Test Moto Morini Seiemmezzo 6 1/2 STR (2026)
Das Naked Bike mit Kawasaki-Twin, Pirelli Angel GT und 92 dB(A) – Tirol-konform, sportlicher als die SCR auf Asphalt
Stand: 24.4.2026 | Modell: Moto Morini Seiemmezzo STR (STR = Street; Seiemmezzo = 6½); Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China (Zhongneng, Taizhou) | Preis DE: ca. 7.299 Euro; A2-Version (35 kW) verfügbar | Standgeräusch: 92 dB(A) (Tirol-konform) | Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit
STR vs. SCR: Was die Wahl entscheidet
STR steht für Street. Das ist das Programm: Gussfelgen mit Pirelli Angel GT, tieferer und schmalerer Lenker, sportlichere Sitzposition, kleineres Windschild statt Flyscreen.
Die STR verlangt ein aktiveres Fahren in Kurven – mehr Drücken am Lenker, mehr Druck auf die Fußrasten. Die SCR führt durch ihre aufrechte Position zu einem gelasseneren Herangehen. Das ist kein Qualitätsunterschied, sondern eine Charakterfrage.
Das Umsteigen auf die SCR fühlt sich höher an, obwohl beide offiziell 810 mm Sitzhöhe haben – der SCR-Lenker verändert die gefühlte Körperhaltung. Die STR ist damit das kompaktere, sportlichere Motorrad auf Asphalt, die SCR das entspanntere, geräumigere auf gemischtem Untergrund. Wer ausschließlich auf Asphalt unterwegs ist und aktives Fahren bevorzugt: STR. Wer gelegentlich Schotter und entspannteres Touring möchte: SCR.
Motor: Identisch mit SCR, angepasstes Mapping
Der flüssigkeitsgekühlte DOHC-Reihenzweizylinder mit 649 cm³ ist derselbe wie in der SCR: Kawasaki-ER-6-Abstammung, bei Zhongneng/CFMoto gefertigt, mit angepasstem Mapping gegenüber der X-Cape. 61 PS bei 8.250/min und 54 Nm bei 7.000/min; 6-Gang; Kette; Euro 5. Keine Fahrmodi, keine Traktionskontrolle.
Der Motor mag keine Tiefstdrehzahlen. Erst ab 2.500/min benimmt er sich angenehm. Beim Beschleunigen aus dem vierten Gang zeigt er sich überraschend spritzig. Am wohlsten fühlt er sich im vierten und fünften Gang bei etwa 4.000/min – das reicht locker für Tempo 100 und ermöglicht schaltfaule Sprints.
Dank Ausgleichswelle agiert er vibrationsfrei bei allen Drehzahlen. Über 8.000/min wird er mechanisch laut. Die Bosch-Einspritzung ist direkt und gut abgestimmt, kein unexaktes Gummizug-Gefühl. Das Sechsgang-Getriebe schaltet butterweich.
Fahrwerk: KYB voll einstellbar, sportliche Geometrie
KYB USD-Gabel (43 mm) mit 120 mm Federweg, voll einstellbar (Vorspannung, Zug- und Druckstufe). KYB Monoshock, direkte Anlenkung, 120 mm Federweg, Vorspannung und Zugstufe einstellbar. Stahlrohrrahmen samt Aluschwinge, 25° Lenkkopfwinkel. Die STR reagiert in Kurven geschmeidig auf Drücken am Lenker und zusätzlichen Druck auf die Fußrasten – lässt sich willig durch Kurven schwingen. Das Fahrwerk überzeugt auch auf schlechtem Belag: Risse, Kanten, Spurrillen, Schlaglöcher:
Bremsen: Brembo 2-Kolben, ABS spät aber intensiv
Identisch mit SCR: Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel an Doppelscheiben 298 mm vorn und 255 mm Einzelscheibe hinten. Das Bosch 9.1 MB ABS ist nicht abschaltbar. Das ABS greift eher spät ein, dann aber sehr sicher und intensiv. Rider Magazine: Die vorderen Bremsen sind trotz 2-Kolben-Bauweise gut – kein Einknicken der Front bei Panikbremsung, kein Aufrichten beim Schrägbremsen. Für ein Naked Bike dieser Klasse völlig ausreichend, da braucht es kein chillischarfes Radialzangen-Supersport-Setup.
Ergonomie: 810 mm, sportliches Naked-Bike-Setup
810 mm Sitzhöhe – identisch mit der SCR auf dem Papier, doch in der Praxis etwas tiefer wirkend durch den niedrigeren, schmaleren Lenker. Die Naked-Bike-Position ist aufrecht, aber aktiv: Der Oberkörper leicht nach vorn geneigt, die Fußrasten unter dem Fahrer. Die Seiemmezzo ist mit ihrer Sitzhöhe von 810 mm auch für kleinere Menschen gemacht. Das kleine Windschild bietet leichten Schutz, optionales Zubehör (größerer Windschild, Gepäcklösungen) ist über Moto Morini erhältlich. Soziusmitnahme durchaus möglich.
Bereifung: Pirelli Angel GT auf Aluminiumgussfelgen 18 Zoll vorn / 17 Zoll hinten; 120/70-18 vorn, 160/60-17 hinten. Der Angel GT ist ein Sport-Touring-Reifen mit breitem Einsatzspektrum auf Asphalt – mehr Präzision bei höherer Fahrdynamik als der MT60RS der SCR, aber natürlich ist er kein Enduro-Schotterreifen. Hinterleuchtete Lenkerarmaturen in Serie ebenso wie ein 5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit Bluetooth; USB.
Standgeräusch, Verbrauch, Reichweite
Standgeräusch: 92 dB(A), Tirol-konform (Grenze 95 dB(A). Der Motor erzeugt einen sonoren Sound, der beim Sprint fast rotzig klingt. Der Tank fasst 16 Liter. Verbrauch offiziell 3,8 l/100 km; realistisch 3,5 l/100 km auf Landstraßen. Reichweite ca. 420–460 km. Vmax ca. 170 km/h (laut Moto Morini).
Preis und Einordnung
Ca. 7.299 Euro in Deutschland. Die STR ist damit etwas günstiger als die SCR (ca. 7.699 Euro) – der Preisunterschied spiegelt den Mehraufwand der Kreuzspeichenfelgen und Scrambler-Spezifika der SCR wider. Kawasaki Z 650 RS: ca. 8.500 Euro; Retro-Naked mit identischer Motorabstammung wie die Basis-Z, aber mehr Design. Honda CB 650 R: ca. 10.000 Euro, 95 PS, sportlicher, E-Clutch. Yamaha MT-07: ca. 8.500 Euro; 690er-Twin; mehr Leistung.
Die STR positioniert sich als vollausgereiftes Mittelklasse-Naked-Bike mit japanischen Komponenten unter dem Preisniveau europäischer Konkurrenz.
Fazit
Die Moto Morini Seiemmezzo STR ist ein Naked Bike, das macht, was ein Naked Bike machen soll: geschmeidig durch Kurven eilen, sauber bremsen, vibrationsfrei mit einem Reihentwin, der seine Kawasaki-Gene nicht versteckt. Die Bremsen sind ausreichend, das Fahrwerk überzeugend, der Verbrauch gering, das Standgeräusch Tirol-konform. Wer auf Asphalt bleibt und aktives Fahren bevorzugt, wählt die STR. Wer auch mal Schotter unter den Reifen möchte und eine entspanntere Position sucht, wählt die SCR.
Kurzcheck
+ geschmeidig in Kurven; willig zu dirigieren; ab 2.500/min angenehm; überraschend spritzig aus dem 4. Gang; Verbrauch realistisch 3,5 l/100 km
+ am wohlsten bei 4.000/min im 4./5. Gang; schaltfaule Sprints möglich; Fahrwerk überzeugt auch auf schlechtem Belag
+ KYB USD 43 mm voll einstellbar; Monoshock voll einstellbar; 120 mm Federweg vorn + hinten; Brembo-Bremsen; Pirelli Angel GT serienmäßig auf Gussfelgen 18/17 Zoll
+ 92 dB(A) Tirol-konform; Rider Magazine: vibrationsfrei dank Ausgleichswelle; 3 Jahre Garantie ohne Kilometerlimit; A2-Version (35 kW) verfügbar; ca. 7.299 Euro in Deutschland
– Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel (keine Radialzange); ABS spät ansprechend, dann aber intensiv; ABS nicht abschaltbar
– Keine Fahrmodi, keine Traktionskontrolle; Motor mag kein untertouriges Bummeln; über 8.000/min mechanisch laut
– Kurzer Federweg (120 mm vorn + hinten); kein Schotterreserve; ausschließlich Straße
– Kleines Windschild nicht verstellbar; kein Navi serienmäßig; Moto Morini Händlernetz Deutschland begrenzt
Technische Daten: Moto Morini Seiemmezzo STR (2026)
Marke / Modell: Moto Morini Seiemmezzo STR (STR = Street; Seiemmezzo = 6½); Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group/ZNEN, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China (Zhongneng, Taizhou)
Motor: Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Reihenzweizylinder, 649 cm³; Kawasaki-ER-6-Abstammung; bei Zhongneng/CFMoto gefertigt; Ausgleichswelle; Bosch-Einspritzung; 6-Gang; Kette; Euro 5; kein Schnellschalter
Leistung: 61 PS (44,5 kW) bei 8.250/min; A2-Version 35 kW verfügbar
Drehmoment: 54 Nm bei 7.000/min
Vmax / Verbrauch: ca. 170 km/h; offiziell 3,8 l/100 km
Tank / Reichweite: 16 l; ca. 420 km
Fahrmodi / TC: Keine Fahrmodi; keine Traktionskontrolle
Rahmen: Stahlrohrrahmen; Aluschwinge; 25° Lenkkopfwinkel
Gabel: KYB USD 43 mm; Federweg 120 mm; voll einstellbar (Vorspannung, Zug- und Druckstufe)
Federbein: KYB Monoshock; Federweg 120 mm; einstellbar Vorspannung + Zugstufe; direkte Anlenkung
Bremsen vorn: Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel (keine Radialzange); Doppelscheibe 298 mm; Bosch 9.1 MB ABS (nicht abschaltbar)
Bremse hinten: Einzelscheibe 255 mm; ABS
STR-spezifisch: Aluminiumgussfelgen; 18 Zoll vorn / 17 Zoll hinten; Pirelli Angel GT (Sport-Touring); tieferer/schmalerer Lenker; sportliche Naked-Bike-Position; kleines Windschild (nicht verstellbar)
Unterschied zur SCR: STR: Gussfelgen + Pirelli Angel GT + tieferer Lenker + sportlichere Position. SCR: Kreuzspeichen + Pirelli MT60RS + höherer/zurückgezogener Lenker + aufrechte Scrambler-Position. Motor/Fahrwerk/Bremsen identisch.
Ergonomie: Sitzhöhe 810 mm; aktive Naked-Bike-Position; Fußrasten unter Fahrer; kradblatt.de: auch für kleinere Menschen geeignet
Gewicht: ca. 200 kg vollgetankt
Ausstattung: 5-Zoll-TFT-Farbdisplay; Bluetooth; hinterleuchtete Lenkerarmaturen; Voll-LED; USB; kleines Windschild; kein Navi serienmäßig
Standgeräusch: 92 dB(A); Tirol-konform (Grenze: 95 dB(A))
Farben (2026): Fire Red; Rauchiges Anthrazit; Gerades Weiß
Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit (alle Moto Morini; Bedingung: Wartung beim Morini-Vertragshändler)
Preis (D): ca. 7.299 Euro; Österreich: 8.099 Euro; A2-Version verfügbar