130 mm Federweg, manuell einstellbar in Vorspannung und Zugstufendämpfung), hinten Monofederbein (130 mm, Vorspannung per Handrad + Zugstufendämpfung einstellbar). Die Alu-Einarmschwinge ist – erstmals bei Moto Guzzi – auf der linken Seite montiert; eine technische Konsequenz aus der neuen Kardananordnung. Das Bremssystem: Brembo M4.32 Vierkolben radial, 2×320 mm vorne; 280 mm Zweikolben-Schwimmsattel hinten; stahlummantelte Leitungen; Kurven-ABS via 6-Achs-IMU. Geringe Handkraft, saubere Dosierung, wirksame Verzögeung.
Das Fahrverhalten überrascht: Knackig und erstaunlich S-Kurven-freudig – erstaunlich, weil 233 Kilo fahrfertig kein Leichtgewicht sind. Erklärung: günstiger Schwerpunkt durch tiefen Compact-Block, breiter Lenker mit viel Hebel, Naked-Bike-Sitzposition. Lockeres und leichtes Fahren sind ihr großes Plus.
Ergonomie: 815 mm, 233 kg, Roadster-Position – aufrecht, breiter Lenker, passend für große und kleine Fahrer
Die Sitzhöhe von 815 Millimetern ist für einen Sporttourer dieser Klasse moderat. Die Sitzposition ist weit aufrechter als bei klassischen Sporttourern (Ducati Multistrada, BMW S 1000 XR): mehr Naked Bike, weniger Langstrecken-Rennhaltung. Das schafft einen komfortablen Alltag und erleichtert den aktiven Fahrstil in Kurven, kostet aber etwas Windschutz auf Autobahnen – die Flaps und das Windschild kompensieren das wirksam. Die Ergonomie passt auch für Fahrer abseits des körperlichen Mittelmaßes.
Der 17,5-Liter-Tank ist kleiner als der V85-Tank (23 Liter), aber für den Sporttourer-Charakter der V100 ausreichend: Bei 5,1 l/10 km (WMTC) sind es ca. 300–340 km Reichweite. Das Gesamtgewicht von 443 kg erlaubt komfortables Beladen; Gepäckträger und Koffer (28/32 Liter Kunststoffkoffer) sind als Zubehör erhältlich. Einen USB-Anschluss im Cockpit gibt es nur gegen Aufpreis; der Serien-Stromanschluss liegt unterm Soziussitz.
Standard vs. S: Was die Basisversion nicht hat – und warum das für viele Fahrer kein Problem ist
Die V100 Mandello (Standard) unterscheidet sich von der V100 S in vier wesentlichen Punkten: kein Öhlins-Fahrwerk (Standard: Kayaba manuell statt Smart-EC-2.0 semiaktiv), kein serienmäßiger Quickshifter (optional), keine serienmäßige Griffheizung, kein serienmäßiges TPMS und keine serienmäßige MIA-Konnektivität. Adaptive Aerodynamik, Kurven-ABS, TC, Tempomat, Kurvenlicht, 5-Zoll-TFT und elektrisches Windschild sind bei beiden Versionen identisch serienmäßig. Für 2.500 Euro Ersparnis verzichtet die Standardversion auf das semiaktive Fahrwerk, den serienmäßig verbauten Quickshifter und auf heizbare Griffe sowie Reifendruckkontrolle.
Kosten: 15.699 Euro – Sporttourer mit Kardan, adaptiver Aerodynamik und Kurven-ABS als Serienausstattung
15.699 Euro ist der Orientierungswert für die Standardversion; die S-Version liegt ca. 3.300 Euro höher. Im Segment: BMW S 1000 XR ab ca. 20.000 Euro, Ducati Multistrada V4 ab ca. 21.000 Euro. Die V100 ist die preisgünstigere Option im Hochklasse-Sporttourer-Feld – und hat als einzige neben der BMW R 1300 RS Kardanantrieb in dieser Hubraumklasse. Unter Sporttourern 900–1300 cm³ gibt es nur zwei Modelle mit Kardan. Mit adaptiver Aerodynamik ist die V100 sogar das einzige Modell weltweit dieser Art.
Wichtiger Hinweis: Gebrauchte V100 Mandello zeigen schlechte Preisstabilität für – MY2022-Modelle haben deutlich an Wert verloren, Marktpreise liegen teils bei 12.000 Euro für Fahrzeuge mit wenigen Kilometern. Wer flexibel ist, findet auf dem Gebrauchtmarkt erhebliche Ersparnisse bei technisch identischen Fahrzeugen.
Fazit
Die V100 Mandello ist das technisch mutigste Modell, das Moto Guzzi je gebaut hat: erster Serienmotor mit Wasserkühlung, erste adaptive Aerodynamik in einem Serien-Motorrad, erstes Kurven-ABS der Marke. Und trotzdem – oder genau deshalb – ist sie noch eine echte Guzzi: längs eingebauter 90°-V-Twin mit Kardan, italienischem Temperament und grollendem Charakter. Das Standardmodell ist die rationale Wahl: adaptive Aerodynamik, Kurven-ABS und Tempomat inklusive – was für die meisten das Wesentliche ist.
Kurzcheck
+ Erste Moto Guzzi mit flüssigkeitsgekühltem Serienmotor – Beginn einer neuen technischen Ära der Marke
+ Adaptive Aerodynamik (Flaps) serienmäßig: laut Moto Guzzi erstes Motorrad der Welt mit diesem Feature in Serie
+ Elektrisches Windschild (90 mm) + Flaps: super Windschutz für ein Motorrad mit Roadster-Sitzposition
+ Kardanantrieb: eines von nur zwei Modellen unter Sporttourern 900–1300 cm³ mit Kardan weltweit (neben BMW R 1300 RS)
+ 115 PS, 105 Nm: willig ab 2.000/min, souveräner Durchzug; typischer V-Twin-Charakter
+ Brembo M4.32 radial 2×320 mm + 6-Achs-IMU: Kurven-ABS und TC serienmäßig
+ Fahrverhalten: leichtfüßig trotz 233 kg
+ 4 Fahrmodi vollständig individualisierbar (auch Flap-Aktivierung je Modus einstellbar)
+ Tempomat + Kurvenlicht + 5-Zoll-TFT + Full-LED: serienmäßig im Standardmodell
+ 815 mm Sitzhöhe: moderat; Naked-Bike-Position; passend für verschiedene Körpergrößen
+ Alu-Einarmschwinge links: neue Konstruktion; erstmals bei Guzzi links
– 17,5-Liter-Tank: Reichweite ca. 300–340 km; deutlich weniger als V85 TT (23 Liter); Touring-Reichweite begrenzt
– Quickshifter nur optional (Standard): Hochschalten bei Testmodellen teilweise unruhig, Abstimmung verbesserungswürdig
– USB-Anschluss im Cockpit nur gegen Aufpreis; Serien-Stromanschluss nur unterm Soziussitz
– Automatische Blinkerrückstellung: späte Rückstellung
– Griffheizung, TPMS, MIA-Konnektivität: alle optional (Standard); nur bei S serienmäßig
– Fahrwerk Standard (Kayaba manuell): kein semiaktives Öhlins wie bei V100 S
– 233 kg: kein Leichtgewicht
Technische Daten: Moto Guzzi V100 Mandello (2026) – Standardversion
Marke / Produktion: Moto Guzzi (Piaggio-Konzern); Werk: Mandello del Lario, Comer See, Italien; seit Ende 2022/Anfang 2023 lieferbar
Motor: Compact Block: V-Twin 90° längs flüssigkeitsgekühlt, 1.042 cm³, DOHC 4V/Zyl.; Bohrung×Hub 96×72 mm; Verdichtung 12,6:1; Ride-by-Wire; Ausgleichswelle; Nasssumpfschmierung; Euro 5+; 6-Gang; Kardanantrieb; Motor mittragend (6 Punkte)
Leistung: 115 PS (84,6 kW) bei 8.700/min; Begrenzer ca. 10.000/min
Drehmoment: 105 Nm bei 6.750/min; 90% ab 3.000/min
Rahmen: Stahlrohr-Brückenrahmen; Motor mittragend; Alu-Einarmschwinge links (erstmals bei Guzzi)
Gabel (Standard): Kayaba USD 41 mm; Vorspannung + Zugstufendämpfung manuell einstellbar; 130 mm Federweg
Federbein (Standard): Monofederbein; Vorspannung per Handrad + Zugstufendämpfung einstellbar; 130 mm Federweg
Unterschied S: V100 S: Öhlins Smart EC 2.0 semiaktiv elektronisch (4 Modi); Standard: Kayaba manuell
Bremse vorn: Brembo M4.32 Vierkolben radial Monoblock; 2×320 mm halbschwimmend; Kurven-ABS; stahlummantelte Leitungen
Bremse hinten: 280 mm; Brembo Zweikolben-Schwimmsattel; Kurven-ABS
Aerodynamik: Adaptive Tank-Flaps (Deflektoren) serienmäßig; individuell konfigurierbar (30–90 km/h Aktivierungsschwelle je Fahrmodus); elektrisches Windschild 90 mm Verstellbereich serienmäßig
Elektronik: 6-Achs-IMU; Kurven-ABS; TC (einstellbar + abschaltbar); 4 Fahrmodi (Turismo/Strada/Sport/Pioggia); Tempomat serienmäßig; Kurvenlicht serienmäßig
Optionen Standard: Quickshifter Up/Down; TPMS; MIA-Konnektivität (Bluetooth/Smartphone); Griffheizung; USB Cockpit; Radar BLIS/LCA vorbereitet
Räder: Alu-Leichtmetall; 3,50×17 vorne / 6,00×17 hinten
Reifen: 120/70-17 vorne / 190/55-17 hinten
Cockpit: 5-Zoll-TFT-Farb-Display; Full-LED (Tagfahrlicht, Kurven, Blinker); MIA optional
Gewicht: 233 kg vollgetankt
Sitzhöhe: 815 mm
Tank: 17,5 Liter; Reichweite ca. 300–340 km
Verbrauch: 5,1 l/100 km (WMTC)
Zuladung: 210 kg
Preis (D): 15.699 Euro (Standard; V100 S ca. 3.300 Euro mehr)